Donauinsel

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Art des Objekts Sonstiges
Jahr von 1972
Jahr bis 1987
Name seit 07.05.1984
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Donau
Bezirk
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  31.08.2017 durch DYN\christoph ortner
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Im Zuge des Baus eines Entlastungsgerinnes im ehemaligen Überschwemmungsgebiet (Neue Donau), das die 1870-1875 regulierte Donau (Donauregulierung) an ihrem linken Ufer begleitete, entstand zwischen den beiden Flussläufen eine rund 20 Kilometer lange und bis zu 300 Meter breite Insel, die zu einem Naherholungsgebiet ausgebaut wurde.

Die "Neue Donau" wurde nach langen Diskussionen im Gemeinderat, die mit einer mehrheitlichen Beschlussfassung seitens der SPÖ endeten, zwischen 1. März 1972 und 1987 angelegt, die Donauinsel danach zur Gänze ihrer Bestimmung übergeben. Abschluss der Baggerarbeiten war am 13. Oktober 1987, wobei die Teilbenützung der nördlichen Teile bereits seit 1981 möglich war. In der Anfangsphase der Arbeiten wurde zudem der „Wettbewerb Donaubereich Wien“ ausgeschrieben, der viele bis dahin unbeachtete Auswirkungen behandelte, die Donauinsel in den gesamtstädtischen Planungsprozess einband (siehe unten) und der zunehmenden Politisierung des Projektes Rechnung trug.[1] Vor allem von der Opposition kam zu dieser Zeit eine vehemente Kritik an Großprojekten, die als unnötige Belastung des Steuerzahlers angeprangert wurden. Im Falle der Donauinsel bezog sich dies auf die weiterführenden Pläne und Nutzung der Stadtbauplanung, nicht auf den Hochwasserschutz selbst.

1983 wurde das Areal vom Gemeinderat als "Erholungsgebiet" gewidmet. Die offizielle Benennung erfolgte am 7. Mai 1984 durch den Gemeinderatsausschuss für Kultur. Seit 1984 wird alljährlich im Sommer das "Donauinselfest" abgehalten. Als Donauinseln im Wiener Raum können historisch betrachtet auch die Inseln des bis 1868-1875 großteils unregulierten Donaustroms bezeichnet werden, vor allem der Obere Werd und der Untere Werd (Werd oder Wörth = Insel), die spätere Leopoldstadt. Auch das Gänsehäufel war einst eine Insel im unregulierten Strom.

Die Planungsphasen

Die erste Phase des „Wettbewerbs Donaubereich Wien“

Die Ausschreibung des Wettbewerbs fand auf nationaler Ebene im Mai 1973 statt. Einsendefrist der Bearbeitung war Dezember 1973, die Beurteilung der Projekte durch die Jury fand im Mai und Juni 1974 statt. Von den 44 eingesandten Projekten wurden 11 prämiert und fünf schließlich für die weitere Bearbeitung herangezogen.

Während der laufenden Ausschreibung kam es durch die bereits begonnenen Bauarbeiten zu erheblichem Zeitdruck. Am 29. Mai 1974 stellte die Jury fest, dass der erste Kilometer der Donauinsel bereits nach „fast ausschließlich wasserbautechnischer Überlegungen“[2] umgebaut worden war. Am nächsten Tag fand mit Bürgermeister Leopold Gratz eine Aussprache statt, in der die Jury um das Aussetzen der Bauarbeiten ansuchte, was Gratz jedoch ablehnte. Stattdessen forderte er im Hinblick auf die bald stattfindende zweite Wettbewerbsstufe Vorschläge der Jury für eine rasche und effiziente Abwicklung derselben, versicherte der Jury für ihre Ideen volle Unterstützung und ließ auch Möglichkeiten prüfen, die laufenden Bauarbeiten mit den Juryplanungen zu vereinbaren. Zu diesem Zweck trat man auch an die beteiligten Planungsbüros heran und beauftragte sie mit der Planung von „Sofortmaßnahmen“ für bereits im Bau befindliche Bereiche.

Die zweite Phase des „Wettbewerbs Donaubereich Wien“

Nach der Strukturierung eines Arbeitsprogramms begann die zweite Wettbewerbsphase im November 1974. Aus den fünf Planungsbüros wurden zwei Arbeitskreise gebildet, die Planungen sollten in mehreren Tagungen und gemeinsam mit Experten, Verwaltungsstellen der Stadt und mit der Jury bis November 1976 abgeschlossen werden. Durch den Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976 und die Koordination mit dem darauffolgenden „Projektwettbewerb Reichsbrücke“ verzögerte sich die Schlusssitzung allerdings bis Mai 1977.

Während der Jurysitzungen wurden vor allem die Ausführungsplanungen des Mittelteils heftig diskutiert. Erst im November 1976 fand man eine Kompromisslösung: eine kurzfristige Bebauung wurde ausgeschlossen, sollte durch die Inselbreite und die Verschwenkung des Entlastungsgerinnes für die Zukunft aber möglich bleiben.[3] Im Juli 1977 richtete man die „Koordinationsstelle Donauraum Wien“ als Nachfolgeorganisation des Wettbewerbs ein.

Die Donauinsel im gesamtstädtischen Konzept

Die Insel selbst gliedert sich nach den Vorgaben des „Wettbewerbs Donaubereich Wien“ in drei Teile: Sowohl Norden als auch Süden blieben „naturnahe Bereiche“, während man für den Mittelteil – auf der zentralen Entwicklungsachse zwischen der Inneren Stadt und dem Vienna International Centre gelegen – teilweise dichte Bebauung überlegte (siehe oben). Letztlich entschied man sich für die weitgehende Erhaltung der Auenlandschaft und für ein Erholungsgebiet mit einem Mindestmaß an Bebauung. Auch die sportliche Nutzung wurde beschränkt, um den Erholungscharakter der Insel deutlicher hervorzustellen.

Entwicklungsachsen, öffentlicher und privater Verkehr

Der Bau der Donauinsel entwickelte sich von einem ursprünglich als Hochwasserschutz geplanten zu einem gesamtstädtischen Projekt. Die Verbindung der beiden Donauufer und ihrer Stadtteile sowie die Nutzung der Insel selbst („Es ist Ziel der Stadt Wien, den Donaubereich zu aktivieren“)[4] wurden zu leitenden Gesichtspunkten.[5]

Zwei Entwicklungsachsen waren vordergründig, im Norden von der Brigittenau über Floridsdorf in Richtung Stammersdorf (Vorort) und im Zentrum von der Leopoldstadt über Kaisermühlen in die Donaustadt beziehungsweise nach Kagran. Die im Zuge des Baus der U-Bahn entstehende Trasse der U1 war von Anfang an miteingeplant. Zudem wurde eine eigene Entwicklungsachse von der Donaustadt nach Stadlau (Vorort) vorgesehen, mit potentieller Verlängerung nach Aspern und Groß-Enzersdorf. Der spätere Ausbau der Nordstrecke der U2 übernahm diese Aufgabe und ist heute die dritte Achse über die Donauinsel, vom Prater über den Handelskai nach Stadlau und Donaustadt bis nach Aspern. Heute hat die Donauinsel direkten Anschluss an die U1 (Station direkt auf der Donauinsel), U2 (Stationen Donaumarina und Donaustadtbrücke) sowie an die U6 (Stationen Handelskai und Neue Donau).

Die Donauuferautobahn A22 und die Bahnhöfe im Einzugsgebiet (Franz-Josefs-Bahnhof, Bahnhof Wien Praterstern) wurden im Planungskonzept als „trennende Elemente“ der beiden Donauufer definiert, waren aber aufgrund ihrer Funktion aus dem Planungskonzept nicht wegzudenken. Geplante Alternativrouten der A22 wurden abgelehnt, die bisherige Route am linken Donauufer als „geringstes Übel“ in die Planung eingebunden. Übergänge und Grünflächen sollten für die Milderung der Belastung sorgen. Fuß- und Radwege erhielten dadurch ebenfalls Priorität und sollten die Erreichbarkeit aller Erholungsräume im Donaubereich sicherstellen. Im Falle einer verstärkten Siedlungsentwicklung der Bezirke 21-23 sollte auf weitere mitgeplante U-Bahn-Trassen zurückgegriffen werden. Neben dem realisierten Ausbau der U1 nach Kagran und der U6 nach Floridsdorf sah man auch den Bau einer U7 vor, die Floridsdorf und Donaustadt von Nordwest nach Südost verbinden sollte. In der Donaustadt wiederum plante man damals die Linie U3 in jener Trasse, in der die U2 später bis Aspern verlängert wurde.

Einzelnachweise

  1. Leopold Redl/Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1980 (Österreichische Texte zur Gesellschaftskritik, Bd. 3), 106.
  2. Stadtbaudirektion Wien (Hg.): Wettbewerb Donaubereich Wien. Wien: Forum, 1977 (Der Aufbau. Fachschrift für Planen, Bauen, Wohnen und Umweltschutz, herausgegeben von der Stadtbaudirektion Wien, 4), 8.
  3. Leopold Redl/Hans Wösendorfer: Die Donauinsel. Ein Beispiel politischer Planung in Wien. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1980 (Österreichische Texte zur Gesellschaftskritik, Bd. 3), 148.
  4. Stadtbaudirektion Wien (Hg.): Wettbewerb Donaubereich Wien 2. Wettbewerbsstufe. Wien: Forum, 1977 (Der Aufbau. Fachschrift für Planen, Bauen, Wohnen und Umweltschutz, herausgegeben von der Stadtbaudirektion Wien, 6), 8.
  5. Stadtbaudirektion Wien (Hg.): Wettbewerb Donaubereich Wien 2. Wettbewerbsstufe. Wien: Forum, 1977 (Der Aufbau. Fachschrift für Planen, Bauen, Wohnen und Umweltschutz, herausgegeben von der Stadtbaudirektion Wien, 6) 20-21.