Donau

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Verlauf der Donau in Wien 1663
Art des Objekts Gewässer
Jahr von
Jahr bis
Name seit
Andere Bezeichnung Donaukanal, Hauptstrom
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 1, 2, 3, 9, 11, 19, 20, 21, 22, , , , , , , ,
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  19.07.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname Wiener Donau 1663.jpg
Bildunterschrift  Verlauf der Donau in Wien 1663
Bildquelle FWF Projekt ENVIEDAN - Environmental History of the Viennese Danube 1500-1890
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Rekonstruktion des Donauverlaufs im Jahr 1570 aus Wien Kulturgut.

Donau (lat. Danubius, Hauptstrom: 2, 11, 19, 20, 21, 22; Donaukanal: 1, 2, 3, 9, 11, 19, 20; Länge in Wien 23,7 Kilometer am linken, 19,15 Kilometer am rechten Ufer). Insgesamt ist die Donau nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas.

Dieser Sesterz aus 172 n. Chr. zeigt am Revers Marc Aurel bei der Überquerung der Donau (vermutlich bei Carnuntum) mit sechs Soldaten. © KHM-Museumsverband

In der Antike war die Donau ein wichtiger Grenzfluss und trennte das römische Reich von den "Barbaren". Ihre Wichtigkeit zeigt sich durch zahlreiche Darstellungen, die in Rom selbst prominent platziert wurden. So zeigen sowohl die Trajanssäule (112/113 n. Chr.) wie auch die Mark-Aurel-Säule Donauüberquerungen über Schiffsbrücken. Auch auf für die Verbreitung von Nachrichten so wichtigen Münzdarstellungen sind Donauüberquerungen zu sehen.

Im Hoch-Mittelalter war das Hauptgerinne der Donau der heutige Donaukanal. Da die Donau viel Sand und Geröll mit sich führte, sich jedoch die Strömungsgeschwindigkeit wegen des geringeren Gefälles im Wiener Becken stark verringert, kam es zu beträchtlichen Ablagerungen des Geschiebes im Wiener Raum. Dies führte nicht nur zu Versandungen, sondern auch zu einem charakteristischen Drang der Donau, ihr Bett weiter ins Marchfeld hinauszuverlegen; eine stete Verschiebung des ursprünglichen Hauptgerinnes (heutiger Donaukanal) nach Niederösterreich wurde erst durch die Donauregulierung unterbunden. Die Donau trat immer wieder aus den Ufern (Überschwemmungen), was zu Katastrophen in den tiefgelegenen Vorstädten (Roßau, Leopoldstadt, Weißgerber und andere), vor allem aber auch an den links der Donau gelegenen Orten führte (21, 22); aus der älteren Zeit sind das Hochwasser von 1501 und das "Allerheiligen-Hochwasser" von 1787 hervorzuheben.

Am 27. Oktober 1996 erfolgte die Gründung des Nationalparks Donauauen.

Die Donau hatte in historischer Zeit fünf Hauptarme.

Die fünf Hauptarme der Donau

  • 1) Salzgriesarm oder Nußdorfer Arm: Dieser (südlichste) Arm nahm seinen Lauf zwischen Nußdorf und Heiligenstadt, floss an der Höhe von Döbling vorbei zur (späteren) Nußdorfer Linie, von dort weiter entlang des Fußes der Schottenpoint (des sogenannten Ochsenbergs [9, Liechtensteinstraße ]) zur Stadt und in dieser neben dem Salzgries (Maria "am Gestade"!), um sich beim heutigen Morzinplatz mit dem Donaukanal zu vereinigen.
    Zur Römerzeit war der Salzgriesarm schiffbar; Reste einer Stiege, die von Maria am Gestade zum Hafen hinabführte, wurden 1901 und 1938 entdeckt. Zwischen diesem Donauarm und dem Donaukanal lag eine weitläufige Insel, der Obere Werd (9, 19). Allmählich wandte sich die Donau mit diesem südlichen Arm immer mehr von der Stadt ab; im 13. Jahrhundert begann er so stark zu versanden, dass er für die Schiffahrt nicht mehr benutzbar war. Seine Mündung in den Donaukanal rückte zunehmend stromaufwärts, 1628 lag sie nahe der heutigen Augartenbrücke, 1706 oberhalb der heutige Friedensbrücke. 1836/1837 wurde das verbliebene Rinnsal zugeschüttet.


  • 2) Wiener Arm oder Wiener Wasser: Dieser Arm entsprach im wesentlichen dem heutigen Donaukanal; er gewann nach der im 13. Jahrhundert einsetzenden Versandung des Salzgriesarms zunehmend an Bedeutung. Bemühungen, ihn schiffbar zu halten, sind schon für 1376 und 1455 (Kaspar Hartneid) überliefert. Ein im heutigen dritten Bezirk im Zuge der Hetzgasse abzweigender Arm war schon im 14. Jahrhundert versandet (Name Altdonau für die dortige Siedlung, nachmals Vorstadt Weißgerber (Vorstadt)). Weitere Regulierungsversuche wurden ab dem 16. Jahrhundert mit Hilfe der Landstände unternommen: so 1555-1567 (Hans Gasteiger) und 1607-1609 (Ferdinand Albrecht Graf Hoyos), später fast ständig.
    Da das Wiener Wasser damit Kanalcharakter erhielt, bürgerte sich auch die Bezeichnung "Wiener Kanal", ab dem 18. Jahrhundert "Donaukanal" ein. 1836 wurde dieser durch eine neue Trasse zwischen der heutigen Ostbahnbrücke und dem Winterhafen begradigt und damit der ausbiegende Abschnitt, der bis zum Lusthaus im Prater reichte, stillgelegt. Im Zuge der Donauregulierung (1870-1875) erfolgte der Bau der Nußdorfer Schleusenanlage.


  • 3) Fahnenstangenwasser: Sein Lauf entsprach etwa der Trasse der späteren Nordwestbahn und der Straße Am Tabor; über das heutige Bahngelände beim Praterstern verlief er zum östlichen Donauarm (in der Gegend der heutigen Reichsbrücke). Der Name leitet sich von Fahnenstangen ab, die im Burgfriedensprivileg von 1698 nahe den Schanzen bei der neu erbauten Taborbrücke erwähnt werden, Signalzwecken dienten und die dortige Burgfriedensgrenze markierten. 1548 war dieser Arm der wasserreichste, doch begann auch er allmählich zu versanden, war um 1780 nicht mehr schiffbar und bestand um 1840 nur mehr aus Tümpeln, die im Zuge der Bahnbauten zugeschüttet wurden.



  • 5) Floridsdorfer Arm: Wasserreichster Donauarm, dessen Lauf sich an der Alten Donau noch ablesen lässt. Zu den Nebenarmen gehörte das Heustadelwasser.

Donauregulierungen und Hochwasserschutz

Die Donauregulierung (mit Hochwasserschutzbauten) erfolgte nach langen Diskussionen im Gemeinderat und nach Schaffung einer Donauregulierungskommission 1870-1875 unter dem Eindruck der beiden verheerenden Hochwässer von 1830 (Eisstoß) und 1862 (Tauflut). Sie hatte städtebaulich negative Folgen: deutliche Trennung des 2./20. vom 21. Bezirk durch Strom und Überschwemmungsgebiet, Abwertung der unmittelbar südlich der regulierten Donau liegenden Gebiete durch die Dominanz von Industrie-, Hafen- und Lagerbauten (verstärkt durch die Bahnanlagen der Nord- und Nordwestbahn, die diese Gebiete noch weiter isolierten), Ausdehnung des verbauten Gebiets jenseits der Donau in Richtung Marchfeld ohne engere Bindung an die Stadt und den Strom. Sie schuf jedoch (infolge der Erhaltung der Altarme der Donau) ein neues Erholungsgebiet (Alte Donau, Gänsehäufel), das sich seine Attraktivität bewahren konnte.

Obwohl es auch nach der Donauregulierung zu (kleineren) Überschwemmungen kam (1897, 1899), führte dies zu keinen weiteren Gegenmaßnahmen. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Überflutungen häuften (1954, 1956, 1959), beschäftigte sich der Gemeinderat in den 1960er Jahren intensiv mit der Frage des (totalen) Hochwasserschutzes und beschloss am 12. September 1969 eine grundlegende Umgestaltung des Donaubereichs (Zweite Donauregulierung). Im Überschwemmungsgebiet wurde ein zweites Donaubett (Entlastungsgerinne, "Neue Donau") gegraben (Baubeginn 1. März 1972), zwischen den beiden Gerinnen entstand eine rund zwanzig Kilometer lange und durchschnittlich 400 Meter breite Insel (Donauinsel) mit allen Möglichkeiten für ein Naherholungsgebiet.

Skizze der Wiener Donau vor den großen Hochwässern der 1550/60er Jahre
Skizze der Wiener Donau nach den großen Hochwässern der 1550/60er Jahre

Straßenbenennungen und die Rezeption der Donau in der Kunst

Der Danubiusbrunnen am Albertinaplatz zeigt den Flussgott Danubius und Vindobona (Foto um 1870).

Allegorie der Donau auf Denkmälern und Brunnen

Die weibliche Personifikation der Donau neben dem Inn am Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament.

Die Donau und ihre Nebenflüsse sowie mit der Donau in Zusammenhang stehende Sagenfiguren wurden auf Denkmälern und Brunnen mehrfach allegorisch dargestellt, ebenso beziehen sich zahlreiche Straßennamen auf den Fluss. Zu nennen sind (in Auswahl): Albrechtsbrunnen (1, Albertinaplatz) mit Danubius und Nebenflüssen der Donau; Austriabrunnen (1) (mit allegorischer Figur der Donau); Danubiusbrunnen (Landhausbrunnen; 1, Landhaus, Herrengasse 13), Donauweibchen (1, Kärntner Ring 16, Hotel Imperial, Feststiege) von Hanns Gasser (analog zum Donauweibchenbrunnen im Stadtpark); Donaunixenbrunnen (1, Freyung 2) von Anton Dominik Fernkorn; Donauweibchenbrunnen (3, Stadtpark; Sage); allegorische Figur im Brunnenbassin des Ehrenhofs von Schloss Schönbrunn (13; auch Inn und Enns); Pallas-Athene-Brunnen (1, vor Dr.-Karl-Renner-Ring 3 [ Parlament ]) mit allegorischer Figur der Donau von Hugo Haerdtl; Providentiabrunnen (1) (1, Neuer Markt) mit allegorischen Figuren von Nebenflüssen der Donau.

Auch im Ausland gibt es derartige allegorische Darstellungen (etwa Rom, Brunnen auf der Piazza Navona; Bernini symbolisiert hier die Donau als bedeutendsten Fluss Europas [mit Nil, Ganges und Rio de la Plata für die anderen damals bekannten Erdteile]).

Straßenbennenungen

Straßenbenennungen erfolgten im 2., 20. und 21. Bezirk (vor allem im 19. Jahrhundert nach Abschluss der Donauregulierung auf den durch sie gewonnenen Arealen, jedoch auch noch im 20. Jahrhundert) nach Nebenflüssen, Gegenden und Städten (Aistgasse, Donaueschingenstraße, Draugasse, Ennsgasse, Gusengasse, Innstraße, Ispergasse, Kampstraße, Leithastraße, Pielachgasse, Pöchlarnstraße, Salzachstraße, Stromstraße, Traisengasse, Triestinggasse, Wachaustraße, Ybbsstraße) sowie nach Männern, die mit der Donau und der Donauregulierung in Verbindung stehen (Engerthstraße, Pasettistraße, Wehlistraße).

Moderne Kunst

In Auswahl: Mosaik Donauraddampfer (3, Löwengasse 1a); Mosaik Fischer mit Netz und Wasservögeln (3, Dampfschiffstraße 6); Sgraffito Donauschiffe (Segler, Plätte, Kehlheimer): 3, Klimschgasse 25, Hafengasse 4. Obere Donaustraße, Untere Donaustraße.

Vergleich auch: Donau-Adria-Kanal, Donau-Oder-Kanal, Staustufe Wien, Überschwemmungen.

Rekonstruktion

Die Wiener Donau rekonstruiert von 1529-2010

Literatur

  • Donau[t]raum. Ideen, Analysen, Projekte. In: Materialien zur Expo '95. Band 2. o. J., 1990
  • Hubert Ch. Ehalt / Manfred Chobot / Gero Fischer [Hg.]: Das Wiener Donaubuch. Ein Führer durch Alltag und Geschichte. 1987
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S.104 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 2: Die Gemeinde, ihre Verwaltung und sozialen Belange, Wirtschaftsleben, Handel, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft, Volkskunde, Naturwissenschaft, Klimatologie, Meteorologie, Naturereignisse, Varia und Kuriosa. Wien: Jugend & Volk 1955 , S. 257 (Eisstoß), 259 ff. (Überschwemmungen; vergleich dazu: Topographie Niederösterreich. Band 2, S. 11 f. mit chronologischer Zusammenstellung)
  • Rudolf Koller: Der Donaustrom in Wien und seine Probleme. In: Der Aufbau. Fachschrift der Stadtbaudirektion Wien. Band 17. Wien: Compress / Jugend & Volk 1962, S. 481 ff.
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Hg. vom Oesterreichischen Ingenieur und Architekten-Verein. Band 1. Wien: Gerlach & Wiedling 1905, S. 7 ff.
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Hg. vom Oesterreichischen Ingenieur und Architekten-Verein. Band 2. Wien: Gerlach & Wiedling 1906, S. 311 ff.
  • Die Leopoldstadt. Ein Heimatbuch. Wien: Lehrer-Arbeitsgemeinschaft 1937, S. 14 ff.
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 43 ff. und Register
  • Richard Lukesch: Die Donau in Wien. 2 Hefte. 1929
  • Ferdinand Opll: Wien im Bild historischer Karten. 1983 (Tafel 7: Plan des Priami von 1663, der die Situation vor der Verlegung der Donaubrücken zeigt, wie sie von Schmeltzl beschrieben wird; Tafel 15: Anguissola-Marinoni-Plan, der die Standorte der verlegten Brücken zeigt)
  • Wilhelm Rausch: Handel an der Donau. 1969
  • Hans Schedling / Leopold Steiner: Beiträge zur Heimatkunde der Leopoldstadt: Die Donau. 2 Hefte. 1927
  • Wolfgang Schmeltzl: Ein Lobspruch der Stadt Wien. 1548 (exakte Angaben zur Breite der Donauarme und Brücken)
  • Friedrich Slezak: Wien und die frühe Donaukartographie. Stadtgeschichtsforschung und Kartenvergleich. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft. Band 122. 1980, S. 256 ff.
  • Hans Smital: Die Donau und ihre wichtigsten Überschwemmungen in unserer Gegend. In: Unser schönes Floridsdorf. Blätter des Floridsdorfer Heimatmuseums. Band 3. Wien: Museumsverein Floridsdorf 1969, S. 31 ff.
  • Ferdinand Starmühlner / Friedrich Ehrendorfer [Hgg.], Naturgeschichte Wiens. 4 Bände. 1970 ff., Register
  • Eduard Suess: Der Boden der Stadt Wien. 1862
  • Technischer Führer durch Wien. Hg. vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein. Red. von Martin Paul. Wien: Gerlach & Wiedling 1910, S. 201 ff.
  • Viktor Thiel: Geschichte der Donauregulierungsarbeiten bei Wien. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Band 2. 1903, S. 117 ff.
  • Viktor Thiel: Geschichte der Donauregulierungsarbeiten bei Wien. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Band 4/5. 1905/1906, 1 ff.
  • Karl Weiß: Geschichte der Stadt Wien. Band 2. 21883, S. 346 ff., 442, 612
  • Wien und die Donau Denkschrift des Österreichische Ingenieur- und Architekten-Zeitschrift. Wien: ÖIAV 1917
  • Emil Winkler: Technischer Führer durch Wien. Wien: Lehmann & Wentzel 1873, S. 81 ff.

Links

  • FWF-Projekt ENVIEDAN: Environmental History of the Viennese Danube 1500-1890: Understanding long-term dynamics, patterns and side effects of the colonization of rivers