Dominikanerkirche

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Die Dominikanerkirche aus den Jahren 1720-1724.
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1237
Jahr bis
Andere Bezeichnung Pfarrkirche „Santa Maria Rotunda"
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Dominikaner
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Dominikanerkirche.jpg
Bildunterschrift  Die Dominikanerkirche aus den Jahren 1720-1724.
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtPostgasse4

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Dominikanerkirche (1, Postgasse 4; Pfarrkirche [18. Februar 1783] „Santa Maria Rotunda"). Die erste gotische Kirche der 1226 durch Herzog Leopold VI. nach Wien berufenen Dominikaner (er schenkte ihnen das Grundstück beim Stubentor) wurde 1237 geweiht. Bettelorden siedelten sich meist in der Nähe der Stadttore an. Am 5. August 1258 und am 11. Mai 1262 brannten Kloster und Kirche ab (beide Male wüteten in der Stadt Flächenbrände). Die zweite Kirche entstand in Etappen: 1283-1302 wurde ein gotischer Chor gebaut (1302 neuerliche Weihe), 1458-1474 das neue gotische Langhaus. Damit war die Dominikanerkirche zum größten Gotteshaus Wiens nach St. Stephan geworden. Der reich gegliederte Chor mit seinem Dachreiter erhob sich weithin über die benachbarten Häuser. Nach der Ersten Türkenbelagerung (1529) bot die Dominikanerkirche einen recht merkwürdigen Eindruck: das Presbyterium und ein Teil des Kirchenschiffs waren den Verteidigungsmaßnahmen zum Opfer gefallen und hatten sich in eine mächtige Stellung verwandelt, die das Stadtinnere vortrefflich schützte. Erzherzog Ferdinand ließ Kloster und Kirche zwar sofort wiederherstellen (1530), aber erst ein Jahrhundert später entstand der heutige Bau. 1783 wurde Maria Rotunda eine (von St. Stephan abgetrennte) eigene Pfarre. Seit ihrer Erhebung zur „Basilika minor" (20. Mai 1927) führt die Kirche den Titel „Rosenkranz-Basilika ad Santa Mariam Rotundam".

Äußeres

1631-1634 wurde die dritte Kirche errichtet (Grundsteinlegung 5. Mai 1631), der Barockbau eines unbekannten Architekten (Beteiligung eines Angehörigen der Familie Tencala?). Bauführer waren der Kremser Johann Jacob Spatz sowie die Italiener Cypriano Biasino und Antonio Canevale. Der Kirchenbau steht in Verbindung mit der ersten Eheschließung des Sohnes Ferdinands II. (ab 1637 Ferdinand III.) mit Maria Anna von Spanien (1631), einer Tochter Königs Philipps III. (1606-1646). Ferdinand III. unterstützte den Kirchenbau durch laufende Geldzuwendungen. Die Kuppel und die turmlose Westfassade mit ihrer kräftigen Gliederung entspricht dem Typus des römischen Frühbarock (zweigeschossig mit Pilasterordnung, Dreieckgiebel und seitlichen Voluten, die den schmäleren Oberteil mit dem Unterteil zu einer dreieckigen Umfassungslinie verbinden). Sie wurden erst 1666-1674 vollendet (Guss der Glocke „Rosa" 1674). Das plastisch umrahmte Portal bildet zur Fassade einen erkennbaren Gegensatz. In den Nischen sieht man Skulpturen von Ordensheiligen (oben links heiliger Hyacinth, rechts heiliger Vinzenz Ferrerius; unten links heiliger Ludwig Bertrand, rechts heilige Rosa von Lima), über dem Portal die Rosenkranzkönigin, verehrt von der heiligen Katharina von Siena und der heiligen Agnes. Die Statuen an den Eckrisaliten stellen Kirchenlehrer dar (rechts Thomas von Aquin, links Albertus Magnus). Mitte des 19. Jahrhunderts wurden eine große Restaurierung der Kirche sowie eine „Regulierung" des damaligen Dominikanerplatzes vorgenommen, wodurch die Kirche einen Klafter höher zu liegen kam (Niveauausgleich durch Freitreppe zum Eingangsportal, durch die allerdings die ursprüngliche Breitenwirkung der Fassade beeinträchtigt wurde; 1851). Durch den Abbruch der Basteibefestigung (nach 1857) wurde der Trakt der Kirche gegen die Bastei bloßgelegt. Gleichzeitig kam es zur Ausgrabung des Terrains vor der Kirchenfassade). Der steinerne Kavalier, der zwischen 1545 und 1560 durch den kaiserlichen Feldhauptmann Leonhard von Vels vor die Dominikanerkirche gegen das Glacis hin erbaut worden war, wurde damals abgebrochen. Bei der Demolierung stieß man auf die Grundfesten der beiden älteren Dominikanerkirchen, die wegen der langgestreckten Chöre weit größer waren als der heutige Barockbau. 1852 wurden mehrere Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche demoliert, neben der Dominikanerkirche und auf einem Teil des Areals des umgebauten Barbarastifts Gassen zur Bastei angelegt (Barbaragasse) und zwei neue Miethäuser errichtet. Ein Teil des ansteigenden Klostervorgartens gegen die Bastei hin ist bis heute erhalten geblieben und dient seit Jahren als Wirtschaftsgarten des Dominikanerklosters. Nach Kriegsschäden (1944) wurde die Dominikanerkirche 1953-1959 gründlich restauriert.


Inneres

Dreijochige Saalkirche mit Tonnengewölben mit Stichkappen und Gliederung durch Gurtbögen, an den Seiten je drei Kapellen (darüber kleine Emporen), Querschiff (nicht vorspringend) mit flacher Vierungskuppel auf Pendentifs (ursprünglich war eine achteckige Kuppel mit hohem Tambour geplant gewesen; verändert 1820) und einjochiger Chor mit flachem Schluss. Die alles überziehende frühbarocke Stuckdekoration gibt dem Raum seine starke plastische Wirkung (Deckenfresken von Matthias Rauchmiller, Nikolaus van Hoye und Carpoforo Tencala in kleinen, plastischen gerahmten Feldern; Kuppelfresko von Carl-Geyling, 1836). 1676 wurde in der Dominikanerkirche die zweite Gattin Leopolds I., Claudia Felicitas, bestattet (Dominikus-Kapelle; Grabplatte von Balthasar Herold). Die Kirche besitzt zahlreiche wertvolle Gemälde, unter anderem von Franz Roettiers (Francois Roettiers), Tobias Pock, Johann von Spillenberger, Georg Bachmann und Karl Mayer. 1836-1840 erfolgte eine Restaurierung der Dominikanerkirche.

1 Der barocke Hochaltar wurde durch einen in spanischem Stil gehaltenen Altar von Carl Rösner (1840) ersetzt (Altarblatt „Maria als Königin des Rosenkranzes" [Einsetzung des Rosenkranzfestes durch Papst Gregor XIII.] von Leopold Kupelwieser, 1839). Beiderseits des Altars befinden sich Freskobilder von Carpoforo Tencala (1676), die die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes zeigen. Darunter befindet sich eine Darstellung der Seeschlacht von Lepanto 1571. (Mit dem von Papst Pius V. 1572 angeordneten Rosenkranzfest, das in der Folge am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wurde, sollte an den Sieg der Heiligen Liga über die Türken in der "Seeschlacht von Lepanto" am 7. Oktober 1571 erinnert werden. Nach dem Sieg Prinz Eugens über die Türken im Jahr 1718 in der Schlacht von Peterwardein wurde dieser Gedenktag auf die ganze Kirche ausgedehnt und in den römischen Kalender aufgenommen. Im Jahre 1913 wurde das Marienfest wieder auf den 7. Oktober, den Tag des Sieges von Lepanto, verlegt. Das Fest wird heute noch an diesem Tag gefeiert). Das Fresko vis a vis stellt (laut Inschrift) den "Albinenenserkreuzzug" dar (zeigt aber deutliche Bezüge zu den Türkenkriegen). (Der Albigenserkreuzzug (1209-1229) war ein von Papst Innozenz III. initiierter Kreuzzug gegen die von der katholischen Kirche als ketzerisch betrachtete Glaubensgemeinschaft der Katharer in Okzitanien (Südfrankreich). Die Katharer wurden aufgrund ihres frühen Wirkens in der französischen Stadt Albi auch als Albigenser bezeichnet. Der Albigenserkreuzzug leitete den Untergang der Katharer ein und brachte als politisches Ergebnis die Eingliederung Okzitaniens in den Herrschaftsbereich der französischen Krone. Im Unterschied zu anderen Kriegen, die gegen die Katharer und andere christliche Häresien unternommen wurden, besaß nur dieser den offiziellen Status eines Kreuzzugs).

Querschiff: Links (2) befindet sich die Namen-Jesu-Kapelle mit Altarblatt von Johann von Spillenberger („Wunder der heiligen Nacht" und „Anbetung der Hirten") und Standbildern der vier Evangelisten, rechts (3) die Dominikus-Kapelle mit Altarblatt von Tobias Pock.

4 Die Kanzel (um 1680) wurde von der Rosenkranz-Bruderschaft gestiftet. Gegenüber (5) liegt der spätbarocke Johannes-Nepomuk-Altar (angeblich von Lorenzo Mattielli, um 1724) mit Altarblatt „Brückensturz" (darüber sein Namenspatron, Johannes der Täufer) und (um die Altarsäulen) Statuen des heiligen Antonius von Padua, des heiligen Vinzenz, des Apostels Paulus und des heiligen Severin.

Rechte Seitenkapellen: 6 Katharinen-Altar mit Altarbild „Tod der heiligen Katharina" von Karl Mayer (1836); das ursprüngliche Altarbild („Martyrium der Heiligen" von Tobias Pock, 1668) im Dom- und Diözesanmuseum; Wände und Decke mit fünf Bildern von Pock (Ereignisse aus dem Leben der heiligen Katharina).

7 Vinzenz-Kapelle (die, offenbar wegen der Volksverehrung des Heiligen, die reichste Ausschmückung aufweist); von Francois Roettiers errichtet (von ihm auch das Altarbild „Heiliger Vinzenz erweckt einen Toten", 1726), in rötlichem Stuckmarmor ausgestaltet; handgeschmiedetes Rokoko-Eisengitter (1769).

8 Annakapelle mit Altarblatt „Heilige Familie mit den Eltern Mariens" sowie Wand- und Deckengemälden mit Szenen aus dem Leben von Anna, Joachim und Maria (unbekannter Maler).

Linke Seitenkapellen: 9 Rosa-von-Lima-Kapelle (auch Herz-Jesu-Kapelle genannt), gestiftet von der Rosenkranzbruderschaft (errichtet 1671-1676), Altarblatt „Krönung Maria" von Karl Mayer (1840).

10 Thomas-von-Aquin-Kapelle mit Altarbild „Christus lobt den heiligen Thomas" von Franz Leuyx aus Antwerpen (1638), der auch die übrigen Bilder der Kapelle malte (1649-1651); im Hintergrund des Bildes Blick in das Kircheninnere mit jener Kuppel, die nach dem ursprünglichen Bauplan hätte ausgeführt werden sollen.

11 Katharina-von-Siena-Kapelle (gestiftet um 1600) mit Altarbild „Göttlicher Bräutigam tauscht sein Herz für das Katharinas ein" (von Roettiers?). Orgel im Stil des süddeutschen Orgelbarocks. Unter der Orgelempore Epitaphe für Roettiers († 1742) und seine Gattin Johanna († 1734).

12 In der dritten Seitenkapelle von hinten links efindet sich die Gruft und die Grabplatte von Generalfeldmarschall Johann Martin Freiherr Gschwind von Pöckenstein (* 1645, † 1721).

13 Vorne rechts an der rechten Säule des ersten Seitenaltars steht ein Denkmal, das der Reichsbund 1951 seinen im Zweiten Weltkrieg gefallenen und vermissten Bundesbrüdern errichten ließ.

In einem Gärtchen hinter dem Chor fanden die beiden auf den Eckrisaliten befindlich gewesenen Skulpturen Aufstellung, die im Zuge der Restaurierung der Fassade durch neue Statuen ersetzt wurden.

Literatur

  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 60 ff.
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 119 f.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 122 ff.
  • Rudolf Geyer: Handbuch der Wiener Matriken. Ein Hilfswerk für Matriken-Führer und Familienforscher. Wien: Verlag des Österreichischen Instituts für Genealogie, Familienrecht und Wappenkunde 1929, S. 80 (Sprengel), 228 (Matrikenbestand)
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 5 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 137 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 2. Teil. Wien ²1954 (Manuskript im WStLA), S. 392-404
  • Reinhardt Hootz [Hg.]: Kunstdenkmäler in Österreich: Wien. Darmstadt 1968, S. 296
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 62 ff.
  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 146
  • Die Rosenkranz-Basilika der Dominikaner zu Wien. 1912
  • Die Rosenkranz-Basilika der Dominikaner zu Wien. o. J. [1957]
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 21 ff
  • Rolf M. Urrisk-Obertyński: Wien - 2000 Jahre Garnisonsstadt, Band 3 Innere Stadt, Weishaupt-Verlag, Graz 2012, S. 241 f.
  • Anselm Weißenhofer: Das Wiener Dominikanerkloster und die Dominikanerbastei. in: Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Stadt Wien. Band 9/10. Wien: Verlag des Vereines 1929/1930, S. 143 ff.