Domgasse 6

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1761
Jahr bis
Andere Bezeichnung Kleiner Bischofshof
Frühere Bezeichnung Zur roten Rose
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Matthias Franziskus Gerl der Jüngere
Quelle Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Domgasse6

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt89517951821
Stadt88117701795
Stadt84518211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Domgasse 6 (Konskriptionsnummer 845); Kleiner Bischofshof, Zur roten Rose.

Vorgängerbauten

Im Jahr 1380 wird erstmals ein Gebäude auf diesem Grundstück urkundlich erwähnt. Es müssen hier zu dieser Zeit jedoch zwei Häuser gestanden sein. Das Hofquartierbuch verzeichnet in den Jahren 1566 bis 1587 ein ebenerdiges Zuhaus zum Trienter Hof, das später "Kleiner Bischofshof" genannt wurde sowie das einstöckige Benefiziatenhaus "Zur roten Rose".

Kleiner Bischofshof

Dieser gehörte laut Albert Camesina 1683 dem Wiener Bistum. Auch dieses Gebäude war ein Benefiziatenhaus und trug den Namen "Zum roten Buch" oder "Hoc fac et vives" (nach dem Lukasevangelium "Tue es [Nächstenliebe üben] und du wirst leben"). In den 1730er Jahren wohnte hier der Bau- und Maurermeister Johann Gottfried Pockh und danach der zweite Gatte seiner Witwe Katharina, Matthias Gerl, der später k.k. Direktionalbaumeister und Rat des Äusseren wurde.

Zur roten Rose

Als Eigentümer dieses Gebäudes gibt Camesina das Wiener Domkapitel an. Nach dem Stadturbar gehörte es allerdings "vorhin allzeit dem Erzbistum".


Neubau 1761

Am 10. Februar 1761 verkaufte Kardinal Fürsterzbischof Christoph Anton Migazzi beide Benfiziatenhäuser an die Stadt, die sie bereits am 3. März dieses Jahres Matthias Gerl und seiner Gattin Katharina weiterverkauften. Noch im selben Jahr wurden beide Häuser durch das heutige ersetzten. Das so entstandene Gebäude wurde "Kleiner Bischofshof" genannt. Wegen der gefährlichen Arbeit ihres Mannes und um den Schutz der Gottesmutter zu erflehen, ließ Katharina über dem Haustor ein steinernes Basrelief anbringen. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind (eine Kopie des Gnadenbildes Maria Pötsch im Stephansdom) und ist umgeben von osmanischen Waffen, Geschossen, Fahnen und Harnischen. Darunter ist folgende Inschrift angebracht:

D.O.M.TUTORI B.MARIAE VIRG. DE VICTOR. PATRONAE HAS AEDES A.R.S. MDCCLXI A FUNDAMENTIS SUSCITATAS DEV. CLIEN. MATH. GERL C.R.D. AEDIL. CATH. UXOR TATAQ. FAMILIA. D.D.D. (Dem Schutz der seligsten Jungfrau Maria vom Siege als Schirmherrin weiht dieses vom Grunde auf neuerbaute Haus hilfeflehend des k.k. Direktionalbaumeisters Matthias Gerl, Gattin Catharina und ganze Familie). An Gerl, der laut Bestattungsbuch der Pfarre St. Stephan am 15. März 1765 hier starb, erinnert auch eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses.

Im Jahr 1860 wurde das Gebäude, das auf einer Grundfläche von 556 Quadratmetern steht, zum letzten Mal umgebaut. Mit Kaufvertrag vom 6. Juli 1922 ging es in das Eigentum der "Aktiengesellschaft für Internationalen Warenhandel" über. Im Jahr 1940 wurde das Eigentumsrecht der "Wirtschaftsgruppe Druck, Bezirksgruppe Ostmark" zuerkannt, aufgrund einer Teilerkenntnis der Rückstellungskommission vom 18. Oktober 1949 erhielt es die nunmehrige "Aktiengesellschaft für Internationalen Warenhandel in Liquidation" zurück.

Falsche Schildnamen

Laut Wilhelm Maximilian Kisch und anderen trug das Gebäude den Schildnamen "Zum roten Kreuz" und in der Häuserchronik von Karl August Schimmer wird als ehemaliger Name auch "Zum grünen Kreuz" angegeben. Diese Angaben beruhen aber auf einer Verbindung des Hauses mit Georg Franz Koltschitzky. Dieser bewohnte eines der beiden Nachbarhäuser, aus denen später das Haus Stadt 844 (Domgasse 8) entstand. Laut Kisch wollte die Stadt Koltschitzky für seine Kundschafterdienste während der zweiten Belagerung Wiens durch die Osmanen (sogenannte Zweite Türkenbelagerung) belohnen und ihm das Haus Stadt 854 (Schulerstraße 6, "Zum grünen Nussbaum") zur Erichtung eines Kaffeehauses schenken. Er soll jedoch das "gegenüberliegende" Haus Stadt 845 erhalten haben und später sein Kaffeehaus wegen Platzmangel in das Haus "Zur blauen Flasche" am Stock-im-Eisen-Platz verlegt haben. Diese Darstellung kann jedoch nicht stimmen, da damals keines der beiden Häuser der Stadt gehörte und diese auch nicht gegenüber lagen.

Kriegsschäden

Am 2. April 1945 schlug eine Bombe in das Stiegenhaus ein, wodurch vor allem die hofseitigen Wohnräume sowie die Nebenräume im Parterre stark beschädigt wurden.


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 3. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 605-609