Döbling

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Bezirkswappen Döbling
Art des Objekts Bezirk
Jahr von 1114
Jahr bis
Name seit 1114
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung de Teopilic, Topilicha, Toblich, Töbling, Tepling
Benannt nach
Bezirk 19
Lage
Verkehr U4
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke Döblinger Friedhof
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  16.03.2018 durch WIEN1\lanm08wei
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Bildname Wappen19.jpg
Bildunterschrift  Bezirkswappen Döbling
Bildquelle WSTLA
Bildrechte CC BY 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Döbling (19. Bezirk), 24,77 km2, 67.225 Einwohner (1991). Der Name Döbling - in der ältesten Urkunde 1114 Teopilic (Fontes Rerum Austriacarum II, Nummer 124, 126), circa 1115 Topilicha (ebenda Nummer 145) und 1196 beziehungsweise 1216 Toblich (ebenda, Nummer 666), 1336 erstmals Töbling (Quellen 1/3, S. 2) - dürfte sich aus dem mittelhochdeutschen tobel (tiefgefurchte enge Bachrinne) ableiten lassen; der tiefeingerissene Krottenbach (der Ober- und Unterdöbling trennte) würde diese Annahme rechtfertigen. Im frühen Mittelalter dürfte sich hier eine Slawensiedlung befunden haben. Reste mittelalterlicher Siedlungsspuren sind in der Hofzeile und am Saarplatz erkennbar. Vom 12. Jahrhundert bis 1286 besaß das Adelsgeschlecht "derer von Döbling" die Herrschaft über Döbling, dann kam sie an das Dominikanerinnenkloster Tulln; 1310 wird Döbling als "Dorf der Frauen von Tulln" bezeichnet. 1481 wurde Döbling durch die Truppen des Matthias Corvinus, 1529 und 1683 durch die Türken verwüstet. Ab 1591 unterschied man zwischen Oberdöbling und Unterdöbling; eine durch den Krottenbach von Oberdöbling getrennte Nebenansiedlung hieß bis ins 16. Jahrhundert Krottendorf.

Als Feldmarschall Leopold Joseph Maria Reichsgraf von Daun sich in der Hofzeile in Oberdöbling niederließ, folgten Graf Wrbna, Graf Firmian und Herr von Henikstein seinem Beispiel; es entstanden vornehme Villen (unter anderem der Sommersitz des Wiener Kunsthändlers Tranquillo Mollo), die Döbling zum "zweitschönsten Dorf Österreichs" machten. Die 1726 gestiftete Kapelle "Zum heiligen Nepomuk" (Döblinger Hauptstraße, Ecke Hofzeile), in der während des Kirchenneubaus 1826-1828 der Pfarrgottesdienst abgehalten wurde, nahm später ein Theater auf (das zuvor im Hirschenwirtshaus untergebracht gewesen war). Nach Auflassung des Tullner Dominikanerinnnenklosters unter Joseph II. (1782) verkaufte der Religionsfonds die Herrschaft 1824 an Anton Edlen von Würth. Die Statue des heiligen Erasmus, die einst an der Gabelung der Döblinger Hauptstraße und der Hirschengasse (heute Billrothstraße) stand (bekannt durch Franz Grillparzers Gedicht "Der Heilige am Wege"), steht jetzt vor der Döblinger Kirche.

Döbling entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem noblen Sommerfrischenort, der von den Wienern gerne aufgesucht wurde; Industrie konnte sich nicht durchsetzen, obwohl sich im 19. Jahrhundert verschiedene Fabriksbetriebe hier niederließen. Neben dichtverbauten Gebieten und geschlossenen Hauszeilen in den Nebengassen haben sich noch viele Garteninseln erhalten. Döbling ist landschaftlich und siedlungsmäßig der schönste Wiener Bezirk. Das nach Währing hinüberreichende Cottageviertel weist gelockerte Baustruktur auf; der nordwestliche Teil des Bezirks geht in den Wald- und Wiesengürtel über. Die ursprünglichen Winzerdörfer in den Tälern der Wienerwaldbäche haben sich in ihren Kernen noch relativ gut erhalten. Döbling besitzt das größte Weinbaugebiet Wiens. 1890/1892 wurden Ober- und Unterdöbling sowie die Ortsgemeinden Grinzing, Heiligenstadt, Kahlenbergerdorf, Nußdorf, Sievering und Weidling und die Katastralgemeinde Josefsdorf nach Wien eingemeindet und bilden seither den 19. Bezirk Döbling; 1938 kamen Neustift am Walde und Salmannsdorf vom 18. zum 19. Bezirk.

bedeutende Bauwerke

Auf dem Boden des heutigen Bezirks befinden sich bedeutende Bauwerke aus mehreren Jahrhunderten; unter anderem zählen zu den profanen historischen Gebäuden

zu den klerikalen Bauwerken

zu den städtischen Wohnhausanlagen

zu den Krankenhäusern

zu den öffentlichen Gebäuden

zu den Vergnügungsstätten

zu den Parkanlagen

zu den Friedhöfen

zu den Musikergedenkstätten

außerdem wohnten zahlreiche Dichter und Schriftsteller in Döbling. Das Bezirksmuseum Döbling ist in der Wertheimsteinvilla untergebracht. Im Bezirk liegen (im Bereich des Wald- und Wiesengürtels)

Häuser (Vororte [auf Bezirksboden] beziehungsweise Bezirk)

  • 1590: 431
  • 1751: 494
  • 1787: 605
  • 1794: 638
  • 1795: 649
  • 1822: 787
  • 1830: 830
  • 1851: 1.077
  • 1869: 1.420
  • 1880: 1.582
  • 1890: 1.857
  • 1900: 2.009
  • 1910: 2.290
  • 1923: 2.613
  • 1934: 3.058
  • 1951: 3.442
  • 1961: 3.750
  • 1971: 5.012
  • 1981: 7.567
  • 1991: 8.366
  • 2001: 8.650

Einwohner (heutiges Gebiet)

  • 1783: 5.044
  • 1794: 4.483
  • 1830: 6.693
  • 1846: 13.729
  • 1851: 11.044
  • 1857: 13.329
  • 1869: 17.924
  • 1880: 24.018
  • 1890: 32.738
  • 1900: 38.366
  • 1910: 52.676
  • 1923: 57.327
  • 1934: 60.927
  • 1939: 58.492
  • 1951: 57.727
  • 1961: 66.171
  • 1971: 72.387
  • 1981: 67.522
  • 1991: 67.377
  • 2001: 64.033
  • 2011: 68.307

Häuserschematismen

Verlinkungen zu Häuserschematismen sind in den jeweiligen Artikeln zu den Vorstädten beziehungsweise Vororten zu finden.

Ortsrichter

Bürgermeister

Oberdöbling:

  • Karl Lißbauer, Weinhändler (1850-1861)
  • Wilhelm Starnbacher (29. Jänner-11. April 1861)
  • Franz Leibenfrost (1861-1874; Leibenfrostgasse (seit 1894 Radelmayergasse)

Unterdöbling:

  • Paul Hohenauer (1850-1867; Hohenauergasse)
  • Karl Formanek (1867-1885; Formanekgasse)
  • Johann Schreiber, Haus- und Ziegelwerksbesitzer (1886-1891)

Ehrenbürger von Döbling

  • Heinrich Zobel (1874-1876; Ehrenbürger von Döbling)
  • Dr. Heinrich Wagner (1876-1879)
  • Franz Kreindl, Realitätenbesitzer (1879-1891; Kreindlgasse)

Bezirksvorsteher

  • Josef Friedl (1891-1894)
  • Johann Österreicher (1894-1895)
  • Peter Langweber (1895-1903)
  • Wenzel Kühn (1903-1919; Kuhngasse)
  • Josef Seleskowitsch (1919-1934)
  • Franz Karasek (1934-1938)
  • Adolf Judex (1938-1939)
  • Karl Mark (SPÖ; April - 15. Oktober 1945; * 1. August 1900)
  • Karl Schwendner (SPÖ; 25. Oktober 1945-11. August 1960; * 11. Dezember 1905 Wien, † 02. April 1977 Wien)
  • Franz Opfermann (SPÖ; 11. August 1960-28. Oktober 1965; * 20. September 1900 Wien, † 30. Oktober 1970 Seyring)
  • Franz Weber (SPÖ; 28. Oktober 1965-11. März 1975; * 11. August 1910, † 21. November 1989)
  • Richard Stockinger (SPÖ; 11. März 1975-6. Dezember 1978; * 30. Jänner 1934)
  • Adolf Tiller (ÖVP; seit 06. Dezember 1978; * 30. September 1939)

Bezirkswappen

Erzengel Michael als Seelenwäger und Drachentöter (Heiligenstadt), heiliger Jakob (Unterdöbling), zwei aus einem Stamm sprießende Zweige mit drei Nüssen (Nußdorf), heiliger Sebastian (Salmannsdorf), Weintraube (Oberdöbling), heiliger Rochus (Neustift am Walde), heiliger Severin (Sievering), heiliger Georg (Kahlenbergerdorf), Mann in altertümlicher Tracht, eine Weintraube haltend (Grinzing).

Siehe auch

Straßennamen-Döbling

Literatur

  • Döbling. Eine Heimatkunde des 19. Wiener Bezirkes in drei Bänden. Hg. von Döblinger Lehrern. Wien: Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft "Heimatkunde Döbling" 1922 (darin: Pfarrer 1466-1922 [S. 153 f.], Bürgermeister von Oberdöbling und Unterdöbling 1850-1891 [S. 192])
  • Das Döblinger Heimatmuseum (Zeitschrift des Bezirksmuseus), S. 1964 ff.
  • Christine Klusacek / Kurt Stimmer, Döbling, Vom Gürtel zu den Weinbergen. Wien: Mohl 1988
  • Hans Krawarik: Der Spitalerhof zu Döbling. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Band 28. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1972, S. 7
  • Hilde Spiel: Verliebt in Döbling. 1965
  • Helmut Kretschmer: Wiener Musikergedenkstätten. Wien: Jugend & Volk ²1990, S. 14 (Register)
  • Helmut Kretschmer: XIX. Döbling. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1982 (Wiener Bezirkskulturführer, 19)
  • Andreas Lehne: Jugendstil in Wien. Architekturführer. Wien: J & V Ed. ²1990, S. 133 ff.
  • Franz Knispel: Zur Geschichte der Friedhöfe in Wien. Band 2. Wien: Wiener Stadtwerke - Städtische Bestattung 1992
  • Werner T. Bauer: Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens. Wien: Falter-Verlag 1988, S. 158 ff.
  • Topographie von Niederösterreich. Band 2. Wien: Verlag des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich S. 308 ff.
  • Historisch-statistische Übersichten von Wien. Zusammengestellt von Felix Olegnik. Band 1 (Naturverhältnisse, Gebiet, Bevölkerung, Gesundheits- und Wohlfahrtswesen) Wien: Magistrat der Stadt Wien 1956 (Statistische Mitteilungen der Stadt Wien, Jahrgang 1956, Sonderheft 1), S. 26, 59, 62
  • Adalbert Klaar: Die Siedlungsformen Wiens. Wien: Zsolnay 1971, S. 111 ff.
  • Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen. Band 1: Einleitung, Abkürzungsverzeichnisse, Ortsnamen A bis E. Wien: Verein für Landeskunde von Niederösterreich 1989 (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), S. 412
  • Ferdinand Opll: Erstnennung von Siedlungsnamen im Wiener Raum. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1981 (Kommentare zum Historischen Atlas von Wien, 2), S. 29 f.
  • Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich. Wien: Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 1964-1975, S. 44
  • Hans Tietze: Die Denkmale der Stadt Wien (XI. - XXI. Bezirk). Wien: Schroll 1908 (Österreichische Kunsttopographie, 2), S. 365 ff.
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, Register
  • Bundesdenkmalamt [Hg.]: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Wien 1996, S 181 ff.
  • Hans Hautmann / Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien: Schönbrunn-Verlag 1980, S. 416 ff.
  • Helmut Weihsmann: Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919-1934. Wien: Promedia 1985, S. 293 ff.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 374 ff.
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 243 ff.
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990, S. 162 (Register)
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 202 ff.
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 281 ff.
  • Ferdinand Schwarz: Für und Wider um den Namen Döbling. In: Heimat-(Bezirks-)museum Döbling [Hg.]: Das Döblinger Heimatmuseum. Heft 2. 1964, S. 2 ff.
  • Berühmte und interessante Döblinger. In: Heimat-(Bezirks-)museum Döbling [Hg.]: Das Döblinger Heimatmuseum. Heft 9. 1966, S. 1 ff.
  • Herbert Biedermann: 1914-1918. Döbling im Ersten Weltkrieg. In: Heimat-(Bezirks-)museum Döbling [Hg.]: Döblinger Museumsblätter. Sondernummer 1. 1984
  • Hans Pemmer: Döblinger Gaststätten aus alter Zeit. In: Amtsblatt der Stadt Wien. Heft 33. Wien: Stadt Wien - Presse- und Informationsdienst 1958, S. 3 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 298
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 4: Profane Topographie nach den 21 Bezirken (2. - 21. Bezirk). Wien: Jugend & Volk 1958, S. 435 ff.

Bevölkerungsgeschichte

  • Historisches Ortslexikon. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte. Wien: http://www.oeaw.ac.at/fileadmin/subsites/Institute/VID/PDF/Publications/diverse_Publications/Historisches_Ortslexikon/Ortslexikon_Wien.pdf
  • Statistik Austria, Volkszählung 2001. Wohnbevölkerung nach Gemeinden (mit der Bevölkerungsentwicklung seit 1869). Wien 2002, S. 98 f.
  • Statstik Austria: Census 2011 Wien. Ergebnisse zur Bevölkerung aus der Registerzählung. Wien 2013, S. 32.
  • Statstik Austria: Census 2011 Gebäude- und Wohnungszählung. Ergebnisse zu Gebäuden und Wohnungen aus der Registerzählung. Wien 2013, S. 152.
  • Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2004. Wien 2004, S. 178.