Clarakloster

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Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1303
Jahr bis 1784
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Clarissenkloster St. Clara
Benannt nach Clara von Assisi
Einlagezahl
Architekt Fredericus Himberger
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  21.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtFührichgasse1
Innere StadtMaysedergasse2
Innere StadtFührichgasse2-12
Innere StadtGluckgasse5
Innere StadtLobkowitzplatz1
Innere StadtKärntner Straße36
Innere StadtKärntner Straße28-32

frühere Adressierung

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Der Komplex des ehemaligen Claraklosters auf dem Steinhausenplan (1710).

Clarakloster (ehemals Clarissenkloster St. Clara; 1, Kärntner Straße 28-32, 36, Maysedergasse 2, Führichgasse 1, 2-12, Gluckgasse 5, Lobkowitzplatz 1; Klosterkirche etwa 1, Maysedergasse 5, Albertinaplatz 2).

Gründung des Klosters St. Clara

Das Kloster der Clarissen ist eine Stiftung Rudolfs III. von Österreich († 1307) und seiner Gattin Blanka († 1305). Die ersten Nonnen, die zunächst in einem Haus des Pfarrers von Rußbach untergebracht wurden (das Blanka den Nonnen 1303 geschenkt hatte), kamen aus Judenburg. Dieses Gebäude lag am Schweinemarkt (heute Lobkowitzplatz). Nachdem das Haus bald zu klein geworden war, wurde 1319 ein Gebäude vom Heiligengeistkloster angekauft, das zu einem unbekannten Zeitpunkt (sicher aber noch im 14. Jahrhundert) wieder abgestossen wurde (siehe "Haus E" im Artikel Schwarzenbergpalais). Am 14. April 1331 kauften die Nonnen, die viele Schenkungen erhielten, ein halbes Haus hinten am Neuen Markt zwischen dem Kloster St. Clara und dem Dorotheerbad (später Stadt 1101; Lobkowitzplatz 2). Über den Klosterbau ist nur wenig bekannt. Durch Schenkungen und Zukauf erweiterte sich der Besitz bis 1353 um zehn weitere Häuser, deren Grundfläche hinreichend Platz zum Bau von Kirche, Kloster und Nebengebäuden bot. Anfangs durften nur Jungfrauen und Witwen des Hochadels in das Kloster eintreten.


Klosterkirche

1336 wird Fredericus Himberger aus Straubing als Kirchenbaumeister genannt. Am 25. Oktober 1349 wurde am selben Tag, an dem Herzog Albrecht von Österreich alle Herren Österreichs, der Steiermark und Kärntens den Treueid auf seinen Sohn Rudolf IV. schwören ließ, die Klosterkirche der heiligen Clara von Assisi geweiht. Diese lange Bauzeit könnte darauf zurückzuführen sein, dass zuerst eine kleine Kirche errichtet wurde, die später erweitert und danach 1349 eingeweiht wurde. Trotzdem war sie nicht besonders groß. Es handelte sich um eine dreischiffige Hallenkirche ohne Presbyterium mit flachem Schluss. Die Gewölbe wurden von vier freistehenden Pfeilern getragen. Sie bewahrte bis ins 18. Jahrhundert ihren mittelalterlichen Charakter, der dem Typus der Bettelordenkirchen entsprach. Vorbild war wohl die Dominikanerinnenkirche in Tulln. Der Hochaltar war der heiligen Klara geweiht, der linke Seitenaltar war für Gebete und Messopfer für alle Mitglieder der Familie Habsburg bestimmt. Der rechte Altar (Maria Verkündigung) war mit dem Bildnis der Herzogin Anna und ihres Bruders, Herzog Rudolf, geziert. Die Kirche war an drei Seiten in das Klostergebäude eingebaut, nur die Langhausseite gegenüber der Stadtmauer stand frei. Der Turm hatte einen hohen Metallhelm mit einer dünnen Spitze.


Aufschwung des Klosters

Den "Keller von St. Clara" haben die Nonnen nach 1338 von Herzog Albrecht II. und Herzog Otto erworben (Ausschank von Eigenbauweinen und Unterbringung von Vorräten). 1338 trat die Tochter Friedrichs I., Anna, nach ihrer abermaligen Verwitwung am 17. August (Tod des Grafen Johann Heinrich von Görz) in Wien in das Kloster ein. Mit ihr zogen sich weitere 26 adelige Frauen und Jungfrauen in das Kloster zurück. Später wurde sie zur Äbtissin gewählt. Sie starb am 14. oder 15. Dezember 1342 und wurde im Kloster begraben. Am 1. November 1349 übergab Albrecht seine Tochter Katharina als Nonne an das Kloster. Herzog Rudolf erlaubte den Nonnen am 18. März 1365 (bis auf Widerruf) die Ausschank ihres Weines in ihrem Keller, ohne dass Gebühren entrichtet werden mussten. Dies deutet auf einen erheblichen Besitz an Weingärten hin, der sich in den folgenden Jahren weiter mehrte. Dennoch bezeichneten sich die Nonnen 1479 in einem Schreiben an den Kaiser als "vast arm", der daraufhin die Rückgabe eines versetzten Grundstückes gegen Ratenzahlung befahl. Aus einer Klage, die das Kloster am 28. Mai 1488 gegen eine Reihe säumiger Schuldner einbrachte, geht hervor, dass die Nonnen zu diesem Zeitpunkt Güter und Weingärten in Grinzing, Tobling, Enzersdorf unter dem Liechtenstein, Hernals, Breitensee und Landstraße vor dem Stubentor besaß.

St. Clara blieb bis zu seiner Auflösung seiner Widmung gemäß ein Kloster für weibliche Mitglieder des österreichischen Adels. Die Äbtissinnen des Klosters stammten stets aus vornehmen alten Adelsgeschlechtern. Durch die strenge Aufrechterhaltung der klösterlichen Sitten und Einrichtungen stand es in hohem Ansehen. Die geistliche Leitung über St. Clara übte das Minoritenkloster aus. Im Jahr 1430 kam es zum Streit zwischen diesem und St. Clara, der sich über ein halbes Jahrhundert hinzog, bis schließlich Papst Pius VI. am 26. April 1484 die Offiziale von Wien und Salzburg mit der Schlichtung des Streits beauftragte.


Missstände, Flucht und Auflösung des Kloster

Wie auch in anderen Klöstern kam es im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts zu argen Missständen, die durch eine Visitation des Jahres 1528 aufgedeckt wurden (der Prior der Karmeliten saß wegen Ehebruchs im Universitätskarzer, der Abt des Schottenstiftes gab seiner Freundin wöchentlich zwei Pfund und ging mit den Klostergeldern nicht sorgsam um und eine Nonne des Claraklosters bekam ein Kind, ohne dass der Bischof eine Strafe verhängen konnte).

Als sich 1529 die Osmanen Wien näherten (sogenannte Erste Türkenbelagerung), flüchteten die Nonnen nach Judenburg. Der gesamte Komplex wurde von Soldaten besetzt, auf der Kirchenempore und auf dem Dach des "Schlafhauses" wurden Geschütze postiert. In der Kirchengruft wurden zahlreiche gefallene Verteidiger bestattet. 1530 schenkte Erzherzog Ferdinand das Klostergebäude der Stadt Wien in Anerkennung ihrer während der Belagerung erbrachten Opfer. Nunmehr wurden hier die Insassen des vor den herannahenden Osmanen abgebrannten Bürgerspitals vor dem Kärntnertor untergebracht, wogegen den 1530 heimkehrenden und dagegen protesierenden Nonnen am 27. März 1531 provisorisch und 1540 endgültig das Pilgrimhaus bei St. Anna (siehe Annakloster) überlassen wurde, wo sie 1572 ausstarben.


Nachnutzung durch das Bürgerspital

Die Clarakirche wurde Pfarrkirche des Bürgerspitals am Schweinemarkt und erhielt den Namen "Zum Heiligen Geist", wurde aber im Volksmund weiterhin Clarakirche genannt. 1784 wurde sie entweiht und abgebrochen. Im Jahr 1539 wurde das ehemalige Clarissenkloster endgültig in den Besitz des Bürgerspitals übertragen. Die Bauten blieben weitgehend unverändert (Umbau erst 1593). Neben dem Preßhaus des Klosters (1, Gluckgasse 2, Tegetthoffstraße 4) stiftete Bürgermeister Wolfgang Treu 1530 eine Kapelle, die von Bischof Johann Faber zu Ehren der fünf Wunden Christi und des Apostels Paulus geweiht wurde (1553 in einen Mostkeller verwandelt; siehe Pauluskapelle).

Von der Clarakirche gelangte man in den Kreuzgang, an den sich westlich noch ein größerer Klosterhof anschloss. Zwischen Kirche und Stadtmauer lag im Mittelalter der Friedhof (etwa 1, Philharmonikerstraße 2-6 und südlicher Teil des Albertinaplatzes). Er wurde spätestens 1530 aufgelassen, jedoch erst 1709 durch das neue Komödienhaus, das spätere Kärntnertortheater, verbaut. 1784-1790 wurde anstelle des Klostergebäudes das Bürgerspitalzinshaus errichtet.


Literatur

  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 13 ff.
  • Ferdinand Just: Regesten zur Geschichte des Klostes St Clara im Wien. In: Wiener Diözesanblatt (1887), S. 125 ff.
  • Richard Perger: Das Clarissinenkloster St. Clara. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 21/22 (1965/1966), S. 176 ff.
  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 208 ff.
  • Anneliese Stoklaska: Zur Entstehung der ältesten Wiener Frauenklöster. In: Diss. Univ. Wien 175 (1986), S. 66 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 74-79