Chaossches Stiftungshaus

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1664
Jahr bis 1873
Andere Bezeichnung Basar
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Johann Konrad Chaos
Einlagezahl
Architekt Carlo Canevale
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtKärntner Straße28-30

frühere Adressierung

 BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
Chaossches StiftungshausInnere StadtKärntner Straße34
Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt104318211862
Stadt116617951821
Stadt107217701795
Das Chaossches Stiftungshaus auf dem Stadtplan, Wien (1858)

Chaossches Stiftungshaus (Konskriptionsnummer 1043; 1, Kärntner Straße 28-30 [davor 34]).

Der Gelehrte und k.k. Hofkammerrat Johann Konrad Richthausen Freiherr von Chaos, Sohn eines Wiener Kaufmanns, vermachte in seinem am 2. Februar 1663 verfassten Testament sein Vermögen den "Findel- und unerzogenen, hausarmen und Waisenkindern" und ordnete an, dass zu diesem Zweck eine Wohnung unter der Aufsicht des Stadtrats eingerichtet und für die Kinder zur Verfügung gestellt werden solle.

Nach Abzug von Legaten verblieben der Stiftung 80.000 Gulden. Der Testamentsexekutor (niederösterreichischer Landesuntermarschall Adam Anton Grundemann Freiherr von Falkenberg (siehe Esterházypalais, 1, Kärntner Straße 41) schloss mit dem Bürgerspital einen Vertrag, wonach dieses gegen eine jährliche Pauschalzahlung von 2.500 Gulden die Obsorge für 30 Knaben übernahm. Für die Betreuung der Zöglinge waren drei Witwen und die erforderlichen Dienstboten vorgesehen, für den Unterricht ein Präzeptor, für die Unterbringung wurde ein Areal in der Kärntner Straße angekauft, wo sich einige Nebengebäude des Spitals (Kramladen und Fleischbänke) befanden.

Carlo Canevale erhielt den Auftrag, hier das zweistöckige Stiftungsgebäude zu errichten (1664; Baukosten 19.806 Gulden; Renovierung 1722). Das Durchhaus besaß einen weitgespannten Torbogen, über dem sich eine Inschrift (Stiftungszweck und Baujahr) auf rotem Marmor befand. Auf den Torpfeilern standen zwei Figuren, wovon die linke ein Schild mit dem Wappen des Stifters hielt und die rechte ein Schild mit dem Motto "Ora et labora" (Bete und arbeite).

1671 wurde in der Vorstadt Laimgrube (7, Mariahilfer Straße 22-24) auf einem bereits 1656 von Richthausen angekauften Acker ein ebenerdiges Haus samt Stadel erbaut (Architekt: Carlo Canevale), zu dem 1673 noch zwei "Eckhäusel" mit je zwei Wohnungen kamen. Diese Räumlichkeiten wurden als Sommerheim für die Stiftlinge benutzt, 1679 auch als Zufluchtsstätte während der Pest (kein Zögling erkrankte damals).

Im Jahr 1675 wurde das Gebäude in der Kärntner Straße um ein drittes Stockwerk erweitert, sodass nun 60 Knaben und neun Witwen (als Personal) aufgenommen werden konnten. Da diese Erweiterung jedoch auf einer Abbildung aus dem letzten Jahrzehnt des Gebäudes (zwischen 1864 und 1873) nicht zu sehen ist, kann sie nur den Hintertrakt oder andere auf dieser Abbildung nicht sichtbare Gebäudeteile betroffen haben. 1696 kam ein eigenes Spitalsstöckel hinzu. Das Gebäude reichte schließlich bis zum Spittelberg. Als der Hofbuchhaltereibeamte Georg Franz von Griener der Hofkammer am 4. Februar 1735 einen Betrag von 20.000 Gulden mit der Bestimmung übergab, davon eine Anzahl von Jünglingen in den Kriegs- und Ingenieurwissenschaften auszubilden, entstand 1736 im Zusammenwirken mit der Chaosschen Stiftung die Ingenieurschule (aus der sich die Ingenieurakademie entwickelte; siehe Stiftkaserne). Ihr wurde ein Teil des Chaosschen Stiftungsgebäudes auf der Laimgrube abgetreten.

Bis 1754 blieben beide Anstalten vereinigt, dann kamen die Zöglinge nach Meidling (in das Opitzsche Haus), bald darauf in das Haus des Hofjuweliers Prenner in der Währinger Straße (heute Nummer 11), 1767 in das Waisenhaus 3, Rennweg, und schließlich 1784 in die Räumlichkeiten des aufgelassenen Spanischen Spitals (9, Boltzmanngasse 9). Die Verwaltung der Stiftung war 1755 an den Wiener Magistrat gekommen. Verweser der Chaosschen Stiftung waren Grundemann († 1710), Franz Anton Edler von Quarient († 1712), Ernst von Hazenberg (niederösterreichischer Landesuntermarschall, * 1652, † 24. Jänner 1717), Johann Joachim von Aichen (* 1664, † 21. September 1729) und Johann von Moser (* 16. Oktober 1688, † 23. November 1770, Verweser bis 1755).

Das Haus in der Kärntner Straße, das auch nach dem Auszug der Zöglinge den Namen "Chaossches Stiftungshaus" behielt, ging in den Besitz des Bürgerspitalfonds über. Im Gebäude befanden sich die Bürgerspitalapotheke "Zum heiligen Geist" sowie ein gleichnamiges Gasthaus, das von Offizieren und Zivilisten gern aufgesucht wurde. Das Geschäftsdurchhaus wurde meist nur "Basar" genannt.

1873 wurde das Chaossche Stiftungshaus abgebrochen. Auf dem freigewordenen Grundstück entstand in den folgenden Jahren das Eckhaus 1, Kärntner Straße 30, Führichgasse 2. Das Nachbarhaus (Kärntner Straße 28) wurde 1894 nach Demolierung des Schwarzenbergpalais und Parzellierung des Grundstücks erbaut, wobei ein schmaler Durchgang zur Klostergasse (heute Gluckgasse) verbaut wurde, der ehedem das Chaossche Stiftungshaus vom Palais getrennt hatte.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre


Literatur

  • Felix Czeike: Die Kärntner Straße. Wien [u.a.]: Zsolnay 1975 (Wiener Geschichtsbücher, 16), S. 73 ff
  • Rauhensteiner-Pitsch: Die Stiftskaserne. 1977
  • Hans Rotter: Neubau. Ein Heimatbuch des 7. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1925, S. 77 ff.
  • Karl Weiß: Geschichte der öffentlichen Anstalten für die Armenversorgung. 1867, S. 142 ff., XCV ff.
  • Renata Kassal-Mikula [Hg.], Steinerne Zeugen. Relikte aus dem alten Wien. Wien: Eigenverlag 2008 (Katalog zur Sonderausstellung des Wien Museums, 346), Seite 226 - 229
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 326
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 71-74