Cajetan Felder

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Personenname Felder, Cajetan
Abweichende Namensform
Titel Geheimer Rat, Freiherr, Dr. jur.
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 19.09.1814
Geburtsort Wieden
Sterbedatum 30.11.1894
Sterbeort Weidling, Niederösterreich
Begräbnisdatum
Friedhof Weidlinger Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Rechtsanwalt, Politiker
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Felderstraße
Denkmal Büste
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  17.12.2014 durch DYN\krabina
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Bürgermeister20 Dezember 18685 Juli 1878
Landmarschall von Niederösterreich18801884
Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag18611884
Gemeinderat der Stadt Wien18481850
Gemeinderat der Stadt Wien1861
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Ehrenbürger der Stadt Wien5 Juli 1878
Orden der Eisernen Krone zweiter Klasse
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse1Opernring8
Geburtsadresse4Karlsgasse6
Wohnadresse8Lenaugasse; Tulpengasse19; 7
NameVerwandtschaftsgrad
Antonie ZrzaMutter
Josefine Sowa1. Gattin
Mathias FelderVater

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Cajetan Felder (1878 Freiherr von), * 19. September 1814 Wieden (4, Karlsgasse 6), † 30. November 1894 Weidling, Niederösterreich (Weidlinger Friedhof), Rechtsanwalt, Bürgermeister, Landmarschall von Niederösterreich, Gattin (15. Mai 1841) Josefine Sowa (* 4. Dezember 1814, † 24. November 1879 Wien 1, Schottenring 1), Sohn des Mathias Felder (* 27. Juni 1780 Wien, † 20. Juli 1826 Wien) und dessen Gattin Antonie Zrza (* 8. Juni 1788 Lessonitz, Mähren, † 9. Mai 1822 Wien).

Ab 1826 Vollwaise, besuchte er das Stiftsgymnasium Seitenstetten, dann Schulen in Brünn und (ab 1832) in Wien. Ab 1834 Jusstudium an der Wiener Universität (Dr. jur. 1841), 1839/1840 Gerichtspraktikant in Brünn und ab 1. August 1840 Konzipient in der Rechtsanwaltskanzlei des Dr. Anton Wandratsch in Wien (1, Teinfaltstraße).

Ab 1838 unternahm er ausgedehnte Fußreisen durch Europa und beschäftigte sich mit dem Studium fremder Sprachen. Ab 1843 war er auch Assistent für die Lehrkanzel der diplomatischen Wissenschaften an der Theresianischen Ritterakademie. 1845 wurde er zum beeideten Gerichtsdolmetscher für die spanische, 1846 für die französische, mit gleicher Verwendung für die englische, holländische, dänische, schwedische und portugiesische Sprache ernannt; er beherrschte darüber hinaus auch Italienisch, Tschechisch, Ungarisch, Türkisch, Persisch und Arabisch so weit, dass er sich mühelos verständigen konnte. Im Februar 1848 legte Felder beim Wiener Appellationsgericht die Advokatenprüfung ab, im März wurde er zum Hof- und Gerichtsadvokaten ernannt. Kurz darauf wurde er in den Gemeindeausschuss, im Oktober 1848 in den Gemeinderat gewählt, zog sich jedoch 1850 aus Protest gegen die politische Entwicklung aus jeder öffentlichen Tätigkeit zurück.

1848-1858 wohnte er im "Michaelerhaus" (8, Lenaugasse 19, Tulpengasse 7), in dessen Vordertrakt sich die bekannte Wallishaussersche Buchdruckerei befand; im nahegelegenen Riedhof (8, Wickenburggasse 15), einem besonders von Intellektuellen gerne aufgesuchten Lokal, fanden in den 1850er Jahren die bürgerlichen politischen Versammlungen der Josefstadt statt. Am 1. Jänner 1850 hatte Felder eine eigene Kanzlei eröffnet und widmete sich nun über ein Jahrzehnt seiner Praxis, lediglich von ausgedehnten Reisen unterbrochen (unter anderem 1852 in den Orient, wobei er Khartum erreichte [Zusammentreffen mit Alfred Brehm ], 1853 durch Osteuropa und die Balkanländer, 1854 nach Paris und London, 1855 nach Nordwestafrika einschließlich der Azoren und Madeira, 1857 nach Westeuropa, insbesondere Paris, Spanien und die Riviera, 1858 zum Nordkap und durch die Tundren Lapplands nach St. Petersburg, Moskau und bis zum Ural).

1861 wurde Felder Mitglied des frei gewählten Gemeinderats, am 9. Juli 1861 wurde er zum zweiten, am 28. April 1863 zum ersten Bürgermeister-Stellvertreter gewählt; am 21. Oktober 1863 wurde er Obmann der Wasserversorgungskommission, am 20. Mai 1864 Vorstand der Donauregulierungskommission und am 25. Jänner 1865 Delegierter der Kommune in der ministeriellen Donauregulierungskommission. 1863 erweiterte sich seine private Kanzlei, als ihm der Großindustrielle Anton Dreher senior knapp vor seinem Tod die Vormundschaft über seinen minderjährigen Sohn Anton Dreher junior übertrug und ihm infolge der ausgedehnten Vollmacht die Aufgabe zufiel, den Schwechater Brauereibetrieb bis zur Volljährigkeit des Erben (1870) zu leiten.

Nach dem Tod Bürgermeister Zelinkas wurde Felder am 20. Dezember 1868 zum Bürgermeister gewählt; er bezog die ihm zur Verfügung gestellte Wohnung 1, Opernring 8 (Haus Drehers). Nach Ablauf der Funktionsperiode erfolgten 1871, 1874 und 1877 Wiederwahlen; ab 1861 war Felder auch niederösterreichischer Landtagsabgeordneter (1861-1884; stellvertretender Landmarschall 1869-1880, Landmarschall 1880-1884). Die über seine Initiative entstandene liberale "Mittelpartei" wurde tonangebend im Gemeinderat und gab sich eigene Statuten. Felder führte in dieser Partei erstmals den Klubzwang bei Abstimmungen ein. Sein Name ist mit wesentlichen politischen und wirtschaftlichen Ergebnissen verknüpft. Seiner Initiative ist der Bau der Ersten Hochquellenwasserleitung zuzuschreiben. Ebenso ist es sein Verdienst, dass die Donauregulierung in der Form des uns heute vertrauten "Durchstichs" zustande kam. Schließlich ist es das Ergebnis seines diplomatischen Vorgehens, dass das Rathaus nicht gegenüber dem Stadtpark, sondern in wesentlich günstigerer Lage auf dem ehemaligen Exerzier- und Paradeplatz erbaut wurde. Zentralfriedhof, Epidemiespital, Lagerhaus und Zentralmarkthallen sind weitere Ergebnisse seiner Amtszeit; nicht weniger sind seine Magistratsreform und die Einführung der Ziviltrauung von nachhaltigem Einfluss auf die weitere Entwicklung gewesen.

Während der Wiener Weltausstellung (1873) erwarb er sich, da er fast alle prominenten Gäste in deren Landessprache begrüßen konnte, den ehrenden Beinamen eines "polyglotten Bürgermeisters". Felder, der eine weltbekannte Schmetterlingsammlung besaß (sie befindet sich in London) und diese auch wissenschaftlich auswertete, wurde in Anerkennung dieser Tätigkeit am 27. Mai 1870 zum wirklichen Mitglied der Akademie der Wissenschaft ernannt; er verfügte über eine reichhaltige Privatbibliothek und über eine Porträtsammlung im Umfang von über 50.000 Bildern (die nach seinem Tod auf Auktionen zerflatterte). Unter dem Druck Luegers, der ihn in einer Verfahrensfrage hart bedrängte, trat Felder am 5. Juli 1878 als Bürgermeister zurück, wurde am selben Tag zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt und führte den Titel Geheimer Rat. 1880-1884 war er Landmarschall von Niederösterreich, musste diesen Posten aber wegen fortschreitenden grauen Stars zurücklegen. Er zog sich in sein Tuskulum nach Weidling zurück und diktierte dort einer Gesellschafterin seine Memoiren (Original im Wiener Stadt- und Landesarchiv). Zahlreiche Auszeichnungen (darunter Orden der Eisernen Krone II. Klasse). Nachlass im Wiener Stadt- und Landesarchiv (kleiner Teil Wienbibliothek im Rathaus). Büste (von Carl Kundmann) im Rathaus (neben Zugang zum Festsaal); Cajetan-Felder-Institut (gegründet 1987 von der FPÖ Wien); Felderhaus, Felderstraße.


Literatur

  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • Neue österreichische Biographie. 1815–1918. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1923-1935. Band 4,1927
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
  • Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856-1891. Register 1923
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23)
  • Cajetan Felder: Erinnerungen eines Wiener Bürgermeisters. Hg. von Felix Czeike. Wien [u.a.]: Forum Verlag 1964, ²1984
  • Felix Czeike: Der Lebenslauf des Wiener Bürgermeisters Dr. Cajetan Felder. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1946 - lfd. Band 19,1964, S. 321 ff.
  • Felix Czeike: Wien und seine Bürgermeister. Sieben Jahrhunderte Wiener Stadtgeschichte. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1974, S. 311 ff., S. 316 ff.
  • Felix Czeike: Cajetan Felder. In: Walter Pollak [Hg.]: Tausend Jahre Österreich. Eine biographische Chronik. Band 2: Vom Biedermeier bis zur Gründung der modernen Parteien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1973, S. 240 ff.
  • Festvortrag anlässlich der Gründung des Cajetan-Felder-Institutes am 23. April 1987 gehalten von Felix Czeike. Hg. v. Cajetan-Felder-Institut. Wien: Cajetan-Felder-Inst. 1987 (Schriftenreihe des Cajetan-Felder-Institutes, 1)
  • Felix Czeike: Bürgermeister Cajetan Felder und sein „Tusculum" in Weidling. In: Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich 35 (1964), S. 51 ff.
  • Felix Czeike: Die Reisen des Wiener Bürgermeisters Dr. Cajetan Felder. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1939-1989. Band 23/25,1967/1969, S. 352 ff.
  • Felix Czeike: Bürgermeister Dr. Cajetan Felder und die Josefstadt. In: Das Josefstädter Heimatmuseum. Wien: Neuer Wiener Pressedienst 1959-1969. Heft 38,1964 S. 349-357
  • Felix Czeike: Bürgermeister Dr. Cajetan Felder und seine Zeit. In: Österreich in Geschichte und Literatur. Wien: Institut für Österreichkunde / Graz: Stiasny 1957-2000, Band 8,1964, S. 370 ff.
  • Felix Czeike: Das Wiener Vizebürgermeisteramt und seine Vertreter. Ein Beitrag zur Verwaltungsgeschichte. 4. Teil: Biographien (1861-1890). In: Handbuch der Stadt Wien. II. Teil: Wien aktuell. Wien: Verlag für Jugend und Volk 1935-2005. Jg. 96.1981/1982, S. II/24-II/26
  • Felix Czeike: VIII. Josefstadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1980 (Wiener Bezirkskulturführer, 8), S. 53, S. 70
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften: Almanach 45. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1895 (Verzeichnis der entomolog. Werke)
  • Karl F. Stock / Rudolf Heilinger / Marylène Stock: Personalbibliographien österreichischer Dichter und Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Pullach [Isartal]: Verlag Dokumentation 1972