Burgtheater (Institution)

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Wiedereröffnung des Burgtheaters (14.10.1955)
Bildname burgtheater_institution.jpg
Bildunterschrift  Wiedereröffnung des Burgtheaters (14.10.1955)
Bildquelle AT-WStLA 3.3.11.FA1, 55322/1
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Universitätsring2

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerDatum vonDatum bis
1Michaelerplatz17481888
BezeichnungDatum vonDatum bis
k.k. Hofburgtheater18881918
Burgtheater1918
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Das Burgtheater ist eine der bedeutendsten Sprechbühnen des deutschen Sprachraums. Am Burgtheater wirkten zahlreiche der prominentesten Künstlerinnen und Künstler der jeweiligen Epoche. Das Theater war in der Monarchie bis 1918 - wie die spätere Staatsoper - ein Hoftheater, das vom Obersthofmeisteramt des Kaisers beaufsichtigt wurde. Das Hofärar (öffentliche Gelder in der Verwaltung des Kaiserhofes) sorgte für die Finanzierung. In der Republik wird das Haus als Staatstheater geführt (siehe Bundestheater), die Finanzierung obliegt der Bundesregierung.

Sitz des Theaters ist seit 1888 das gleichnamige Theatergebäude an der Ringstraße. Das Alte Burgtheater war Bestandteil der Hofburg und musste der Neuplanung des Michaelertraktes weichen.

Die erste Blüte des Burgtheaters fällt in die Direktion von Joseph Schreyvogel ("Artistischer Leiter" 1814-1832), dem eigentlichen geistigen Begründer des Burgtheaters (bewußter Aufbau des Spielplans, Pflege der Weimarer Klassik, Grillparzer-Uraufführungen und Erarbeitung einer Bühnensprache); er vermochte neue Darsteller (Heinrich Anschütz, Sophie Schröder und andere) ans Burgtheater zu binden und führte Franz Grillparzer am Burgtheater ein. Nach eher blassen Epochen unter Johann Ludwig Deinhardstein (1832-1841) und Franz Ignaz Holbein (1841-1849) folgte eine neue Blütezeit unter Heinrich Laube (1849-1867); er bevorzugte französische Konversationsstücke und deutsche Theaterkonfektion, brachte unter anderen Bernhard Baumeister, Ludwig Gabillon, Eduard Hartmann, Josef Lewinsky und Adolf von Sonnenthal sowie die Damen Auguste Wilbrandt-Baudius, Zerline Würzburg-Gabillon und Charlotte Wolter (die sich zur repräsentativen Burgschauspielerin der Makartzeit entwickelte) ans Burgtheater und machte den „Burgtheaterton" zum vorbildlichen Konversationston der besseren Gesellschaft.

Unter Direktor Franz von Dingelstedt (1870-1881), der im Sinn der Zeit Wert auf üppige Dekorationen legte, kamen neue bedeutende Kräfte ins Haus: Stella Hohenfels, Josefine Wessely, Friedrich Mitterwurzer und Hugo Thimig.

Im neuen Haus (die Übersiedlung leitete der provisorische Leiter Adolf Sonnenthal) bilden die Direktionen von Förster bis Berger (1888-1912) eine Zeit des Wandels. August Förster (1888-1889) konnte in der kurzen Zeit bis zu seinem Tod seine großen Pläne, das klassische Repertoire in mustergültigen Inszenierungen neu aufzubauen, nicht realisieren.

Gegen Max Eugen Burckhard (1890-1898), Jurist und Ministerialsekretär im Unterrichtsministerium, regte sich Widerstand der Schauspieler, doch der "geniale Außenseiter" setzte sich durch und hatte mit seiner Zuwendung zur neuen Literatur, insbesondere zu Werken Ibsens und Hauptmanns, Erfolg. Er brachte 83 Novitäten auf die Bühne und führte ermäßigte Vorstellungen ein, um neue Publikumsschichten anzusprechen; Alexander Strakosch entdeckte für den Direktor junge Talente wie Hedwig Bleibtreu, Lotte Medelsky, Adele Sandrock, Else Wohlgemuth, Otto Tressler und Josef Kainz.

Paul Schlenther (1898-1910) gehörte zu den umstrittensten Persönlichkeiten, setzte jedoch vermehrt österreichische Dramatiker, wie Arthur Schnitzler, Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr und Karl Schönherr, auf den Spielplan; für das Ensemble gewann er unter anderen Rosa Albach-Retty, Albert Heine und Max Paulsen.

Alfred Freiherr von Berger (1910-1912), der vom Hamburger Schauspielhaus kam und ein Gegner des krassen Naturalismus war, konnte weitere moderne Akzente setzen; Ibsen, Hauptmann, Sudermann, Schnitzler und Hofmannsthal gaben neuerlich Auftrieb und führten zu einer Wandlung des Darstellungsstils, die durch Virtuosen wie Friedrich Mitterwurzer und Josef Kainz, der als Abgott der jungen Generation bezeichnet werden kann, gekennzeichnet wurde.

Als Schauspieler-Direktor leitete 1912-1917 Hugo Thimig das Burgtheater, war jedoch auf Dauer der Doppelbelastung nicht gewachsen; 1917/1918 folgte Max von Millenkovich (der Alma Seidler verpflichtete).

Direktor Albert Heine suchte Max Reinhardt und sein Ensemble ans Burgtheater zu binden, konnte jedoch die Widerstände alteingesessener Kräfte nicht überwinden; immerhin wurden später Werner Krauss, Paul Hartmann, Helene und Hermann Thimig ins Burgtheaterensemble aufgenommen. Heine, dem Hermann Bahr und als Dramaturg Erhard Buschbeck beigegeben wurden, gliederte 1919 das Schönbrunner Schlosstheater ein.

Nach der Direktionszeit von Anton Wildgans (1921-1922) wurde Max Paulsen (1922-1923) als Direktor bestellt, der 1922 das Akademietheater, eine Kammerbühne, dem Burgtheater eingliederte (Eröffnung am 8. September 1922 mit Goethes "Iphigenie auf Tauris"), 1918 kam Alma Seidler, 1920 Raoul Aslan ans Burgtheater.

Unter Direktor Franz Herterich (1923-1930) kamen Werner Krauss, Ewald Balser und Fred Hennings; nochmals folgte Wildgans (1930-1931), der jedoch an der Verwaltung scheiterte, dann wurde der Hamburger Theaterdirektor Hermann Röbbeling, ein umsichtiger Organisator und Spielplanerweiterer, bestellt (1932-1938), von dem Maria Eis, Fred Liewehr, Felix Steinböck, Heinz Woester und kurzfristig auch Nora Gregor ans Burgtheater neu verpflichtet wurden; Hermann Thimig wechselte von den Reinhardt-Bühnen ans Burgtheater.

Röbbelings Anliegen war es, ein Gleichgewicht zwischen den österreichischen Dramatikern und den übrigen Nationen herzustellen, weshalb er seine Inszenierungen in Zyklen gliederte. 1938 des Amts enthoben, wurde er zunächst durch Mirko Jelusich, 1939 durch Lothar Müthel (vorher Regisseur am Staatstheater Berlin bei Gründgens) ersetzt, dem (ebenso wie Röbbeling) Erhard Buschbeck als Dramaturg zur Seite stand; Müthel bemühte sich um einen klassischen Spielplan, dem die Parolen des Tages nichts anhaben konnten. Das Ensemble verlor außer Else Wohlgemuth und Lilly Karoly keine seiner darstellerischen Größen, Käthe Dorsch, Heinz Moog und 1940 Curd Jürgens wurden neu verpflichtet.

Erster Direktor nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Raoul Aslan (1945-1948), der mit Buschbeck einen neuen Spielplan erarbeitete. Die von den Nationalsozialisten verbotenen Schriftsteller (wie Schnitzler, Molnár und Beer-Hofmann) standen ebenso auf dem Programm wie der neu entdeckte junge österreichische Dramatiker Fritz Hochwälder; Judith Holzmeister trat das Erbe Else Wohlgemuths an, O. W. Fischer, Käthe Gold und Hilde Mikulicz stießen zum Ensemble, Albin Skoda kehrte aus Berlin, Helene Thimig aus Amerika zurück, unter den Regisseuren ragten Walter Felsenstein und Leopold Lindtberg hervor.

1948 wurde der Regisseur Josef Gielen aus Buenos Aires an die Spitze des Hauses berufen (bis 1954); er betätigte sich auch erfolgreich als Regisseur, fand einen hervorragenden Helfer in Berthold Viertel und verpflichtete 1953 das Schauspielerehepaar Attila Hörbiger und Paula Wessely; Gielen holte auch Inge Konradi und Josef Meinrad ans Burgtheater. Gielens Nachfolger wurde Adolf Rott (gemeinsam mit Friedrich Schreyvogl); unter ihm erfolgte am 14. Oktober 1955 die Wiedereröffnung des Hauses am Ring.

Seither leiteten Ernst Haeusserman (1959-1968; Profilierung des Spielplans und Verpflichtung bedeutender Regisseure: Zyklus der Königsdramen [Regie Lindtberg], Antiken-Zyklus [Regie Sellner], Raimund-Zyklus [Regie Steinboeck], 60 Neuengagements zwecks Einleitung einer Generationsablöse, Inszenierungen durch Fritz Kortner und Welttournee mit dem Ensemble [1968]), Paul Hoffmann (1968-1971; neue Akzente des Spielplans, Verträge mit Heinz Reincke und Klaus Jürgen Wussow), Gerhard Klingenberg (Regisseur; 1971-1976; Auftrag zur Reformierung, Versuch der Öffnung für das zeitgenössische Theater), Achim Benning (1976-1986; Bekenntnis zum Repertoiretheater unter Bedachtnahme auf den Publikumsgeschmack) und Claus Peymann (seit 1986) das Burgtheater.

Seit den 1940er Jahren kamen unter anderen Klaus Maria Brandauer, Boy Gobert, Hilde Krahl, Inge Konradi, Theo Lingen, Josef Meinrad (1947-1975), Elisabeth Orth, Erika Pluhar, Heinz Rühmann, Heinrich Schweiger (1949-1955, 1957, ab 1961) und Oskar Werner zum Ensemble.


Siehe auch


Literatur

  • Franz Hadamowsky: Wien – Theatergeschichte. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1988, insbesonders S. 199 ff. (1741-1776), 334 ff. (1821-1848), 372 ff. (1848-1918)
  • Verena Keil-Budischowsky: Die Theater Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1983 (Wiener Geschichtsbücher, 30-32, S. 102 ff. (altes Burgtheater), 311 ff. (neues Burgtheater)
  • Heinrich Laube: Das Burgtheater. 1868
  • Otto Michtner: Das alte Burgtheater als Opernbühne. In: Theatergeschichte Österreichs. Band 3/1. 1970
  • Gustav Zechmeister: Die Wiener Theater nächst der Burg und nächst dem Kärntnertor 1747-1776. In: Theatergeschichte Österreichs. Band 3/2. 1971
  • Franz Dingelstedt: Aus der Briefmappe eines Burgtheaterdirektors. 1925
  • 150 Jahre Burgtheater, 1776-1926. 1926
  • Lucia Dorninger: Die Hausdichter des Burgtheaters. Diss. Univ. Wien 1961
  • Hugo Ellenberger: Das Burgtheater (Österreich-Reihe 41; 1957; Grundriss mit Reihenfolge der Außenplastiken: S. 66f.)
  • Rudolf Lothar: Das Wiener Burgtheater. Ein Wahrzeichen österreichischer Kunst und Kultur. 1934
  • Heinz Kindermann: Das Burgtheater. 1939
  • Fritz Judtmann: Die Baugeschichte des neuen Burgtheaters. In: 175 Jahre Burgtheater. 1954, S. 415 ff.
  • F. Horch: Das Burgtheater unter Laube und Wilbrandt. 1925
  • Fred Hennings: Zweimal Burgtheater. 1955
  • Fred Hennings: Heimat Burgtheater. Wien [u.a.]: Herold 1972-1974
  • Ernst Haeusserman: Die Burg. 1963
  • Ernst Haeussermann: Im Banne des Burgtheaters. Reden und Aufsätze. 1966
  • Viktor Reimann: Die Adelsrepublik der Künstler. 1963
  • Kurt Kahl: Die Wiener und ihr Burgtheater. 1974
  • Margaret Dietrich: Das Burgtheater und sein Publikum. 1976
  • M. Alth: Burgtheater 1776-1976. Aufführungen und Besetzungen. 2 Bände. 1979
  • Peter Csendes [Hg.]: Das Zeitalter Kaiser Franz Josephs I. Österreich 1848-1918. Das Tagebuch einer Epoche. Wien: Brandstätter 1989, S. 195f.


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