Burgmauer

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Art des Bauwerks Sonstiges
Jahr von 1150
Jahr bis 1280
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Burg
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  3.06.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
1Am Gestade7
1Rotgasse
1Rabensteig
1Kramergasse
1Tiefer Graben
1Graben21-31
1Stock-im-Eisen-Platz
1Salzgries
1Naglergasse
1Morzinplatz2
1Haarhof
1Franz-Josefs-Kai29

frühere Adressierung

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Die Burgmauer ist in Rot ausgewiesen, die um 1200 erbaute Ringmauer in Blau.

Der Begriff „Burgmauer“ bezieht sich auf die erste mittelalterliche Stadtmauer, die die frühstädtische Siedlung umschloss.[1] Diese wurde vermutlich während des 12. Jahrhunderts errichtet. Sie dürfte zumindest teilweise auf der Lagerbefestigung von Vindobona aufgebaut sein, von der zu jener Zeit noch Teile erhalten waren, bzw. ihrer Flucht gefolgt haben. Archäologische Untersuchungen haben heute zu neuen Erkenntnissen geführt. Jedoch bleibt die Beschaffenheit und der Verlauf der Burgmauer über weite Strecken unklar, zumal ein Friedhof mit dazugehöriger Kirche östlich des alten Lagers im Bereich des heutigen Stephansdoms, also außerhalb des angenommenen Mauerrings, seit dem 9./10. Jahrhundert existierten.[2]. Mit der Fertigstellung der Ringmauer unter Ottokar II. Přemysl wurde die Burgmauer bedeutungslos und auch nicht länger in Stand gehalten. Einzelne Tore bestanden aber noch bis weit in die Neuzeit, Zum Beispiel das Peilertor.

Tore

  • Hohe Brücke. Hier stand einst das westliche Tor (porta principalis sinistra) des Legionslagers. Noch in den Stadtplänen von Bonifaz Wolmuet (1547) und Werner Arnold von Steinhausen (1710) ist ein Turm mit quadratischem Grundriss erkennbar.
  • Heidenschuß. Unter der Fahrbahn des Heidenschuß wurde bei Leitungsarbeiten nach 1945 Teile insgesamt dreimal Quadermauerwerk freigelegt.[3] Die Mauer datiert in das 12. Jahrhundert und gehörte zu einem Torgebäude und/oder einer Brücke über den Ottakringer Bach (Tiefen Graben). Sie bzw. es ging später im so genannten Heiligengeisthaus auf.
  • Reflertor. Im Bereich der Irisgasse stand das 1375 erwähnte Reflertor, das auch ein Tor der ehemaligen Babenbergerpfalz gewesen sein könnte.
  • Peilertor. Zwischen Tuchlauben 2 (Graben 21) und Tuchlauben 1 (Naglergasse 2) stand bis 1732 das sogenannte Peilertor, das auf dem südlichen Tor (porta decumana) des römischen Lagers fußte. Der westliche Turm des römischen Tors kam 1902 während Ausgrabungen in der Naglergasse 2 zum Vorschein.[4]
  • Ungartor. Es stand laut Richard Perger zwischen den Häusern Lichtensteg 1 und 2.[5] Das Tor wird nur einmal im Jahr 1256 erwähnt und erscheint in keiner historischen Abbildung. Da auch das Stubentor so genannt wurde, ist seine Existenz unsicher.[6]
  • Katzensteigtor. Dieses Tor, das 1452 als „Tor beim Weinperger“ genannt wurde, stand bis 1825 am Fuß des Katzensteigs (heute Seitenstettengasse). Es wurde bereits im 15. Jahrhundert als altes Stadttor bezeichnet. Der einfache Rundbogen setzte ungefähr an der Nordwestecke des Hauses Rabensteig 3 an.[7]
  • Fischerstiegentor. Dieses Tor wurde auch 1452 als altes Stadttor bezeichnet. Es stand noch 1776 bei der unteren Fischerstiege.[8]

Mauer

Neben erhaltenen Teilen der römischen Lagermauer bestand der hochmittelalterliche Mauerring aus Quadern oder in Einzellagen verlegten Bruchsteinen.

  • Nordwestseite. Der Nordwestabschnitt der Burgmauer verlief auf der Kuppe des Hangs zum Tiefen Graben. Bei Ausgrabungen auf dem Grundstück Am Hof 9 im Jahr 1953 legte der Archäologe Alfred Neumann einen Teil der Lagermauer frei. Darauf fußte eine Bruchsteinmauer, die er als Teil der ersten mittelalterlichen Stadtmauer ansprach.[9] Weiter nördlich, auf dem Grundstück Am Hof 10 (Bürgerliches Zeughaus) wurde 2008-2009 ein mehr als 24 m langer Abschnitt eines 4 m breiten Grabens hochmittelalterlichen Datums (vor 1200) freigelegt, der entlang oder geringfügig hinter der Kuppe des Hangs verlief. Er kann zu einem Befestigungssystem gehört haben.[10]
  • Südwestseite. Der Verlauf der Lager- und Burgmauer sind in der Flucht der Naglergasse und des Grabens erkennbar. Bereits 1902 wurde an der Nordseite der Naglergasse die Lagermauer über eine Länge von 94 m freigelegt. Im Bereich der Grundstücke 8, 10 und 12 wurde eine 1,5 m breite Instandsetzung der Mauer aus Bruchsteinen dokumentiert, die spätantik oder auch spätromanisch sein kann.[11] Im Bereich des Hauses Graben 29-29a wurde 1277 die Lage eines Hauses mit den Wörtern ab extremitate muri iuxta turrim antiquam (außerhalb der Mauer neben dem alten Turm) angegeben. Hier sind möglicherweise die Lager- oder Burgmauer und ein Abschnittsturm gemeint.[12]
  • Südostseite. Dieser Abschnitt der Befestigung verlief annähernd in der Flucht der Rotgasse und der Kramergasse wie noch im Stadtplan von Werner Arnold von Steinhausen (1710) zu erahnen ist. An zwei Stellen im Bereich Kramergasse 5 und 10 wurde 1894/95 die mittelalterliche Erneuerung der Lagermauer dokumentiert.[13] Im hinteren Teil des Grundstücks Rabensteig 3 kam 2013 ein heute nur mehr 2 m langes Teilstück der Mauer zum Vorschein. Fünf Lagen von Quadern verkleideten den Hang an einer nur zehn Meter südlich des Katzensteigtors gelegenen Stelle. Das Areal vor dieser Mauer wurde bereits vor oder um 1200 benutzt.[14]
  • Nordostseite. Die Route und die Beschaffenheit der Burgmauer sind hier unklar. In der Hangmauer hinter dem Haus Am Gestade 5-7 hat man die Burgmauer erkennen wollen, Fotos zeigen eher spätmittelalterliches Mauerwerk.[15]

Graben

Teile des mehrteiligen und mehrphasigen römerzeitlichen Grabensystems blieben bis weit in das Mittelalter hinein erhalten, wurden verändert und schließlich nach und nach aufgegeben.

  • Tiefer Graben. Der Ottakringer Bach verlief hier und erfüllte auch die Funktion eines Lagers- bzw. Stadtgrabens.
  • Retzengraben. Dieser Abschnitt zwischen Haarhof und Strauchgasse war bis in das Spätmittelalter erkennbar. Die Vertiefung des Lagergrabens ist an der Tieflage des Haarhofs heute noch bemerkbar.
  • Graben. Der breite Marktplatz Graben überlagert in seiner ganzen Länge das Areal des römischen Lagergrabens. Ausgrabungen vor den Grundstücken Graben 28, Graben 29-29A und Graben 30 brachten 1974 einen Sohlgraben zutage, der der mittlere von drei römischen Gräben gewesen ist. Er wurde während des Hochmittelalters zu einem 12 m breiten und ca. 4,5 m tiefen Spitzgraben umfunktioniert. Die Grabenkante lag ca. 14,4 m von der römischen Lagermauer entfernt.[16]
  • Südostseite. Im der unterenRotenturmstraße / Rabensteig wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts längere Abschnitte des mehrphasigen römischen Grabensystems ausgegraben. Ein Segment des wahrscheinlich spätrömischen Systems wurde 2013 im vorderen Teil des Grundstücks Rabensteig 3 freigelegt. Es wurde erst während des Hochmittelalters endgültig verfüllt, kann also eine Zeitlang als Graben vor der so genannten Burgmauer fungiert haben.[17] Das mittelalterliche Rinnsal (Abwasserkanal) Mörung folgte mehr oder weniger dem Verlauf des römerzeitlichen Grabens entlang der Südostseite des Lagers. Es wurde nach und nach überwölbt und schließlich durch jüngere Kanalsysteme ersetzt. Am Lichtensteg überquerte eine Brücke die Möring.[18]


Siehe auch Stadtbefestigung

Literatur

  • Ingeborg Gaisbauer: Von Mauer und Graben – Überlegungen zur ersten mittelalterlichen Stadtbefestigung Wiens. In: Fundort Wien 7 (2004), S. 224-233
  • Nikolaus Hofer [Hg.]: Archäologie und Bauforschung im Wiener Stephansdom. Quellen zur Baugeschichte des Domes bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Wien: Wiener Dom-Verlag 2013.
  • Heike Krause: Archäologische und historische Quellen – Bauliche Überreste der älteren hochmittelalterlichen Stadtbefestigung. In: Sylvia Sakl-Oberthaler / Martin Mosser / Heike Krause /Gerhard Reichhalter, Von der mittelalterlichen Stadtmauer bis zur neuzeitlichen Festung Wiens. Historisch-archäologische Auswertung der Grabungen in Wien 1, Wipplingerstraße 33-35. Wien: Phoibos Verlag 2016, S. 47-52.
  • Hertha Ladenbauer-Orel: Mittelalterliche Quellen zur römischen Lagermauer von Vindobona. In: Wiener Geschichtsblätter 39 (1984), S. 67–79
  • Paul Mitchell: Rabensteig 3. Untersuchung eines Hauses im Herzen Wiens. In: Bauforschung und Denkmalpflege. Festschrift für Mario Schwarz. Hg. von Günther Buchinger / Friedmund Hueber. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2015, S. 239-258
  • Martin Mosser: Befunde im Legionslager Vindobona. Teil III: Das Lagergrabensystem. In: Fundort Wien 7 (2004), S. 212-223
  • Martin Mosser: Befunde im Legionslager Vindobona. Teil VI: Die Lagermauer – Profildokumentation auf der Parzelle Wien , Kramergasse 13. In: Fundort Wien 14 (2011), S. 164-185
  • Martin Mosser: Wien 1. Wien 1, Bognergasse/ Seitzergasse/ Am Hof/ Heidenschuß/ Naglergasse. In: Fundort Wien 16 (2013), S. 182-188
  • Martin Mosser / Heike Krause / Ingeborg Gaisbauer: Ein mittelalterlicher Abwasserkanal zwischen dem Wiener Herzogshof und dem jüdischen Viertel. Mit Beiträge von Kinga Tarcsay und Sigrid Czeika. In: Fundort Wien 16 (2013), S. 4-63
  • Alfred Neumann: Die römischen Baureste Am Hof 9. Wien: Verlag des Historischen Museums, 1958
  • Richard Perger: Straßen, Türme und Basteien. Das Straßennetz der Wiener City in seiner Entwicklung und seinen Namen. Wien: Deuticke 1991 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 22), vor allem S. 30f.

Einzelnachweise

  1. Perger 1991
  2. Hofer 2013
  3. Mosser 2013, S. 186-188
  4. Mosser 2011, S. 171f
  5. Perger 1991, S. 86
  6. Krause 2016, S. 52
  7. Mitchell 2015, S. 243; Krause 2016, S. 51
  8. Krause 2016, S. 52
  9. Neumann 1958
  10. Mosser / Krause / Gaisbauer 2013, S. 10f
  11. Mosser 2011, S. 170f
  12. Gaisbauer 2004, S. 227f
  13. Mosser 2011, S. 170f; Krause 2016, S. 51
  14. Mitchell 2015, S. 243f.
  15. Ladenbauer-Orel 1984, S. 77-79; Krause 2016, S. 52
  16. Mosser 2004, S. 215-217.
  17. Mitchell 2015, S. 240f.
  18. Perger 1991, S. 95