Buchhandel

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  13.11.2017 durch DYN\michael hoefel
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Die ersten Buchdrucker (Johannes Winterburger, Johannes Singriener der Ältere, Hieronymus Vietor) vertrieben ihre Erzeugnisse selbst; die beiden letzteren hatten 1515 einen Buchladen am Fleischmarkt (bei St. Laurenz), Vietor später eine eigene Buchhandlung in der Weihburggasse, Singriener eine unter den Tuchlauben.

Als Stammvater der eigentlichen Buchhändler gilt Hans Hüfel (1491; Fleischmarkt); Leonhard (Lienhart) und Lucas Alantsee hatten ihre Buchhandlung nächst dem Stephansplatz (1, Brandstätte 2, Rotenturmstraße 1-3; Teil). 1522 wurde die erste Zensurverordnung für den Buchhandel, 1578 die erste Buchhändler-Verordnung erlassen.

Die Gegenreformation mit ihrer strengen Zensur, Kriege und der Verfall des geistigen Lebens führten zu einem Niedergang des Buchhandels; Ferdinand II. unterstellte 1623 die Zensurgeschäfte der Universität.

Die bedeutendsten Buchhändler und Buchdrucker des 17. Jahrhunderts waren Matthäus Cosmerovius und Johann von Ghelen. Nach den Türkenkriegen erfuhr der Buchhandel einen starken Aufschwung, wurde jedoch von der Universität kontrolliert.

Die hervorragendste Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts war Johann Thomas Trattner, der von Maria Theresia gefördert wurde; er erwarb sich um die intensive Förderung des Buchhandels große Verdienste, allerdings durch illegale Nachdrucke auch einen schlechten Ruf.

1772 wurde eine Buchhändlerordnung erlassen. Joseph II. erklärte den Buchhandel zu einem "freien" Gewerbe. Die Aufhebung der strengen Zensurgesetze führte zu zahlreichen Neugründungen; der Buchhandel wurde zum Verbreiter der Aufklärung und des josephinischen Gedankenguts (Josephinismus).

1790 widerrief Leopold II. die Bestimmungen Josephs, doch ließ Franz II. 1792 eine Buchhändlerordnung ausarbeiten, die sich an jener von 1772 orientierte; seither durften Buchdrucker nur verlagseigene Druckwerke verkaufen, Buchhändler hingegen eigene Buchdruckereien als Hilfsgewerbe einrichten.

Am 18. März 1806 erließ Franz II. eine neue "Ordnung für Buchhändler und Antiquare" und bewilligte eine Gremialgründung; im Mai 1807 wurde das "Gremium der bürgerlichen Buchhändler in Wien" gegründet.

Zu den größten Buchhandlungen Anfang 19. Jahrhundert gehörten die Firmen Degen, Doll, Geistinger, Gerold, Mösle und Schaumburg. Die Zensur im Vormärz bildete für den Buchhandel eine erhebliche materielle Belastung. Erst die Revolution erzwang am 14. März 1848 (zunächst vorübergehend) die Pressefreiheit.

1855 entstand ein staatlicher Schulbücherverlag (Österreichischer Bundesverlag). Die Gewerbeordnung 1859 reihte den Buchhandel in die konzessionspflichtigen Gewerbe ein. Der am 24. Oktober 1859 gegründete "Verein der österreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhändler" gab seit 1. Februar 1860 als Vereinsorgan die "Österreichische Buchhändler-Correspondenz" und seit 1871 jährlich den "Österreichischen Catalog" heraus.

Zu den 76 Mitgliedern des Verbands gehörten unter anderen Wilhelm Braumüller, Fromme, Carl Gerold, Hartleben, Hölzel, Kuppitsch, Manz, Pichler und Ueberreuter.

1868 wurden die Zahlungs- und Rabattverhältnisse geregelt. 1873 beteiligte sich der Buchhändlerverein mit einer Bücherschau an der Weltausstellung. 1897 wurde ein "Catalogus librorum in Austria prohibitorum" (Verzeichnis der in Österreich verbotenen Bücher) zusammengestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte die Umbenennung in "Verein (seit 1950 Verband) österreichischer Buchhändler"; die "Correspondenz" hieß nun "Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel". 1929 wurde das Fürstenbergpalais als "Österreichisches Buchgewerbehaus" eingerichtet.

Am 31. März 1946 begann in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Naionalbibliothek die Herausgabe der "Österreichischen Bibliographie". Der "Verband" wurde 1959 in den "Hauptverband der österreichischen Buchhändler" umgewandelt, der sich aus dem Verleger- und Sortimenterverband (mit Untergliederungen) zusammensetzt. Seit 1933 wird die "Österreichische Buchwoche" abgehalten (1948 reaktiviert und seither jährlich im Herbst).

1960 stiftete das Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau den jährlich verliehenen Staatspreis "Die schönsten Bücher Österreichs".


Quellen

Literatur

  • Peter Csendes [u.a.] [Hg.]: Österreichisches Städtebuch. Band 7: Die Stadt Wien. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1999 (Kapitel 18c)
  • Carl Junker: Vom Buchführer zur Aktiengesellschaft. Zweihundert Jahre Wiener Buchhändlergeschichte. Festgabe den Teilnehmern der 22. Versammlung Deutscher Bibliothekare. Wien: Hölder [u.a.] 1926
  • Klaus Remmer: Die Wiener Presse und der Wiener Buchhandel von ihren Anfängen bis zum Jahre 1848. Diss. Univ. Wien 1949
  • Gerlinde Sanford: Wörterbuch von Berufsbezeichnungen aus dem siebzehnten Jahrhundert. Gesammelt aus den Wiener Totenprotokollen der Jahre 1648-1668 und einigen weiteren Quellen. Bern / Frankfurt am Main: Lang 1975 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 1: Deutsche Sprache und Literatur, 136), S. 17 f.