Blaue Apotheke

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Art der Organisation Sonstiges
Datum von 1435
Datum bis 1674
Benannt nach
Prominente Personen
Quelle
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frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerDatum vonDatum bis
1Graben1214351566
1Graben1315661613
1Graben1216131643
1Stock-im-Eisen-Platz316431674
BezeichnungDatum vonDatum bis
Zur plawen (blauen) Apotheke1566
Sangeriana15951600
Ad apothecam coeruleam16021603
Blaue Apotheke16211653
Ad (beziehungsweise Beim) Stock vor eisen (Zum truncus)16431666

Gründung: spätestens 1435

Schließung: 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts

Die Blaue Apotheke gehörte zweifelsohne zu den vornehmsten der spätmittelalterlichen Stadt und wurde durch ihre engen Beziehungen zu den höfischen Kreisen bekannt.

Mittelalter

Vinzenz Hackenberger, gefolgt von Konrad Reutter, waren wahrscheinlich die ersten Besitzer dieser Apotheke. Der Tatbestand, dass Vinzenz Hackenberger Apotheker war und ein Haus am Graben erwarb, in dem er eine Apotheke betrieb, die mit keinem anderen Apothekenschild in Verbindung gebracht werden kann, lässt diesen Schluss zu. Für eine derartige Hypothese spricht neben dem vornehmen Standort vor allem das besondere gesellschaftliche und berufliche Ansehen des Apothekers. Hackenberger wurde von der medizinischen Fakultät der Universität geachtet und zu wichtigen Beratungen beigezogen. Er pflegte beste Beziehungen zur Stadtverwaltung und ihren politischen Gremien. Hackenberger ist in den Jahren 1435 bis 1458 als Apotheker nachweisbar.

Hackenberger selbst war mit Katharina, der Tochter des Apothekers Wolfgang Lengenauer (der als Besitzer der späteren Apotheke "Zum schwarzen Mohren" zuzuordnen ist) verheiratet. Auf Grund einer späteren Ehe Lengenauers mit Margarethe, der Mutter des Apothekers Caspar Hermann, war Hackenberger auch mit Hermann weitschichtig verwandt. Hackenberger war außerdem der Besitznachbar Lengenauers am Graben. Dieser besaß seit 1410 das Haus Konskriptionsnummer 1120, heute Graben 11, seit Anfang des 18. Jahrhunderts Bartolotti-Partenfeld-Palais. Er hatte es aus dem Nachlass des Apothekers Heinrich von Esslingen erworben, der hier vermutlich die später "Zum schwarzen Mohren" beschilderte Apotheke betrieben hatte.

Hackenberger erwarb das Lengenauers Wohnhaus benachbarte Gebäude Konskriptionsnummer 1121 (Graben 12) 1436 um 200 Pfund Pfennig kurz vor oder nach seiner Eheschließung. Er bezahlte es wahrscheinlich aus dem Erbanteil nach seinem Vater. Hier richtete er wohl auch die Apotheke ein (bei seinem Nachfolger Reutter wird dies unmittelbar angesprochen). Das auf der anderen (westlichen) Seite angrenzende Haus Konskriptionsnummer 1122 (Graben 13/Bräunerstraße 1) erwarb Hackenberger 1448 ebenfalls.

Die ausgezeichnete Vermögenslage Hackenbergers wird auch daraus ersichtlich, dass er 1454, wie andere bedeutende Patrizier auch, in der Lage war, auf eigene Kosten ein Pferd mit Reiter zur Bewachung des Widmertors zu stellen, um nicht persönlich Kriegsdienst leisten zu müssen.

Für das hohe Ansehen Hackenbergers spricht weiters ein Ereignis, das ebenfalls ins Jahr 1454 fällt. Zu Beginn dieses Jahres sah sich die medizinische Fakultät veranlasst, sich erneut mit der Apothekerfrage zu befassen. Einige Apotheker hatten sich nämlich über das Verbot hinweggesetzt, Arzneimittel auf Grund von Rezepten, die von Kurpfuschern ausgestellt worden waren, zu verkaufen.

In der Fakultätssitzung vom 24. Jänner 1454 wurde deshalb beschlossen, alle Apotheker vorzuladen, um ihnen das Verbot nachdrücklich in Erinnerung zu rufen. Dieses "Gespräch" wurde mit anderen Sachfragen verknüpft: Die Apotheker sollten keine eigene medizinische Tätigkeit ausüben, eine gleichmäßige Rezeptur einhalten und eine von der Fakultät festgesetzte Taxe beachten.

Da eine hitzige Diskussion erwartet wurde, schaltete sich Hackenberger, der offenbar eine Art von Seniorenstelle innehatte, ein, um die Lage zu entschärfen. Er lud für den 3. Februar Vertreter der Fakultät – neben Ärzten auch Baccalaureaten und Scholaren – sowie alle Apotheker zu einem gemütlichen Symposion (convivium) in sein Privathaus ein, um bei Speis und Trank in privatem Milieu die heiklen Fragen zu erörtern. Die Apotheker versicherten der Fakultät ihre Unterstützung bei der Bekämpfung des Kurpfuscherwesens. Gefährliche Mittel (insbesondere Laxantien, Opium und Arsenik) sollten nur auf Verordnung approbierter Ärzte abgegeben werden. In der Frage der gleichmäßigen Rezeptur konnten sich beide Parteien einigen. In der Frage der überhöhten Taxen kam die Fakultät zu dem Schluss, dass sie es dem Gewissen der Apotheker überlassen wolle, gerechte Preise zu verlangen, die zu keiner ungerechtfertigten Belastung der Konsumenten führen dürften. So endete ein zu befürchtender Zwist friedlich, und die Fakultät lud die Apotheker für den 24. Februar ihrerseits zu einem gemütlichen Treffen ein. Die Apotheker erschienen am 28. Februar geschlossen in der Fakultät, um ein 24 Seiten starkes alphabetisches Register mit den Rezepturformeln für Composita zu überreichen. Hackenberger war in dieser Diskussion eine Persönlichkeit, der beide Parteien vertrauten, Ärzte und Apotheker. Hackenberger verstarb um 1458.

Konrad Reutter, ein Sohn des Wiener Bürgers Hanns Reutter und dessen Gattin Agnes, ist ab 1463 als Apotheker der Blauen Apotheke nachweisbar. 1465 kaufte Reutter gemeinsam mit seiner ersten Gattin Anna von den Töchtern des verstorbenen Apothekers Hackenberger um 500 Pfund Pfennig das Haus Konskriptionsnummer 1121 (Graben 12). In den Fakultätsakten wird Apotheker Reutter 1465 als Conradus in domo Vincencii quondam in fossato (im Haus des verstorbenen Vinzenz [Hackenberger] am Graben) erwähnt. 1475 wird er als Konrad Appoteker genannt. Reutter verstarb am 9. März 1483. Wenige Monate vor seinem Tod, am 27. Juni 1482, stiftete Reutter – ein ungewöhnlicher Vorgang zu Lebzeiten – 150 ungarische Goldgulden mit der Auflage, künftig an seinem Sterbetag oder in der Oktave vor beziehungsweise nach demselben einen Jahrtag zu begehen.

Es kann unter den gegebenen Umständen nicht festgestellt werden, ob beziehungsweise wie lange seine Witwe Martha die Apotheke mit Hilfe eines Provisors als Witwenbetrieb weiterführte. Da sie sehr bald nach Wiener Neustadt übersiedelte, müsste sie die Apotheke bereits nach kurzer Zeit verkauft haben.

Für den Zeitraum unmittelbar nach Reutter gibt es einige Apotheker, die als Eigentümer der Blauen Apotheke in Frage kommen. Christoferus Krueg kommt sehr wahrscheinlich als Apotheker zwischen 1486 und 1494 in Frage. Krueg stand mit hochgestellten Persönlichkeiten in engem Kontakt, vor allem mit dem Arzt, Rektor und Humanisten Bartholomäus Steber, aber auch mit dem Humanisten Konrad Celtes. Steber selbst berichtete 1494, dass er in hospicio Kruegs (Herberge, Gasthaus) gespeist habe, eine Nebenbeschäftigung, die bei keinem anderen Apotheker auftaucht. Da Krueg in Wien über keinen Grund oder Hausbesitz verfügte und auch keine öffentlichen Funktionen ausübte, ist nicht bekannt, wann er starb.

Frühe Neuzeit

Hanns Paumgartner dürfte von 1494 bis 1525 Besitzer der Apotheke gewesen sein; er starb 1525. Bis zum nächstfolgenden wahrscheinlichen Besitzer Abraham Sangner (in den Grundbüchern auch Sanger) 1556 sind keine Besitzer bekannt. Standort war weiterhin der Graben. Er dürfte die Apotheke gegen Ende des Jahres 1556 käuflich erworben haben, denn am 8. Jänner 1557 verlieh ihm die Stadt Wien das Bürgerrecht. 1560 erhielt Sangner eine Besserung seines Wappens.

Im Hofquartierbuch von 1566 (unter Nummer 68) ist Apotheker Abraham Sanger (sic!) als Besitzer einer Apotheke mit dem Schild zur plawen (blauen) apoteggen im damals zweistöckigen Haus Konskriptionsnummer 1122 (Graben 13) eingetragen.

1568 war Sangner Visitator, 1569 beanstandete die Fakultät, dass er ohne Wissen der Fakultät und ohne die Anwesenheit von Fakultätsvertretern Mithridatum hergestellt habe. Sangner belieferte 1568 die Kammer Maximilians II. mit polczwax, begleitete 1584 Erzherzog Ferdinand von Tirol als Leibapotheker ins ungarische Feldlager und übernahm 1597 die Lieferung der von der Niederösterreichischen Regierung bestellten Pestmedikamente.

Die Apotheke führte entweder noch kein Schild oder dieses wurde im Schriftverkehr nicht genannt, denn in den vorliegenden Quellen wird sie nach ihrem Besitzer einfach als "Sangeriana" bezeichnet (1595, aber auch noch nach dessen Tod). Sangner starb 1600.

Nach seinem Tod heiratete die Witwe Anna um 1601/1602 den ebenfalls verwitweten, jedoch wesentlich jüngeren Apotheker "Zum schwarzen Mohren", Johann Klele, der 1602/1603 erstmals als Apotheker ad apothecam coeruleam (Zur Blauen Apotheke) bezeichnet wird.

Er betrieb die Apotheke bis zu seinem Tod 1610. Seine Gattin hatte ihn offenkundig davon überzeugen können, dass es vorteilhafter sei, die Mohren-Apotheke an Peter Pesster zu veräußern und stattdessen die Leitung der von ihr als Witwenbetrieb geführten vornehmen "Blauen Apotheke" zu übernehmen. Laut Gesetz durfte sich jeweils nur eine Konzession im Besitz eines Apothekers befinden.

Am 18. Juni 1603 wurde Klele und seinem Bruder Georg ein Wappen (mit Krone und Lehensartikel) verliehen, das auch seinen Grabstein schmückt. Am 16. März 1609 verfasste Klele ein von ihm eigenhändig unterschriebenes Testament, in dem er seine dritte Frau Potentiana zur Universalerbin einsetzte. Am 24. Juni 1610 verstarb Klele in Wien.

Bereits am 24. November 1610, genau fünf Monate nach Kleles Ableben, heiratete Potentiana Klele in zweiter Ehe den kaiserlichen Rat und späteren Regierungskanzler Dr. jur. Christian Schäffer und veräußerte in der Folge die Apotheke. Standort war immer noch Konskriptionsnummer 1122 (heute Teil des Areals Graben 13/Bräunerstraße 1).

1610 wird der Apotheker Christian Rossian (Rosian) als Besitzer der Blauen Offizin bezeichnet, ebenso 1613 und 1616. Ob Rossian zuvor bei Klele arbeitete (in einer anderen Apotheke ist er nicht nachweisbar) ist nicht bekannt. Offensichtlich verkaufte Potentiana die Apotheke an ihn.

Rossian kaufte 1613 mit seiner Gattin Elisabeth das Haus Konskriptionsnummer 1121 (Graben 12), das sich zuvor bereits im Besitz der Apotheker Hackenberger und Reutter befunden hatte. Als Standort der Apotheke wird unter Rossian der Graben angegeben (Konskriptionsnummer 1121). Rossian verstarb in der ersten Aprilwoche des Jahres 1617.

Rossians Witwe Elisabeth führte, wie aus den Fakultätsakten hervorgeht, die Apotheke als Witwenbetrieb bis 1621 weiter. 1621 kaufte der Provisor der "Blauen Apotheke" Jakob Liewalt die Apotheke. Bei seiner Zulassungsprüfung antwortete er nur mäßig, daher trug ihm der Dekan auf, das "Dispensatorium Augustanum" eifriger zu lesen, er ließ ihn aber nach erfolgter Zubereitung von Konfekt zur Berufsausübung zu.

Bereits 1625 wird Matthias Müllner (zeitgenössisch meist Mathias Millner, aber auch Müller[us]) Besitzer der Apotheke. Im selben Jahr erhielt er die Zulassung. 1643 kaufte Müllner, der inzwischen geheiratet hatte, gemeinsam mit seiner Frau Anna das Haus Konskriptionsnummer 1080 am Alten Roßmarkt. Auf dem Areal Stock-im-Eisen-Platz 3 (heute Equitablepalais) samt einem Straßengrundstreifen vor dessen heutiger Fassade standen damals die drei Häuser Konskriptionsnummer 1080, 1081 und 1082, zu denen als viertes das mit seiner Fassade zur Kärntner Straße blickende Haus Konskriptionsnummer 1079 kam. Das Gebäude Konskriptionsnummer 1080 war damals ein schmales, aber ansehnliches dreistöckiges Gebäude, in dem Müllner die Apotheke betrieb.

In den Akten der medizinischen Fakultät wird ein Apotheker namens Müller (ohne Hinzufügung eines Vornamens) genannt, der sich im Besitz einer Apotheke befand, die "beim stock vor eisen" beziehungsweise "ad stock vor eisen" gelegen war. Ob es sich dabei um eine topographische Bezeichnung oder um ein Apothekenschild handelt, ist unklar. 1666 ist auch von einer Apotheke "Zum truncus" (Stamm) die Rede.

Müllner wurde als hausbesitzender Bürger 1645 in den Äußeren Rat gewählt, dem er bis zu seinem Tod 1663 angehörte. Eine Nominierung für den Inneren Rat erfolgte nicht. Trotz seiner Position und des Immobilienbesitzes befand sich Müllner nicht in konsolidierten finanziellen Verhältnissen. Im Steuerbuch für die 1650er Jahre sind stets erhebliche Rückstände verzeichnet, die sich laufend erhöhten. Interessanterweise wird Müllner im Zusammenhang mit seiner Ratstätigkeit nicht nur als Apotheker, sondern auch, ohne dass dies erklärt wird, als Gastgeb bezeichnet. Dies weckt Erinnerungen an das ausgehende 15. Jahrhundert, als Christoforus Krueg als Besitzer eines hospicium bezeichnet wurde. Es mag sein, dass Müllner in diesem "Nebenberuf" eine Möglichkeit sah, sich eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen. Er versuchte sich auch aus der Hofquartierpflicht zu befreien, was ihm aber nicht gelang.

Müllner dürfte ein schwieriger Prinzipal gewesen sein. Von 1643 bis 1650 bildete er in seiner Apotheke Christophorus Lehner aus, dem Müllner des Öfteren die Freisprechung zugesagt hatte, ohne sich daran zu halten. Eine siebenjährige Lehrzeit widersprach allen geltenden Regelungen.

Der Tatbestand, dass der Apotheker seinen Bediensteten schließlich nach Schlägen aus dem Haus vertrieb, weil dieser angeblich des Apothekers Tochter sowie den Gehilfen Liborius Baumgart denunziert hatte, und ihm auch die Ausstellung eines Dienstzeugnisses verweigerte, beschäftigte 1650 die Fakultät. Das Ergebnis der Beratungen ist aber unbekannt. Aber auch Baumgart, der als Famulus bei Müllner arbeitete und an der Universität Pharmazie studierte, erging es im darauffolgenden Jahr nicht besser: Der Angestellte beschwerte sich bei der Fakultät, dass ihm Müllner nach seiner Entlassung die ausständige Entlohnung schuldig geblieben war und ihm nicht einmal jenes Geld ersetzen wolle, das er in seinem Auftrag für verschiedene notwendige Ausgaben vorgestreckt hatte. Baumgart "rächte" sich an Müllner, indem er die Beschuldigung aussprach, in der Blauen Apotheke seien viele "Kompositionen" ohne die hiefür vorgeschriebenen Ingredienzien zubereitet worden. Dem Fakultätsbeschluss, er müsse das ausständige salarium bezahlen, widersetzte sich Müllner und appellierte beim Stadtrichter gegen das Urteil – er selbst gehörte ja dem Äußeren Rat an. Er verlangte weiters von der Fakultät, dass man Baumgart in den Kerker werfe.

Dass er während des Osmanenkriegs von 1663 persönlich ins Feldlager zog, muss bezweifelt werden. Ein gewisser Dr. Schönaich, der für seine Dienste eine Zahlung von 300 imperiales erhielt, übernahm diese Aufgabe und brach mit der Apotheke (pharmacopolium) Müllners im April ins Feldlager auf.

Nach Müllners Tod kam am 14. Mai 1663 die Apotheke über seinen erbberechtigten Sohn Leonhard Müllner, der Frater im Dominikanerorden war, an diese Ordensgemeinschaft. Obwohl sich die Dominikaner um die Genehmigung bemühten, die Apotheke weiterführen zu dürften, hatten sie nach der Gesetzeslage keine Chance, eine Genehmigung zu erhalten, weshalb sie sich zum Verkauf entschlossen.

Im selben Jahr 1663 wandte sich Godefridus (Gottfried) Dauscha, Apotheker "Zum schwarzen Bären" in Wiener Neustadt, an die Fakultät mit der Bitte, dem Kauf der Blauen Apotheke zuzustimmen. 1666 erwarb er mit seiner Gattin Elisabeth das Apothekenhaus (Konskriptionsnummer 1080). Im selben Jahr verstarb Dauscha an einer Darmverschlingung.

Ab diesem Zeitpunkt finden sich einige Unklarheiten und Wiedersprüche in den Quellen zwischen dem Besitz am Rossmarkt (Konskriptionsnummer 1080, Apotheker Matthias Müllner) und der Apothekennennung am Graben (Konskriptionsnummer 1122, Familie Pfeiffer). Im Steueranschlagbuch von 1661 ist zum steuerpflichtigen Besitz von Johann Baptist Pfeiffers Erben (nunc Johann Franciscus Pfeiffer) am Graben eine Hausbewertung von 425 Pfund Pfennig (Steuervorschreibung 28 Pfund 2 solidi 20 denari) eingetragen, der – ohne Angabe einer Gewerbesteuervorschreibung (handtierung) – eine Zeile mit der Nennung der Blauen Apotheke folgt.

Nachfolger Dauschas ist Paul Christoph Trenner (auch Drener). Er wird in den Fakultätsprotokollen als Apotheker "Zum Truncus" und bei seinem Tod 1674 als bürgerlicher Apotheker bezeichnet. Leider sind die weiteren Fakultätsprotokolle nicht aussagekräftig: Obwohl 1668, 1677 und 1692 bei den Visitationen die Zahl der Apotheken erwähnt wird (13, elf beziehungsweise zwölf), fehlen in allen Jahren eine Liste der Apothekenschilder und Angaben über die Besitzer. Damit endet offensichtlich die Geschichte der "Blauen Apotheke".

Felix Czeike nimmt an, dass ab 1674 Johann Franz Pfeiffer, der Erbe des Hauses am Graben Nummer 1122, die Apotheke betrieben hätte. Das ist allerdings wenig wahrscheinlich: offenbar einziger Beleg sind die Nennungen der Apotheke beim Pfeifferschen Haus in den Steuerbüchern der einzelnen Jahre. Diese Nennung in den jährlich neu angelegten Steuerbüchern ist allerdings schon nachzuweisen, als 1616 Andre Pfeiffer, Johann Franz Pfeiffers Großvater, erstmals als Besitzer aufscheint. Andre Pfeiffer war aber sicher nicht selbst Apotheker, auch Czeike führt ihn nicht als Apotheker an. Darüber hinaus ist die Nennung in den Steuerbüchern bis 1747 nachzuweisen, aber kein weiterer Nachweis eines aktiven Apothekenbetriebes in anderen Quellen. Das legt den Schluss nahe, dass aus der Nennung in den Steuerbüchern nicht unbedingt eine Tätigkeit als Apotheker abzuleiten ist. Eine Weiterführung des Apothekenbetriebes durch die Familie Pfeiffer ab 1674 ist daher nicht anzunehmen.

Die Geschichte des Hauses Konskriptionsnummer 1122 am Graben ist von der Geschichte der Apotheke streng zu trennen. Das Haus blieb noch bis in die josephinische Zeit im Besitz der Familie Pfeiffer, was im 18. Jahrhundert grundbücherlich belegbar ist.

Besitzerliste

  • (?) 1435–1458 Vinzenz Hackenberger, † 1458
  • (?) … 1463–1483 Konrad Reutter, † 9. März 1483
  • 1483–? Martha Reutter (Witwenbetrieb), † 1503
  • … 1486–1494 Christopherus Krueg (Kauf?)
  • 1494–1525 Hanns Paumgartner, † 1525
  • 1525–1556 unbekannt
  • 1556–1600 Abraham Sangner, † Jänner 1600 Wien
  • 1600–1602 Anna Sangner (Witwenbetrieb), * um 1544, † Mai 1604 Wien
  • 1602–1610 Johannes Klele (Ehe mit Anna Sangner), * um 1658/1666, † 24. Juni 1610
  • 1610–1617 Christian Rossian (Kauf), † April 1617
  • 1617–1621 Elisabeth Rossian (Witwenbetrieb)
  • 1621–1624 Jakob Liewalt
  • 1625–1663 Matthias Müllner, * um 1600, † 14. Mai 1663
  • 1663 Dominikanerorden (Sohn Leonhard Müllner war Frater im Orden)
  • 1663–1666 Gottfried Dauscha (Kauf), † 1666
  • 1666–1674 Paul Christoph Trenner, † 19. Februar 1674

Standorte

  • spätestens 1435 … Graben 12 (Konskriptionsnummer 1121)
  • … 1566 – spätestens 1613 Graben 13 (Konskriptionsnummer 1122)
  • frühestens 1613 – 1643 Graben 12 (Konskriptionsnummer 1121)
  • frühestens 1643–1666 … 1674? Alter Rossmarkt (Konskriptionsnummer 1080; heute unter Einschluss eines Straßenabschnittes vor Stock-im-Eisen-Platz 3 [zuvor 3–4], Kärntner Straße 2, Seilergasse 1 ["Equitablepalais"])

Apothekenschild

  • … 1566 … "Zur plawen (blauen) Apotheke"
  • Ende 16. Jahrhundert "Sangeriana"
  • 1602, 1603 … "Ad apothecam coeruleam"
  • … 1621–1651 … "Blaue Apotheke" (Offizin)
  • frühestens 1643 … 1666 … Zeitweise parallel dazu: "Ad (beziehungsweise Beim) Stock vor eisen" ("Zum truncus")

Literatur

  • Felix Czeike: Geschichte der Wiener Apotheken.Die Apotheken im heutigen ersten Wiener Gemeindebezirk. Innsbruck: Studienverlag. Band 50, 2010, S. 499-528