Bezirke

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Grafische Neuordnung der Stadt nach der Eingemeindung der Vorstädte 1850. Orientierungsplan und Schema der Straßennummerierung von Wien, 1862/63
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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift  Grafische Neuordnung der Stadt nach der Eingemeindung der Vorstädte 1850. Orientierungsplan und Schema der Straßennummerierung von Wien, 1862/63
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, A 7461
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Im Mittelalter kannte man nur eine Vierteleinteilung (siehe Stadtviertel); als die Stadt sich weiter ausdehnte, schuf man 1444 auch Viertel vor den Toren. Rund um die Stadt erstreckten sich (stadtnahe) Lucken (die ab dem 16. Jahrhundert der Anlage des Glacis zum Opfer fielen), Vorstädte beziehungsweise (außerhalb des 1704 geschaffenen Linienwalls) Vororte.

Eine Bezirkseinteilung im heutigen Sinn gibt es erst, als aufgrund des Provisorischen Gemeindestatuts vom 6. März 1850 die Vorstädte mit der Innenstadt (seither samt Glacis beziehungsweise ab 1857 Ringstraßenzone erster Bezirk) vereinigt wurden (zweiter bis achter Bezirk). Neben dieser rein administrativen Bezirkseinteilung gab es zu verschiedenen Zeiten auch nach anderen Gesichtspunkten geschaffene "Bezirke" (wie etwa Schul-, Feuer- oder Polizei-Bezirke). Als am 8. Oktober 1861 der südliche Teil des vierten Bezirks Wieden als 5. Bezirk (Margareten) abgeteilt wurde, verschob sich die Numerierung der folgenden Bezirke 5 bis 8, die seither die Ziffern sechs bis neun tragen; außerdem ergaben sich 1862 Grenzverschiebungen zwischen dem siebten, achten und neunten Bezirk. 1874 wurden die südlich der neugeschaffenen Gürtelstraße (die im großen und ganzen dem abgebrochenen Linienwall folgte) Teile des dritten, vierten und fünften Bezirks gemeinsam mit einigen Orten am Wienerberg und am Laaer Berg als zehnter Bezirk Favoriten konstituiert (Genehmigung der Niederösterreichischen Statthalterei vom 27. September 1874).

Die Stadterweiterung von 1890/1892 (Gesetz vom 20. Dezember 1890, Inkrafttreten desselben mit 1. Mai 1892) vereinigte die außerhalb des ehemaligen Linienwalls liegenden Vororte mit Wien (Schaffung der Bezirke elf bis 19). Der 20. Bezirk, Brigittenau, wurde am 24. März 1900 durch Abtrennung vom zweiten Bezirk, Leopoldstadt, geschaffen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur kleinere Gebiete jenseits der (regulierten) Donau mit Wien vereinigt (Teil des zweiten Bezirks); am 28. Dezember 1904 kam es zur Eingemeindung mehrerer Orte jenseits des Stroms und zu deren Zusammenfassung als 21. Bezirk Floridsdorf. Zu kleineren Grenzänderungen zwischen einzelnen Bezirken kam es am 2. Februar und 7. August 1907, 6. Juli 1910 sowie am 7. September und 3. Oktober 1912. Nach der Schaffung des Bundeslands Wien (29. Dezember 1921 mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 1922) kam es zu weiteren Grenzänderungen (22. Dezember 1923: 2./20./21. Bezirk; 13. Juni 1930: 10./12. Bezirk; 14. Dezember 1932: 13./16. Bezirk; 17. 10. 1935: 16./17. Bezirk).


Als nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 "Groß-Wien" geschaffen wurde, bildete man aus 97 niederösterreichischen Gemeinden die Bezirke 23 bis 26; die neue Bezirkseinteilung wurde am 15. Oktober 1938 fixiert. Die wesentlichsten Veränderungen in der Bezirkseinteilung ergaben sich beiderseits des Wienflusses (13. Bezirk Hietzing südlich der Wien, 14. Bezirk Penzing nördlich der Wien; der alte 14. Bezirk Rudolfsheim wird mit dem bisherigen 15. Bezirk zum neuen 15. Bezirk Fünfhaus vereinigt) und durch die Eingemeindungen (der 22. Bezirk Groß-Enzersdorf entstand durch Abteilung vom 21. Bezirk, der 23. Bezirk hieß Schwechat, der 24. Bezirk Mödling, der 25. Bezirk Liesing und der 26. Bezirk Klosterneuburg).


Nach dem Zweiten Weltkrieg entschloss man sich, 80 der 1938 eingemeindeten niederösterreichischen Gemeinden an Niederösterreich rückzugliedern; die entsprechenden Verfassungsgesetze von 29. Juni (Wien) beziehungsweise 26. Juli 1946 (Bund) konnten infolge des Einspruchs des Alliierten Rats (der eine Veränderung der Grenzen der Besatzungszonen vermeiden wollte) erst am 23. Juni 1954 publiziert werden und am 1. September 1954 in Kraft treten ("Gebietsänderungsgesetze"). Am 2. Juli 1954 beschloss der Landtag ein Bezirkseinteilungsgesetz, das im wesentlichen die Grundlage für die 1992 gültige Grenzziehung bildet. 17 nicht an Niederösterreich rückgegliederte Gemeinden wurden zum 23. Bezirk Liesing zusammgefasst, der 22. Bezirk erhielt den neuen Namen Donaustadt.

Für die Liste der Bezirke siehe Bezirk.

Zur Abfrage der Verkehrsflächen in den einzelnen Bezirken siehe:

Einwohnerzahlen und Daten der Bezirksvorsteher siehe bei den einzelnen Stichwörtern.


Literatur

  • Hanns Jäger-Sunstenau / Edmund Ledl: Änderungen des Wiener Stadtgebietes während der letzten 100 Jahre. In: Handbuch der Stadt Wien 70 (1955), S. 263 ff.
  • Josef Kostal: Zusammenstellung der Gesetze, Verordnungen und Gemeinderatsbeschlüsse, betreffend die Änderungen der Wiener Stadt- und Bezirksgrenzen 1850-1860 (Manuskript Wiener Stadt- und Landesarchiv)
  • Gebiets- und Namensänderungen der Stadtgemeinden Österreichs seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hg. von Wilhelm Rausch. Bearb. durch Hermann Rafetseder. Linz: Landesverlag 1989 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 2), S. 299 ff.
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 932 (Register für die Bezirk 1-23)
  • Peter Diem / Michael Gobi / Eva Saibel: Die Wiener Bezirke. Ihre Geschichte - Ihre Persönlichkeiten - Ihre Wappen. Wien [u.a.]: Deuticke ²2003