Beethoven-Wohnungen

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Das Beethovenhaus in der Probusgasse (1970)
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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift  Das Beethovenhaus in der Probusgasse (1970)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 70740/2
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Beethoven-Wohnungen (Beethoven). Beethoven kam 1787 erstmals nach Wien. Es ist unbekannt, wie lange er sich hier aufhielt und wo er gewohnt hat, ebensowenig ist zu belegen, ob er damals mit Wolfgang Amadeus Mozart zusammengetroffen ist. Endgültig kam Beethoven 1792 nach Wien, er bezog im Haus 9, Alser Straße 30, beim Buchdrucker Strauß ein Parterrezimmer. Aus der Fülle der von Beethoven im Lauf der folgenden Jahrzehnte in Wien gemieteten und bewohnten Wohnungen sollen die wesentlichsten herausgegriffen werden.

Eroicagasse 2, (Beethovens Wohnhaus 1817), um 1907
Hetzendorferstraße 75 (Valerie Cottage 2), Kaiserlicher Gartenpalast, Wohnhaus Beethovens 1823, um 1909

1795 wohnte Beethoven im zweiten Stockwerk des Palais Montenuovo (1, Löwelstraße 6) und schrieb hier die drei Trios opus 1, mehrere Klaviersonaten und das Lied "Adelaide". 1799-1800 finden wir ihn im Haus 1, Tiefer Graben 10 (am Neubau, 1, Tiefer Graben 8-10, ist ein Mosaik angebracht, das irrtümlich die Aufenthaltsjahre 1815-1817 angibt). Im Frühjahr 1800 wohnte Beethoven im Greinerschen Haus "Zur kleinen Weintraube" (1, Tiefer Graben 2). Im Sommer 1801 dürfte er im Seilernschen Schlösschen beim Bonner Kurfürst Max, dem Bruder Josephs II., gewohnt haben (12, Khleslplatz 6). An den Aufenthalt Beethovens im Haus 19, Probusgasse 6 (er wohnte hier, um die Heilquellen von Heiligenstadt zu versuchen), erinnert eine Gedenktafel, hier verfaßte er am 6. Oktober 1802 sein "Heiligenstädter Testament". Das Haus wurde am 13. November 1967 (Gemeinderatsausschuss für Kultur X) von der Stadt Wien angekauft (Stadt Wien 94/1967, S. 9 ff.) und zu einem dem Komponisten gewidmeten Museum ausgestaltet (Beethoven komponierte in diesem Haus die zweite Fassung seines "Fidelio" und die Zweite Symphonie). Das "Heiligenstädter Testament" befindet sich in der Hamburger Staatsbibliothek und ist nicht mit jenem letzten Testament zu verwechseln, das Beethoven drei Tage vor seinem Tod (23. März 1827) verfaßt hat (Wiener Stadt- und Landesarchiv).

Von einem Aufenthalt Beethovens im Haus 1, Petersplatz 11, erfährt man aus Briefen Czernys (1802/1803); das Haus ("Zum silbernen Vogel") befand sich neben der Peterswache. Ende Jänner oder Anfang Februar übersiedelte Beethoven in das Theater an der Wien beziehungsweise in das Haus 6, Laimgrubengasse 26, das zum Komplex des Theaters gehörte. Es stand am Platz des heutigen Hauses 6, Linke Wienzeile 6. Im Theater an der Wien wurde am 20. November 1805 Beethovens "Fidelio" erstmals aufgeführt, im Sommer 1803 arbeitete Beethoven an der "Eroica". Seine Wohnung lag im Biederhof (19, Döblinger Hauptstraße 92). Die von ihm bewohnten Räume im Parterre (zwei gassenseitig gelegene Zimmer) sind noch heute erhalten, die Dauer seines Aufenthalts ist nicht genau festzustellen (wohl bis 1804). Im Roten Haus (9, Garnisongasse 9) wohnte Beethoven von Mai bis November 1804 gemeinsam mit seinem Bonner Jugendfreund Breuning. Ob Beethoven noch einmal in das "Eroica"-Haus in Döbling zog, ist nicht belegt. Jedenfalls mietete er sich im November 1804 zum erstenmal im Pasqualatihaus (1, Mölkerbastei 8) ein (Gedenktafel am Haus). Hier befindet sich auch ein Beethoven-Gedenkraum. Zwischen 1804 und 1815 finden wir Beethoven immer wieder in diesem barocken Miethaus, von dem man, hoch auf der Bastei gelegen, einen wundervollen Blick auf die Vorstädte hatte, das Domizil wurde ihm von dem befreundeten und musikliebenden Hausherrn, dem Baron Pasqualati, stets freigehalten.

1808 wohnten Beethoven und Franz Grillparzer zur gleichen Zeit im Landhaus 19, Grinzinger Straße 64 (Beethoven-Grillparzer-Haus); hier entstand die "Pastorale". Im Frühjahr 1809 begegnen wir dem Künstler im Haus 1, Walfischgasse 9 (beziehungsweise Krugerstraße 10), dann übersiedelte er in die Akademiestraße in die Nähe seiner ersten Wohnung in dieser Gegend. Ebenfalls im Frühjahr und noch im Sommer 1809 wohnte er im "Klepperstall" (1, Teinfaltstraße 8-8a, identisch mit Schreyvogelgasse 1). Während der Beschießung Wiens durch die Franzosen (11. Mai 1809) befand sich Beethoven im Haus seines Bruders Caspar Anton Carl (1774-1815) in der Ballgasse 4. Für den Winter 1809/1810 ergibt sich in der Chronologie der Beethoven-Wohnungen eine Lücke, erst vom 24. April 1810 an wohnte Beethoven nachweislich wieder im Pasqualatihaus. Im Jänner oder Februar 1814 und im Winter 1814/1815 wohnte Beethoven im Bartensteinschen (später Rachowinschen) Haus (1, Mölkerbastei 10). 1815 schuf er im Unterdöblinger Gemeindehaus (19, Nußwaldgasse 2, heute städtisches Wohnhaus 19, Silbergase 4; Gedenktafel am Haus) seine Cellosonaten opus 102, 1816/1817 wohnte er (aus dem Sommeraufenthalt in Baden und Heiligenstadt zurückgekehrt) 1, Seilerstätte 21 und 1817 3, Gärtnergasse 5 ("Zum grünen Baum", Mitteilungen des Bezirksmuseums Landstraße 1966, S. 13), dazwischen logierte er vielleicht vorübergehend im Gasthof "Zum römischen Kaiser" (1, Renngasse 1), jedenfalls gab er dort Unterricht, und hier fanden auch die historischen Kammermusikabende des berühmten Schuppanzigh-Quartetts statt.

Eine Gedenktafel erinnert an den Aufenthalt Beethovens im Haus 19, Pfarrplatz 2 (in diesem im 17. Jahrhundert erbauten Haus entstanden Fragmente der "Eroica"), eine andere Gedenktafel (enthüllt 2. Juni 1951) an den Aufenthalt im Haus 3, Landstraße Hauptstraße 26 (wo Beethoven von Oktober 1817 bis Oktober 1819 wohnte; Haus 1973 abgerissen), eine dritte Gedenktafel schließlich an den Aufenthalt im Haus 19, Eroicagasse 2 (ebenfalls 1817). Obwohl Beethoven im Haus Pfarrplatz 2 nur kurze Zeit wohnte, zählt dieses doch (vor allem wegen seines dörflichen Aussehens) zu den berühmtesten Beethoven-Erinnerungsstätten in Wien. 1819/1820 entstand während des Winters im Haus 8, Trautsongasse 2 das Credo der "Missa solemnis" (Gedenktafel). Beethoven bewohnte die Eckwohnung im dritten Stock (Tür 8). In den Jahren 1818/1819 logierte Beethoven im Sommer in Mödling ("Haffnerhaus", Hauptstraße 79, Gedenktafel). Im Herbst 1820 finden wir ihn im alten Haus "Zu den zwei Wachsstöcken" (8, Josefstädter Straße 57), das 1879 demoliert wurde. Dazwischen (Frühjahr 1819) und von Herbst 1821 bis Frühjahr 1822 wohnte er 3, Landstraße Hauptstraße 60, im Herbst und Winter 1822 sowie im Frühjahr 1823 im Haus 6, Laimgrubengasse 22 (Gedenktafel). In das Jahr 1821 fällt noch ein Aufenthalt in Unterdöbling (heute 19, Silbergasse 9), wo Beethoven die Heilquellen "auf der Osterleiten" benutzte; den Sommer 1822 verbrachte er in der Alleegasse 135 (19, Pyrkergasse 13; Gedenktafel).

Eine andere Gedenktafel erinnert an seinen Aufenthalt im Haus 12, Hetzendorfer Straße 75 (Mai bis August 1823; die Gedenktafel ist von dem 1915 abgebrochenen Haus auf das neue übertragen worden). Von hier übersiedelte er nach Baden. Im Winter 1823/1824 vollendete Beethoven in 3, Ungargasse 5 (im dritten Stock des noch bestehenden Hauses) seine Neunte Symphonie (Gedenktafel mit Bronzerelief); er war während dieser Zeit Stammgast im Haus 3, Landstraße Hauptstraße 31 (Mahlzeiten bei der "Goldenen Birne"). Einige Wochen des Jahres 1824 verbrachte Beethoven in Penzing in dem (bis 1912 bestandenen) sogenannten "Hadik-Schlössel" (14, Hadikgasse 62), im Sommer desselben Jahres bewohnte er eine Wohnung im ersten Stock des Hauses 19, Kahlenberger Straße 26, einem Landhaus mit hübscher Barockfassade, das dem Bürgermeister von Nußdorf, Greiner, gehörte (Enthüllung einer vom Männergesang-Verein gewidmeten Gedenktafel am 19. Oktober 1913). Gestorben ist Beethoven im "Schwarzspanierhaus" (9, Schwarzspanierstraße 15; Beethoven-Sterbehaus). In der Alser Kirche (Trinitarierkirche) wurde er am 29. März 1827 eingesegnet (Gedenktafel mit Bronzerelief von Josef Tautenhayn).

Literatur

  • Alte und moderne Kunst. Österreichische Zeitschrift für Kunst, Kunsthandwerk und Wohnkultur 2 (1947), Heft 4/5, S. 28 f.
  • Beethovenhaus in Hetzendorf [Demolierung]. In: Monatsblatt des Altertums-Vereines zu Wien 1915, S. 164
  • Beethoven in Wien. In: Wien aktuell 1/1962, S. 36 ff.
  • Beethoven und Mariahilf. In: Das Wiener Heimatbuch – Mariahilf. Hg. von der Arbeitsgemeinschaft des Mariahilfer Heimatmuseums. Wien: Austria Press 1963, S. 212 ff.
  • Beethovens Wohnungen. In: Hans Conrad Fischer / Erich Kock: Ludwig van Beethoven. Eine Dokumentation. Salzburg: Residenz-Verlag 1970, S. 113 ff.
  • Josef Bergauer: Das klingende Wien. Erinnerungsstätten berühmter Tondichter. Wien: Günther 1946, Register
  • Josef Böck: Ludwig van Beethoven's Aufenthalt in Döbling. Ober-Döbling bei Wien: Verlag der Gemeinde Ober-Döbling 1889
  • Felix Czeike: Wiener Bezirkskulturführer. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1979 ff. (unter den Adressen, soweit die Häuser noch bestehen)
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 75, 121 f., 125
  • Theodor von Frimmel: Beethovens Wohnungen in Wien. In: Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien 29 (1892), S. 62 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 1: Geschichte, historische Hilfswissenschaften, Festungswerke und Kriegswesen, Rechtswesen, Kulturgeschichte, Sittengeschichte. Wien: Touristik-Verlag 1947, S. 38 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 274
  • Rudolf Klein: Beethovenstätten in Österreich. Wien: Lafite 1970
  • Rudolf Klein: Wo fehlen Beethoven-Gedenktafeln?. In: Wiener Geschichtsblätter 26 (1971), S. 186 f.
  • Rudolf Klein: Gedenktafel für Beethovenhaus (6, Laimgrubengasse 22). In: Wiener Geschichtsblätter 27 (1972), S. 364 f.
  • Rudolf Klein: Requiem für ein Wiener Beethovenhaus (3, Landstraße Hauptstraße 26). In: Wiener Geschichtsblätter 28 (1973), S. 26 ff.
  • Helmut Kretschmer: Wiener Musikergedenkstätten. Wien: Jugend & Volk ²1990
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 220 (Register)
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 295 (Register)
  • Leopold Mazakarini: Wien. Historische Adressen. Wien [o.J.], S. 5 f.
  • Peter Pötschner: Das Schwarzspanierhaus. Wien [u.a.]: Zsolnay 1970 (Wiener Geschichtsbücher, 2)
  • Anton Scheiblin: Die Schlössel-Saga von Penzing. In: Wiener Geschichtsblätter 17 (1962), S. 97 ff.
  • Heinz Schöny, Beethovenhaus - abgerissen! [3, Landstraße Hauptstraße 26]. In: Wiener Geschichtsblätter 28 (1972), S. 328