Bartolotti-Partenfeld-Palais

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
1., Dorotheergasse 2; Graben 11, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1720
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Freiherrn Bartolotti von Partenfeld
Einlagezahl
Architekt Johann Lukas Hildebrandt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  21.01.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Dorotheergasse2.jpg
Bildunterschrift  1., Dorotheergasse 2; Graben 11, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtDorotheergasse2-4
Innere StadtGraben11

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt118517951821
Stadt112018211862
Stadt114917701795
Stadt118617951821
Stadt111918211862
Stadt114817701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Graben 11; 1, Dorotheergasse 2-4; (Konskriptionsnummern 1119, 1120).

Es ist das einzige Haus auf dem Graben, das sich aus dem 18. Jahrhundert bis heute erhalten hat. Das vierte Stockwerk ist ihm jedoch erst in späterer Zeit aufgesetzt worden.

Vorgängerbau, Haus Stadt 1119 und Haus Stadt 1120

Die Geschichte der Häuser auf diesem Grundstück (Konskriptionsnummer 1120) lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Wir haben es mit einem jener Apothekenhäuser zu tun, wie sie für den Graben im Mittelalter typisch sind (1364 Heinrich von Eßlingen und Gattin Anna, 1410 Wolfgang Lengenauer und Gattin Dorothea, 1446 sein Schwiegersohn Vinzenz Hackenberger, dem ab 1436 auch das Nachbarhaus Konskriptionsnummer 1121 [1, Graben 12] gehörte). Das Haus, sicherlich eines der schönsten und ansehnlichsten des Platzes, besaß für größere Festivitäten geeignete Räumlichkeiten (3. Februar 1454 wissenschaftliches Symposion bei Hackenberger, bei dem Fragen des Kurpfuscherwesens erörtert wurden; 9./10. Februar 1456 Tanzfest des Königs Ladislaus; 27. Juni 1456 Wiederholung desselben). Als 1456 Herzog Sigmund von Tirol mit dem ungarischen Ritter Rienolt Rozgon ein Turnier abhielt, bewirtete die Stadtverwaltung die anwesenden Frauen im Apothekerhaus, ebenso verhielt es sich, als 1458 Kaiserin Eleonore mit den vornehmen Bürgerinnen zu einem glanzvollen Ballfest zusammentraf.

Im 16. Jahrhundert befand sich das Haus im Besitz des späteren Bürgermeisters Wolfgang Treu beziehungsweise (1584) in dem des Ratsherrn Georg Fürst (1590 Bürgermeister). Im selben Jahr trat eine Zweiteilung des Hauses ein, das am Grabeneck liegende Haus führte die spätere Konskriptionsnummer 1120, das daran anschließende in der Dorotheergasse die Nummer 1119 (im Jahr 1585 erstmals mit neuen Konskriptionsnummern erwähnt).

1707 (1707 nach Harrer, 1704 nach Czeike) wurde die Liegenschaft Stadt 1119 und 1120 an die Brüder Johann Paul und Johann Carl Bartolotti Freiherrn von Partenfeld, beide kaiserliche Hofkammerräte, verkauft. Damit waren beide Häuser wieder in eine Hand gekommen. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später ließen die Freiherrn von Bartolotti das Palais Bartolotti errichten.

Das Bartolotti-Partenfeld-Palais

Als das Palais Bartolotti um 1720 errichtet wurde, weist der Name des Bauführers und Maurermeisters Franz Jänggl, der Johann Lukas von Hildebrandts architektonische Pläne in Wien und auswärts ausführte, so wie die künstlerische Erscheinung des nach der Dorotheergasse zehnachsigen und gegen den Graben vierachsigen Palastes auf Hildebrandt als den Schöpfer der Entwürfe hin.

Als der Neubau errichtet wurde, handelte es sich bei diesem weniger um einen Adelswohnsitz als um ein Mietpalais. Das Fehlen eines Vestibüls und eines großen Treppenhauses sind Beweis hierfür. 1730 wurde das Palais von Johann Basilius Küchelbecker gerühmt. 1735 kam es in den Besitz von Franz Anton Pilgram und von diesem 1749 an seine Tochter Anna Maria. 1786 ist ihr Sohn Dr. jur. Johann Joseph Pilgram (nachmals Vizebürgermeister der Stadt Wien) grundbücherlich eingetragen. (Der 1766 von Kisch genannte Astronom Dr. Pilgram, der Schöpfer der in ländlichen Gebieten noch heute geschätzten "Bauernregeln", lässt sich grundbücherlich als Besitzer nicht nachweisen).

Ab 1824 betrieb im Haus die Firma Joseph Prix ein bekanntes Herrenmodengeschäft (ab 1906 auch Hausbesitzer). 1967 wurde hier (nach stilgerechtem Umbau des Erdgeschosses) das Geschäft "Zur Brieftaube" eingerichtet.

Das Palais ist das einzige Barockgebäude (18. Jahrhundert), das die Umgestaltung des Grabens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überdauert hat; Barockportal und Johannesstatue im rechten Stiegenaufgang.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe: der Jahre

  • Herrenmodengeschäft (seit 1824)
  • Zur Brieftaube (oben genanntes Herrenmodengeschäft, wurde nach einem Umbau 1967 so genannt)

"Haus Stadt 1120"

Literatur

  • Felix Czeike: Der Graben. Wien [u.a.]: Zsolnay 1972 (Wiener Geschichtsbücher, 10). S. 91 ff.
  • Bruno Grimschitz: Wiener Barockpaläste. Wien 1947, S. 31
  • Bruno Grimschitz: Johann Lucas von Hildebrandt. Wien 1959, S. 104 f.
  • Else Spiesberger: Ein Beitrag zur Lebensgeschichte des Bau- und Maurermeisters Franz Jänggel. In: Das Josefstädter Heimatmuseum 3. Wien: Neuer Wiener Pressedienst 1959-1969, S. 202 f.
  • Leopold Sailer: Die Wiener Ratsbürger des 14. Jahrhunderts. In: Studien aus dem Archiv der Stadt Wien 3/4 (1931), S. 208
  • Ignaz Schwarz: Geschichte des Wiener Apothekerwesens im Mittelalter. Wien 1917, S. 122
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 55-59
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 123 (unrichtig)
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 316, 405