Bürgerspitalmeister

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Der Bürgerspitalmeister der Aufseher über das Bürgerspital, die größte und reichste karitative Stiftung in Wien. Ihr Zweck war im Mittelalter primär die Altersversorgung. Der Bürgerspitalmeister wurde aus dem Kreis der ratsfähigen Bürger gewählt. Ihm unterstanden ein Schreiber (für die Buchhaltung), ein Schaffer (für die Wirtschaftsführung), Pflegepersonal und ein Hauskaplan.


Die Stadtordnung von 1526 brachte eine verstärkte Kontrolle der Stadt durch den Landesfürsten. Auch für das Bürgerspital als städtischer Institution brachte die neue Stadtordnung wesentliche Änderungen mit sich: So war der Amtseid des Spitalmeisters nicht nur vor dem Bürgermeister und dem Rat, sondern auch in Beisein des landesfürstlichen Stadtanwaltes zu leisten. Die Aufgaben des Spitalmeisters wurden in der Stadtordnung wie jene aller wichtigen städtischen Amtsträger genau geregelt. Der Spitalmeister konnte nun als städtischer Beamter gelten. Er hatte die Einnahmen und Ausgaben des Spitals zu verwalten, jährliche Rechnungen zu legen und sich um die zum Spital gehörigen Äcker, Weingärten und anderen Liegenschaften zu kümmern. Seine Aufgabe bestand darin, die armen Leute im Spital zu versorgen. Er hatte auch darauf zu achten, dass die Kranken und Armen nicht auf der Straße sterben müssen, sondern sollte schwer kranke Arme in das Spital aufnehmen. Ihm wurde die Aufsicht über die Bettler übertragen. Das Umherstreifen der Bettler sollte nicht geduldet werden, besonders bei den Kirchen und auf den Straßen. Gesunde arbeitsfähige Bettler sollten aufgegriffen, an den Pranger gestellt, mit Ruten gestraft und aus der Stadt verweisen werden. In wichtigen wirtschaftlichen Fragen war der Spitalmeister eng an den Stadtrat gebunden. Zwei aus den Reihen des Stadtrates gewählte Superintendenten fungierten als Bevollmächtigte des Stadtrates. Wichtige Entscheidungen wurden dem Rat zur Genehmigung vorgelegt.


In der Stadtordnung von 1526 ist mit dem Spitalmeister nur jener des Bürgerspitals gemeint. Die Tätigkeitsbereiche des Spitalmeisters, der die Bürgerspitalswirtschaftskanzlei, das Rechnungsgeschäft sowie das Personal (ohne Gegenhandler) beaufsichtigte, und des (Spitalamts)Gegenhandlers, der für den Geschäftsgang mitverantwortlich war und Missstände im Spital melden musste, wurden schon 1802 festgelegt. Beide konnten Vorschläge bezüglich Personalangelegenheiten an die Wirtschaftskommission herantragen und waren hinsichtlich Rechnungskontrolle der magistratischen Buchhaltung unterstellt. Ihre Amtinstruktion gliederte sich in drei Bereiche: a) Ökonomikum (Lieferung und Erhalt von Material, Aufsicht über Gebäude und benachbarte Grundstücke), b) Kanzleigeschäfte (alle Berichte mussten Spitalmeister und Gegenhandler unterschreiben), und c) Geld- Natural- und Materialverrechnung (Zustand der Materialien und Requisiten musste jährlich mehrmals untersucht werden, Verwahrung der Kasse).

Literatur

  • Peter Csendes (Hg.): Die Rechtsquellen der Stadt Wien. Wien-Köln-Graz: Hermann Böhlaus Nachfolger 1986 (=Fontes rerum Austriacarum. Österreichische Geschichtsquellen, 3. Abteilung: Fontes iuris 9. Band: S. 286-288, 296
  • Richard Perger: Die Wiener Ratsbürger 1396 – 1526. Wien: Deuticke 1988 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 18), S. 25, 29 ff. (Namenliste 1396-1526)
  • Elfriede Sheriff: Die Ämter der Stadt Wien von 1783-1848 in verwaltungsgeschichtlicher und personeller Hinsicht. Diss. Univ. Wien. Wien 1977, S. 101-103