Bürgerspitalfonds

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Titelbatt eines 1801 angelegten Verzeichnisses von Spenden an das Spital zu St. Marx. Die Abbildung zeigt in einem fiktiven Blickwinkel neben einem alten Paar das Bürgerspitalzinshaus (links) und im Hintergrund das Spital zu St. Marx.
Art der Organisation Sonstiges
Jahr von
Jahr bis
Benannt nach
Prominente Personen
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift  Titelbatt eines 1801 angelegten Verzeichnisses von Spenden an das Spital zu St. Marx. Die Abbildung zeigt in einem fiktiven Blickwinkel neben einem alten Paar das Bürgerspitalzinshaus (links) und im Hintergrund das Spital zu St. Marx.
Bildquelle WStLA, Bürgerspitalfonds, B1/1
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

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Das Wiener Bürgerspital war in der Frühen Neuzeit die zentrale Wohlfahrtsanstalt der Stadt Wien. Es diente zugleich der Fürsorge für Erwerbsunfähige, Arme und Alte, der Pflege von Kranken und hatte ein Gebär-und auch ein Waisenhaus. Es verfügte über verschiedene Standorte. Die Versorgung erfolgte aus einer selbst betriebenen Wirtschaft im Rahmen der eigenen Grundherrschaft, zu der auch Brauereien gehörten.

Auf Befehl Josephs II. kam es 1782-1784 zu einer durchgreifenden Reorganisation des Wiener Wohlfahrtswesens. Das Bürgerspital in seiner bisherigen Form wurde aufgelassen, weil es zu einer Entflechtung der verschiedenen Aufgaben und der Finanzierung kommen sollte. Zur Krankenpflege war seit 1784 ausschließlich das staatliche Allgemeine Krankenhaus bestimmt, dem auch das Lazarett des Bürgerspitals (Johannes in der Siechenals) angegliedert wurde. Die Waisenkinder waren schon 1782 in das Waisenhaus am Rennweg übersiedelt, das Spital Zum Klagbaum wurde 1784 demoliert. Beim Bürgerspital verblieb die Versorgung der Alten und Erwerbsunfähigen. Diese wurden in das frei gewordene Spital zu St. Marx überführt.

Die Finanzierung erfolgte über den neu gegründeten Bürgerspitalfonds, in den das Vermögen des Bürgerspitals eingebracht wurde. Die Wirtschaftsführung wurde komplett umgestellt. Die Eigenwirtschaft wurde aufgegeben und der Landbesitz verpachtet. Das frei gewordene Bürgerspitalgebäude in der Stadt wurde 1783-1790 zu einem riesigen Zinshauskomplex umgebaut (siehe Bürgerspitalzinshaus), dessen Erträgnisse ebenfalls in den Bürgerspitalfonds flossen. Der Bürgerspitalfonds hatte aber nicht nur die Altersversorgung (die Gemeindeangelegenheit war) zu gewährleisten, sondern auch jährlich von den Erträgnissen Mittel an den Staat abzuliefern, die für die Waisen- und für die Krankenversorgung verwendet wurden. Die Umstrukturierungen zogen sich freilich über viele Jahre hin. Organisatorisch wurde der Fonds von der 1800 eingesetzten Bürgerspital-Wirtschaftskommission geführt. Diese Lösung hatte sich aus den wöchentlichen, seit 1734 bestehenden Hauskommissionen entwickelt.

Traditionspflege beim Bürgerspitalfonds: Titelblatt der anläßlich der Eröffnung des neuen Versorgungshauses erschienenen Geschichte des Bürgerspitals von Michael Altmann, dem späteren Direktor der Bürgerspitals-Wirtschaftskommission. Zu sehen ist ein Engel, der die Wappen des Bürgerspitals (mit dem Reichsapfel) und der Stadt Wien hält (1860).

1858-1860 wurde ein neues Bürgerversorgungshaus errichtet, welches das Spital zu St. Marx ablöste. Als Standort wählte man die Liegenschaft des ehemaligen Lazaretts Johannes an der Siechenals, das bis zu den josephinischen Reformen dem Bürgerspital gehört hatte. Das Bürgerversorgungshaus behielt seine Funktion bis zur Fertigstellung eines neuen Standortes in Lainz (siehe Lainzer Versorgungshaus). 1880 wurde die Bürgerspital-Wirtschaftskommission, die eine eigenständige Stellung beansprucht hatte, mit Beschluss des Wiener Gemeinderates (Gemeinderatssitzung vom 17. Februar 1880) aufgelöst. Die Verwaltung wurde von einer Kommission des Magistrats wahrgenommen. Die Kasse des Fonds wurde dem Magistrat übergeben und die Bürgerspitalsangestellten in den Status der Magistratsbediensteten eingewiesen. Hauptkritikpunkt und somit Grund für diese Änderung war nicht zuletzt der Anfang der 1870er Jahre erfolgte Verkauf des Bürgerspitalszinshauses und der im Gegenzug erfolgte Erwerb von Häusern am Schottenring (Bürgerspitalfondshaus).

Nach der Errichtung der Magistratsabteilungen war entsprechend der Geschäftseinteilung des Magistrats der Stadt Wien 1902 die Magistratsabteilung III für die Verwaltung des Wiener Bürgerspitalfonds sowie auch das Fondsgut Ebersdorf an der Donau und sonsitge Fondshäuser und Fondshäuser zuständig.

Aufgrund der „Verordnung über die Einführung fürsorgerechtlicher Vorschriften im Lande Österreich" (Gesetzblatt für das Land Österreich 3897/1938) wurde der Bürgerspitalsfonds im Juni 1941 aufgelöst und sein Vermögen jenem der Stadt Wien einverleibt.

Quellen

WStLA, Städtische Anstalten und Fonds, Bürgerspitalfonds

Literatur

  • Michael Altmann: Das Wiener Bürgerspital. Zur Erinnerung an die Eröffnung des neuen Bürger-Versorgungshauses in der Alservorstadt. Auf Grundlage mehrerer Manuscripte des ... Joseph Holzinger. Wien: L. C. Zamarski & C. Dittmarsch 1860
  • Karl Weiß: Geschichte der Stadt Wien. Band 2. Wien: Lechner 1883, S. 401