Bürgerspital vor dem Kärntnertor

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bürgerspital vor dem Kärntnertor an der Steinernen Brücke, um 1520, rekonstruierte Ansicht.
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1253
Jahr bis 1529
Andere Bezeichnung der burger spital
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Kärntnertor
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  14.07.2017 durch WIEN1\lanm08swa
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Karlsplatz-Areal um 1520 Ausschnitt Bürgerspital.jpg
Bildunterschrift  Bürgerspital vor dem Kärntnertor an der Steinernen Brücke, um 1520, rekonstruierte Ansicht.
Bildquelle Wien Museum, HMW 226490 Screenshot, Hersteller: 7reasons, Wien
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Akademiestraße
1Kärntner Straße
1Karlsplatz
1Kärntner Ring

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Derzeit wurden noch keine Konskriptionsnummer zu diesem Bauwerk erfasst!
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Bürgerspital vor dem Kärntnertor (gelegen vor dem Kärntnertor diesseits des Wienflusses im Bereich 1, Kärntner Ring, Akademiestraße, Kärntner Straße, Karlsplatz).

Von Wiener Bürgern wahrscheinlich zwischen 1253 und 1257 gegründet, wurden die ältesten Gebäude des Bürgerspitals vor dem Kärntnertor am Wienfluß errichtet. In der Nähe befand sich das ältere Heiligengeistspital. Über Umfang und Aussehen des sicherlich sehr großen Komplexes, der im Lauf der Zeit entstand, liegen nur wenige Quellen vor. Beispielsweise ist am Schottenaltar, der zwischen 1469 und 1475 entstanden ist, das Bürgerspital zu erkennen.

Der Zweck des Spitals, Einheimische und Fremde, Arme und Kranke sowie Kinder und Greise zu versorgen, erforderte die Anlage umfangreicher Gebäude, die 1268 noch nicht vollendet waren. Unweit des Spitals befand sich die Kolomankirche, um die sich ein Friedhof ausdehnte und die ihre Erbauer, der Arzt und Pfarrer von Himberg, Meister Jakob, 1338 dem Bürgerspital schenkte. Um diese Zeit konnten bereits 500 Arme durch das Spital verpflegt werden. Am 19. April 1377 erhielt das Spital von Herzog Albrecht II. die Güter, die der Herzog vorher Hans von Tirna als Lehen überlassen hatte.

In der Folgezeit bekam das Bürgerspital viele Zuwendungen, sodass es um die Mitte des 15. Jahrhunderts Geld, Häuser, Gärten und Mühlen, Äcker und Wiesen besaß. Dazu kamen Grund- und Burgrechtsdienste, Heimfallsrechte und Zehente. Außerdem hatte das Spital das lehensbare Recht des Bierausschankes, die Gerichtsbarkeit in Erdprust (siehe Erdbrustgasse) und anderwärts sowie die Pfarre Weigelsdorf mit allen dazugehörenden Gütern und vieles andere mehr erhalten. 1517 erhielt man außerdem das königliche Privileg, dass die Kranken und Armen der Stadt im Bürgerspital von der medizinischen Fakultät unentgeltlich behandelt werden mussten.


Zum Komplex gehörte die Allen Heiligen geweihte Kirche (in der Art der Bettelordenskirchen). Sie war für die Insassen des Bürgerspitals. Vermutlich schon im 13. Jahrhundert gegründet, bestand sie 1309 als dreischiffige Basilika. Sie erhielt 1368 einen gotischen Chor. 1383 wird eine Andreaskapelle genannt. Die Kirche wurde 1529 im Vorfeld der Belagerung Wiens zerstört.

Mit der Übersiedelung des Bürgerspitals in die Stadt wurde die ehemalige Klosterkirche St. Clara zur neuen Bürgerspitalspfarrkirche (siehe Bürgerspital (Haupthaus)).


Als 1529 beschlossen wurde, die ansehnlichen Gebäude des Bürgerspitals ebenso wie alle anderen Vorstadtbauten wegen der herannahenden Osmanen niederzubrennen, wurden die Armen sowie die wichtigsten Gerätschaften und Urkunden ins Clarakloster am Schweinemarkt gebracht, das 1530 zum neuen Bürgerspital bestimmt wurde (siehe Bürgerspital (Haupthaus)).

Zur Geschichte der Institution siehe: Bürgerspital


Literatur

  • Max Kratochwill: Die Gründung des Wiener Bürgerspitals. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 12 (1955/1956), S. 84 ff.
  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 247 ff.
  • Leopold Sailer: Aus der Geschichte des Wiener Bürgerspitals. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 9 (1927), S. 173 ff.
  • Elke Doppler / Christian Rapp / Sándor Békési (Hg.): Am Puls der Stadt: 2000 Jahre Karlplatz. Wien: Czernin Verlag 2008 (348. Sonderausstellung des Wien Museums), S. 272 - 273, S. 274 - 287
  • Marina Kaltenegger: Der "Karlsplatz" im Mittelalter. Das Spitalsviertel vor der Stadt. In: Elke Doppler / Christian Rapp / Sándor Békési (Hg.): Am Puls der Stadt: 2000 Jahre Karlplatz. Wien: Czernin Verlag 2008 (348. Sonderausstellung des Wien Museums), S. 62 - 69
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 79-81