Bürgerspital-Gottesacker

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Der Bürgerspital-Gottesacker auf der Wieden, im Vordergrund die Karlskirche. Ausschnitt aus dem Huber-Plan (erschienen 1778).
Art des Objekts Friedhof
Jahr von 1571
Jahr bis 1789
Name seit
Andere Bezeichnung Armensünder-Gottesacker
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Bürgerspital
Bezirk 4
Lage begrenzt von Karlsplatz, Argentinierstraße und Paniglgasse
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke Augustinkapelle
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname 7_4_Huber_Friedhof_BSp.jpg
Bildunterschrift  Der Bürgerspital-Gottesacker auf der Wieden, im Vordergrund die Karlskirche. Ausschnitt aus dem Huber-Plan (erschienen 1778).
Bildquelle WStLA, Pläne und Karten: Sammelbestand, P1:11
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Der Bürgerspital-Gottesacker mit Karlskirche am Nagel-Plan (1773).

Bürgerspital-Gottesacker, auch Gottesacker auf der Wieden, Armensünder-Gottesacker (4, neben der heutigen Karlskirche, begrenzt von Argentinierstraße, Paniglgasse und über die Karlsgasse hinausreichend). 1571 erwarb die Stadt Wien hier auf kaiserlichen Befehl ein Grundstück zur Errichtung eines neuen Friedhofs. Dieser diente zum einen der Pfarre St. Stephan zum Begräbnis der Verstorbenen der zu seinem Pfarrgebiet gehörenden Vorstadt Wieden. Zum anderen wurden hier wahrscheinlich schon von Beginn an auch die Verstorbenen des Bürgerspitals bestattet. Der alte, bereits seit dem Mittelalter genutzte Friedhof des Spitals lag auf der gegenüberliegenden Seite des Wienflusses vor dem Kärntnertor (Kolomanfreithof) und war dem Ausbau der Stadtbefestigung im Weg. Er wurde spätestens in den 1640er Jahren aufgelassen.

Der Friedhof wurde 1571 am Rande der Vorstadtbesiedlung errichtet (am Bild links oben zu erkennen). Der alte Kolomanfreithof ist hier noch hinter der Bürgerspitalkirche (rechts) zu erkennen. Ausschnitt aus: Vogelschau von Wien, Jakob Hoefnagel (1609).

Im Jahr 1640 ging der Friedhof offiziell in den Besitz des Bürgerspitals über, da dieses die Kosten für die Erneuerung des Totengräberhäuschens übernahm. Vermutlich erst danach entstand eine Kapelle, die 1683 im Zug der Zweiten Osmanischen Belagerung zerstört wurde. Daraufhin erfolgte die Wiederherstellung des Friedhofs und ab Ende 1698 oder Anfang 1699 auch die Wiedererrichtung einer Kapelle (Augustinkapelle). Von der 1638 auf Initiative von Kaiserin Eleonore von Gonzaga (1598–1655, Witwe Ferdinands II.) gegründeten Totenbruderschaft wurden auf dem Friedhof Hingerichtete bestattet, weshalb er auch die Bezeichnung Armensünder-Gottesacker trug.

Im Zug der Friedhofsaufhebungen innerhalb des Linienwalls unter Joseph II. erfolgte auch die Auflassung des Bürgerspital-Gottesackers. Dieser wurde ab 1784 nicht mehr belegt und in der Folge das Gelände eingeebnet und die Kapelle abgerissen. 1807 kam es schließlich zur Parzellierung und Versteigerung des Areals. An den 1741 auf dem Bürgerspital-Gottesacker begrabenen Antonio Vivaldi erinnert heute noch eine Gedenktafel am Hauptgebäude der Technischen Universität.

Literatur

  • Werner T. Bauer: Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens. Wien: Falter-Verlag 1988, S. 36 ff.
  • Elke Doppler / Christian Rapp / Sándor Békési [Hg.], Am Puls der Stadt. 2000 Jahre Karlsplatz. Wien: Czernin 2008 (Ausstellungskatalog zur 348. Sonderausstellung des Wien Museums), S. 302 ff.
  • Gerhard Fischer: Antonio Vivaldis letzter Sommer. Wien: Daedalus 2012
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 231
  • Carl Hofbauer: Die Wieden mit den Edelsitzen Conradswerd, Mühlfeld, Schaumburgerhof und dem Freigrunde Hungerbrunn. Historisch-topographische Skizzen zur Schilderung der Vorstädte Wiens. Wien: Gorischek 1864, S. 166 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1888]). Cosenza: Brenner 1967, Band 2, S. 160 ff.
  • Michael Lorenz: "Haydn Singing at Vivaldi's Exequies: An Ineradicable Myth". Wien 2014
  • Sarah Pichlkastner: Eine Stadt in der Stadt. InsassInnen und Personal des frühneuzeitlichen Wiener Bürgerspitals – eine Studie anhand exemplarischer Untersuchungszeiträume [in Arbeit befindliche Dissertation an der Universität Wien, geplanter Abschluss 2018]
  • Sarah Pichlkastner / Manuel Swatek: Fürsorge und Ökonomie. Das Wiener Bürgerspital um 1775. Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Reihe B: Ausstellungskataloge, Heft 97, Wien 2017
  • Leopold Senfelder: Öffentliche Gesundheitspflege und Heilkunde. In: Alterthumsvereine zu Wien [Hg.], Geschichte der Stadt Wien. Band 6: Vom Ausgange des Mittelalters bis zum Regierungsantritt der Kaiserin Maria Theresia, 1740, Teil 3. Wien: Holzhausen 1918, S. 206–290 (zum Friedhof mit einer Lageskizze S. 253 ff.)