Bürgerspital

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siegel des Bürgerspitalmeisters an einer Urkunde vom 21. Mai 1301. Der Siegelstock wurde bis ins 18. Jahrhundert vom Bürgerspital verwendet.
Art der Organisation Anstalt
Jahr von
Jahr bis
Benannt nach
Prominente Personen
Quelle
Letzte Änderung am  20.01.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname BSpU 20 BSPmeisterSiegel.JPG
Bildunterschrift  Siegel des Bürgerspitalmeisters an einer Urkunde vom 21. Mai 1301. Der Siegelstock wurde bis ins 18. Jahrhundert vom Bürgerspital verwendet.
Bildquelle WStLA, Bürgerspital, Urkunden: 20
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer

frühere Adressierung

Es wurden noch keine früheren Adressen zu dieser Organisation erfasst!

BezeichnungJahr vonJahr bis
12571783

Gründung

Das Wiener Bürgerspital wurde wahrscheinlich zwischen 1253 und 1257 gegründet. Im Gegensatz zum bereits bestehenden Heiligengeistspital, das von einem Orden betrieben wurde, war das Bürgerspital eine Einrichtung der Bürger Wiens. Als solche war es die früheste derartige Institution in Österreich. In der ältesten Urkunde (1257) werden Otto vom Hohen Markt und seine Brüder Kuno und Konrad als "gubernatores" des Bürgerspitals genannt. Sie zählten zu den damals reichsten Bürgern und können vermutlich als Hauptbegründer des Spitals angesehen werden. Das Bürgerspital wurde zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen geweiht und wird in den Urkunden meist als "der burger spital" bezeichnet. Zur Absicherung der Institution wurde am Beginn des 14. Jahrhunderts eine Urkunde auf 1268 gefälscht sowie ein Dienstbuch angelegt.


Das Bürgerspital vor dem Kärntnertor

Der erste, bis zur Belagerung Wiens 1529 bestehende Standort des Spitals war vor dem Kärntnertor, nämlich diesseits des Wienflusses im Bereich Kärntner Ring, Akademiestraße, Kärntner Straße und Karlsplatz (zum Bauwerk siehe Bürgerspital vor dem Kärntnertor). Die von den Bürgern begründete und geführte Institution diente vor allem der Altersversorgung von eingekauften Pfründern aus der bürgerlichen Führungsschicht. Durch den Erwerb von Besitz- und Herrschaftsrechten, die als Spitalsvermögen eine rechtliche Sonderstellung innehatten, bekam das Spital zentrale Bedeutung im städtischen Wirtschaftsleben.


Zur Förderung des Spitals gingen seitens der Kirche Ablasserteilungen und andere Gnadenakte aus. Bis 1272 lagen die wirtschaftlichen Verhältnisse des Bürgerspitals im argen, bis 1290 erwarb es lediglich zwei Stadthäuser und einige Liegenschaften außerhalb der Stadt. Ab 1285 unterstand das Bürgerspital (anfangs dem Prager Kreuzherrenorden anvertraut) der Stadt Wien. Das Amt des Spitalmeisters übten zunächst Geistliche, ab etwa 1320 Ratsbürger aus. 1291 setzte die Erwerbung grundherrlichen Besitzes ein (in größerem Ausmaß in Gumpendorf und Breitensee). Die 1338 am Bürgerspital-Gottesacker vom Wiener Arzt Magister Jakob erbaute Kolomankirche wurde 1351 samt allen ihren Stiftungen dem Bürgerspital inkorporiert.


Der Wohlstand des Bürgerspitals wurde in der Folge durch zahlreiche Schenkungen gehoben. Kennen wir als älteste Stiftung jene des Otto von Gumpendorf, der dem Bürgerspital bereits 1264 Äcker und Weingärten in Reinprechtsdorf vermacht hatte, so war eine der größten Stiftungen jene des Seifried Futterer und des Stephan Kriegler (viele Höfe, Häuser und Weingärten). 1432 kam das älteste (vor dem Widmertor in der Weidenstraße gelegene) Brauhaus in das Eigentum des Bürgerspitals [1].


Neuer Standort und neue Stellung

Engel mit den Wappen des Bürgerspitals (Reichsapfel) und der Stadt Wien vom Titelblatt einer Geschichte des Bürgerspitals von Michael Altmann, dem späteren Direktor der Bürgerspital-Wirtschaftskommission (1860).

Als 1529 beschlossen wurde, die riesigen Gebäude des Bürgerspitals vor dem Kärntnertor ebenso wie alle anderen Vorstadtbauten wegen der herannahenden Osmanen niederzubrennen, wurden die Insassen sowie die wichtigsten Gerätschaften und Urkunden ins Clarakloster am Schweinemarkt gebracht. Die wenigen verbliebenen Nonnen des im Verfall begriffenen Klosters waren nach Judenburg geflohen. 1530 schenkte Erzherzog Ferdinand das Klostergebäude der Stadt (zum Bauwerk siehe Bürgerspital am Schweinemarkt). Die zerstörten Gebäude vor dem Kärntnertor wurden nicht wieder aufgebaut (Glacis). Neben dem örtlichen Wechsel in der Folge von 1529 hatte sich die Verfassung des Spitals bereits zuvor gewandelt. Die Stadtordnung von 1526 brachte einerseits eine verstärkte Kontrolle der Stadt und auch des Bürgerspitals durch den Landesfürsten mit sich. Der Spitalmeister, der bisher aus dem Kreis der Ratsbürger kam, wurde zu einem städtischen Beamten, der seinen Amtseid direkt dem Bürgermeister und dem Rat - in Beisein der landesfürstlichen Stadtanwalts ableistete. In wichtigen wirtschaftlichen Fragen war der Spitalmeister an zwei aus dem Stadtrat gewählte Superintendenten gebunden, die erst die Genehmigung des Stadtrates einholten. Die Oberaufsicht behielt sich die niederösterreichische Regierung bzw. die Hofkommission zur Armenversorgung vor, deren Einfluss im Laufe des 18. Jahrhunderts immer stärker wurde.


Aufgaben und Standorte

Die Aufgaben der Institution erweiterten sich in der Frühen Neuzeit erheblich. Hauptaufgabe war die Altenversorgung. Daneben gewann die Krankenbetreuung immer mehr an Bedeutung, besonders in der Zeit von Epidemien, wenn die eigentlichen Siechenhäuser überfüllt waren. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts fand auch die praktische Ausbildung der Medizinstudenten im Bürgerspital statt. Ab dem 16. Jahrhundert gab es eine Abteilung für Wöchnerinnen, 1624 wurden die bis dahin bei St. Niklas untergebrachten Waisenmädchen übernommen. Das Chaossche Stiftungshaus diente ab 1664 der Unterbringung von Waisenknaben. Zu all diesen Aufgaben übte der Spitalmeister die gesamte Armenpolizei im Burgfriedensbereich aus und kontrollierte das Bettlerwesen.


Die Zunahme der Aufgaben wurde durch eine Inkorporierung verschiedener Einrichtungen, bedeutende Stiftungen und die Einrichtung von Filialen bewerkstelligt:

  • Mit der Übernahme der Obdachlosenbeherbergung vom Pilgramhaus nach der Ersten Osmanenbelagerung 1529 wurden auch dessen Besitzungen dem Bürgerspital einverleibt.
  • 1540 wurde das ruinierte Lazarett zu Johannes in der Siechenals dem Bürgerspital einverleibt, damit es aus den Mitteln des Spitals wieder aufgebaut werden konnte.
  • 1664 schloss das Bürgerspital mit Chaosschen Stiftung einen Vertrag, in welchem das Bürgerspital gegen eine jährliche Zahlung die Betreuung der in der Stiftung festgelegten Plätze für Waisenknaben übernahm.
  • 1706 wurde das unter den Folgen der Zweiten Osmanenbelagerung leidende Spital zu St. Marx auf Befehl der Regierung dem Bürgerspital angegliedert. Darauf wurden Kranken- und Gebärhaus hier konzentriert, während die Altenversorgung im Bürgerspital selbst erfolgte.
  • Mit dem Spital zu St. Marx übernahm das Bürgerspital 1706 das Siechenhaus Zum Klagbaum (4, Wiedner Hauptstraße 64-66, Klagbaumgasse 1-4]). Dieses bestand seit 1267. Bereits 1686 übernahm das Bürgerspital Kosten für den Wiederaufbau des durch die Osmanenbelagerung zerstörten Gebäudes.
  • Im Parzmayrschen Haus am Tiefen Graben (Konskriptionsnummer 176; 1, Tiefer Graben 25; siehe Bettelkotter) wurde wahrscheinlich schon im 17. Jahrhundert ein Filialspital eingerichtet.
  • 1709 wurde im Bäckenhäusel ebenfalls ein Filialspital eingerichtet.


Neuordnung durch Joseph II.

Die Reformen Josephs II. führten zu tiefgreifenden Änderungen in der Organisation des gesamten Wohlfahrts- und Versorgungswesens. Die einzelnen Aufgaben wurden getrennten Einrichtungen übertragen. Die Krankenversorgung (inklusive des Standtortes Johannes in der Siechenals) und die Gebäranstalt gingen auf das Allgemeine Krankenhaus über, die Findelanstalt wurde neu begründet. Die Armen- und Altenversorgung verblieb beim Bürgerspital, das allerdings gänzlich neu aufgestellt wurde. Das Vermögen wurde in den neu gegründeten Bürgerspitalfonds eingebracht, dessen Erträge die Armen- und Altenversorgung finanzieren sollte und der von zwei so genannten Superintendenten verwaltet wurde. Allgemein stand die Verwaltung bis zur Magistratsreform 1783 in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Stiftungsdirektion und ging folglich an die Gemeinde; Rechnung gingen ab November 1758 an die städtische Buchhaltung, Bürgerspitalskapitalien an das Depositen- und Pupillaramt. Im Jahr 1800 erscheinende Regelung der Geschäftsordnung brachte einige Neuerungen; der neue Personalstand differenzierte zwischen den einzelnen Bürgerspitalsgebäuden: a) Spitalamt mit Spitalmeister und (Spitalamts)Gegenhandler, b) Zehentamt mit Zehenthandler, und c) St. Marx mit Pfleger, Schreiber, Heilarzt plus Assistent, Wundarzt, Torwart, Feuerwächter und Hausknecht. Das Gebäude in der Kärntner Straße diente nicht mehr der Unterbringung von Insassen, sondern wurde 1783 bis 1790 umgebaut und zum Zinshaus umfunktioniert (siehe Bürgerspitalzinshaus). Die Insassen kamen ins Spital St. Marx, die Waisenkinder (die 1669 aufgrund der Chaosschen Stiftung in einem gegen die Kärntner Straße zu gelegenen Trakt untergebracht worden waren) auf den Rennweg (siehe Waisenhaus). Die Bürgerspitalkirche wurde entweiht und geschlossen.


Weitere Informationen siehe:


Literatur

  • Joseph Holzinger: Hausgeschichte des Bürgerspitals zu Wien. Unveröffentlichtes Manuskript 1857-1860 [WStLA, Handschriften: A 240]
  • Karl Weiß: Geschichte der öffentlichen Anstalten, Fonde und Stiftungen für die Armenversorgung in Wien. Wien 1867
  • Leopold Sailer: Aus der Geschichte des Bürgerspitals und dessen Verhältnis zur Groß-Kommune Wien. 1865
  • Leopold Sailer: Aus der Geschichte des Wiener Bürgerspitals. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 9 (1927), S. 173 ff.
  • Lorenz Novag: Das Bürgerspital und das Versorgungshaus zu St. Marx in Wien von 1527 bis 1820. 1820
  • Hans Pemmer: Das Bürgerspitalzinshaus und seine Bewohner im Vormärz. In: Wiener Geschichtsblätter 12 (1958), S. 73 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 323 f.
  • Brigitte Resl: Bürger und Spital. Zur Entwicklung des Wiener Bürgerspitals bis zum ersten Drittel des 14. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Verein für Geschichte Stadt Wien 47/48 (1991/1992), S. 173 ff.
  • Brigitte Pohl-Resl: Rechnen in der Ewigkeit. Das Wiener Bürgerspital im Mittelalter. In: MIÖG Erg.-Band 33 (1996)
  • Max Kratochwill: Die Gründung des Wiener Bürgerspitals. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 12 (1955/1956), S. 84 ff.
  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 247 ff.
  • Elfriede Sheriff: Die Ämter der Stadt Wien von 1783-1848 in verwaltungsgeschichtlicher und personeller Hinsicht. Diss. Univ. Wien. Wien 1977, S. 99-104
  • Elke Doppler / Christian Rapp / Sándor Békési (Hg.): Am Puls der Stadt: 2000 Jahre Karlplatz. Wien: Czernin Verlag 2008 (348. Sonderausstellung des Wien Museums), S. 272 - 273, S. 274 - 287
  • Marina Kaltenegger: Der "Karlsplatz" im Mittelalter. Das Spitalsviertel vor der Stadt. In: Elke Doppler / Christian Rapp / Sándor Békési (Hg.): Am Puls der Stadt: 2000 Jahre Karlplatz. Wien: Czernin Verlag 2008 (348. Sonderausstellung des Wien Museums), S. 62 - 69
  • Martin Scheutz, Alfred Stefan Weiß, Spital als Lebensform. Österreichische Spitalordnungen und Spitalsinstruktionen der Neuzeit. Wien Böhlaus Verlag 2015 (Quellenedition des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 15), Band 1 (Kommentare), 279-296, Band 2 (Editionsteil), 933-1057


Einzelnachweise

  1. WStLA, Bürgerspital, U1: Urkunde Nr. 532 und WStLA, Bürgerspital, U1: Urkunde Nr. 533