Büßerinnenkloster zu St. Hieronymus

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1306
Jahr bis
Andere Bezeichnung Franziskanerkloster
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  18.08.2017 durch DYN\donaustadt22
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
BezirkStraßeHausnummer
1Singerstraße26-26A
1Franziskanerplatz4
1Weihburggasse19

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Derzeit wurden noch keine Konskriptionsnummer zu diesem Bauwerk erfasst!
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Büßerinnenkloster zu St. Hieronymus (1, Franziskanerplatz 4, Weihburggasse 19, Singerstraße 26-26A; seit 1589 Franziskanerkloster mit Franziskanerkirche).

Orden der Büßerinnen

Das Büßerinnenkloster war für Frauen bestimmt, "die sich aus iren offenn sunden aus dem gemainen frein leben der uncheusch bechert und in puess gesaczt habent", nahm also vor allem reuige Lustdirnen auf. Laut Karl Weiß war 1306 ein "Seelhaus der Büßerinnen vom dritten Orden des heiligen Franziskus" gegründet worden. Da sich diese Einrichtung gut bewährte, schlossen sich 1383 Wiener Bürger zusammen, die es erweiterten, um die sittlichen Zustände in der Stadt zu heben. Herzog Albrecht III. bestätigte diese Stiftung am 25. Februar 1384, gewährte dem "Seelhaus" Steuer- und Zollfreiheit und unterstellte es der Aufsicht der Stadt. Seither leiteten Wiener Bürger als "Verweser" die Verwaltung des Hauses. Die Büßerinnen standen unter der Leitung einer "Meisterin", waren zu einem gemeinsamen Leben und zu Bußübung verpflichtet, konnten jedoch heiraten, ohne dass dies für den Bräutigam ehrenrührig gewesen wäre. Rückfälligen Frauen drohte allerdings der Tod durch Ertränken. Sie hatten kein Klostergelübte (jedoch ein Gelübte des Gehorsams gegenüber der Meisterin) abzulegen, trugen aber eine Ordenskleidung. Die Frauen mussten ein arbeitsreiches Leben führen und unterstanden der Oberin, der Vikarin und der Saalmeisterin, die Nonnen (Magdalenitinnen) waren und als solche ein Armuts- und Keuschheitsgelübte abgelegt hatten. Die Saalmeisterin führte die Aufsicht über den für je zehn Büßerinnen bestimmten Saal mit abgeteilten Schlafstellen.


Übersiedlung und Ausbau des Klosters

Am 16. November 1384 erwarb der Verweser Konrad (der) Schneider, der zu den eifrigsten Förderern der Stiftung gehörte, ein Haus Heinrichs von Pottendorf zwischen Singerstraße und Weihburggasse, das anstelle zweier älterer Gebäude errichtet worden war, um 93 Pfund Wiener Pfennig aus den Geldern der Stiftung. Hierher übersiedelten die bis dahin in der Kumpfgasse untergebrachten Büßerinnen. Bis 1387 wurde eine dem heiligen Hieronymus geweihte Kapelle erbaut und durch den Titularbischof Castoria geweiht. Zwischen 1411 und 1414 kauften die Büßerinnen von der Schreiberzeche ein Haus "im Gäßlein zwischen der Singerstraße und der Weihburg" als Wohnung für den Kaplan, der die Seelsorge in der Anstalt innehatte. Der Komplex vergrößerte sich 1440 (Haus in der Singerstraße), 1451 (Haus in der Weihburggasse) und 1487 (weiteres Haus in der Singerstraße). Einen wichtigen Vermögensbestandteil bildete zwischen 1387 und 1511 die Badstube "Perliebin" (Stadt 645; 1, Rabensteig 1). Unter den bürgerlichen Wohltätern ragt Bürgermeister Konrad Hölzler (der Jüngere) († 1478) hervor, der den Büßerinnen unter vielem anderen seine Häuser in der Landskrongasse (Stadt 548; 1, Landskrongasse 1-3; siehe Generali-Bürohaus) und in der Weihburggasse (Stadt 919; 1, Weihburggasse 14) samt Garten vermachte. Im 15. Jahrhundert wurde das Büßerinnenkloster umgebaut (1455 neues Dormitorium). Verwalter der Bauarbeiten war 1467 der Apotheker Ulrich Vogler.


Umbau der Kirche

Die neu erbaute Anstaltskirche - eine Erweiterung der Hieronymuskapelle, die vor allem durch die Gelder der Stiftung Hölzlers bezahlt werden konnte - wurde 1467 durch Bischof Albert von Passau geweiht. Die heutige Franziskanerkirche dürfte aus diesem spätmittelalterlichen Bau hervorgegangen sein. Sie war damals allerdings von der Weihburggasse aus zugänglich (vierjochiger Bau mit 5/8-Chorschluss, spätes Beispiel einer gotischen Einraumkirche; vergleiche Malteserkirche) und hatte sieben Altäre (heiliger Hieronymus, heilige Jungfrau Maria, heilige Helena, heilige Dreifaltigkeit, heilige Apostel, zu den vierzehn Nothelfern, heilige Maria Magdalena) und eine Gottesleichnamkapelle. 1558 zeichnete Hans Sebald Lautensack eine ziemlich imposante Kirche mit Fassadentürmchen, fünf Jochen und polygonaler Apside, die nur wenig beschädigt war.


Erweiterung der Privilegien

Mit einem Brief vom 31. August 1480 bestätigte Friedrich III. die Privilegien des Hauses, die er noch vermehrte. So gestattete er den Büßerinnen die freie Einfuhr ihres Eigenbaues an Wein und Getreide sowie die Weinausschank, für die zwar eine Gebühr, aber keine Steuern zu entrichten waren. Außerdem wurde ihnen erlaubt, eine Frau aus ihrer Mitte nach dem Rat des Offizials als Meisterin zu wählen und Mitglieder aus allen österreichischen Landen aufzunehmen. 1493 genehmigte er dem Kloster außerdem noch jährlich 40 Fuder Salz aus dem Salzamt in Gmunden. 1496 erhielten die Büßerinnen dafür Zollfreiheit und 1499 die Erlaubnis, im Wienerwald am Mittenkogel Brennholz zu schlagen.


Niedergang des Klosters

Noch um 1500 war das Büßerinnenkloster stark belegt (damals wurden zusätzliche Zellen erbaut). Der Stadtbrand von 1525, die Belagerung Wiens durch die Osmanen (sogenannte Erste Türkenbelagerung) von 1529 und die Wirren der Reformation leiteten den Niedergang des Büßerinnenklosters ein. Beim Stadtbrand war der größte Teil des Klostergebäudes abgebrannt, nur der Pfarrhof blieb unversehrt. Das Schlafhaus sowie der Meierhof wurden durch die Flammen vollkommen zerstört. Da den Büßerinnen durch die Reformation keine Legate und Stiftungen mehr zuflossen, konnte nur ein kleiner Teil der Wohnanlagen wiederhergestellt werden. Im Jahr 1543 wurden anlässlich einer Klostervisitation nur noch die Meisterin Juliane Kleeberger sowie acht weitere Bewohnerinnen vorgefunden.

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts war ein Sittenverfall zu erkennen. Meisterin Juliane Kleeberger wurde, da sie Orgien geduldet und mitveranstaltet hatte, in Untersuchung gezogen und starb 1553 im Bußhaus. Der Hofmeister des Klosters, Hans Tiem, klagte 1566 über arge Missstände wie "allerley Leichtfertigkeiten", Gotteslästerung, Unzucht, Trunkenheit und Völlerei. Durch Misswirtschaft gingen auch noch die Klostergüter verloren. In der Folge lebten immer weniger Frauen im Kloster, bis es ab dem 29. April 1571 vollkommen leer stand.


Schule für arme oder verwaiste Bürgermädchen (Waisenhaus)

Schon 1569 war der Plan gefasst worden, das Kloster in eine Schule umzuwandeln, da zu diesem Zeitpunkt nur mehr zwei Ordenspersonen im Haus lebten und keine Gottesdienste mehr abgehalten wurden. Der Klosterrat schlug daher am 31. August 1569 Kaiser Maximilian II. die Errichtung eines Unterrichts- und Erziehungshaus für adelige und bürgerliche Mädchen vor. Der Kaiser lehnte jedoch ab, da seiner Ansicht nach die Trennung des Adels vom Bürgerstand von Alters her zu Recht bestehe. Daher wollte er zuerst im Klostergebäude eine Adelsschule errichten lassen. Da das Haus jedoch im Besitz der Stadt Wien stand, ließ er diesen Plan fallen und sprach sich für die Errichtung einer bürgerlichen Schule aus, in die auch Mädchen aus dem ganzen Land Niederösterreich "nach Gelegenheit der Eltern, Freundschaft oder die es am meisten nötig haben" aufgenommen werden sollten. Erst das Eingreifen des Bürgermeisters Georg Prandstetter führte dazu, dass man sich Ende 1569 entschloss, das Kloster tatsächlich in eine Schule für 20 arme Bürgermädchen umzubauen. Aufnahme fanden zwischen sechs und sieben Jahre alte Mädchen, die vollständig arm oder verwaist waren. Sie erhielten bis zu ihrem 15. Lebensjahr Verpflegung, danach mussten sie sich ihr Brot selbst verdienen. Sollte ein Mädchen vor Ablauf des 15. Lebensjahres mit Wissen des Bürgermeisters und Rates der Stadt Wien heiraten, stand ihm eine Aussteuer von zehn Pfund aus den Einkünften des Klosters zu. Töchter wohlhabender Eltern fanden gegen angemessenes Schulgeld Aufnahme. Unterrichtet wurden Religion, Lesen, Schreiben und mit besonderer Sorgfalt Hand- und Haushaltsarbeiten. Zwecks praktischer Übung wurden sogar Haustiere gehalten. Die Wäsche mussten sich die Mädchen zum Teil selbst fertigen, Einnahmen zum Beispiel durch Nähen oder Spinnen kamen dem Haus zugute. Am 1. November 1572 vermachte Prandstetter in seinem Testament der in diesem Jahr eröffneten Schule 6000 Gulden zur Erziehung von zehn armen Mädchen. Als die Schule 1589 nach St. Niklas (Nikolaikloster) in der Singerstraße übersiedelte, übergab man das Kloster den Franziskanern (siehe Franziskanerkloster).


Literatur

  • Richard Perger / Walther Brauneis: Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens. Wien [u.a.]: Zsolnay 1977 (Wiener Geschichtsbücher, 19/20), S. 230 ff.
  • Anneliese Stoklaska: Zur Entstehung der ältesten Wiener Frauenklöster. Diss. Univ. Wien 1984, S. 104 ff.
  • Ferdinand Just: Regesten zur Geschichte der Büßerinnenklöster in Wien. In: Wiener Diözesanblatt 1887, S. 209 ff., 219 ff.
  • J. E. Schlager: Wiener-Skizzen aus dem Mittelalter. Neue Folge 2, S. 279 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 144
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 1. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 71-78


Weblink