Börseplatz 1

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1874
Jahr bis
Andere Bezeichnung Telegraphenzentralstation
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Winterhalder
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  7.06.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
BezirkStraßeHausnummer
1Börseplatz1
1Rockhgasse5
1Hohenstaufengasse8
1Helferstorferstraße10

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt14018211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Börseplatz 1, identisch mit Rockhgasse 5 und Hohenstaufengasse 8 sowie Helferstorferstraße 10.

1339 wurden Grund und Haus von den Besitzern an das Schottenkloster abgetreten. Die Schotten scheinen den Grund später wieder abgestoßen zu haben, im Schottenurbar stand 1411 bereits ein privater Besitzer als Eigentümer eingetragen. Vermutlich fiel das Haus einem der vielen Brände im Mittelalter zum Opfer. Jedenfalls war es in späterer Zeit Gartengrund des Schottenstiftes, den dieses 1672 dem Kaiser Leopold I. zwecks Vergrößerung des angrenzenden Zeughauses zum Geschenk machte.

Die Telegrafenzentralstation

Als in den 1860er Jahren das Zeughaus mit allen seinen Nebengebäuden im Zuge der Stadterweiterung verschwand und auf dessen Grund neue Straßenzüge entstanden, wurde der Grund, den das heutige Gebäude ausfüllt, für die Errichtung einer Telegrafenzentralstation in Aussicht genommen, welche den wichtigsten Knotenpunkt des ausgedehnten Telegrafennetzes im damaligen Staatsgebiet zu bilden hatte. Bis dahin war diese Zentralstation in einem kleinen Haus in der Herrengasse, dann in der Renngasse untergebracht gewesen.

1870 wurde begonnen das Gebäude zu erbauen und 1873 erfolgte die Übersiedlung dieser Behörde in das (mit einem Kostenaufwand von 704.028 Gulden) durch den Architekten Winterhalder und den Baumeister Edmund Kaiser errichtete und im Mai 1874 vollendete Telegrafendirektionsgebäude.

1902 bis 1907 wurde dieses einer gründlichen Erweiterung unterzogen. Die Adaptierung umfasste hauptsächlich die Aufsetzung eines vierten Stockwerkes, wodurch das bisher den Aparatsaal bildende dritte Stockwerk zur Unterbringung der schon längst schwer entbehrten Wohlfahrtseinrichtung für das zahlreiche Personal (800 Personen beiderlei Geschlechtes) verfügbar waren.

Das nach den Plänen des Architekten Baurat Eugen Faßbender rekonstruierte Gebäude ist ein mächtiger, vier Stock hoher, in Formen der italienischen Renaissance gehaltener Bau, welcher einen freistehenden Baublock von 53,73 Meter Länge und 42,04 Meter Tiefe bildeten. Gegen den Börseplatz baut sich ein Mittelrisalit mit Freitreppe vor, der durch eine mächtige, den Telegrafenverkehr symbolisierende, auf der Attika auf ruhenden Figurengruppe gekrönt ist. Im letzten Stockwerk befinden sich vier große, 7,3 Meter hohe Apparatsäle, von zusammen 1600m² Bodenfläche, die durch Bogenfenster seitlich und durch große Zierlichten von oben beleuchtet sind.

Interessant ist die Heiz- und Ventilationsanlage, welche dazu diente, um den Tag und Nacht von vielen angestrengt arbeitenden Personen besetzten Räumen möglichst staubfreie Luft zuzuführen, die einem am Börsenplatz aufgestellten Schachtpavilion entnommen wird, der durch einen Kanal mit dem Telegrafengebäude in Verbindung steht. Durch eine zweckmäßige Einrichtung wird die zugeführte Frischluft im Winter in acht Heizkammern erwärmt, im Sommer gekühlt.

Dem Verkehr der Telegramme innerhalb des Gebäudes sowie vom und zum Rohrpostnetz vermittelt eine besondere elektrische Seilschlittenbahn.

Siehe auch: Die Anfänge des Telefons.

Kriegsschäden

Bei dem großen Bombenanschlag am 12. März 1945 (siehe Wipplingerstraße 30) wurden drei Wohnungen des Hauses zerstört.

Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 3. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 643-644
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. 11 Bände. Wiesbaden: Steiner 1969-1981, Band 4, S. 581