Austrofaschismus

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‚Türkenbefreiungsfeier’ des Heimatschutzes (14. Mai 1933, Schönbrunn)
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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildunterschrift  ‚Türkenbefreiungsfeier’ des Heimatschutzes (14. Mai 1933, Schönbrunn)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv: Fotosammlung, TF-999002
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

1) Bezeichnung für rechtsextreme Bewegungen und Ideen in Österreich (und Wien) vor 1933/1934, die, in heftiger Gegnerschaft zur politischen Linken und in Konkurrenz zu Nationalsozialismus, Demokratie und Parlamentarismus, nicht zuletzt auch das (sozialdemokratische) „rote Wien" bekämpften und eine „ständestaatliche" (korporative) Gliederung von Staat und Gesellschaft auf der Grundlage des faschistischen „Führerprinzips" anstrebten. Politisches Vorbild und zugleich Förderer war das faschistische Italien Benito Mussolinis, geistig ist der Einfluß des Kreises um den Wiener Nationalökonomen Othmar Spann prägend. Der Austrofaschismus konnte sich schließlich 1933/1934 durchsetzen, als sich auch maßgebliche Kreise der regierenden Christlichsozialen Partei seinen Ideen verschrieben und mit den Heimwehren verbündeten.

2) Politisch und wissenschaftlich umstritten ist die Bezeichnung Austrofaschismus für das politische System 1933/1934-1938. Nach der Ausschaltung des Nationalrats und der Einleitung des „autoritären Kurses" durch die Regierung Dollfuß im März 1933 wurde die Parlamentarische Demokratie schrittweise zerstört und ein sich selbst „Christlicher Ständestaat" bezeichnendes Diktatursystem errichtet, wobei der Widerstand der Sozialdemokraten im Februar 1934 gebrochen und ein Putsch der Nationalsozialisten im Juli 1934 niedergeschlagen wurde (Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß). Die am 1. Mai 1934 „im Namen Gottes des Allmächtigen" oktroyierte „ständestaatliche" Verfassung blieb weitgehend auf dem Papier. In Wien wurde die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Karl Seitz eliminiert sowie der demokratisch gewählte Gemeinderat und Landtag aufgelöst; der Christlichsoziale Richard Schmitz wurde als Bundeskommissär beziehungsweise Bürgermeister eingesetzt, an die Stelle des Gemeinderats trat die Wiener Bürgerschaft, deren Mitglieder nach ständischen Gesichtspunkten ernannt wurden. Ideologisch entscheidend war der von den Bundeskanzlern Dollfuß und Schuschnigg repräsentierte „politische Katholizismus", wobei die Heimwehren unter Starhemberg 1936 ausgeschaltet wurden. Nicht zuletzt wirtschaftspolitisches Unvermögen (Arbeitslosigkeit) sowie der „Deutsche Kurs" (Juliabkommen 1936) führten zum Untergang des Austrofaschismus und zum Sieg des Nationalsozialismus 1938.

Literatur

  • Emmerich Talos / Wolfgang Neugebauer [Hg.]: Austrofaschismus. Beiträge über Politik, Kultur und Ökonomie 1934-1938. Wien: LIT Verlag 1988
  • Franz Baltzarek: Wien 1934-38. Die Geschichte der Bundeshauptstadt im autoritären Österreich. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1974, S. 49 ff.
  • Klaus-Jörg Siegfried: Universalismus und Faschismus. Das Gesellschaftsbild Othmar Spanns. Wien: Europaverlag 1974