Aula

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Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2, Akademie der Wissenschaften, Aula der alten Universität, Innenansicht Festsaal, Deckenfresko, um 1903
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1753
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname HMW 028278 00006.jpg
Bildunterschrift  Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2, Akademie der Wissenschaften, Aula der alten Universität, Innenansicht Festsaal, Deckenfresko, um 1903
Bildquelle HMW 28278/6, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Dr.-Ignaz-Seipel-Platz2

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Aula (der alten Universität; 1, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2; heutiger Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften).

Unter Maria Theresia 1753-1755 nach Plänen des französischen Architekten Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey durch Johann Enzenhofer, Daniel Christoph Dietrich und Johann Adam Münzer erbautes Universitätsgebäude am damaligen Universitätsplatz. Das Gebäude diente ursprünglich der juridischen Fakultät, die ab 1389 in der Schulerstraße (Juristenschule) untergebracht gewesen war, für den Unterrichtsbetrieb.

Die Aula ist der wichtigste im Stil des Rokoko ausgestaltete Monumentalbau Wiens; er orientiert sich an Pariser Vorbildern (etwa dem Palais Royal). Initiiert wurde der Bau durch Johann Sigmund Popowitsch (Professor der deutschen Sprache und Eloquenz). Am 15. März 1752 erfolgte der Kauf von drei Häusern (darunter das Collaltosche Haus). Die Leitung des Bauvorhabens wurde Erzbischof Fürst Trautson übertragen. Die Einweihung erfolgte am 5. April 1756 (Baudatum an der Attika hingegen voreilig "1754"!). 1758 wurden durch Nikolaus Pacassi kleinere Restaurierungsarbeiten durchgeführt. 1755 wurde von P. Maximilian Hell auf dem Dach eine Sternwarte eingerichtet (1872 Bau der Universitätssternwarte auf der Türkenschanze); ein Rest des Observatoriums hat sich erhalten. 1759 zog in ursprünglich für Professoren vorgesehene Wohnräume die Akademie der bildenden Künste ein. Ebenerdig war die 1845 von Joseph Hyrtl übernommene Anatomische Sammlung untergebracht (1848 ins Josephinum übertragen).

Bis 1848 wurde das Gebäude nur für Zwecke der Universität Wien verwendet. Während der Revolution 1848 war die Aula Hauptversammlungsort der Akademischen Legion; das Wort "Aula" wurde zum Synonym für den studentischen Radikalismus. Von 31. Oktober 1848 bis 1856 diente das Haus als Kaserne ("Aulakaserne"). Am 29. Oktober 1857 wurde das vom Militär freigegebene Gebäude der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zur Benützung übergeben. Im Festsaal der Aula (der als einziger Raum weiterhin der Universität zur Verfügung stand) fanden bis 1883 die feierlichen Rektorsinaugurationen statt. Die Übersiedlung in das neue Hauptgebäude am Ring erfolgte ab 1884.

Äußeres

Die fünfachsige Hauptfassade ist von einachsigen Eckrisaliten mit Wandbrunnen (Skulpturen um 1755, vermutlich von Franz Joseph Lenzbauer) flankiert, der dreiachsige Mittelteil im Hauptgeschoß als Loggia mit Freisäulengliederung zurückgezogen, das Obergeschoß attikaartig ausgebildet. Die Giebel der Eckrisalite tragen allegorische Figurenpaare (links: Medizin, Embleme Urne und Retorte; rechts: Jurisprudenz, Embleme Buch und Zepter) die darunterliegenden Fensterbekrönungen zeigen dazugehörige Embleme. Die 17-achsigen Seitenfronten werden im Erdgeschoß durch Rundbogentore mit darüberliegenden Balkonen sowie Pilastergliederung mit Dreieckgiebeln (Bäckerstraße: ungarisches Wappen, Sonnenfelsgasse böhmischer Löwe) akzentuiert. An der Hauptfassade wurde 1901 die so genannten Treitluhr (Joseph Treitl) angebracht (später ins Innere versetzt).

Inneres

Der Festsaal besitzt reiche Rokokodekorationen, allegorische Skulpturen und Deckenfresken (1755; Allegorien der vier Fakultäten; Originale von Gregorio Guglielmi 1961 durch Brand zerstört, 1964 rekonstruiert). Im ehemaligen Theologiesaal Deckengemälde von Franz Anton Maulbertsch (um 1756), im ehemaligen Ratssaal Fresken von Maulbertsch ("Taufe Christi", um 1756) und Kaspar Franz Sambach (1759). In der Aula fanden Anfang 19. Jahrhundert "Liebhaberkonzerte" statt, bei denen am 27. März 1808 (anläßlich der Aufführung seiner "Schöpfung") Joseph Haydn zum letzten Mal in der Öffentlichkeit erschien. 1813 dirigierte Beethoven Wohltätigkeitsakademien (bei denen auch seine 7. Symphonie gespielt wurde), 1819 ein Wohltätigkeitskonzert.

Literatur

  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 27
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 61 f.
  • Franz Gall: Die alte Universität. Wien [u.a.]: Zsolnay 1970 (Wiener Geschichtsbücher, 1), S. 97 ff.
  • Renate Wagner-Rieger: Das Haus der Österreichischen Akademie der Wissenschaft. 1972