Anna Sacher

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Personenname Sacher, Anna Maria
Abweichende Namensform Fuchs, Anna Maria
Titel
Geschlecht weiblich
GND 139577270
Geburtsdatum 02.01.1859
Geburtsort Wien
Sterbedatum 25.02.1930
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Friedhof Dornbach
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Hotelbesitzerin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  16.01.2018 durch DYN\rabus
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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Goldenes Ehrenzeichen des Landes Wien mit Krone
Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Geburtsadresse2Rotensterngasse13
Sterbeadresse1Philharmonikerstraße4
NameVerwandtschaftsgrad
Eduard SacherGatte
Franz SacherSchwiegervater

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Anna Sacher, * 2. Jänner 1859 Wien, † 25. Februar 1930 Wien, Hotelbesitzerin.

Biographie

Anna Maria Sacher war die Tochter des Fleischhauers Johann Fuchs und seiner Frau Franziska, geborene Reitter. Sie wuchs im 2. Bezirk (Leopoldstadt) in Wien auf, wo sie auch die Schule besuchte und in der väterlichen Fleischhauerei mithalf. Sie hatte fünf Geschwister und eine Halbschwester.

Am 21. Februar 1880 ehelichte sie den Hotelier Eduard Sacher im Stephansdom. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Eduard junior, Franziska und Anna hervor. Nach der Eheschließung stieg sie umgehend in den Betrieb ihres Mannes ein. Dieser hatte 1876 sein Hotel de l’Opera, das spätere Hotel Sacher, in der Philharmonikerstraße eröffnet, und innerhalb weniger Jahre schufen sie zusammen ein Hotel von ausgezeichnetem Ruf im In- und Ausland.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1892 übernahm Anna Sacher die alleinige Führung des Hotels. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Hotel Sacher samt dem Sachergarten im Prater zum Treffpunkt höchster Gesellschaftskreise. Angehörige des Hofs und des Hochadels verkehrten dort, aber auch Politiker und Künstler aus aller Welt gingen im Hotel Sacher ein und aus. Anna Sacher war eine Spezialistin der Gastronomie und sicherte dem Hotel bereits vor dem Ersten Weltkrieg internationalen Ruf. Sie wurde laufend auf Kochkunstausstellungen prämiert und, wie zuvor bereits ihr Mann, zum k.u.k. Hoflieferanten ernannt. Sie gründete außerdem die Kochschule der Gastwirte Wien und war dort als Präsidentin des Schulkuratoriums tätig.

Ihre ungeheure Popularität erlangte sie nicht zuletzt aufgrund ihrer originellen Art. Besonders geprägt wurde das Bild von Anna Sacher durch ihre Vorlieben für Zigarren und Französische Zwergbulldoggen, mit denen sie gerne in Erscheinung trat. Mit ihrem Auftreten, ihren gastronomischen Fähigkeiten und ihrer Hingabe für den Betrieb führte sie das Hotel Sacher zu Weltruhm und machte es zu einer österreichischen Institution, in der alles, was Rang und Namen hatte, zu Gast war. Bekannt war ihr berühmtes Tischtuch, auf dem sich die prominenten Gäste verewigten und sie persönlich die Namenszüge nachstickte. Das Tischtuch ist heute noch im Sacher zu sehen.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges endete allerdings die Blütezeit des Hotels Sacher. Anna Sacher konnte nicht mehr an die Glanzzeiten während der Monarchie anknüpfen, und schon bald stellten sich auch finanzielle Schwierigkeiten ein. 1929 ließ sie sich freiwillig entmündigen und zog sich aus der Leitung des Hotels zurück. Sie verstarb 1930 in einem Zimmer ihres Hotels. Anna Sacher wurde auf dem Dornbacher Friedhof in Wien beerdigt.

1932 wurde schließlich ein Ausgleichsverfahren eingeleitet, und 1934 musste Konkurs angemeldet werden. Der Anwalt Hans Gürtler, seine Frau Poldi und das Ehepaar Josef und Anna Siller übernahmen daraufhin das Hotel. Heute befindet sich das Hotel im Privatbesitz der Familie Gürtler.

Anna Sacher wurde zu Lebzeiten mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Sie erhielt das "Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien mit der Krone" und als erste Frau das "Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich". Ihr Leben war außerdem immer wieder Stoff für Verfilmungen und Biographien. Zuletzt wurde ihr Leben 2016 als zweiteiliger Fernsehfilm mit Ursula Strauß in der Rolle der Anna Sacher verfilmt.

Literatur

  • Monika Czernin: Anna Sacher und ihr Hotel. Im Wien der Jahrhundertwende. München: Penguin Verlag 2016
  • Hans Werner Scheidl: Die Fürstin der Wiener Ringstraße. In: Die Presse, 17.01.2015, S. 29
  • Elke Krasny: Stadt und Frauen. Eine andere Topographie von Wien. Wien: Metroverlag 2008, S. 147
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon [der Ersten und Zweiten Republik]. Wien: Ueberreuter 1992
  • Franz Maier-Bruck: Das große Sacher-Kochbuch. München: Schuler 1975, S. 36 ff.
  • Rudolf von Granichstaedten-Cerva / Josef Mentschl / Gustav Otruba: Altösterreichische Unternehmer. 110 Lebensbilder. Wien: Bergland-Verlag 1969 (Österreich-Reihe, 365/367), S. 102
  • Hans Fuchs: Anna Sacher, geborene Fuchs. Ein Wiener Original. In: Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler" 7 (1967/1970), S. 217 ff.
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815−1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien / Graz: Böhlau 1954−lfd.
  • Franz Planer [Hg.]: Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte. Wien: F. Planer 1929
  • Wienbibliothek im Rathaus/Tagblattarchiv: Sacher, Anna [Sign.: TP-043935]

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