Ankerhof

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1., Fischhof 1; Bauernmarkt 20: Ankerhof, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1336
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Galvagnihof, Am Silberpühel, Zum Markuslöwen, Zum blauen Gatter, Zum roten Kreuz, Ziegelhaus, Krebsenhaus, Schmerhaus, Schmergrübl, Zur silbernen Schlange, Taschnerhaus
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Ernst Gotthilf von Miskolczy, Alexander Neumann
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen
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Bildname Ankerhof.jpg
Bildunterschrift  1., Fischhof 1; Bauernmarkt 20: Ankerhof, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtFischhof1A
Innere StadtJudengasse2
Innere StadtLichtensteg4
Innere StadtRotgasse1
Innere StadtHoher Markt10-11
Innere StadtHoher Markt12

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt56617951821
Stadt52218211862
Stadt51617701795
Stadt52117951821
Stadt68917701795
Stadt55317951821
Stadt50317701795
Stadt48718211862
Stadt51318211862
Stadt56017951821
Stadt51017701795
Stadt55417951821
Stadt50417701795
Stadt52018211862
Stadt51418211862
Stadt56317951821
Stadt51317701795
Stadt55517951821
Stadt50517701795
Stadt52418211862
Stadt51518211862
Stadt56417951821
Stadt51417701795
Stadt56117951821
Stadt51117701795
Stadt52518211862
Stadt56517951821
Stadt52118211862
Stadt51517701795
Stadt56217951821
Stadt51217701795
Stadt52618211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Ankerhof (1, Hoher Markt 10-11 [ Judengasse 2, Bauernmarkt 17, Fischhof 1-1A; Versicherungsgebäude] und Hoher Markt 12, Bauernmarkt 20, Lichtensteg 4, Rotgasse 1 [Miethaus "Ankerhof"]; Konskriptionsnummern 513, 514, 515, 521, 522, 487, 520, 523, 524, 525 und 526).

Hier standen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit vier (heute Nummer 10/11) beziehungsweise elf (heute Straßengrund Bauernmarkt und Nummer 12) kleine Häuser, die bis zum Fischhof und zur Rotgasse reichten. Die topographische Situation war ursprünglich völlig anders als heute. Die 15 Häuser, zu verschiedenen Zeiten teilweise vereinigt und in wechselnder Weise zu größeren Objekten zusammengebaut, verteilten sich auf die Areale Hoher Markt 10/11 (Stadt 513, 514, 515 und teilweise 521), den Straßengrund des (verlängerten) Bauernmarkts (Rest von Stadt 524) und Hoher Markt 12 (Stadt 522, 520, 487, 523, 524 und 525), wobei zwischen den zwei Häusern Stadt 515 und 521 ein schmaler offener Durchgang zum Fischhof bestand, der einen in sich geschlossenen Platz bildete und über eine Passage von der Rotgasse her seinen Hauptzugang besaß. Die Häuser Stadt 520 und 522 lagen mit ihrer Front zum Fischhof (Stadt 520 Ecke Rotgasse, Stadt 522 mit einer schmalen Fassade zur Nordöstlichen-Ecke des Hohen Markts reichend), Teile der Häuser Stadt 523 und 524 sowie das Haus Stadt 525 lagen zum Hohen Markt (Nördliche Ecke Lichtensteg) und die Häuser Stadt 487 und 520 sowie der hintere Teil der Häuser Stadt 523 und 524 in der Rotgasse (Östliche Ecke Lichtensteg).


Vorgängerbauten

Haus Stadt 513

Dieses Haus stand an der Ecke zur Judengasse und wurde schon in frühen Urkunden "Am Silberpühel" genannt. Erster bekannter Besitzer war Ulrich der Münzer. Bereits 1350 erlaubte Albrecht II. den Fischern das Recht einen Hausenwagen "ober tail des münsserhauses an den wentchremen [Verkaufsstände für Bänder, Strümpfe Joppen, ...] aufzustellen". Da die "wentchremen" aber nur bis zur Judengasse reichten und Ulrich der Münzer erst 1381 hier erwähnt wird, ist zu bezweifeln, dass das Haus Stadt 513 gemeint war. Ulrich der Münzer starb vor dem 11. Dezember 1381, denn mit diesem Datum ging das Haus zur Tilgung von Schulden in den Besitz von Ortlof von Herzogenburg über. 1433 wird das Haus samt Zuhaus vom Kellermeister, Rat der Stadt Wien und späteren Bürgermeister, Hanns Steger erworben. Von ihm erbten es 1455 Lorenz Swancs und seine Gattin Ursula. Swancz war an der Verschwörung des Bürgermeisters Holzer gegen Albrecht VI. beteiligt und wird nach der Niederschlagung der Verschwörung als einer der Gefangenen im Hubhaus genannt. Sein Haus wurde gesperrt, er erhielt es jedoch - nachdem er sich losgekauft hatte - zurück. Später erbten es seine Kindern Apollonia und Stefan. Als Apollonia ihrem Gatten Jacob Aigner, Bürger zu Pressburg, eine Vollmacht ausstellte, kam es zwischen den Geschwistern zu einem Streit, der gerichtlich ausgetragen wurde. Das Haus wurde am 14. September 1496 Stefan Swancz zugesprochen, der es seinem Schwager Peter Vinkh, Richter "zu der newenstadt" (Wiener Neustadt), verkaufte. Da das Haus jedoch im Fall, dass Vinkh nicht innerhalb eines Jahres das Bürgerrecht erworben hätte, an die Stadt Wien gefällen wäre, verkaufte er es noch im selben Jahr. Zwischen den Jahren 1542 und 1568 hatten das Haus und das Zuhaus unterschiedliche Besitzer.

Im 16. Jahrhundert erhielt das Haus den Namen "Zum Markuslöwen", der sich von einem am Haus angebrachten Basrelief ableitete. Die Annahme, dass sich der Name vom Verkauf von venezianischem Glas am Hohen Markt ableitet ist jedoch unwahrscheinlich, da dieser nur im 14. Jahrhundert belegt ist. Auch die Überlieferung, wonach der venezianische Gesandte im Haus gewohnt haben soll, lässt sich nicht belegen.

An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert war das Haus erneut in einen Rechtsstreit verwickelt. Da der Besitzer seine Schulden nicht zahlen konnte, kam es zur Exekution. 1912 wurde das Gebäude von der Ankerversicherung gekauft und abgetragen.

Haus Stadt 514

Dieses Haus lässt sich zum ersten Mal im Jahr 1352 urkundlich belegen. Aus einer Urkunde des Jahres 1463 geht hervor, dass es im Haus drei (Öl-)Pressen gab. Im Jahr 1549 wurde ein Teil des Hauses an einen anderen Besitzer verkauft und erhielt eine eigene Konskriptionsnummer (siehe Haus Stadt 515). Das Haus Stadt 514 erhielt in dieser Zeit den Schildnamen "Zum blauen Gatter." 1688 kaufte der Bürgermeister Daniel Fockhy das Haus. 1856 wurde es von Pietro di Galvagni erworben, der es abbrechen ließ.

Haus Stadt 515

Dieses Haus entstand erst Mitte des 16. Jahrhunderts durch Abtrennung vom Haus Stadt 516. 1856 wurde es von Pietro di Galvagni erworben und abgetragen.

Haus Stadt 521 "Riemhaus"

Bei diesem Gebäude handelte es sich um das Zunfthaus der Riemer. Es wird bereits 1341 urkundlich erwähnt und führte im beginnenden 19. Jahrhundert den Schildnamen "Zum roten Kreuz". 1853 erwarb es Pietro di Galvagni und ließ es abtragen. (ausführlichere Beschreibung im Artikel Riemhaus)

Haus Stadt 522

Die erste Erwähnung dieses Hauses, das einen großen Hof besaß, stammt aus dem Jahr 1407. Am 19. April 1451 verkaufte der damalige Eigentümer Hanns Scharffenberger das Haus, das neben dem Riemhaus lag, mitsamt dem Zuhaus (Stadt 487) an den Wiener Bürger Michel von Menstorff, der einem angesehenen Wiener Bürgergeschlecht angehörte, dessen Name sich vom Ort Mannerdorf im Leithagebirge ableitete. 1853 kam das Haus in den Besitz von Pietro di Galvagni, der es niederreissen ließ.

Haus Stadt 487

Dieses Haus gehörte ursprünglich zum Haus Stadt 522. Hier befanden sich Kochhütten, die auch in der Verkaufsurkunde vom 19. April 1451 (siehe Haus Stadt 522) beschrieben werden. Diese dürfte aber schon bald abgebrochen und durch ein neues Haus ersetzt worden sein, das ein Zuhaus zum Haus Stadt 522 bildete. 1853 wurde auch dieses Haus von Pietro di Galvagni erworben und abgerissen.

Haus Stadt 520

Das Haus wird erstmals 1486 erwähnt und gehörte um 1500 dem Bildschnitzer Wilhelm Rollinger, der das (im April 1945 verbrannte) Chorgestühl im Stephansdom schuf. Im Grundbuch wird es 1516 "das Schuelhewslein" genannt, worauf diese Bezeichnung zurückzuführen ist, ist nicht bekannt. 1855 erwarb es Pietro di Galvagni und ließ es abtragen.

Galvagnihof

Nachdem Pietro di Galvagni die Häuser Stadt 514, 515, 521, 522, 487 und 520 in seinen Besitz gebracht hatte, ließ er alle abtragen und an ihrer Stelle den Galvagnihof errichten, den 1861 die 1858 gegründete Lebens- und Rentenversicherung "Der Anker" erwarb. (ausführlichere Beschreibung im Artikel Galvagnihof)

Haus Stadt 523

Das Haus mit dem Namen "Im Winkel" wird bereits 1327 erwähnt. Ab 1375 gehörte es dem bedeutenden Ratsherren Niclas Steiner und 1424 kam Hanns Scharffenberger in den Besitz des Hauses. Im Jahr 1468 wird das Haus mitsamt einem "höfl hinden daran im Winkl gelegen" verkauft. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts befand sich im Haus die Apotheke Zum roten Krebs. Als der Apotheker Anton Robitz im Jahr 1594 starb, wurde die Apotheke vom jungen Studenten Eduard Hiller, der Robitz' Witwe geheiratet hatte, weitergeführt. Ihm fehlte jedoch die notwendige Qualifikation und er ignorierte auch alle Mahnungen, Drohungen und Verfügungen der medizinischen Fakultät, die sich noch 1613 mit dem Fall beschäftigte. Die Apotheke verbleib im Haus, das nach mehrfachem Besitzerwechsel 1663 in den Besitz eines Apothekers kam, und wurde im Jahr 1676 ins Nachbarhaus Stadt 524 verlegt. Im Jahr 1722 wurde das Haus vom Bierleutgeb Jakob Wildgans gekauft, der dem Haus und der Bierschank den Namen "Zur Wildgans" gab. 1817 wurde das Gebäude umgebaut. Im Jahr 1783 wurde die Apotheke, die 1802 endgültig ins Haus Stadt 524 übersiedelte, wieder im Haus untergebracht. 1911 wurde es von der Ankerversicherung erworben.

Haus Stadt 524 "Ziegelhaus"

Das Ziegelhaus wird bereits 1327 urkundlich genannt. Ab 1690 war hier die Apotheke Zum roten Krebs untergebracht, deren Name sich auf das Gebäude übertrug (Krebsenhaus). 1836 wurde es zusammen mit dem Schmerhaus abgerissen und durch ein größeres Gebäude ersetzt, welches 1913 abgetragen wurde. (ausführlichere Beschreibung im Artikel Ziegelhaus)

Haus Stadt 525 "Schmerhaus"

In dem 1279 erstmals erwähnten Haus hatten die Schmerber ihren Sitz. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es "Zur silbernen Schlange" genannt und 1836 durch einen Neubau ersetzt, der 1913 niedergerissen wurde. (ausführlichere Beschreibung im Artikel Schmerhaus)

Haus Stadt 526 "Taschnerhaus"

Dieses Gebäude diente wahrscheinlich als Zunfthaus der Taschner und wird erstmals 1350 urkundlich erwähnt. 1841 wurde das gotische Gebäude von der Gemeinde Wien erworben und ein Jahr später zur Erweiterung der Passage abgetragen. (ausführlichere Beschreibung im Artikel Taschnerhaus)


Ankerhof

In den Jahren 1910, 1912 und 1913 erwarb die Gesellschaft für Lebens- und Rentenversicherung "Der Anker" alle oben genannten Gebäude, ließ diese abbrechen und 1912/1913 einen großen Gebäudekomplex errichten. Dieser Prachtbau besteht aus zwei selbständigen Objekten: das eigentliche Bürohaus und das große Mietshaus. Beide Häuser bilden eine Besitzeinheit und sind durch die sogenannte Uhrbrücke miteinander verbunden. Auf der Uhrbrücke befindet sich die "Ankeruhr". Sie wurde von Professor Franz Matsch angeregt und unter Mitwirkung namhafter Künstler geschaffen. Die Neubau veränderte das Erscheinungsbild des hohen Marktes stark.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

im Haus Stadt 521:

  • Riemer
  • Kaffeehaus

im Haus Stadt 523:

  • Apotheke "Zum roten Krebs2
  • Bierschank "Zur Wildgans"

im Haus Stadt 524:

  • Apotheke "Zum roten Krebs"

im Haus Stadt 525:

im Haus Stadt 526:

  • Taschner
  • Verkaufsläden


Literatur

  • Richard Perger: Der Hohe Markt. Wien [u.a.]: Zsolnay 1970 (Wiener Geschichtsbücher, 3), S. 112 ff.
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 16 ff.
  • Der Anker. Allgemeine Versicherungs-Arbeitsgemeinschaft. 1858-1958. 1958
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 312
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 1, 2. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 475-502