Ankerhaus

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Haus der Lebens- und Rentenversicherungsanstalt "Der Anker" (Zustand im Jahr 1896)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1894
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung das Steckhnhaus, Zum grünen Kranz
Benannt nach Anker (Versicherung)
Einlagezahl
Architekt Otto Wagner
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  19.06.2017 durch WIEN1\lanm08wuc
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Bildname Ankerhaus.jpg
Bildunterschrift  Haus der Lebens- und Rentenversicherungsanstalt "Der Anker" (Zustand im Jahr 1896)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, D 76617: Der Architekt, Heft 7 1897, S. 52
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
1Dorotheergasse1
1Graben10
1Spiegelgasse2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt110518211862
Stadt113617701795
Stadt117117951821
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Ankerhaus (1, Graben 10, Spiegelgasse 2, Dorotheergasse 1; Konskriptionsnummer 1105).

Haus Stadt 1105

Im Jahr 1473 wird erstmals ein Besitzer erwähnt. Woher die seit 1480 gebrauchte Bezeichnung "das Steckhnhaus“ herrührt, ist ungeklärt.

Während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 schlug die erste in die Stadt geworfene Bombe beim "grünen Kranz" ein. Deren Bruchstücke wurden gesammelt, geweiht und in das feindliche Lager zurückgeschossen.

Ab 1736 befand es sich im Eigentum des Rat und Landschreibers Johann von Kees, einem berühmten Kenner beider Rechte: Professor des Kirchenrechtes an der Universität und schrieb mehrere juristisch schätzenswerte Werke.

Im Jahre 1783-1792 befand sich im Haus das Café Ducati, das in der josefinischen Zeit zu den bekanntesten der Stadt gehörte. Um den Rauchern entgegen zu kommen, räumte der Cafétier im ersten Stock, wo sich auch ein Billardzimmer befand, zwei Zimmer mit Tabakpfeifen und nötigem Zubehör ein. Auch gab es verschiedene Zeitungen, die schon damals von ihm im Subabonnement vergeben wurden.

1872 wurde das Haus vom Österreichischen Sparverein erworben und ging 1873 durch Kauf in das Eigentum der "Anker", Gesellschaft für Lebens- und Rentenversicherung über, die sich auch noch heute im Besitz des gegenwärtigen, 1894 durch Otto Wagner erbauten Gebäudes befindet.

Die Geschichte "Zum grünen Kranz"

Vor dem Haus soll sich am 27. Juni 1549 die Freveltat des Bäckerjungen Johann Hayn zugetragen haben, die zu Unrecht oft auf das Haus "Zum goldenen Becher" bezogen wird. Nach der Überlieferung hatte der Bäckerjunge während der Fronleichnamsprozession dem Priester die Monstranz aus den Händen gerissen und zu Boden geworfen. Er wurde festgenommen, verurteilt und auf dem damaligen Richtplatz, der Gänseweide, verbrannt. König Ferdinand I. (über Antrag der Universität) ließ den Ort der Untat durch ein Gitter absperren und eine Säule mit einem die Monstranz symbolisierenden Kranz aufstellen. Auf der Säule steht in lateinischer Inschrift: "Anno Domini 1549, am achten Tage des heiligen Fronleichnamsfestes (den 27. Juni) ist durch einen gottlosen Menschen (Johann Hayn, Beckenjung aus Franken gebürtig) einem Priester in der Prozession das hochwürdige Sacrament unversehens aus den Händen gerissen und an diesen Ort mit erschrecklicher Gotteslästerung auf das Erdreich geworfen worden, um welche grausame Tat ihme Zungen und Hand abgehauen, folgends zu der Richtstatt geschleift und daselbst lebendig verbrannt worden. Dies ist anderen zur Warnung diese Gedachntnuss hier gesetzt.“ Aus diesem Grund hieß das Haus bis ins 18. Jahrhundert "Zum grünen Kranz". Diejenigen, die die Tat vor das Haus "Zum goldenen Becher" verlegen wollten, stellten die Behauptung auf, die Absperrung der Örtlichkeit habe sich auf das Raubergässchen bezogen.

Das Ankerhaus

1873 wurde das damalige Gebäude von der Lebens- und Rentenversicherung "Der Anker" gekauft, die 1894/1895 nach Plänen von Otto Wagner einen Neubau errichten ließ. Das konstruktiv-technisch durchdachte Gebäude mit seiner vorgehängten Glasfassade in den Sockelgeschossen und dem Atelier im Dachaufbau (ursprünglich als "Photoatelier" bezeichnet und wohl für Wagner selbst konzipiert, seit 1971 von Friedensreich Hundertwasser benützt) gehört zu den späteren Werken des Architekten; es fixiert einen entscheidenden Schritt Wagners zur Typologie des multifunktionalen Großstadthauses (Geschäfte, Büros, Wohnungen, Atelier).

Historische Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Literatur

  • Heinz Geretsegger, Max Peintner: Otto Wagner. 1964, S. 14, 112, 123 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ² 1951, S. 52-55