Am Hof

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Am Hof, Mariensäule, um 1850
Art des Objekts Verkehrsfläche
Jahr von
Jahr bis
Name seit
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 1
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke Pankrazkapelle, Johanneskapelle, Burg beim Widmertor, Schottenkloster, alte Jesuitenkirche
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  20.02.2017 durch WIEN1\lanm08scc
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname HMW_066901.jpg
Bildunterschrift  Am Hof, Mariensäule, um 1850
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 50193/4
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Geschichte

Am Hof (1), im Mittelalter entstandener Platz innerhalb der römischen Lagermauern. Als Heinrich II. Jasomirgott seine Residenz von Regensburg, wo er bis 1154 seinen Sitz als Herzog von Bayern hatte, nach Wien verlegte (Babenberger, Privilegium minus), errichtete er für sich und seine Gattin Theodora eine Pfalz (vgl. Babenbergerpfalz, heute Am Hof. Die Pfalz bestand aus mehreren Gebäuden, die sich um einen freien Platz gruppierten. Im Nordwesten und Südwesten grenzte die Befestigung des römischen Legionslagers das Pfalzareal ein.

Am Hof, 1840-1850

Stadtwärts war das Areal vermutlich durch Tore zur Bürgerstadt (bei der Irisgasse das spätere Reflertor als Zugang zum Herzogsbad im Bereich der heutigen Neubadgasse, ein anderes in Richtung Stadtzentrum und außerdem beim Heidenschuß). Zum Herzogshof gehörten zwei Kapellen, die (Pankrazkapelle, Am Hof 3-4, und die Johanneskapelle im Bereich der heutigen Kirche „Zu den neun Chören der Engel".

Am Hof, Marktstände und Pferdekutschen, um 1850

Bis spätestens 1280 blieb der "Hof" Residenz, danach fand er anderweitig Verwendung. Er wurde der landesfürstlichen Münze übergeben, die sich bis dahin im Bereich Kammerhof-Münzerstraße (1, Wildpretmarkt-Bauernmarkt) befunden haben dürfte, sie verblieb Am Hof bis Albrecht III. um 1365 die Beschuhten Karmeliter (deren erst 1360 in der ehemaligen "Augustiner-Hofstatt" vor dem Werdertor eingerichtetes Kloster 1364 durch einen Brand zerstört worden war) hierher berief; die "Weißen Brüder zu St. Johann" errichteten anstelle der Johanneskapelle des Münzhofs 1386-1403 eine Kirche, heute Kirche 1, Am Hof bei 13, "Zu den neun Chören der Engel").

Gewerbe und Märkte Am Hof

Im 14. Jahrhundert gab es Waffengewerbe Am Hof, wie Kurdeweaner und Pergamenter. Als 1386 der Münzhof aufgelassen wurde, wurde der Platz für den allgemeinen Verkehr frei. Ab 1340 (Stadtrecht) wird der Hof als Marktplatz (für Bekleidung) erwähnt, ab 1358 als Weinmarkt, Ende 14. Jahrhundert wird er Sitz des Kleidergewerbes und des Kleiderhandels, ab 1404 sind Haubner (Haubenmacher) nachweisbar, ab 1419 Gewandhütten, auch sogenannte Käufel, Joppner und Mäntler kam hinzu, 1418 die Gewändler. Daneben wurden Fische und Krebse verkauft (Krebsenrichter als Kontrollorgane, Schilderung bei Wolfgang Schmeltzl, 1547). Im 15. und 16. Jahrhundert diente der Hof als Richtplatz: Am 15. April 1463 wurde hier Bürgermeister Wolfgang Holzer samt einigen seiner Anhänger auf Befehl Albrechts VI. hingerichtet, am 16. Juni 1595 Ferdinand Graf von Hardegg, dem man vorwarf, den Türken "ohne höchste Not" die Festung Raab übergeben zu haben, am 21. Oktober 1597 folgten einige Bauernführer und so weiter.

Ab dem 17. Jahrhundert diente der Platz neben Marktzwecken auch Volksfesten, so endete beispielsweise hier (vor dem Haus des Bürgermeisters) der nach der zweiten Türkenbelagerung üblich gewordene Bäckerumzug.

Am Hof (1950)

Der Platz, der von der Freyung durch eine Häuserzeile mit einer nur sehr schmalen Verbindungsgasse getrennt war (Heidenschuß, erst 1858 durch Demolierung der beiden Häuser Konskriptionsnummer 236 und 323 verbreitert), hatte auch später noch die Funktion eines Markts, nahm aber auch öffentliche Stellen auf. So wurden zum Beispiel die Bauern, die ihre Waren auf dem Bauernmarkt verkauften, auf andere Plätze verwiesen, unter anderem auf den Platz Am Hof. 1842-1918 wurde Am Hof in der Weihnachtszeit (30. November - 5. Jänner) der Christkindlmarkt abgehalten, später ein Blumenmarkt, 1939-1942 wieder der Christkindlmarkt und 1973 vorübergehend der Flohmarkt.

Am Hof 12 (Portal), 1907

Verwaltungseinrichtungen

Neben dem Unterkammeramt (Gebäude), Am Hof 9, in dem sich lange Zeit hindurch auch die Bürgermeisterwohnung befand, finden wir Am Hof auch das bürgerliche Zeughaus (Nummer 10), seit 1935 die städtische Berufsfeuerwehr. Während der Revolution 1848 stand der Platz Am Hof mitten im Geschehen: am 14. März 1848 erfolgte der Sturm auf das Zeughaus, am 6. Oktober 1848 wurde Kriegsminister Theodor Graf Baillet von Latour hier von der Menge erschlagen und auf einer Laterne aufgehängt. Am 1. Juli 1964 wurde unter dem Platz eine Tiefgarage eröffnet. Eine planmäßige archäologische Ausgrabung fand vorher nicht statt.[1] Unweit (1, Bognergasse 11) war der Standplatz der nach Nußdorf zur Dampfbootstation (Richtung Linz-Passau) fahrenden Stellwagen, beim Ledererhof (Nummer 11) jener nach Sievering.

Gebäude:

Einzelnachweise

  1. Moßler 1974

Literatur

  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 4 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 27 ff.
  • Ludwig Eberle: Das Kriegskanzleihaus Am Himmel. 1913
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 460 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur, Wien ²1951 ff (Manuskript im WStLA) 2, S. 217-314
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 3. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 697
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 217-225
  • Hugo Hassinger: Kunsthistorischer Atlas der k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien und Verzeichnis der erhaltenswerten historischen, Kunst- und Naturdenkmale des Wiener Stadtbildes. Wien: Schroll 1916 (Österreichische Kunsttopographie, 15)
  • Hubert Kaut: Der Platz "Am Hof", in: Wien aktuell. Revue einer europäischen Metropole. Wien: Jugend & Volk 1/1967, S. 35 ff.
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, Register
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 5 f.
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 4 ff.
  • Robert Messner: Wien vor dem Fall der Basteien. 1958, S. 30, 107 f.
  • Getrud Moßler: Wien I., Am Hof. In: Fundberichte aus Österreich 8 (1961-1965), Wien 1974, S. 130
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs)
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 74
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 57 f.
  • Siegfried Weyr: Wien. Magie der Inneren Stadt. Wien [u.a.]: Zsolnay 1968, S. 30 ff.
  • Ilse Lorenz-Wildt: Der Platz "Am Hof" im Wandel der Zeiten. Diss. Univ. Wien. Wien 1942