Altottakringer Kirche

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Altottakringer Kirche (1962)
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1415
Jahr bis
Andere Bezeichnung Zur Erhöhung des heiligen Kreuzes
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  4.07.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname Altottakringerkirche.jpg
Bildunterschrift  Altottakringer Kirche (1962)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 62148/5
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
16Ottakringer Straße215

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Altottakringer Kirche (Pfarrkirche; 16, Ottakringer Straße 215; "Zur Erhöhung des heiligen Kreuzes").

  1. Das Dorf Ottakring lag einst auf jenem Hügel, den der Friedhof einnimmt. Dort stand die Kirche "ad septem nuces" ("Zu den sieben Nussbäumen"), die 1230 urkundlich erwähnt wird (Lambert- oder Lamprechtskirche); sie lag im Ostteil des heutigen Friedhofs und bildete bis 1683 den Mittelpunkt des Dorfs. 1484 von den Ungarn und 1529 von den Osmanen niedergebrannt, ließ sie Bischof Johannes Fabri 1530 wieder aufbauen und zu Pfingsten 1531 neu einweihen. 1683 wurde der alte Ortsteil samt der Lambertkirche abermals von den Türken eingeäschert. Das Dorf selbst wurde an seiner ursprünglichen Stelle nicht wieder aufgebaut. Die Lambertkirche bestand bis zum Jahr 1713 als Ruine, wurde 1714 von der Gemeinde wiederhergestellt, später jedoch dem Verfall preisgegeben und 1790 abgetragen.
  2. Die Ortsbewohner siedelten nach der Türkenbelagerung im Tal rund um eine ab 1415 bestehende, am 22. Juli 1416 dem heiligen Wolfgang geweiht kleine gotischer Kapelle (Standort der Altottakringer Kirche), die die Türkenzeit mit nur geringen Beschädigungen überstanden hatte. Mit Zunahme der Bevölkerungszahl entsprach die Wolfgangkapelle nicht mehr den Erfordernissen. Über Initiative des Pfarrers Wöß (Amtszeit 1778-1809) erfolgte 1788/1789 durch Baumeister Lorenz Lechner ein grundlegender Umbau bei gleichzeitiger Vergrößerung. Am 17. Juli 1790 wurde der im josephinischen Stil ausgeführte Bau von Kardinal Erzbischof Graf Migazzi zu Ehren des Heiligen Kreuzes und der Heiligen Lamprecht und Wolfgang neuerlich geweiht und zur Pfarrkirche erhoben.
  3. Da die 1790 geweiht Kirche zu klein geworden war, erfolgte 1909-1912 (Grundsteinlegung 18. Juli 1909, Bau des 74 Meter hohen Turms anlässlich des 80. Geburtstags Franz Josephs 1910, Aufsetzung des Turmkreuzes 18. August 1910, Weihe der Apsis 15. Oktober 1910, Abschluss der Bauarbeiten jedoch erst 1912, Weihe 7. September 1912) über Initiative von Pfarrer (später Prälat) Johann Pax ein Neubau nach Plänen von Rudolf Wiskoczil (Namensänderung auf Werian; Ottakringer Friedhof) in neuromanischer Formen (Überbauung des alten Gebäudes). Erst nach Fertigstellung des Neubaues kam das im Inneren befindliche alte Gotteshaus zum Abbruch. Im Tympanon über dem Trichterportal "Christus in der Mandorla". Das Innere wird von einem mächtigen Hochaltar aus weißem Marmor beherrscht, über dem sich eine wuchtige Kreuzigungsgruppe erhebt. Bemerkenswerter Flügelaltar von Erich Pieler (1938/ 1939) im linken Querschiff, in einer Seitenkapelle vier Bilder (Maria Verkündigung, Hieronymus, Gregor, Ambrosius; alle 18. Jahrhundert) aus der alten Kirche. 1937 wurde die Kirche renoviert. An der nordöstlichen Ecke der Kirche befindet sich ein Kriegerdenkmal (Relief, das Christus mit einem Verwundeten zeigt, darunter Kartusche mit Ottakringer Wappen). In der nationalsozialistischen Ära sind der aus einer jüdischen Familie stammende Pfarrer (ab 1927) Karl Schwarz und sein Nachfolger Monsignore Johannes Krawarik (†1968) zu nennen (der am 8. Oktober 1938 beim Sturm der Hitlerjugend auf das Erzbischof Palais aus dem Fenster gestürzt wurde).
Johannes-Krawarik-Gasse 1 - Alte Ottakringer Pfarrkirche, 1906

Literatur

  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 330 f.
  • Felix Czeike: XVI. Ottakring. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1981 (Wiener Bezirkskulturführer, 16), S. 46
  • Rudolf Geyer: Handbuch der Wiener Matriken. Ein Hilfswerk für Matriken-Führer und Familienforscher. Wien: Verlag d. Österr. Inst. für Genealogie, Familienrecht und Wappenkunde [1929], S. 90 (Sprengel), 270f. (Matrikenbestand)
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 267
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 91
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 220 f.
  • Ottakring. Ein Heimatbuch des 16. Wiener Gemeindebezirkes. Hg. von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde in Ottakring. Wien: Schulbücherverlag 1924, S. 206 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 173
  • Karl Schneider: Topographie des XVI. Bezirks. 1895
  • Hans Tietze: Die Denkmale der Stadt Wien (XI. - XXI. Bezirk). Wien: Schroll 1908 (Österreichische Kunsttopographie, 2), S. 217 ff.