Alter Ramhof (1, Weihburggasse 18-20)

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1369
Jahr bis 1885
Andere Bezeichnung Pöltingerhof, Gonzagasches Haus
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Rahmen der Woll- und Tuchweber
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Weihburggasse18–20

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt91718211862
Stadt97317951821
Stadt94817701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Alter Ramhof (1, Weihburggasse 18-20, Teil, Konskriptionsnummer 917), Durchhaus in die Himmelpfortgasse.

In diesem alten Gebäude befand sich einst ein Hof mit den Rahmen der Woll- und Tuchweber, von denen im 13. und 14. Jahrhundert viele in der Nähe der Wollzeile sesshaft waren. Das zwischen dem Ramhof und seinem Nachbarhaus (Stadt 916; 1, Weihburggasse 20) gelegene schmale, in die Himmelpfortgasse mündende Gässchen war mit einem Eisengitter abzuschließen und existierte noch bis ins 19. Jahrhundert. Zu manchen Zeiten befand sich hier ein Komplex mehrerer Häuser, die teilweise auch die Grundstücke der späteren Häuser Stadt 916 und Stadt 955 (1, Himmelpfortgasse 19) miteinschlossen.


1369-1659

Die erste urkundliche Nennung des Ramhofes stammt aus dem Jahr 1369. In diesem Dokument wechselt der Hof "und alles daz, daz darzu gehört, und auch ain cheller in dem ramhoff" den Besitzer. Am 4. April 1375 wurde er an die Meisterin (Vorsteherin) Margarethe und den Konvent des Büßerinnenklosters zu St. Hieronymus verkauft, die ihn jedoch schon zwei Tage später wieder an den Vorbesitzer abtraten. Da vor beziehungsweise während dieses Geschäftes drei anspruchsberechtigte Personen auf das Haus verzichteten, kann davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um eine verschleierte geschäftliche Transaktion handelte. Am 11. August 1375 wurde der Hof erneut verkauft, doch auch hierbei scheint ein sich um ein Scheingeschäft gehandelt zu haben, da im Jahr 1376 wieder der Vorbesitzer als Eigentümer aufscheint. 1382 wechselt ein Haus "gelegen in der Weihenburg, das eamaln ein halber Ramhof gewesen ist, zenechst Leben Haus des Tyemen mitsambt den zwain zuehawsern gelegen hinden an demselben haus und stozzet in die Traibattenstrazz [Himmelpfortgasse]" den Besitzer.

Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts lassen sich drei Häuser nachweisen:

Haus A

Dieses Gebäude, "das etwen zwei Häuser gewesen sind" lässt sich ab 1440 urkundlich belegen. 1450 kam es zum Streit mit einem Nachbarn wegen eines Kellers, der vom "Ziegelhaus" (Stadt 950 und 951; 1, Himmelpfortgasse 9 und 11) "under den gemaurtten stokch hinten in den ramhof füret" und verkauft worden war. Da diese beiden Gebäude nicht aneinandergrenzten, muss diese Verbindung über fremden Grund und Boden verlaufen sein. 1469 stand das Haus erneut im Mittelpunkt eines Streits: Der Nachbar (Haus Stadt 954; 1, Himmelpfortgasse 17), ein Licenciat einer Messstiftung, erhob Besitzstörungsklage, da das Wasser vom Dach des Stalles sowie der Stube in den Hof der Stiftung geleitet würde. Außerdem seien das Fenster der Stube sowie ein Dachfenster zerbrochen worden (Das am 24. September 1476 gefällte Urteil ist nicht erhalten geblieben). 1510 wurde das Haus "mitsambt der schut [künstliche Erhöhung aus Erde], darauf der tuechram stet" verkauft. Am 12. Jänner 1515 schenkte es der Käufer dem Büßerinnenkloster, dessen Bewohnerinnnen ihm "vil mergklich guttat in seiner krankhait mit essen, tringkhn und vleissiger wartung gethan haben". Da er nicht undankbar sein wolle, übergebe er ihnen sein Haus, "wofür sie ihn ein lebenlang mit essen und trinckhen, auch anderer notdurftiger wartungen [...], wie sy bisher gethan, halten sollen, nach seinem Tode aber in irem gotshaus zu der Erden bestatten und legen lassen und ainen ewigen jartag mit ainer gesungenen Vigily und seelambt halten sullen."

Am 17. Juni 1516 teilten die Büßerinnen mit, dass sie nicht als Besitzerinnen im Grundbuch vermerkt werden möchten, da das Haus verkauft werden solle. Danach befand es sich wieder im Privatbesitz, wobei die späteren Grundbucheintragungen nicht mit dem Hofquartierbuch übereinstimmen, was darauf schließen lässt, dass die im Hofquartierbuch angeführten Bewohner nicht dessen Besitzer waren. Zwischen 1603 und 1659 fehlen jegliche Daten zu diesem Hof.

Haus B "Pöltingerhof"

Haus B hatte ursprünglich denselben Besitzern wie Haus A, wurde aber samt dem dazugehörenden Stadel im Jahr 1458 abgestoßen. Da über längere Zeit keine Steuern und Gebühren bezahlt wurden, wurde das Gebäude von der Stadt eingezogen und 1514 verkauft. 1517 erwarb es Johannes Cuspinian, der es gegen den dem Kloster St. Hypolit zu St. Pölten gehörenden damaligen "Lilienfelder Hof" (1, Weihburggasse 9) eintauschte. Zu diesem Zeitpunkt wurde der nunmehrige "Pöltingerhof" von allen Steuern befreit und wurde aus dem städtischen Grundbuch ausgeschieden. Daher ist auch nicht bekannt, wie lang der Hof im Besitz des Klosters blieb. Es kann jedoch nicht allzu lang gewesen sein, da im Hofquartierbuch bereits für das Jahr 1563 eine Privatperson aufgeführt ist, die ihn kurz darauf verkaufte.

Haus C

Am 1. September 1446 wird dieses Haus zum erstem Mal urkundlich erwähnt. Damals gelobte der Besitzer, der den Ramhof "pei sand Jeronimus" von den Geschäftsleuten seines verstorbenen Vetters gekauft hatte, binnen Jahresfrist in Wien zu wohnen, die Stadtrechte zu befolgen und die Stadtsteuer zu entrichten. Andernfalls würde er den Hof binnen eines Jahres verkaufen. Sollte er sich nicht daran halten, würde der Hof von der Stadt Wien eingezogen. Im Hofquartierbuch scheint hier ab 1566 ein Stadel auf, der nach dem Stadturbar 1568 schon mit dem Gebäude des Grafen Althan (Stadt 916) verbaut gewesen sein soll. Hier scheint jedoch ein Schreibfehler vorzuliegen, da Michael Ehrenreich Graf Althan die Häuser 916 und 917 erst 1702 erwarb.


1659-1885

1659 kaufte der Feldmarschall Annibale Franz Maria Gonzaga hier ein Gebäude ("Gonzagasches Haus"), das aus den Häusern A-C hervorgegangen war. Gonzaga kaufte im selben Jahr auch das Haus Stadt 916. Ab diesem Zeitpunkt hatten die beiden Gebäude stets dieselben Besitzer. 1885 wurden beide demoliert, wodurch ein unverbauter Bauplatz von 2016 Quadratmeter entstand, auf dem kurze Zeit später das heutige Haus Weihburggasse 18-20 entstand.


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 1. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 125-131