Alma Mahler-Werfel

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Personenname Mahler-Werfel, Alma
Abweichende Namensform Schindler, Alma Maria, Mahler-Werfel, Alma Maria, Schindler-Mahler, Alma, Gropius, Alma
Titel
Geschlecht weiblich
GND 11857633X
Geburtsdatum 31.08.1879
Geburtsort Wien
Sterbedatum 11.12.1964
Sterbeort New York, USA
Begräbnisdatum 08.02.1965
Friedhof Grinzinger Friedhof;
Grabstelle Gruppe 6, Reihe 6, Nr. 7
Ehrengrab
Beruf Komponistin, Schriftstellerin, Salonière
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Alma-Mahler-Werfel-Park
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  17.01.2018 durch WIEN1\lanm09lue
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Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse7Mariahilfer Straße37
Wohnadresse4Theresianumgasse6
Wohnadresse1Elisabethstraße22
Wohnadresse19Steinfeldgasse2
NameVerwandtschaftsgrad
Walter Gropius2. Gatte
Emil Jakob SchindlerVater
Franz Werfel3. Gatte
Carl MollStiefvater
Anna MahlerTochter
Ernst KrenekSchwiegersohn
Gustav Mahler1. Gatte
Arnold RoséSchwager

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Alma Mahler-Werfel, * 31. August 1879 Wien, † 11. Dezember 1964 New York, Schriftstellerin, Komponistin, Salonière.

Biographie

Alma Mahler-Werfel, geborene Alma Maria Schindler, war die Tochter des Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler und seiner Frau, der Sängerin und Schauspielerin Anna Sofie, geborene Bergen. Wenige Jahre nach dem Tod des Vaters heiratete die Mutter Carl Moll, zu dem Alma Schindler ein angespanntes Verhältnis hatte.

Kindheit und Jugend

Alma Schindler wuchs in einem künstlerisch geprägten Umfeld auf. Sie erhielt keinen systematischen Unterricht oder schulische Ausbildung. Schon früh kristallisierte sich eine musikalische Begabung heraus, die gefördert wurde. Sie erlernte Klavier, unter anderem bei der Pianistin und Musikpädagogin Adele Radnitzky-Mandlick, doch ihr eigentliches Interesse galt der Komposition. Ab 1895 studierte sie Kontrapunkt bei Josef Labor und unternahm erste Kompositionsversuche. Um 1900/1901 wurde Alexander von Zemlinsky ihr Lehrer. Zudem galt Alma Schindler als sehr belesen. In ihrem Elternhaus verkehrten zahlreiche Intellektuelle und Künstler, wie beispielsweise Max Eugen Burckhard oder Gustav Klimt, die ihr Verständnis von Musik, Kunst und Literatur prägten.

Ehen und Beziehungen

Im Salon der Familie Zuckerkandl, Alma Schindler war mit Berta Zuckerkandl eng befreundet, lernte sie den wesentlich älteren Gustav Mahler kennen, der zu diesem Zeitpunkt Hofoperndirektor war. Im März 1902 heiratete das Paar in der Karlskirche. Mahler war zwar vom musikalischen und kompositorischen Talent seiner jungen Ehefrau angetan, machte aber vor der Eheschließung deutlich, dass das Arbeiten und Komponieren seine Aufgabe sei, während sie seine Gefährtin sein sollte. Alma Mahler fügte sich diesem Wunsch und stellte ihre eigenen Kompositionen zurück.

Gustav Mahlers Einstellung gegenüber den Kompositionen seiner Ehefrau änderten sich erst kurz vor seinem Tod und zu einem Zeitpunkt, als ihn eine Liebesbeziehung zwischen Alma Mahler und dem Berliner Architekten Walter Gropius um seine Frau fürchten ließ. Um 1910 würdigte Gustav Mahler, der gesundheitlich bereits schwer angeschlagen war, ihre Lieder, ermutigte sie zum Komponieren und unterstützte sie bei der Drucklegung. 1910 wurden vier Lieder von Alma Mahler im Bösendorfersaal uraufgeführt und wenig später erschienen ihre "Fünf Lieder" in Druck. Eines ihrer Lieder wurde auch in New York vorgetragen und erntete regen Beifall. Von Dezember 1907 bis Mai 1911 verbrachte das Paar viel Zeit in den USA, da Gustav Mahler unter anderem an der Metropolitan Opera angestellt war. Wenige Tage nach der Rückkehr aus Amerika verstarb Gustav Mahler in Wien. Das Paar hatte zwei gemeinsame Kinder, von denen Tochter Anna Mahler das Erwachsenenalter erreichte.

Nach dem Tod Gustav Mahlers wurde Alma Mahler von einigen Männern umworben. Darunter war der Biologe Paul Kammerer, der sie exzessive verehrte und sogar dazu überredete, in seinem Labor mitzuarbeiten. Ab 1912 führte sie drei Jahre lang eine Beziehung mit Oskar Kokoschka. Er gestaltete das Titelbild zu der 1915 im Universal-Verlag erschienenen Ausgabe ihrer "Vier Lieder". Auf einem noch von Gustav Mahler 1910 erworbenen Grundstück auf dem Kreuzbergrücken im Gemeindegebiet von Breitenstein am Semmering (Niederösterreich) ließ Alma Mahler 1913 durch Hartwig Fischel und Rudolf Bredl ein Haus errichten. Das Wandfresko über dem Kamin in diesem Haus stammt ebenfalls von Oskar Kokoschka.

Im August 1915 heiratete Alma Mahler den Architekten Walter Gropius, zu dem der Kontakt seit der Affäre 1910 nicht abgerissen war. Da Gropius kurz nach der Eheschließung an die Front beordert wurde, war die Ehe von Anfang an von Trennungen gekennzeichnet. Die gemeinsame Tochter Manon Alma Anna Justine Caroline Gropius kam 1916 auf die Welt (sie verstarb 1935 nach einer schweren Krankheit). Im August 1918 brachte Alma Mahler ihren Sohn Martin Carl Johannes auf die Welt, der allerdings nicht von ihrem Ehmann stammte, sondern das Kind von Franz Werfel war. Der Säugling starb wenige Monate später im Mai 1919.

Im Herbst 1917 hatte Alma Mahler den Dichter Franz Werfel kennengelernt, dessen Gedicht "Der Erkennende" sie bereits 1915 vertont hatte. Bereits während der Ehe mit Gropius begann sie eine Beziehung mit dem zwölf Jahre jüngeren Dichter. Nach der Scheidung von Walter Gropius 1920 lebte sie mit ihm zusammen. Der Kontakt zu Walter Gropius blieb aber aufrecht, nicht zuletzt aufgrund der gemeinsamen Tochter Manon. Alma Mahler und Franz Werfel heirateten im Juli 1929. Während ihrer Ehe führte Alma Mahler-Werfel in ihrer Döblinger Villa, wo das Paar ab 1931 wohnte, einen Salon, der zum Anziehungspunkt für KünstlerInnen und Intellektuelle wurde. Auch das Haus am Semmering war nicht nur Sommerrefugium und gesellschaftliches Zentrum von Begegnungen (zu Besuch kamen unter anderem die Ehepaare Helene und Alban Berg, Gertrud und Hugo von Hofmannsthal, Hauptmann und Tandler), sondern wurde auch zum Ort konzentrierter Arbeit.

Emigration

Aufgrund der jüdischen Abstammung Franz Werfels emigrierte das Ehepaar Mahler-Werfel 1938 zunächst nach Frankreich, nach Einmarsch der deutschen Truppen in Paris 1940 weiter nach New York. Sie ließen sich in Kalifornien nieder. Einige Jahre nach dem Tod Werfels zog Alma Mahler-Werfel wieder nach New York, wo sie den musikalischen Nachlass Gustav Mahlers sowie den literarischen Nachlass Franz Werfels verwaltete, Briefe und Erinnerungen an Mahler veröffentlichte und ihre Autobiographie "And the Bridge is Love" (1958) [dt.: "Mein Leben" (1960)] verfasste. Sie verstarb im Dezember 1964 in New York. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Wien überführt und am Grinzinger Friedhof am 8. Februar 1965 beigesetzt.

Alma Mahler-Werfel war 1947 kurzzeitig nach Wien zurückgekehrt, um unter anderem auch ihre Besitzansprüche geltend zu machen. Dabei stieß sie auf massiven Widerstand; verschiedene Restitutionsverfahren wurden angestrebt, die teilweise – fortgeführt von ihrer Enkelin – erst 2006 ihren Abschluss fanden.

Rezeption

Alma Mahler-Werfel wurde bereits zu Lebzeiten als polarisierende Persönlichkeit wahrgenommen. Zahlreiche Biographien beschäftigen sich mit dieser Frau, die primär über ihr Verhältnis zu (berühmten) Männern definiert und – je nach Standpunkt – als Muse, Gattin, Geliebte oder Femme fatal stilisiert wurde. Aber nicht nur durch ihre Ehen, Affären und Beziehungen zu Männern erregte sie Aufsehen. Widersprüchlichkeiten werden auch in anderen Lebensbereichen sichtbar. So fiel Alma Mahler-Werfel durch antisemitische Äußerungen auf, obwohl zwei ihrer drei Ehemänner jüdischer Abstammung waren, sie mit zahlreichen jüdischen Künstlerinnen und Künstlern befreundet war und schließlich 1938 gemeinsam mit Franz Werfel ins Exil ging. In den 1930er Jahren entwickelte sie auch einen gewissen religiösen Ehrgeiz. Alma Mahler-Werfel, die in ihrer Jugend zum Protestantismus übergetreten war, konvertierte 1932 wieder zum Katholizismus und unterhielt eine intensive Beziehung zu Johannes Hollnsteiner, Chorherr des Stifts St. Florian und Beichtvater von Kurt Schuschnigg. Eine Nähe zum "Ständestaat" ist dem Ehepaar Mahler-Werfel nicht abzusprechen. Ambivalenter war Alma Mahler-Werfels Verhältnis zum Nationalsozialismus. Einerseits sah sie darin eine große Gefahr, gleichzeitig hielt sie das nicht davon ab, sich mit namhaften Emporkömmlingen wie Anton Rintelen zu umgeben. Teile ihrer Familie, zu denen sie allerdings ein sehr schwieriges Verhältnis hatte, waren bekennende Nationalsozialisten: ihr Stiefvater Carl Moll, ihre Halbschwester Maria sowie deren Ehemann Richard Eberstaller.

Die Figur der Alma Mahler-Werfel diente und dient nach wie vor als Inspiration für zahlreiche künstlerische Bearbeitungen; die Bandbreite reicht von Theaterstücken über Romane, Filme bis hin zum Kochbuch. Das Stück "Alma – A Show Biz ans Ende" (Buch: Joshua Sobol; Regie: Paulus Manker) gelangt seit seiner Uraufführung im Rahmen der Wiener Festwochen 1996 auf drei Kontinenten regelmäßig zur Aufführung.

Die Wienbibliothek im Rathaus besitzt einige Stücke von Alma Mahler-Werfels Briefkorrespondenz sowie eine Musikhandschrift ihrer "Fünf Lieder".

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Julya Rabinowich: Krötenliebe. Roman. Wien: Zsolnay 2016
  • Claudia Nemec: Almas Küche. Originalrezepte aus dem Kochbuch der Alma Mahler-Werfel. Wien: Seifert Verlag 2016
  • Susanne Rode-Breymann: Alma Mahler-Werfel. Muse – Gattin – Witwe. Eine Biographie. München: C.H.Beck 2014
  • Michaela Schlögl: Vom Fallen und Gefallen. In: Die Presse, 13.12.2014, Beilage Spectrum, S. IV
  • Haide Tenner [Hg.]: "Ich möchte so lange leben, als ich Ihnen dankbar sein kann". Alma Mahler – Arnold Schönberg. Der Briefwechsel. St. Pölten / Salzburg / Wien: Residenz Verlag 2012
  • Thomas Trenkler: "Das war eine Wunde für Alma". In: Der Standard, 25./26.02.2006 [Stand: 15.01.2018]
  • Eva Marx / Gerlinde Haas: 210 österreichische Komponistinnen. Vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ein Lexikon. Wien: Residenz Verlag 2001, S. 251–256
  • Melanie Unseld: Alma Mahler – Biographische Lösungen eines unlösbaren Falles? In: Leben als Kunstwerk. Künstlerbiographien im 20. Jahrhundert. Hg. von Christopher Laferl / Anja Tippner. Bielefeld: transcript Verlag 2011, S. 147–163
  • Elke Krasny: Stadt und Frauen. Eine andere Topographie von Wien. Wien: Metroverlag 2008, S. 34, 64, 73, 153
  • Film: Alma − A Show biz ans Ende. TV-Miniserie. ORF: 1999 (Regie: Paulus Manker)
  • Beatrix Schiferer: Vorbilder. Kreative Frauen in Wien. 1750–1950. Wien: Verband Wiener Volksbildung 1994, S. 67 ff.
  • Gunther Martin: Damals in Döbling... Gestalten und Schauplätze einer Wiener Stadtlandschaft. Wien: Edition Wien 1993, S. 43
  • Wolfgang Kos [Hg.]: Die Eroberung der Landschaft. Semmering – Rax – Schneeberg. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung, Schloß Gloggnitz 1992. Wien: Falter Verlag 1992 (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, Neue Folge 295), S. 345 ff.
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik. Wien: Ueberreuter 1992
  • Françoise Giroud: Alma Mahler oder die Kunst geliebt zu werden. Wien: Zsolnay 1989
  • Wolfgang Kos: Über den Semmering. Kulturgeschichte einer künstlichen Landschaft. Wien: Edition Tusch 1984, S. 173 ff.
  • Wienbibliothek im Rathaus/Tagblattarchiv: Mahler-Werfel, Alma [Sign.: TP-031583]
  • Wikipedia: Alma Mahler-Werfel [Stand: 16.01.2018]

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