Allwo der Esel in der Wiege liegt

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1448
Jahr bis 1795
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zum blauen Esel
Benannt nach Spottwort der Protestanten
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
1Kärntner Straße21-23

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt94418211862
Stadt100217951821
Stadt96317701795
Das Haus "Allwo der Esel in der Wiege liegt" auf dem Nagelplan (1773)

Allwo der Esel in der Wiege liegt (1, Kärntner Straße 21-23, Teil, Konskriptionsnummer 944A).

Die älteste urkundliche Erwähnung eines Hauses auf diesem Grundstück stammt aus dem Jahr 1448. 1463 kam es in den Besitz von Helene Gris, die in zweiter Ehe mit dem Bürgermeister Hans Heml verheiratet war. 1486 erbte es deren Tochter Margarethe, die (nach dem 1501 erfolgten Verkauf dieses Hauses) in dritter Ehe den Apotheker Laurenz Taschendorfer heiratete, der in den Jahren 1489/1490 ebenfalls Bürgermeister gewesen war. 1541 erbten es mehrere Geschwister, unter denen sich auch Barbara, die Gattin des österreichischen Herolds Paul Pesl befand. Auf ihn könnte der Name "Zum blauen Esel" zurückgehen, da dieser bald danach auftauchte und die Schildnamen damals häufig von den Familiennamen abgeleitet wurden.

Der Bäckermeister Melchior Khlesl und seine Frau Margarethe kauften das Haus im Jahr 1557. Schon 1553 wurde hier der nachmalige Kardinal und Minister Melchior Khlesl als ältester Sohn dieses lutherischen Ehepaars geboren, dem das Objekt ab 1570 gemeinsam mit seiner Mutter Margarethe und seinem Bruder Andreas gehörte. Im Jahr 1583 verkaufte Melchior Khlesls seinen Hausanteil an seine Mutter. Diese ließ 1585 ihren zweiten Gatten Jacob Vinian als Mitbesitzer eintragen. Vinian (auch Vivian) war unter Pietro Ferrabosco am Bau des Königinklosters beteiligt und wurde nach dessen Pensionierung von Königin Elisabeth von Frankreich (Tochter von Kaiser Maximilian II.) zu ihrem Baumeister ernannt. Er übte dieses Amt bis zum Tod der Königin (1592) aus.

Zeitgleich mit der Amtseinführung Melchior Khlesls im Jahr 1598 wird erstmals der Schildname "Allwo der Esel in der Wiege liegt" erwähnt und dürfte daher auf einem Spottwort der Protestanten basieren. Während der Amtszeit Khlesls wurde bei jeder Fronleichnamsprozession vor diesem Haus eine Zwischenstation gemacht, die zwischen dem ersten (vor dem Büßerinnenkloster zu St. Hieronymus) und dem zweiten Evangelium (in der Bürgerspitalkirche) eingefügt wurde.

Als am 11. Juli 1598 in den erzherzoglichen Stallungen am Schweinemarkt (Schaumburgerhof) ein Feuer ausbrach, wurden 19 Gebäude im Bereich des Himmelpfortklosters zerstört, unter denen sich auch das Haus "wo der esl in der wiegen liegt" befand. Nachdem Vinian 1605 gestorben war, kam das neu errichtete Haus (zur Gänze) in den Besitz Bischof Khlesls (aufgrund eines Vertrages sollte das Objekt nach dem Tod Margarethes in den Besitz ihres Sohnes Melchior kommen, der es jedoch ihrem Gatten lebenslang zur Verfügung zu stellen hatte). Dieser stellte die Einkünfte aus dem Haus den verwaisten Kindern seines Bruders zur Verfügung. Nach Khlesls Sturz (1618) wurde er nach Tirol gebracht, von wo aus er das Haus in der Kärntner Straße 1622 verkaufen ließ.


Nachfolgebauten

1795 wurde das Haus mit dem Nachbarhaus (das 1683 dem Äußeren Rat Martin Hollerieder gehört hatte) vom Eisenhändler Franz Winkler durch einen Neubau ersetzt (Schild " Zum eisernen Mann"). Hier starb am 16. März 1798 Alois Blumauer. Winkler überließ das Haus 1825 seiner Gattin Aloisia. In der Biedermeierzeit unterhielt hier Julie Rettich, die Heroine des Burgtheaters, einen literarischen Salon, der einen gesellschaftlichen Mittelpunkt des damaligen geistigen Wien bildete; Grillparzer, Stifter und Bauernfeld verkehrten regelmäßig bei ihr, Hebbel las 1846 im Salon aus seiner Komödie "Der Diamant"; auch Laube war ein gerngesehener Gast. Clara Wieck, die spätere Gattin Robert Schumanns, und Fanny Elßler gaben hier Proben ihrer Kunst. Das Gebäude fiel 1945 einem Brand zum Opfer und wurde 1948 durch das Haus Kärntner Straße 21-23 ersetzt.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Bäckerei


Literatur

  • Richard Müller: Der Esel in der Wiege. In: Monatsblatt des Altertums-Vereines zu Wien. Wien: Alterthumsverein zu Wien 1884-1918. Band 7, 1903-1905, S. 41 ff.
  • Felix Czeike: Die Kärntner Straße. Wien [u.a.]: Zsolnay 1975 (Wiener Geschichtsbücher, 16), S. 87 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 519 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 336 (Zum blauen Esel), S. 390 (Zum eisernen Mann)
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 2. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 441-443