Albert Paris Gütersloh

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Albert Paris Gütersloh 1948
Personenname Gütersloh, Albert Paris
Abweichende Namensform Kiehtreiber, Albert Konrad
Titel Akad.-Prof.
Geschlecht männlich
GND 118543342
Geburtsdatum 05.02.1887
Geburtsort Wien
Sterbedatum 16.05.1973
Sterbeort Baden bei Wien
Begräbnisdatum 22.05.1973
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 32C, Nummer 35
Ehrengrab ja
Beruf Maler, Schriftsteller
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Güterslohgasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  27.10.2017 durch WIEN1\lanm09egg
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Bildname Albertparisguetersloh.jpg
Bildunterschrift  Albert Paris Gütersloh 1948
Bildquelle Wiener Stadt- und Landesarchiv, Presse- und Informationsdienst: FA1 - Großbildnegative, 48213
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
FunktionFunktion vonFunktion bis
Rektor der Akademie der bildenden Künste19531954
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Großer Österreichischer Staatspreis für Bildende Kunst1935
Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur1961
Preis der Stadt Wien für Malerei und Grafik3 Dezember 1948
Ehrenring der Stadt Wien15 Februar 195712 März 1957
Preis der Stadt Wien für Literatur29 Mai 1967
Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst8 Februar 196722 Februar 1967
Goldenes Ehrenzeichen der Secession10 Februar 1967
Großer Österreichischer Staatspreis für bildende Kunst1952
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse8Buchfeldgasse6
NameVerwandtschaftsgrad
Vera Reichert2. Gattin
Emma Berger1. Gattin

Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Gütersloh Albert Paris (eigentlich Albert Konrad Kiehtreiber; 1921 offizielle Namensänderung auf Albert Paris Gütersloh), * 5. Februar 1887 Wien 6, † 16. Mai 1973 Baden bei Wien, Helenenstraße 40-44 (Wiener Zentralfriedhof, Ehrengrab Gruppe 32C, Nummer 35), Maler, Schriftsteller, erste Gattin (1914) Emma Berger, Hofoperntänzerin ( † 1917), zweite Gattin (1921) Vera Reichert, Tänzerin (1928 Geburt von Wolfgang Hutter; Scheidung 1932).

Besuchte ab 1898 das Gymnasium der Benediktiner in Melk und ab 1900 der Franziskaner in Bozen (weil er nach den Vorstellungen seiner Eltern Priester werden sollte), brach das Studium jedoch 1904 ab und nahm Schauspielunterricht (Pseudonym Albert Matthäus). Er spielte an Provinzbühnen der Monarchie und in Bad Reichenhall, wurde von Max Reinhardt an das Deutsche Theater in Berlin verpflichtet. 1909 zeigte er erstmals Zeichnungen auf der "Internationalen Kunstschau" in Wien und stellte seither in Wien (Kunstschau, Hagenbund, Secession, Art-Club) und im Ausland aus (Frankreich, Deutschland, Italien unter anderem). Ging (aufgrund seines Romans "Die tanzende Törin" [1911], des ersten expressionistischen Romans überhaupt) als Kunstberichterstatter nach Paris, wo er bei Maurice Denis Malerei studierte und Ölbilder zu malen begann (1911/1912).

Nach seiner Rückkehr schloß er sich in Wien dem Kreis um Gustav Klimt (dessen Schüler er wurde), Egon Schiele und Josef Hoffmann an. 1913 veröffentlichte er Beiträge in den Zeitschriften "Der Ruf" und "Die Aktion", 1914 gab er mit Karl Adler die Zeitschrift. "Der Knock-about" heraus. Nach dem Militärdienst (1917 lernte er im Kriegspressequartier Robert Musil und Franz Blei kennen) gab Gütersloh 1918/1919 mit Blei die Zeitschrift "Die Rettung" heraus (Blei publizierte 1960 auch Güterslohs "Schriften in Auswahl"). 1919-1921 arbeitete er als Oberregisseur am Münchner Schauspielhaus, zugleich als Schriftsteller und Bühnenbildner (unter anderem auch am Wiener Burgtheater) und als Kirchenrestaurator.

Die Bücher "Die Vision vom Alten und Neuen" (Roman; 1921), "Innozenz oder Sinn und Fluch der Unschuld" (Roman; 1922), "Die Rede über Franz Blei oder Der Schriftsteller in der Katholizität" und "Der Lügner unter Bürgern" (beide 1922) trugen ihm den Theodor-Fontane-Preis ein (1922). Bereits 1926 schrieb er das autobiographische Werk "Bekenntnisse eines modernen Malers (Meine große und kleine Geschichte. Eine Lebensbeschreibung quasi in allegoria)", 1930 erhielt er eine Professur an der Wiener Kunstgewerbeschule, die er bis 1938 innehatte (Entlassung; 1940 Berufsverbot. 1934 entwarf er Glasfenster und Mosaiken für die Pfarrkirche Mauer (Erhardkirche), 1935 solche für die Pfarrkirche Sandleiten und 1950 das Rundfenster für die "Namen-Jesu-Kirche" (12, Darnautgasse 3). 1933-1939 und später ab 1954 war er Mitglied (später Ehrenmitglied und 1950-1954 Präsident) der Secession, 1945-1962 Leiter einer Meisterschule für Malerei sowie eines Freskokurses an der Akademie der bildenden Künste (Einrichtung einer Fresko- und Gobelinschule; 1947 außerordentlicher Professor, 1953/1954 Rektor, 1955 titularer ordentlicher Professor). 1950 gründete er mit Josef Hoffmann die Föderation moderner bildender Künstler Österreichs und war 1951 deren erster Präsident.

Gütersloh gilt als der geistige Vater der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus". Von Güterslohs Prosaromanen sind (neben den bereits genannten) "Eine sagenhafte Figur" (1946) und "Sonne und Mond" (1962) zu nennen; seine wichtigsten Novellen sind Kain und Abel. Eine Legende" (1923), "Die Fabeln vom Eros" (1947), "Laßt uns Menschen machen" (1962). Unter dem Titel "Musik zu einem Lebenslauf“ erschien 1957 Lyrik. 1953 veröffentlichte Heimito von Doderer unter dem Titel "Gewaltig staunt der Mensch" eine Auswahl seiner Werke. Auf seinen Ausstellungen in Wien (Kunstschau, Hagenbund, Secession, Art-Club) und vielen Städten des Auslands präsentierte er Aquarelle (Miniaturen-Zyklus; "Erinnerungen an die Neudeggergasse" [1934/1936]), Stilleben, Landschafts- und Städtebilder, Handzeichnungen und Gobelinentwürfe.

Werke im Historischen Museum, in der Albertina, der Österreichischen Galerie und der Akademie der bildenden Künste.

Grand Prix, Paris (1928 [für seine Gobelins], 1937); Staatspreis für Malerei (1935), Würdigungspreis der Stadt Wien für Malerei und Graphik (1948), Großer Österreichischer Staatspreis für bildende Kunst (1952), Großer Österreichischer Staatspreis für Dichtkunst (1961), Ehrenring der Stadt Wien (1957), Preis der Stadt Wien für Dichtkunst (1967), Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, I. Klasse (1967).

Gütersloh wohnte 1938-1948, 8, Buchfeldgasse 6, (gemeinsam mit Heimito von Doderer im ehemaligen Atelier der 1938 ins Exil gegangenen Malerin Trude Wähner) und lebte ab 1970 in Baden.

Güterslohgasse

Literatur

  • Neue österreichische Biographie. 1815 – 1918. Band 19. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1977
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei 1951
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik, Wien: Ueberreuter 1992
  • Adalbert Schmidt: Dichtung und Dichter Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert. Band 2. Salzburg: Bergland-Buch 1964, S. 388
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990
  • Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler der Geburtsjahrgänge 1881-1900. Band 1: A-L. Wien: Selbstverlag 1976
  • Albert Paris Gütersloh. Beispiele. Schriften zur Kunst, Bilder, Werkverzeichnis. Auswahl: Heribert Hutter. Wien [u.a.]: Jugend und Volk 1977
  • Albert Paris Gütersloh. Autor und Werk. München: Piper 1962
  • Albert Paris Gütersloh - Retrospektive. Eine Ausstellung der Niederösterreich-Gesellschaft für Kunst und Kultur, Frauenbad bei Wien, ... Wien: Niederösterreich-Gesellschaft für Kunst und Kultur 1982
  • A. P. Gütersloh zum 100. Geburtstag. Eine gemeinsame Veranstaltung der Akademie der Bildenden Künste der Hochschule für Angewandte Kunst und der Wiener Secession. 15. Jänner bis 15. Februar 1987. Wien: Wiener Secession 1987
  • Wilhelm Mrazek: Albert Paris Gütersloh - Maler und Dichter zugleich. In: Alte und moderne Kunst. Österreichische Zeitschrift für Kunst, Kunsthandwerk und Wohnkultur 10 (1965), Heft 81, S. 45 ff.
  • Heimito von Doderer: Der Fall Gütersloh. Ein Schicksal und seine Deutung. Wien: Haybach 1930
  • Walter Wagner: Geschichte der Akademie der bildenden Künste in Wien. Wien: Rosenbaum 1967 (Veröffentlichungen der Akademie der Bildenden Künste in Wien, Neue Folge 1), Register
  • Reinhold Treml [Hg.]: Heimito von Doderer – Albert Paris Gütersloh Briefwechsel 1928-1962. München: Biederstein 1986
  • Robert Weissenberger: Die Wiener Secession. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1971, S. 260 und Register
  • Astrid Gmeiner / Gottfried Pirhofer: Der österreichische Werkbund. Alternative zur klassischen Moderne in Architektur, Raum- und Produktgestaltung. Salzburg/Wien: Residenz-Verlag 1985, S. 229
  • Otto Breicha [Hg.]: Der Art Club in Österreich. Zeugen und Zeugnisse eines Aufbruchs. Monographie eines Aufbruchs. Wien: Jugend und Volk 1981
  • Abbild und Emotion. Österreichischer Realismus 1914-1944 [Illustrierter Katalog zur Wanderausstellung im] Österreichischen Museum für angewandte Kunst ... Wien: Tusch 1984
  • Wien um 1900. Ausstellung veranstaltet vom Kulturamt der Stadt Wien, 5. Juni bis 30. August 1964. Wien: Selbstverlag 1964
  • Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken, 29.01.1987