Abraham a Sancta Clara

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Abraham a Sancta Clara
Personenname Abraham a Sancta Clara;
Abweichende Namensform Megerle, Johann Ulrich
Titel Dr. theol.
Geschlecht männlich
GND 11850021X
Geburtsdatum 02.07.1644
Geburtsort Kreenheinstetten, Grafschaft Meßkirch (heute Baden- Württenberg)
Sterbedatum 01.12.1709
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Mönchgruft unter der rechten Seite des Presbyteriums (Grab nicht erhalten)
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Prediger
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Abraham-a-Sancta-Clara-Gasse, Abraham-a-Sancta-Clara-Straße
Denkmal Abraham-a-Sancta-Clara-Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  20.11.2017 durch WIEN1\lanm08jan
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Abrahamasanctaclara.jpg
Bildunterschrift  Abraham a Sancta Clara
Bildquelle Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Fotosammlung, TF-000012
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

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Abraham a Sancta Clara (eigentlich Johann Ulrich Megerle), * 2. Juli 1644 Kreenheinstetten, Grafschaft Meßkirch (heute Baden-Württenberg), † 1. Dezember 1709 Stadt, Augustinerkloster (1; Mönchsgruft unter der rechten Seite des Presbyteriums, Grab nicht erhalten), Prediger.

Einer leibeigenen Familie entstammend, besuchte Abraham 1656-1659 die Jesuitenschule in Ingolstadt, 1659-1662 das Benediktinergymnasium Salzburg und trat im Herbst 1662 über Empfehlung des päpstlichen Nuntius Kardinal Caraffa in den Wiener Augustiner-Barfüßer-Orden ein. Er absolvierte das Noviziat in Mariabrunn (14) und erhielt 1666 die Priesterweihe. Vorübergehend Feiertagsprediger in Oberbayern (1667), kehrte Abraham 1668 oder 1669 nach Wien zurück, wo sich ihm ein großer Wirkungskreis eröffnete. Zwischen 1673 und 1676 erschienen einige seiner Predigten im Druck, am 28. April 1677 wurde er zum kaiserlichen Hofprediger ernannten, und 1680 wählte ihn der Orden zum Prior. Einige Jahre (auch in der Zeit der zweiten Türkenbelagerung 1683) verbrachte er in Graz, um dort ein neues Kloster seines Ordens aufzubauen, dann wurde er nach Wien zurückberufen und 1690 Provinzial seines Ordens (inzwischen war er Dr. theol. geworden). 1697 wurde Abraham Definitor provinciae seines Ordens. Er war einer der größten Meister des gesprochenen und geschriebenen Wortes, schöpfte aus dem Urquell der österreichischen und besonders der Wiener Mundart und bewahrte in seinen Schwänken und Erzählungen wertvolles Gut der volkstümlichen Literatur vor der Vergessenheit. Abraham war zugleich Kanzelredner, Gelehrter und Sittenschilderer, verfügte über einen treffenden satirischen Witz und gelangte nicht selten zu einer Art Sozialkritik, die für die damalige Zeit geradezu revolutionär anmutet. In eindrucksvollen Mahnreden geißelte er die Laster und Schwächen seiner Zeit; die Derbheit seiner Sprache und die burlesken Vergleiche und Bilder, mit denen er das Gewissen seiner Zuhörer wachzurütteln suchte, gemahnen an den Jargon der Landsknechte. Seine Pest-Bußpredigt „Merck's Wienn!" (1680) und seine Türken-Bußpredigt „Auf, auf, ihr Christen!" (1683) dienten Schiller als Vorlagen für die Kapuzinerpredigt in „Wallensteins Lager". Sein Hauptwerk „Judas der Erzschelm" (4 Bänder, 1686-1695) bringt eine durch Schwanke und sittliche Betrachtungen erweiterte Lebensbeschreibung des Judas. Die anschauliche Beschreibung des Wiener Lebens macht seine Predigten zu kulturhistorischen Denkmälern von barocker Farbigkeit.


Im Auftrag der Stadt Wien hat eine HistorikerInnen-Kommission die historische Bedeutung jener Persönlichkeiten, nach denen Wiener Straßen benannt sind, von 2011 bis 2013 untersucht sowie eine zeithistorische Kontextualisierung vorgenommen. Laut Abschlussbericht dieser Forschungsgruppe war Abraham a Sancta Clara zeit seines Lebens in seinen Predigten und Schriften einem von gängigen Vorurteilen getragenen Antijudaismus verpflichtet (z. B. „Judas der Erz-Schelm“, „Huy! Und Pfuy! Die Welt“).

Abraham-a-Sancta-Clara-Denkmal; Abraham-a-Sancta-Clara-Gasse; Abraham-a-Sancta-Clara-Straße

Literatur

  • Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon. Begründet und hg. von Friedrich Wilhelm Bautz. Herzberg [u.a.]: Bautz 1975 - lfd.
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begr. von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearb. von Karl Bosl [u.a.]. Band 1: A-H. München: A. Francke 1973
  • Walter Kleindel: Das große Buch der Österreicher. 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild, Namen, Daten, Fakten. Unter Mitarbeit von Hans Veigl. Wien: Kremayr & Scheriau 1987
  • Karl Bertsche: Abraham a Sancta Clara. Mönchen-Gladbach: Volksvereins-Verlag 1922
  • Karl Bertsche: Die Handschriften Abraham a Sancta Claras in der Wiener Nationalbibliothek. In: Jahrbuch der Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 26 (1936), S. 124 ff.
  • Theodor Georg von Karajan: Abraham a Sancta Clara. Wien: Gerold 1867
  • Alfred Missong: Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien: Wiener Dom-Verlag ³1970, S. 48
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 335
  • Abraham a Sancta Clara: Sämmtliche Werke. 21 Bände. Passau / Lindau: Winkler 1835-47
  • Abraham a Sancta Clara: Merck's Wienn Mercks Wienn. 1680. Hg. von Werner Welzig (Neudruck). Tübingen: Niemeyer 1983 (Deutsche Neudrucke: Reihe Barock, 31)
  • Karl F. Stock / Rudolf Heilinger / Marylène Stock: Personalbibliographien österreichischer Dichter und Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Pullach bei München: Verlag Dokumentation 1972
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2014, 9. Auflage, S. 23
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien: Pichler Verlag 2014, S. 19
  • Peter Autengruber / Birgit Nemec / Oliver Rathkolb / Florian Wenninger: Forschungsprojektendbericht "Straßennamen Wiens seit 1860 als 'Politische Erinnerungsorte'". Wien 2013

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