Österreichische Galerie Belvedere

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Art der Organisation Institution
Datum von 1903
Datum bis
Benannt nach Belvedere
Prominente Personen Friedrich Dornhöffer, Franz Martin Haberditzl, Bruno Grimschitz, Karl Garzarolli-Thurnlackh, Fritz Novotny, Hans Aurenhammer, Hubert Adolph, Gerbert Frodl
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  16.01.2018 durch WIEN1\lanm08mic
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BezirkStraßeHausnummer
3Prinz-Eugen-Straße27

frühere Adressierung

Es wurden noch keine früheren Adressen zu dieser Organisation erfasst!

BezeichnungDatum vonDatum bis
Moderne Galerie19031912
Österreichische Staatsgalerie19121921
Österreichische Galerie1921
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Die Österreichische Galerie Belvedere (3, Prinz-Eugen-Straße 27, Rennweg 6a) ist ein staatliches Kunstmuseum mit Sitz im Schloss Belvedere. Es verfügt über die weltweit größte Gemäldesammlung von Gustav Klimt.

Gründung

1901 veröffentlichten die Mitglieder der Secession in ihrer Zeitschrift Ver sacrum eine Denkschrift an das Unterrichtsministerium, in der sie die Gründung einer staatlichen Galerie anregten, die Werke führende zeitgenössischer Künstler aus ganz Europa sammeln sollte. Das Kunsthistorische Museum hatte bei der Eröffnung des Hauses am Ring 1891 zwar eine Abteilung „moderner Meister“, die aber vorwiegend aus Werken von Künstlern der Monarchie bestand und daher von den Secessionisten zur Förderung der Künste als unzureichend angesehen wurde, besonders weil die internationale Komponente in diesem Bereich fehlte. Am 6. Mai 1903 wurde die staatliche „Moderne Galerie" auf Initiative von Carl Moll, Gustav Klimt und anderen Verfechtern der zeitgenössischen Avantgarde eröffnet, zunächst als Provisorium im westlichen Teil des Unteren Belvedere. Basis war eine Übereinkunft zwischen dem Ministerium für Cultus und Unterricht, dem Kronland Niederösterreich und der Stadt Wien, dieses zu finanzieren. Aufgabe der Galerie war die „Pflege der heimischen und ausländischen Kunst des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart“. Die Bestände der neuen Einrichtung setzten sich aus Ankäufen mit staatlichen und privaten Mitteln sowie aus Leihgaben anderer Museen zusammen. Dem Kauf direkt von der Ausstellung verdankt das Museum sein wohl prominentestes Gemälde, den „Kuss" von Gustav Klimt, der 1908 erworben wurde. Die Secession hatte selbst einige Werke internationaler Kunst gespendet. Probleme bereitete die Standortfrage, denn weder der von der Secession geforderte Neubau, noch die 1908 vorgesehene Übersiedlung in das künftige städtische Museum kamen zustande. Erst 1909 erhielt die Galerie einen eigenen Direktor, nämlich Friedrich Dornhöffer. 1911 wurde die Einrichtung in „Österreichische Staatsgalerie" umbenannt. Das Sammlungsgebiet beschränkte sich nicht auf zeitgenössische österreichische Kunst, sondern auf Kunstwerke aller Epochen.

1912 gründete Dornhöffer gemeinsam mit Paul Ritter von Schoeller und Felix Freiherr von Oppenheimer den Österreichischen Staatsgalerieverein mit dem Ziel, das Museum durch Ankäufe von Gemälden des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts in seiner Sammeltätigkeit zu unterstützen. „Am Fronleichnamsmorgen“ von Ferdinand Georg Waldmüller war der erste Ankauf für das Museum. In den 1920er Jahren umfasste das Verzeichnis der Mitglieder bereits mehrere Seiten, in weiterer Folge betreute der Verein alle Bundesmuseen.


Neuausrichtung nach dem Zusammenbruch der Monarchie

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie kam es im Bereich der staatlichen Museen zu großen Umwälzungen. Bei der Erarbeitung eines neuen Konzeptes für die staatlichen Museen war der Kunsthistoriker Hans Tietze federführend. Die Österreichische Galerie erhielt aus dem ehemaligen kaiserlichen Musealbesitz Gemälde und Plastiken des 19. Jahrhunderts überwiesen, musste aber mittelalterliche Bestände an das Kunsthistorische Museum und Zeichnungen an die Abertina abgeben. 1923 (Erweiterung 1934) wurde im Unteren Belvedere das „Österreichische Barockmuseum", 1924 im Oberen Belvedere die „Galerie des 19. Jahrhunderts" eröffnet. Die Moderne Galerie wurde in der Orangerie beim Unteren Belvedere untergebracht. Im anschließenden Kammergarten wurden Skulpturen aufgestellt. 1938 wurde die Ausstellung zeitgenössischer Kunstwerke geschlossen. Alle Bestände wurden während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert.


Ein neues Konzept nach 1945

Die 1944/1945 durch Bomben beschädigten Räumlichkeiten im Belvedere wurden bis 1953 wiederhergestellt. Unter der Federführung von Alfred Stix, ab 1945 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Wiens, und Karl Garzarolli-Thurnlackh, dem Belvedere-Direktor, wurde ein neues Konzept erarbeitet, das in Fachkreisen nicht unumstritten war. Dabei sollte in der Österreichischen Galerie „österreichische“ Kunst gebündelt werden. Mit Ministerratsbeschluß vom 13. Jänner 1953 wurde daher die Österreichische Galerie ein ausschließlich österreichischer Kunst gewidmetes Museum. Das Kunsthistorische Museum trat seine vorwiegend in der Zwischenkriegszeit erworbene, bedeutende Sammlung mittelalterlicher österreichischer Malerei und Skulptur (nicht aber angewandter Kunst) an die Österreichische Galerie ab, die internationalen Werke der Österreichischen Galerie gingen an das Kunsthistorische Museum. 1953 wurde in der Belvedere-Orangerie das Museum mittelalterlicher österreichischer Kunst, 1954 im Oberen Belvedere die Österreichische Galerie des 19. und 20. Jahrhunderts eingerichtet. Das Barockmuseum wurde wieder im Unteren Belvedere aufgestellt. 1978 eröffnete im Augarten als Teil der Österreichischen Galerie das Gustinus-Ambrosi-Museum. Das Kunsthistorische Museum gab inzwischen die Kunstwerke des 20. Jahrhunderts an das Museum des 20. Jahrhunderts ab und richtete 1967 in der Stallburg eine „Neue Galerie“ ein. Per 1. Oktober 1986 wurde diese aufgelassen und deren Bestände wieder der Österreichischen Galerie übergeben.


Restitutionsfälle seit 1998

Im Dezember 1998 wurde das Kunstrückgabegesetz[1]erlassen, was eine intensive Provenienzforschung der seit 1933 erworbenen Bestände zur Folge hatte. Unter dem Direktor Bruno Grimschitz wurde nach dem Anschluss eine offensive Erwerbungspolitik betrieben, die auf der Enteignung jüdischer Kunstsammlungen durch das NS-Regime fußte [2], die Forschung macht es sich zum Ziel, diese Objekte zu ermitteln und an die Erben der rechtmäßigen BesitzerInnen zurückzugeben. Die Überprüfung der Klimt- und Schiele-Bestände nahm dabei den Großteil der Recherchetätigkeit ein. Seit 1999 wurden insgesamt 53 Kunstwerke aus 32 Sammlungen restituiert.


Das moderne Museum

Ab 2007 kam es zu einer durchgreifenden Reorganisation der Sammlungen, die mit der Restaurierung des Unteren Belvedere einherging. Das Barockmuseum wurde in der bestehenden Form aufgelöst und aus dem Unteren Belvedere entfernt, ebenfalls die Sammlung mittelalterlicher Kunst aus der Orangerie. Seit 2007 hat die Sammlung Belvedere annähernd so viele Zuwächse wie in den sechzig Jahren davor verzeichnet. Im Jahr 2016 sind im Oberen Belvedere 530 Werke aus der Sammlung ausgestellt. Mit Prunkstall, Orangerie, Unterem Belvedere, Winterpalais, 21er Haus, Boeckl-Atelier, Ambrosi-Museum und Belvederegarten erhöht sich diese Zahl auf 1178 Werke aus dem Inventar, die im Oktober 2016 zu sehen waren. Das sind knapp über acht Prozent des Sammlungsbestands.[3] Während in der Anfangszeit des Museums Akquirierungen von Kunstwerken en bloc geschahen, stehen nun Einzelankäufe im Vordergrund, um Lücken in der Sammlung zu schließen. 2012 erhielt das Museum beispielsweise Klimts „Sonnenblume“ (1907/08) und „Familie“ (1909/10) als Legat des Kunstsammlers Peter Parzer.

Die wichtigsten Neustrukturierungen

  • Die Hauptwerke der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere sind nun vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im Oberen Belvedere vereinigt. Besonderes Highlight ist die Sammlung „Jugendstil und Wiener Secession".
  • Unteres Belvedere und Orangerie dienen Sonderausstellungen, seit 2007 sind sie durch einen Verbindungsgang aneinander angeschlossen.
  • Im Prunkstall werden mittelalterliche Tafelbilder, Skulpturen und Flügelaltäre gezeigt.
  • Für die neuere und neueste Kunst steht seit November 2011 das 21er Haus zur Verfügung, der ausgebaute Österreich-Pavillon der Weltausstellung 1958, der im Schweizergarten wiedererrichtet worden ist und bis zur Übernahme durch das Belvedere vom Museum moderner Kunst genutzt worden ist.
  • Der Augarten Contemporary, ehemaliges Wohnhaus und Atelier des Bildhauers Gustinus Ambrosi, wird seit 2000/2001 für Sonderausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt, seit 2012 in Zusammenarbeit mit TBA21. Das Gustinus-Ambrosi Museum ist weiterhin in Betrieb.
  • 2009 wurde das Research Center eröffnet, das die Bereiche Archiv und Provenienzforschung, Bibliothek, Bildarchiv und Reproduktionen sowie das Digitale Belvedere in sich vereint. Im Archiv sind die schriftlichen und dokumentarischen Nachlässe österreichischer KünstlerInnen erhalten. Die verschiedenen Bestände reichen vom 16. bis zum 21. Jahrhundert, Zeitschriften wie „Ver Sacrum" und frühe Ausstellungskataloge des Künstlerhauses und der Secession oder Archivalien, deren Konservierung besonders heikel ist, werden digitalisiert. Die Digitalisate sind über die Museumsdatenbank TMS für ForscherInnen abrufbar, die Zeitschrift „Ver Sacrum“ ist via Volltextsuche auf der Homepage abrufbar. Mit der Gründung des Research Centers wurden die Bestände der Museumsbibliothek eingegliedert und zu konservatorisch besseren Bedingungen im neu errichteten Depot aufgestellt. Der Altbestand, der mit dem Museum gewachsen ist, wurde um mehr als 30.000 neue Medieneinheiten ergänzt, bedeutende Bücher wurden digitalisiert und sind ebenso auf der Homepage abrufbar[4].
  • 2014 wurden nach der Generalsanierung die Prunkräume des Winterpalais von Prinz Eugen von Savoyen vom Finanzministerium dem Belvedere übergeben. Dort werden Sonderausstellungen veranstaltet.
  • Am 9. März 2000 kam es zu der Neugründung des „Verein des Belvedere“ neu gegründet, weil sich der ursprüngliche Verein der Museumsfreunde in Wien (1952-1999) nach der Ausgliederung des Kunsthistorischen Museums ausschließlich Förderung des Kunsthistorischen Museums und seiner angeschlossenen Institutionen widmete. Jährlich wird in enger Absprache mit dem Museum die Erweiterung der hauseigenen Sammlungsbestände durch den Ankauf oder die Restaurierung von Kunstwerken im Wert von nahezu € 100.000 ermöglicht.

Leitung


Literatur

  • Katalog der Modernen Galerie in Wien. Hg. im Auftrage des k.k. Ministeriums für Cultus und Unterricht. Wien: Waldheim 1903
  • Katalog der Modernen Galerie in Wien. Hg. im Auftrag des k.k. Ministeriums für Kultus und Unterricht. Wien: Jasper 1904
  • Kunst des 19. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 19. Jahrhunderts. Hg. von der Österreichischen Galerie. 4 Bände. Wien: Brandstätter / Wien: Österr. Galerie 1992-2000
  • Moderne Galerie in der Orangerie des Belvedere. Österreichische Galerie Wien. Hg. Vom Verein der Museumsfreunde in Wien. Wien: 1929
  • Gertrude Aurenhammer: Geschichte des Belvederes seit dem Tode des Prinzen Eugen. In: Mitteilungen der Österreichischen Galerie. Hg. von der Österreichischen Galerie und der Professur für Österreichische Kunstgeschichte an der Universität Wien. Wien: Österreichische Galerie 1957-1993, Band 13, 1969, Nr. 57, S. 41 ff.
  • Elfriede Baum: Katalog Museum Mittelalterlicher Österreichischer Kunst. Hauptband. Wien: Schroll 1971 (Österreichische Galerie, Kataloge, 1)
  • Elfriede Baum: Österreichisches Barockmuseum im Unteren Belvedere. Wien [u.a.]: Herold 1980 (Österreichische Galerie Wien, Kataloge, 2,1)
  • Maria Dawid / Erich Egg: Der österreichische Museumsführer in Farbe. Museen und Sammlungen in Österreich 1985, S. 371 ff. (mit Auflistung der in den Sammlungen vertretenen Künstler)
  • Herbert Haupt: Das Kunsthistorische Museum. Die Geschichte des Hauses am Ring. Hundert Jahre im Spiegel historischer Ereignisse. Wien: Christian Brandstätter Verlag 1991
  • Agnes Husslein-Arco / Katharina Schoeller [Hg.]: Das Belvedere. Genese eines Museums. Weitra: Verlag der Provinz 2011
  • Friedrike Klauner [u.a.]: Die Moderne Galerie des Kunsthistorischen Museums. Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste Wien, Dezember 1956 - Jänner 1957. Wien: Jasper 1956
  • Wolfgang Thaler: Das Belvedere mehr als ein Museum. Wien: Belvedere Wien 2016

Links

Einzelnachweise

  1. [https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1998_181_1/1998_181_1.pdf Bundesgestzblatt I Nr. 181/1998: Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen]
  2. Wolfgang Thaler: Das Belvedere mehr als ein Museum. Wien: Belvedere Wien 2016, S. 166
  3. Wolfgang Thaler: Das Belvedere mehr als ein Museum. Wien: Belvedere Wien 2016, S. 106 f.
  4. Belvedere: Research Online [Stand 01.12.2017]