Zentralfriedhof

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Schrägluftaufnahme mit dem Zentralfriedhof und der Luegerkirche aus dem Mai 1956.
Art des Objekts Friedhof
Jahr von 1866
Jahr bis
Name seit 1874
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 11
Lage Simmeringer Hauptstraße 232-244
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  24.11.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname Zentralfriedhof-Vogelschau.jpg
Bildunterschrift  Schrägluftaufnahme mit dem Zentralfriedhof und der Luegerkirche aus dem Mai 1956.
Bildquelle WStLA, Presse- und Informationsdienst, FC2: 56170/159
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zentralfriedhof (11, Simmeringer Hauptstraße 232-244), ein Friedhof-Areal von mehr als zwei km², auf dem neben dem katholischen Teil auch eine evangelische (viertes Tor), alte (erstes Tor) und neue (fünftes Tor) israelitische und russisch-orthodoxe Abteilung besteht.

Als die 1783 eröffneten fünf Kommunalfriedhöfe sich als zu klein erwiesen, beschloß der Gemeinderat am 7. Dezember 1866 die Anlage des Zentralfriedhofs, der am 1. November 1874 eröffnet wurde.

Die Wahl eines geeigneten Terrains hatte die Gemüter des Gemeinderats durch Jahre hindurch sehr erhitzt; dem amtierenden Bürgermeister Dr. Cajetan Felder wurde, da er gleichzeitig als Vormund des minderjährigen Besitzers der nahe gelegenen Schwechater Brauerei, Anton Dreher der Jüngere, dessen Interessen zu wahren hatte, parteiische Stellungnahme vorgeworfen. Nach erfolgeter Ausschreibung erhielten Alfred Friedrich Bluntschli und Karl Jonas Mylius aus Frankfurt am Main den Auftrag zur Anlage.

Gräber vor der Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche am Zentralfriedhof (1974).

Den Mittelpunkt des Zentralfriedhofs bildet der Kapellenhof mit der nach Entwürfen des Max Hegele erbauten Kuppelkirche (Dr.-Karl-Lueger- Gedächtniskirche; Luegerkirche, in deren Gruftraum der Sarkophag des Bürgermeisters Karl Lueger steht; davor liegt heute die Gruft der Bundespräsidenten der zweiten Republik.

Portier am Hauptportal, 1907
Relief von Carl Anselm Zinsler am Hauptportal, 1907

Das Hauptportal (zweites Tor) mit den großen Reliefs von Georg Leisek (links "Kommet zu uns, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken" [Matthäus: 11, 28]) und Carl Anselm Zinsler (rechts "Menschen am Tor zu einem Ort ohne Wiederkehr") wurde 1905 vollendet.

Beiderseits des Friedhoftors sind an der Friedhofsmauer (ältere) Ehrengräber (Gruppe 0) situiert, die neueren Ehrengräbergruppen befinden sich beiderseits der vom Haupteingang ausgehenden großen Allee (Gruppe 14A und 32 A [Alter Teil], 14C und 32C [Neuer Teil]; (die meisten in Ehrengräbern Bestatteten sind biographisch behandelt; unter deren Stichwörtern finden sich die näheren Lagebezeichnungen der Grabstätten), außerdem wurde ein Ehrenhain für Kulturschaffende (Gruppe 40) angelegt; manche Geehrte wurden aus ihren ursprünglichen Grabstellen auf den Kommunalfriedhöfen oder auch außerhalb Wiens exhumiert und hierher überführt.

Der Zentralfriedhof besitzt eine große Anzahl künstlerisch hervorragender Grabdenkmäler unter anderem auch das Mahnmal für die Opfer der Märzrevolution 1848 (Gruppe 26), das Mahnmal für die Opfer des Ringtheaterbrands (Gruppe 30 A; Ringtheaterbrand), das Kriegerdenkmal (11, Zentralfriedhof) der Gemeinde Wien für die Toten des ersten Weltkriegs von Anton Hanak (Gruppe 79; Gemeinderatsbeschluß vom 20. Februar 1925), ein Jüdisches Kriegerdenkmal (erstes Tor), das Mahnmal für die Opfer des 15. Juli 1927 (Gruppe 41G; Julidemonstration und das Denkmal für die Opfer des Februar 1934 (Gruppe 28 Republikanischer Schutzbund beziehungsweise 71E Exekutive), das Kriegerdenkmal für Gefallene des zweiten Weltkriegs (Gruppe 97), das Mahnmal für die Opfer des Bombenkriegs 1944/1945 (Gruppe 26), das Mahnmal für die Opfer des Widerstands 1938-1945 (Gruppe 40), das Mahnmal für die Opfer des tschechoslowakischen Widerstands (Gruppe 42), das Mahnmal für die Opfer für ein freies Österreich 1934-1945 (Gruppe 41) und ein Kriegerdenkmal für gefallene Sowjetsoldaten. Aufbahrungshalle, Krematorium.

Leichenhalle, 1907

Israelitischer Friedhof, Zentralfriedhof, erstes Tor

Seit 1876 dient der Zentralfriedhof als gemeinsame Ruhestätte für Verstorbene aller Konfessionen. Beim ersten Tor ist die Begräbnisstätte orthodoxer Juden geblieben (Alter Israelitischer Friedhof beziehungsweise Israelitische Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs); hier sind unter anderem Adolf Fischhof, Max Fleischer, Ludwig August Frankl, Karl Goldmark, Oskar Marmorek, Gustav Pick, Josef Popper-Lynkeus, Arthur Schnitzler, Maximilian Steiner und Friedrich Torberg begraben. Der Friedhof wurde ab 1987 saniert.

Israelitischer Friedhhof, Zentralfriedhof, fünftes bzw. viertes Tor

Neuer Israelitischer Friedhof beziehungsweise Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde (mit Neuer Zeremonienhalle von Ignaz Nathan Reiser). Hier sind unter anderem Armin Berg, Josef Samuel Bloch, Elise Elizza, Leo Fall, Hugo Meisl, Ignaz Nathan Reiser und Heinrich Sussmann begraben. Außerdem befindet sich hier eine Anzahl von Gedenkstätten und Mahnmalen für jüdischen Märtyrer und Opfer des Nationalsozialismus. Da das ursprüngliche vierte Tor zur evangelischen Abteilung des Zentralfriedhofs um 2000 aufgelassen bzw. in das unmittelbar benachbarte dritte Tor einbezogen wurde, änderte die städtische Friedhofsverwaltung in der Folge die Adresse der Neuen Israelitischen Abteilung von 5. Tor auf 4. Tor.

Siehe: Israelitische Friedhöfe

Videos

Mit dem Fiaker durch den Zentralfriedhof (360-Grad-Ansicht, YouTube)

Friedrich Torberg und Arthur Schnitzler gehören zu den Promis am Zentralfriedhof. Jetzt haben auch sie ein Ehrengrab. (wien.at, Erstausstrahlung 8. März 2012)

Literatur

  • Hans Pemmer: Der Wiener Zentralfriedhof. Seine Geschichte und seine Denkmäler. 1924.
  • Hans Havelka: Der Wiener Zentralfriedhof. 1989
  • Hans Havelka: Zentralfriedhof. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 30)
  • Robert S. Budig / Gertrude Enderle-Burcel / Peter Enderle: Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof. Wien: Compress Verlag 1995
  • Franz Knispel: Zur Geschichte der Aufbahrungshallen auf dem Wiener Zentralfriedhof. 1984
  • Günther Berger: Sieben erhaltene Konkurrenzprojekte zur Anlage des Wiener Zentralfriedhofs (1870-1874). In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 38 (1982), S. 81 ff.
  • Günther Berger: Spuren der Vergänglichkeit. In Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 44 (1989), Bh.1
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 409 f.
  • Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? 1961, S. 5 ff.
  • Felix Czeike: XI. Simmering. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1980 (Wiener Bezirkskulturführer, 11), S. 51 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S.155 f.
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 291 ff.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S.154
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 564 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 2: Die Gemeinde, ihre Verwaltung und sozialen Belange, Wirtschaftsleben, Handel, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft, Volkskunde, Naturwissenschaft, Klimatologie, Meteorologie, Naturereignisse, Varia und Kuriosa. Wien: Jugend & Volk 1955, S.31 ff.