Wiener Kommunal-Kalender

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Datum von
Datum bis
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  27.04.2018 durch WIEN1\lanm09eic
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF

Der einmal jährlich erschienene "Kommunal-Kalender" wurde unter dem Volltitel "Wiener Kommunal-Kalender und Städtisches Jahrbuch" 1863 begründet und 1922 mit dem 60. Jahrgang eingestellt. 1935 und 1937 erschien als Nachfolger das "Handbuch der bundesunmittelbaren Stadt Wien", in späterer Folge das Handbuch der Stadt Wien (1953 – 2005). In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 1941 und 1944 zwei Handbücher unter dem Titel "Handbuch Reichsgau Wien" publiziert. Der Wiener Kommunal-Kalender war primär als Nachschlagewerk für die Bevölkerung konzipiert und wurde anfangs von Friedrich Manz bzw. nach dessen Tod bis 1882 von der Manz’schen k.k. Hof- Verlags- und Universitäts-Buchdruckerei verlegt. Ab 1883 wurde er von unterschiedlichen Verlegern herausgegeben. Der Seitenumfang des Kommunal-Kalenders wuchs mit Fortdauer des Erscheinens immer weiter an; 1917 hatte er nahezu 1.400 Seiten. Bei seiner Benutzung zu beachten ist, dass der Kommunal-Kalender einerseits als Vorschau auf das nächste Jahr (das im Titel aufschien), andererseits als Rückschau auf die vergangenen Monate (meist vom September des Vorvorjahres bis zum 31. August des vergangenen Jahres) konzipiert war.

Die Struktur des Kommunal-Kalenders und die Benennung der verschiedenen Kapitel änderten sich immer wieder. Entsprechend der vorrangigen Entwicklungen und Projekte in der Stadt setzte der Kommunal-Kalender Schwerpunkte. Der Serviceteil des Wiener Kommunal-Kalenders war in der Mehrzahl der Jahrgänge in drei Hauptstücke gegliedert:

  • Der Geschäfts-Kalender gab allgemeine Informationen zur städtischen Infrastruktur (Post- und Telegraphenwesen, Öffentlicher Verkehr, Straßen und Plätze, Jahr- und Wochenmärkte, Geld- und Creditwesen, Maße und Gewichte), veröffentlichte aktuelle Gebühren und Steuertarife und verwies auf wichtige Termine (etwa Kündigungs- und Ausziehtermine); der Geschäftsteil war als Serviceteil zu verstehen.
  • Der zweite Teil, der Schematismus (entfiel ab 1888, wurde partiell in das Kapitel Städtisches Jahrbuch übernommen), behandelte das Kaiserhaus und die Hofämter, Landesvertretungen und Behörden, aber auch diverse Institute, Unterrichts- und Erziehungsanstalten sowie die kirchlichen Behörden.
  • Im dritten Teil, dem Städtischen Jahrbuch, wurden die Organisationen der Gemeindevertretung, die Verwaltung der Stadt Wien sowie die Gemeindeeinrichtungen (Schulen, Spitäler, Armen-Institute etc.) samt den verantwortlichen Personen näher beleuchtet.

Im Rahmen des "Städtischen Jahrbuchs" war die Stadtchronik in den Anfangsjahren eher kurz gehalten. Ab 1867 wurde sie nach und nach immer stärker ausgebaut und enthielt unter wechselnden Unterteilungen, neben der Übersicht über die politischen Ereignisse, unter anderem einen Bericht über die administrative Tätigkeit des Gemeinderates, eine Lokalchronik oder auch einen Rückblick auf Todesfälle und die städtischen Auszeichnungen des Jahres. Ab 1874 wurden die statistischen Daten die Bevölkerungsentwicklung aufgenommen, ab 1875 die Tätigkeiten des Gemeinderates um jene des Magistrates erweitert. Ab 1887 bis 1905 kamen "Beiträge zur Geschichte der Stadt Wien" hinzu. Ein namentliches Verzeichnis der städtischen Bediensteten war Teil des Kommunal-Kalenders. In den Jahren 1910 bis 1919 erhielt die immer mehr anschwellende Stadt-Chronik, die etwa ein Viertel des Handbuches ausmachte, eine neue Struktur und wurde in Folge in eine geraffte Tageschronik zu vielen einzelnen Bereichen (etwa Personalien, Lebensmittelversorgung, Lokalchronik, Theater) und einen ausführlicheren "zusammenfassenden Bericht" unterteilt. Die einzelnen Jahrgänge des Kommunal-Kalenders aus der Zeit des Ersten Weltkrieges gehörten in der Chronik zu den umfangreichsten Handbüchern (bis 1.400 Seiten) und enthielten auch eine Kriegs-Chronik inklusive der im Kriege gefallenen bzw. ausgezeichneten Gemeindebediensteten. 1919 fiel der zusammenfassende Bericht weg, und ab 1920 gab es keine Stadt-Chronik mehr im Kommunalkalender. Im Bericht "Die Gemeindeverwaltung der Bundeshauptstadt Wien in der Zeit vom 1. Juli 1919 bis 31. Dezember 1922", der erst 1927 erschien, wurde allerdings eine Chronik von September 1918 bis Ende Dezember 1922 eingefügt.

Quellen

Literatur

  • Franz Englisch: Heimatkundliche und historische Aufsätze im „Wiener Kommunal-Kalender" von 1863 bis 1966. In: Wiener Geschichtsblätter 22 (1967), S. 173-176

Links