Votivkirche

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Die Votivkirche (1962)
Art des Bauwerks Sakralbau
Jahr von 1856
Jahr bis
Andere Bezeichnung Zum göttlichen Heiland
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Ex Voto Stiftung
Einlagezahl
Architekt Heinrich Ferstel
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname Votivkirche.jpg
Bildunterschrift  Die Votivkirche (1962)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 62377/4
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
9Rooseveltplatz

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Votivkirche (9, Rooseveltplatz; Propsteipfarrkirche „Zum göttlichen Heiland").

Geschichte

Erzherzog Ferdinand Max regte nach der Errettung seines Bruders Franz Joseph I. (Attentat von Johann Libenyi am 18. Februar 1853) durch einen Aufruf den Bau einer Gedächtniskirche an, die 1856-1879 nach den Plänen von Heinrich Ferstel (der bei Baubeginn erst 28 Jahre alt war) samt dem dahinterstehenden Pfarrhaus im Stil französischer Kathedralgotik des 13. Jahrhunderts auf dem Glacis vor dem Schottentor erbaut wurde. Da das Glacis damals noch nicht zur Verbauung freigegeben war, musste die Kirche am äußeren Rand desselben errichtet werden und stand damit einige Jahre später fern der Ringstraße.

Rund um den Bau der Kirche gab es eine Reihe unrealisierter Projekte: die halbkreisförmig hinter der Kirche geplante Universität Wien beziehungsweise eine Ruhmeshalle (Wiener Akropolis; realisiert im Arsenal) und das Tegetthoffdenkmal vor der Kirche.

Das Areal wurde am 25. Oktober 1855 definitiv festgelegt, am 24. April 1856 fand die Grundsteinlegung durch Kardinal-Erzbischof Rauscher statt (Gedenktafel), am 18. August 1868 feierte man die Turmvollendung. Die Weihe nahm Kardinal-Erzbischof Kutschker anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaars am 24. April 1879 vor (Gedenktafel). Die Votivkirche war in der Monarchie (katholisch) Garnisonskirche für Wien (kaiserlicher Entschluss von 1862). Hier nahmen auch alle militärischen Leichenbegängnisse ihren Ausgang. Die Votivkirche ist eines der hervorragendsten Beispiele historisierender Architektur.

Rooseveltplatz – Votivkirche, um 1900

Äußeres

Doppelturmfassade mit drei Figurenportalen und Fensterrose.

Hauptportal

Hauptportal mit reichem figuralem Schmuck von Johannes Benk (Christ-König-Statue inmitten der Apostel, umgeben von Vorbildern aus dem Alten Bund [Abel, Noe, Melchisedech, Isaak, Samson, Aaron, Moses); im Giebel darüber Heilige Dreifaltigkeit (von Josef Gasser), seitlich vier Evangelisten und österreichisch-ungarische Landespatrone (Koloman [Niederösterreich], Vigilius [Südtirol], Ägydius [Kärnten], Josef [Steiermark], Leopold [Niederösterreich], Wenzel [Böhmen], Spiridion [Dalmatien], Michael [Galizien], Georg [Krain], Rochus [Kroatien], Nikolaus von Bari [Venetien], Ladislaus [Siebenbürgen], Justus [Triest], Hedwig [Schlesien], Ruprecht [Salzburg], Johannes Nepomuk [Böhmen]) von Franz Melnitzky und Peter Kastlunger), über der Rosette „Krönung Mariens" von Gasser.

Seitenportale

Reliefs von Gasser („Verkündigung Mariens" [darunter die vier Propheten Jeremias, Isaias, David und Michäas von Anton Schmidgruber ], „Auferstehung Christi" [darunter Namenspatrone der kaiserlichen Familie: Franziskus, Elisabeth und Sophie von Kastlunger]).

Eingangsportale

Die Eingangsportale ins Querschiff sind Gott Vater und dem Heiligen Geist gewidmet. An den Arkadenpfeilern befinden sich acht Propheten beziehungsweise Kirchenväter. Die Kirche erhielt 1967 ein neues Dach aus Eternitplatten.

Inneres

Dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika, beiderseits vier flache Seitenkapellen; dreischiffiges Querschiff; Chor mit 7/12-Schluss; Kapellenumgang und Kapellenkranz. Die Wand- und Deckengemälde stammen von Joseph von Führich, A. von Wörndle, Carl Jobst und Josef Matyáš Trenkwald. Am Deckengewölbe des Mittelschiffs Stammbaum Christi von Franz Jobst und Carl Jobst. Die Orgel (1874-1878) von E. F. Walcker & Co. (Ludwigsburg) ist das einzige mechanische Werk dieser Größe (3.762 Pfeifen) in Europa (auch Anton Bruckner hat hier gespielt).

Die Glasgemälde der Kirchenfenster, zu denen Trenkwald die Entwürfe geliefert hatte, wurden während des Zweiten Weltkriegs vernichtet und (mit Ausnahme des nach alter Vorlage erneuerten „Kaiserfensters") durch Figuralfenster (zumeist nach Entwürfen von Christine Feldmann) ersetzt (daher finden sich bei den Ersatzfenstern auch Themen, die in die Zeit nach dem Kirchenbau fallen).

Hochaltar

  • Hochaltar aus weißem Marmor mit sechs ägyptischen Alabastersäulen mit figuralem Schmuck von Gasser, Robert Streschnak und Ferdinand Laufberger (Kardinaltugenden im Gewölbe des Baldachins), Bildnis der Maria, das ein Geschenk von Papst Pius IX. war, in der Mitte des (ständig gesperrten) Kapellenumgangs.

Marienaltar (einst Antwerpener Altar)

  • Hier stand der Antwerpener Altar (bedeutendstes Werk der flämischen Schnitzkunst des 15. Jahrhunderts; seit 1996 aus Sicherheitsgründen als Leihgabe im Dom- und Diözesanmuseum).

Thema des Kirchenfensters ist die Leidensgeschichte Christi.

„Kaiser-Fenster"

  • Fenster der Stadt Wien („Kaiser-Fenster"). Das Fenster wurde 1877 von der Gemeinde Wien gespendet und von dieser nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert.

Bischofskapelle

  • Der Altar ist dem Göttlichen Herzen Jesu gewidmet; Grabstätte des Weihbischofs Godfried Marschall (er war der erste Propst der Kirche).

Kirchenfenster: Bischöfe der österreichischen Kirchengeschichte.

Altar der Gottesmutter von Guadelupe

  • Altar der Gottesmutter von Guadelupe.

Kirchenfenster: Geschichte der Verehrung des Marienbilds von Guadelupe.

Flügelaltar

  • Der aus Zedernholz vom Libanon geschaffene Altar zeigt die Verlobung Mariens mit dem heiligen Josef, bei geschlossenen Flügeln die Verkündigung.

Kirchenfenster: Geschichte der Verehrung des Marienbilds von Mariazell.

Kirchenfenster: Geschichte des Marienbilds von Maria Pötsch.

  • Denkmal für die im Dienst gefallenen Angehörigen der Exekutive.

Kirchenfenster: Geschichte des wunderbaren Glasfensters von Absam (Tirol).

Kirchenfenster: Rudolf I.

Kirchenfenster: Ferdinand II.

Gotischer Kapellenschrein

  • Heiliges Grab für die letzten Tage der Karwoche.

Kirchenfenster: 23. Eucharistischer Kongress in Wien (1912).

Kirchenfenster: Todesstiege im nationalsozialistischen Konzentrationslager Mauthausen.

Taufkapelle

Kirchenfenster: Bedeutende österreichische Missionare.

Kanzel

  • Kanzel aus Marmor; auf dem Goldmosaik der Brüstung die vier Kirchenväter und der lehrende Heiland; am Kanzelfuß Büste Ferstels von Viktor Tilgner.
  • Denkmal für die österreichische Kaiserschützen-Regimenter, Kirchenfenster: Vertreter der österreichischen Sozialreform (Entwurf von Hans Schweiger).

Kreuzaltar

  • Kreuz-Altar.

Kirchenfenster: links Johannes von Gott (Verteidigung Wiens gegen die Türken 1529), rechts Franz Jägerstätter.

Literatur

  • Anton Maria Pichler: Die Votivkirche in Wien "Zum göttlichen Heiland". Beschreibung der Geschichte, Bedeutung und Kunstwerke der Kirche. Wien: Pfarre Votivkirche "Zum Göttlichen Heiland" 1966
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 1: Das Kunstwerk im Bild. Wien [u.a.]: Böhlau 1969, S 117 ff..
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 4: Alois Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstraße. Ihre technische und künstlerische Bedeutung. Wiesbaden: Steiner 1972, S. 167 ff.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 8/3: Norbert Wibiral / Renata Mikula: Heinrich von Ferstel. Wiesbaden: Steiner 1974, S. 3 ff.
  • Bundesdenkmalamt [Hg.]: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien. II. bis IX. und XX. Bezirk. Wien 1993, S. 382 ff.
  • Renate Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19. Jahrhundert. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1970, S. 162 ff.
  • Wolfgang J. Bandion: Steinerne Zeugen des Glaubens. Die Heiligen Stätten der Stadt Wien. Wien: Herold 1989, S. 184 ff.
  • Moriz Thausing: Die Votivkirche in Wien. Denkschrift des Baucomités veröffentlicht zur Feier der Einweihung am 24. April 1879. Wien: Waldheim 1879
  • Reinhold Lorenz: Die Votivkirche als sakrales Denkmal Österreich-Ungarns. In: Franz Loidl [Hg.]: Auftrag und Verwirklichung. Festschrift zum 200-jährigen Bestand der kirchenhistorischen Lehrkanzel seit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773. Wien: Wiener Dom-Verl. 1974 (Wiener Beiträge zur Theologie, 44), S. 275-298
  • Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch. Wien: Gerlach & Wiedling Band 1864, S. 254 ff.
  • Felix Czeike: IX. Alsergrund. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1979 (Wiener Bezirkskulturführer, ²9), S.40 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 133 ff.
  • Rudolf Geyer: Handbuch der Wiener Matriken. Ein Hilfswerk für Matriken-Führer und Familienforscher. Wien: Verlag d. Österr. Inst. für Genealogie, Familienrecht und Wappenkunde [1929], S. 86 (Sprengel), 251 f.(Matrikenbestanteil)
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 260 f.