Verlag Artaria

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Geschäftsportal der Verlagsbuchhandlung Artaria, Kohlmarkt 9, entworfen im Jahr 1900 von Max Fabiani. Freytag-Berndt & Artaria mietete dieses Lokal bis 2014.
Art der Organisation Firma
Jahr von 1770
Jahr bis
Benannt nach
Prominente Personen
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Bildunterschrift  Geschäftsportal der Verlagsbuchhandlung Artaria, Kohlmarkt 9, entworfen im Jahr 1900 von Max Fabiani. Freytag-Berndt & Artaria mietete dieses Lokal bis 2014.
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, D 76617: Der Architekt, September 1902, Tafel 68
Bildrechte
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtKohlmarkt9

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
Innere StadtTuchlauben517701775
Innere StadtKohlmarkt1817751789
BezeichnungJahr vonJahr bis
Artaria & Company1770
Freytag-Berndt und Aratria1940
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Verlag Artaria. Um 1750 wanderten die Brüder Cesare, Domenico (I.) und Giovanni Artaria aus Blevio bei Como als reisende Kunsthändler durch Mitteleuropa. 1765 begründet Giovanni ein Geschäft in Mainz (1774-1793 mit Wien vereinigt, dann Mannheim), wogegen seine Neffen Francesco (Sohn des Domenico [I.], Artaria Domenico III.) und Carlo (1747-1808, Sohn des Cesare) 1768 nach Wien kamen und hier ihre Kupferstiche anboten. Sie traten damit in Konkurrenz zu den Künstlern, die damals ihre Werke selbst vertrieben, und zu den „Bildkrämern", die vorwiegend auf Märkten Stiche, Bilder, Kalender und Gebetbücher anboten.

Die mit Privilegium von 12. Februar 1770 von Carlo und Francesco gegründete Wiener Firma „Artaria & Company" (Gesellschaftsvertrag von 2. Februar 1770) erhielt das Recht, auch außerhalb der Marktzeiten in einem öffentlichen Gewölbe Handel zu treiben. Mit 15. Oktober 1770 zeigte sie ihre Kunsthandlung „Zum König von Dänemark" im Hochholzerhof (1, Tuchlauben 5) an, 1775 übersiedelte sie ins Dreilauferhaus (1, Kohlmarkt 18, Herrengasse 2) und begann darüber hinaus Mitte der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts aufgrund eines am 28. Jänner 1782 erteilten Druckprivilegs mit der Herausgeber von kartographischen Werken.

Als die Firma 1789 ins Haus „Zum englischen Gruß" (1, Kohlmarkt 9) übersiedelte, wurde sie zum Nachbarn des Kunsthändlers Hieronymus Löschenkohl. An dieser Stelle befinden sich die Nachfolgefirmen noch heute. Als Kunsthändler verlegte Artaria die Kupferstiche von Jakob Schmutzer. 1775/1776 erschien das erste große Kupferstichwerk von ehemaligen Schülern der neu gegründeten „Kupferstecher-Akademie" (Kaufruf in Wien nach Zeichnungen von Johann Christian Brand); seit 1778 vertrieb Artaria auch handschriftliche und gedruckte Musikalien aus dem Ausland. 1778 begann die Herausgabe der Stiche des Ansichtenwerks von Carl Schütz, Johann Ziegler und Laurenz Janscha. Seit 1786 erschienen Stadtpläne von Wien, außerdem Karten verschiedener europäischer Länder (darunter auch topographische und Postroutenkarten).

Der Musikverlag erlangte mit Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn bald Weltruf; ein freundschaftliches Verhältnis entwickelte sich besonders zu Haydn. 1793 folgte Beethoven, später Schubert und Rossini. Die ehemaligen Kompagnons Tranquillo Mollo und Giovanni Cappi gründeten 1798 beziehungsweise 1801 eigene Firmen. Als sich nach dem Wiener Kongreß die Qualität der Produkte verbesserte, errang der Verlag eine Zeitlang eine führende Stellung unter den Kartenverlagen der Monarchie. Der Verlag hielt im Gegensatz zur Konkurrenz lange am teuren und zeitaufwendigen Kupferstich fest, da er gegenüber dem Steindruck feinere Ausführungen erlaubte. Seit der Mitte der 50er Jahre setzten sich (Farb-)Lithographien durch. Der 1862 zum Verlag gekommene Anton Steinhauser erneuerte das Verlagsprogramm (erste Höhenschichtenkarten für den Schulgebrauch, Gegenüberstellung physikalischer und politischer Karten, Schulwandkarten, geologische Karten); seit 1858 erschienen Eisenbahnkarten, seit 1873 Touristenkarten. Außerdem gab Artaria zahlreiche Stadt- und Bezirkspläne von Wien heraus. 1891 übernahm mit Karl Peucker ein hervorragender Kartograph die wissenschaftliche Leitung, 1892 erschien der „Atlas für Commercielle Lehranstalten" und 1896 der „Atlas für Handelsschulen". Nach dem Tod von August Artaria (1893) beschränkte man sich auf überarbeitete Neuausgaben älterer Karten. 1920 wurde die kartographische Abteilung von Aratria dem Verlag „G. Freytag & Berndt" angegliedert (seit 1940 „Freytag-Berndt und Artaria").

2014 übersiedelte Freytag-Berndt und Artaria aus wirtschaftlichen Gründen vom historischen Geschäftslokal Kohlmarkt 9 in die Wallnerstraße, die einzige Seitengasse des Kohlmarkts.

Das Artaria-Verlagsarchiv befindet sich in der Handschriftensammlung und der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus.

Links

Literatur

  • Johannes Dörflinger: Die österreichische Kartographie im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter besonders Berücksichtigung der Privatkartographie zwischen 1780 und 1820, 2 Bänder, 1984-1989 (weitere Literatur)
  • Johannes Dörflinger: Dauer und Kosten des Karten-Kupferstiches- dargestellt an Hand von Karten des Wiener Verlags Artaria & Company aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Internationales Jahrbuch Kartographie 21 (1981), S. 75 f.
  • Friedrich Slezak: Geschichte der Firmen Artaria & Compagnie. Freytag-Berndt und Artaria 1970
  • Friedrich Slezak: Beethovens Wiener Originalverleger. Wien: Deuticke 1987 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 17) (dort weitere Literatur), S. ff. (Artaria & Company), S. 23 ff. (Mathias Artaria)
  • Der Verlag Artaria. Veduten und Wiener Alltagszenen (Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien. Band 72. Wien 1959-2003)
  • Lexikon Geschichte Kartographie 1 (1986), S. 27 f.
  • Die „Bildkrämer" vom Kohlmarkt. In: Rendezvous Wien. Vierteljahreszeitschrift für Freunde Wiens in aller Welt. Wien: Wiener Tourismusverband 5/1977, S. 25 ff.