Simpl

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1912
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Biercabaret Simplicissimus
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  4.06.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
1Wollzeile34

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Simpl (eigentlich Simplicissimus; 1, Wollzeile 34). Als „Biercabaret Simplicissimus" am 25. Oktober 1912 von Egon Dorn, der kurzfristig die Fledermaus geleitet und auch an der Hölle Regie geführt hatte, im Keller des Hauses 1, Wollzeile 34, eröffnet, entwickelte sich der Simplicissimus rasch zum beliebtesten und langlebigsten Kleinkunsttheater Wiens. Mit seinem Münchner Vorläufer hat es wenig gemeinsam; das Münchner Wappentier, eine zähnefletschende Bulldogge, wandelte sich (nach einem Entwurf von Kolo Moser) in Wien zum gezähmten „Bulli", für den es (nach Rudolf Weys) charakteristisch war, dass er „raunzend bellte, aber niemanden ins Wadl biss". Das Kabarett wollte ohne hohe literarische Ansprüche Unterhaltung bieten. Die unbestrittenen Stars der Frühzeit waren Josma Selim, Fritz Grünbaum (ab 1914) und Karl Farkas (ab 1921), der 1938 die Leitung übernahm, jedoch kurz danach flüchten musste; die von Grünbaum und Farkas entwickelten Doppelconferencen waren Fixstarter in den Programmen. Von 17. Oktober 1950 bis 5. Mai 1971 prägte Farkas mit seinem (personell wechselnden) Team die Bühne. Zum Kern des Teams gehörten unter anderem Maxi Böhm (1949/1950 sowie ab 1957), Heinz Conrads, Karl Hruschka, Elly Naschold und Ernst Waldbrunn, mit dem er die berühmt gewordenen Doppelconferencen präsentierte, sowie Cissy Kraner, Ossy Kolmann und Fritz Muliar; Co-Autor war (bis 1965) Hugo Wiener, Regie führte oftmals Peter Hey. Nach Farkas' Tod (1971) gelang es Maxi Böhm mit dem Ensemble (in das Hugo Wiener als Autor zurückkehrte), nochmals an die große Tradition des Hauses anzuschließen; mit dem Programm „60 Jahre jung" begeht man erfolgreich das sechzigjährige Bestandsjubiläum des Simpl. Ohne vorherigen Kontakt mit dem Ensemble verkaufte Baruch Picker, Alleinbesitzer des Simpl, 1974 das Etablissement an Dr. Martin Flossmann (das letzte Böhm-Wiener-Programm hieß „Öl ins Feuer", die letzte Vorstellung fand am 25. Mai 1974 statt) woraus sich ein richtiger „Brettlkrieg" entwickelte, der vor Gericht endete. Der neue Theaterleiter Flossmann zog mit seinem „Bunten Wagen" in die Wollzeile ein, gab ihm nunmehr den Namen „Bunter Wagen im Simpl" und eröffnete im Herbst 1974 die Bühne. 1992 übernahm Michael Niavarani die Direktion.


Literatur

  • Eva Maria Haybäck: Der Wiener "Simplicissimus" 1912-1974. Versuch einer Analyse des Kabaretts mit längster Bestandzeit im deutschen Sprachraum. Diss., Univ. Wien. Wien 1977
  • Theodor Ottawa: Nachts, wenn der rote Bulli erwacht. In: Neues Österreich, Artikelserie 16.10.1963-15.02.1964
  • Lutz Eberhardt Seelig: Ronacher. Die Geschichte eines Hauses. Wien: Böhlau 1986
  • Hans Veigl: Lachen im Keller. Von den Budapestern zum Wiener Werkel. Kabarett und Kleinkunst in Wien. Wien: Löcker 1986, S. 42 ff.
  • Rudolf Weys: Cabaret und Kabarett in Wien. Wien [u.a.]: Jugend-u.-Volk-Verlagsges. 1970
  • Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien [u.a.]: Brandstätter 1986, S. 430