Robert Scheu

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Personenname Scheu, Robert
Abweichende Namensform
Titel Dr. jur.
Geschlecht männlich
GND 117222879
Geburtsdatum 11.07.1873
Geburtsort Schönau, Niederösterreich
Sterbedatum 25.01.1964
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 04.02.1964
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 64, Reihe 2, Nr. 18
Ehrengrab
Beruf Jurist, Journalist, Schriftsteller
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  31.08.2017 durch WIEN1\lanm09hug
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Generalsekretär der Völkerbundliga in der CSSR
Pressechef der Österreichischen Friedensgesellschaft
Staatsbevollmächtiger von Sukzessionsstaaten
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Wiener Ehrenmedaille27 Juni 195823 September 1958

Es wurden noch keine Adressen zu dieser Person erfasst!

NameVerwandtschaftsgrad
Gustav ScheuBruder
Josef Franz Georg ScheuVater
Helene Scheu-RieszSchwägerin
Andreas ScheuOnkel
Heinrich ScheuOnkel

Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Es wurden noch keine Objekte nach dieser Person benannt!

Robert Scheu, * 11. Juli 1873 Schönau, Niederösterreich, † 25. Jänner 1964, Wien, Jurist, Journalist, Schriftsteller

Biographie

Robert Scheu war der erste von zwei Söhnen des Ehepaars Emilie Karoline und Josef Franz Georg Scheu. Sein Vater, ein bekannter Komponist, und seine beiden Onkel Andreas Scheu und Heinrich Scheu waren frühe Protagonisten der Arbeiterbewegung.

Robert Scheu besuchte die Volksschule in der Grüngasse im 5. Wiener Gemeindebezirk, absolvierte das Akademische Gymnasium und studierte anschließend Jus an der Universität Wien; 1896 schloss er das Studium mit der Promotion ab. Von 1899 bis 1924 im k.k. österreichischen Handels-Museum tätig, entfaltete Scheu neben seinem Brotberuf eine umfassende schriftstellerische Tätigkeit. Er schrieb Theaterstücke – die frühesten, "Tote Götter" und "Waare", entstanden in Zusammenarbeit mit seinem Studienfreund Otto Stoessl –, Erzählungen sowie zahlreiche Aphorismen und Gedichte. Von 1906 bis 1909 lieferte Scheu mehrere Aufsätze für die "Fackel" und war in engem Kontakt mit Karl Kraus. Zum 10-jährigen Bestehen der "Fackel" legte er die erste kleine Monographie über deren Herausgeber vor. Ab 1911 verfasste er für den "Simplicissimus" und das "Prager Tagblatt" über zwei Jahrzehnte hinweg die satirische Politik-Kolumne "Chronik der Weltereignisse", die ihn auch im Ausland bekannt machte. Zu Scheus erweitertem Freundeskreis zählten wichtige Persönlichkeiten der Wiener Moderne, darunter Adolf Loos oder Hermann und Eugenie Schwarzwald. Seit der Übernahme des Teilnachlasses Robert Scheu durch die Wienbibliothek im Rathaus ist auch bekannt, dass Scheu einen regen Austausch mit Friderike Maria Zweig pflegte.

Scheu zeigte früh gesellschaftspolitisches Engagement. 1901 legte er ein demokratiepolitisches Programm unter dem Titel "Kulturpolitik" vor und gründete die dazugehörige Kulturpolitische Gesellschaft; außerdem leitete er mehrere Enqueten, etwa zur Mittelschulreform oder zum Eherecht. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er als Kriegsberichterstatter eingesetzt gewesen war, trat Scheu als Vermittler zur neu entstehenden Tschechoslowakei auf. Scheu engagierte sich danach in der Österreichisch-tschechoslowakischen Gesellschaft sowie in der Österreichischen Friedensgesellschaft. Daneben beschäftigte er sich eingehend mit volkswirtschaftlichen Problemen, wie dem Waren-Clearing, der Valorisierung des Silbers oder der Bedeutung der Erdölförderung in Österreich.

Robert Scheu war zweimal verheiratet – in erster Ehe mit Leopoldine Lazinka, ab 1962 mit Rosa Gizba –, blieb aber kinderlos. Die Stadt Wien zeichnete Scheu, der sich in seiner kulturellen und politischen Bedeutung nie genug gewürdigt sah, 1958 mit der Ehrenmedaille aus; im selben Jahr widmete sie ihm eine Ausstellung.


Werke

  • Robert Scheu und Otto Stoessl: Tote Götter. Ein Drama. Leipzig: R. Friese 1898
  • Robert Scheu und Otto Stoessl: Waare. Wiener Stück in drei Aufzügen. Leipzig: R. Friese 1898
  • Robert Scheu: Kulturpolitik. Wien: Wiener Verlag 1901
  • Robert Scheu: Der Staatsstreich. Burleske Posse mit Gesang in 5 Aufzügen. Wien: Verlag der Wage 1904
  • Robert Scheu: Karl Kraus. Geschrieben zum zehnten Jahrestag des Erscheinens der "Fackel". Wien: Jahoda & Siegel 1909
  • Robert Scheu: Alltag eines Fröhlichen. Humoresken. München: Langen 1913
  • Robert Scheu: Wanderung durch Böhmen am Vorabend der Revolution vom 20. Juli bis 20. Sept. 1918. Ein Quellenwerk der Zeitgeschichte. Leipzig: Ed. Strache 1919
  • Robert Scheu: Der Weg zum Lebenskünstler. Berlin: Ullstein 1927
  • Robert Scheu: Narrenpost. Seltsame Geschichten und Humoresken. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1948
  • Robert Scheu: Sonnentränen. Wien: Europäischer Verlag 1960
  • Robert Scheu: Sonnentränen. II. Band. Wien: Europäischer Verlag 1961
  • Robert Scheu: Tausend Gedanken. Aphorismen. Wien: Europäischer Verlag 1962


Literatur

  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Jean Maitron / Georges Haupt [Hg.]: Dictionnaire biographique du mouvement ouvrier international. Band 1: Autriche. Paris: Éditions Ouvrières 1971
  • Lebendige Stadt. Almanach. Band 10. Wien: Amt für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung der Stadt Wien 1963
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • F. W.: Der Autor des Wortes "Kulturpolitik". Eine Robert-Scheu-Ausstellung in der Stadtbibliothek. In: Arbeiter-Zeitung, 25.06.1958, S. 7
  • Wiener Zeitung, 11.07.1948, S. 4
  • Rathaus-Korrespondenz, 09.07.1953, 29.06.1958, 09.07.1963


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