Roßau (Vorstadt)

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Roßau (1747)
Art des Objekts Vorstadt
Jahr von
Jahr bis
Name seit
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 9
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname rossau.jpg
Bildunterschrift  Roßau (1747)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung, d-172820/1-2
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Roßau (9), ehemalige Vorstadt.

1) Ursprünglich Teil des Oberen Werd, einer Donauinsel, die einerseits vom heutigen Donaukanal (zwischen Lichtenwerderplatz [9] und Morzinplatz [1]), andererseits von einem Donauarm im Zuge Liechtensteinstraße-Salzgries (Donau, sub 1) umschlossen war. Im unteren Teil der Insel (etwa Bereich Rudolfsplatz [1]) erstreckte sich im Mittelalter die Vorstadt vor dem Werdertor (mit der 1266-1529 nachweisbaren Johannes- und Gottsleichnamskapelle).

Nach der Zerstörung durch die Türken (1529) wurde die Vorstadt nicht wieder aufgebaut und ihr Areal teils in die neue Stadtbefestigung (Neutorbastei, Arsenal) einbezogen, teils jedoch unter Bauverbot gestellt (Glacis). – 2) Die Entstehung einer neuen Ansiedlung oberhalb der ehemaligen Vorstadt vollzog sich im Zuge der allmählichen Versandung beziehungsweise Verkürzung des stadtnächsten Donauarms; seine Mündung in den Donaukanal lag 1628 nahe der heutigen Augartenbrücke und 1706 oberhalb der heutigen Friedensbrücke (1836/1837 wurde das verbliebene Rinnsal zugeschüttet).

Der Name Roßau leitet sich von der 1377-1553 nachweisbaren „Rossetrenke" (In der Trenke; so viel wie Pferdetränke) am Donauufer (Roßauer Lände) ab; das Gebiet der nachmaligen Vorstadt wird 1337-1391 „am oberen Gries", dann „im oberen Werd" genannt; 1538 ist erstmals der Name Roßau nachweisbar, der sich in der Folge durchsetzte.

Die im 17. Jahrhundert entstandene Vorstadt war nach heutigen topographischen Begriffen von Berggasse, Liechtensteinstraße, Alserbachstraße und Donaukanal begrenzt; sie lag im Wiener Burgfriedensrayon, die Grundherrschaft übte die Gemeinde Wien aus (nur 1605-1688 das Bürgerspital), die Pfarrechte lagen beim Schottenstift (das 1724 dem Servitenkloster Seelsorgerechte [jedoch ohne Pfarrechte] einräumte). Nach der zweiten Türkenbelagerung (1683) nahm der Zuzug von Schiffern und Handelsleuten zu; die Auen wurden gelichtet und verbaut. Auf den am Donauufer liegenden Holzlagerplätzen brach am 23. September 1838 ein großer Brand aus, der erst nach Tagen gelöscht werden konnte. Im Zuge der Eingemeindung kam die Roßau zum neugebildelten 8. (seit 1862 9.) Bezirk.

Häuser

  • 1766: 101
  • 1778: 112
  • 1783: 124
  • 1790: 130
  • 1796: 138
  • 1840: 176
  • 1851: 190
  • 1857: 205

Einwohner

  • 1783: 5.056
  • 1796: 5.927
  • 1840: 7.189
  • 1857: 9.167

Häusernummerierungen und -schematismen

In der Vorstadt Roßau wurden 1770 zum ersten Mal Konskriptionsnummern vergeben, im Jahr 1795 erfolgte eine Neunummerierung (Zur Übersicht über die Phasen der Nummerierungen der Häuser [Konskriptionsnummern] in der Vorstadt siehe: Häusernummerierung). Die folgenden Verlinkungen zu den Häuserschematismen sind chronologisch geordnet.

Nummerierung 1770

Nummerierung 1795

Grundrichter (1600-1862)

  • Carl Hofbauer: Die Rossau und das Fischerdörfchen am oberen Werd. Historisch-topographische Skizzen zur Schilderung der alten Vorstädte Wien's. Wien: Dirnböck 1859, S. 113 f.

Literatur

  • Hans Mück: Quellen zur Geschichte des Bezirks Alsergrund. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1978 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 3), S. 8 f.
  • Ferdinand Opll: Erstnennung von Siedlungsnamen im Wiener Raum. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1981 (Kommentare zum Historischen Atlas von Wien, 2), S. 45
  • Adalbert Klaar: Die Siedlungsformen Wiens. Wien: Zsolnay 1971, S. 82 f.
  • Robert Messner: Der Alsergrund im Vormärz. Historisch-Topographische Darstellung der nordwestlichen Vorstädte und Vororte Wiens auf Grund der Katastralvermessung. Wien: Verlag Notring 1970 (Topographie von Alt-Wien, 2), S. 60 ff.
  • R. Perger: Das St. Martinsspital vor dem Widmertor zu Wien (1339-1529). In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 44/45. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1989, S. 7 ff., besonders S. 10 f.
  • Carl Hofbauer: Die Rossau und das Fischerdörfchen am oberen Werd. Historisch-topographische Skizzen zur Schilderung der alten Vorstädte Wien's. Wien: Dirnböck 1859, ²1886
  • Leopold Donatin: Der Alsergrund einst und jetzt. Für die Jugend und das Volk geschildert. Wien 1904, S. 98 ff.
  • Martha Mayerwieser: Ein Beitrag zur Heimatkunde des 9. Bezirks. 1927, S. 31 ff.
  • Neue Freie Presse. Wien, 09.11.1902, S. 10
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 4: Profane Topographie nach den 21 Bezirken (2.-21. Bezirk). Wien: Jugend & Volk 1958, S. 272 f.

Bevölkerungsgeschichte

  • Andreas Weigl: Eine Neuberechnung der Bevölkerungsentwicklung Wiens nach Bezirken 1777-1869. In: Wiener Geschichtsblätter 50 (1995), S. 219-238.
  • Ignaz de Luca: Topographie von Wien. Bd. 1, Wien: Thad. Schmidbauer 1794, S. 61.
  • Ignaz de Luca: Statistische Fragmente. Wien: C.P. Rehm 1797, S. 50.
  • Johann Karl: Detaillirte Darstellung der Bevölkerung der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien und der Vorstädte ... nach der letzten Conscription im Jahre 1840.
  • Niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer (Hg.), Statistische Übersicht der wichtigsten Productionszweige in Oesterreich unter der Enns. Wien: L. Sommer 1855.
  • G.A. Schimmer: Die Bevölkerung von Wien. In: Blätter für Landeskunde von Niederösterreich 1 (1865), S. 14, 26.