Otto Tausig

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Personenname Tausig, Otto
Abweichende Namensform Tausig, Otto Heinz
Titel
Geschlecht männlich
GND 130557110
Geburtsdatum 13.02.1922
Geburtsort Wien
Sterbedatum 10.10.2011
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum 08.11.2011
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle 40/181
Ehrengrab
Beruf Schauspieler, Regisseur
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Tausigplatz
Denkmal
Quelle Gedenktage
Letzte Änderung am  2.09.2015 durch WIEN1\lanm09mer
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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Johann-Nestroy-Ehrenmedaille7 Dezember 2007
Nestroy-Theaterpreis12 Oktober 2009
Europäische Friedensrose Waldhausen2005
Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse2007
Johann-Nestroy-Ring der Stadt Wien13 November 199517 April 1996
Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte22 Januar 1997

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Otto Tausig, * 13. Februar 1922 Wien, † 10. Oktober 2011 Wien, Schauspieler, Regisseur.

Biographie

Otto Tausig war das einziges Kind von Franziska und Aladar Tausig. Die Familie war jüdischer Herkunft, nach dem Einmarsch Hitlers kam der damals 16-jährige Otto mit einem Kindertransport nach England; die Eltern konnten nach Shanghai fliehen. Seinen Vater, der dort starb, sah er nie wieder.

Im englischen Exil war er als Land- und Fabrikarbeiter tätig, schloss sich aber schon bald einer Theatergruppe an. Er spielte zu Beginn Frauenrollen, die Daja in Lessings “Nathan der Weise“ oder Lady Barthwick in Galsworthys “Silverbox“. Später trat er im Austrian Centre bzw. der Jugendorganisation Young Austria (unter anderem in Schillers “Die Räuber“) auf und führte selbst Regie.

In seiner Lebensgeschichte “Kasperl, Kummerl, Jud“ beschrieb Tausig die Zeit im Internierungslager und von seinem kommunistischen Engagement, welches ihm damals als einziger Ausweg aus dem Elend und der Armut denkbar schien.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Tausig nach Wien zurück und studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar und ging 1948 ans Neue Theater in der Scala, das sich als linke, revolutionäre Bühne verstand. Hier inszenierte Bertolt Brecht 1953/1954 “Die Mutter“ mit Helene Weigel, Ernst Busch und Otto Tausig. 1955 inszenierte er selbst Tolstois “Krieg und Frieden“ in der Fassung des Avantgarde-Regisseurs Erwin Piscator.

Als die Bühne 1956 geschlossen wurde und es in Wien zu einer “Kommunistenhatz“ kam, ging Tausig nach Ost-Berlin, arbeitete dort am Deutschen Theater und an der Volksbühne, wo er den gut bezahlten “Einzelvertrag“ ablehnte und einen Normalvertrag erbat, ohne Privilegien und Begünstigungen.

Nach Berlin wirkte er an den Städtischen Bühnen Münster, war als Drehbuchautor und Regisseur bei der DEFA aktiv, reüssierte am Schauspielhaus Zürich und kehrte schließlich wieder nach Wien, vorerst ans Theater in der Josefstadt, zurück.

1971 folgte ein Engagement ans Burgtheater, wo er vor allem in komischen Rollen besetzt wurde: Tausig war ein einzigartiger "Zerrissener" oder Cyrano de Bergerac, er wirbelte als Goldonis Truffaldino über die Bühne, überzeugte als Shakespeares "Sommernachtstraum"-Zettel und blödelte mit Walter Giller in der TV-Serie "Locker vom Hocker". Tausig gas¬tierte auch in Frankfurt, Köln und München, sein Repertoire war breit, die Rollen höchst unterschiedlich, er spielte in Hofmannsthals "Schwierigem", Beaumarchais "Der tolle Tag", Handkes "Ritt über den Bodensee", Sobols "Ghetto", Sartres "Kean" und Schillers "Wallenstein".

Am Wiener Volkstheater sah man ihn unter anderem als wunderlichen Konservatoriumsdirektor in Gert Jonkes “opus 111“, als spießigen Obrigkeitsbüttel in Nestroys “Freiheit in Krähwinkel“ oder Schnoferl in “Das Mädel aus der Vorstadt“, seiner letzten Rolle auf der Bühne.

1979 war Tausig Mitbegründer des Dario-Fo-Theaters, das in Gemeindehöfen und Werkshallen spielte. Tausig wollte seinem politischen Engagement auch künstlerisch eine Form geben und Theater für jene machen, die nicht den Weg in die “Hochburgen der hehren Kunst“ fanden. Sich am Namenspatron Dario Fo orientierend, beschäftigten sich die Stücke der Theatertruppe stets mit aktuellen politischen und sozialen Problemen.

Neben den kulturpolitischen Initiativen und der eigenen künstlerischen Arbeit engagierte sich Tausig in der Friedensbewegung und für humanitäre Projekte. Mit seinen Gagen finanzierte er Kinderheime oder auch die Renovierungsarbeiten eines Flüchtlingshauses in Niederösterreich. Vor allem engagierte er sich im Entwicklungshilfeklub, sammelte als Nestroys Schnoferl im Volkstheater für diese Organisation und gründete das Laura-Gatner Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bei der Namenspatronin handelt es sich um Tausigs Großmutter, die zusammen mit ihrem Mann 1942 in Treblinka umgebracht wurde.

Unter den wenigen Auszeichnungen, die der Schauspieler annahm, waren der Nestroy-Preis (2009) für sein Lebenswerk und der Bruno-Kreisky-Preis, den er 1997 für sein Engagement für Menschenrechte und humanitäre Hilfe erhielt. 2013 wurde in Wien-Wieden der Tausigplatz nach ihm und seiner Mutter Franziska benannt.

Literatur

  • Otto Tausig: "Kasperl, Kummerl, Jud“. Wien: Mandelbaum 2010
  • Franziska Tausig: Shanghai Passage. Emigration ins Ghetto. Wien: Milena 22007
  • Entwicklungshilfeklub: Otto Tausig. URL: http://www.eh-klub.at/ueber/team/mitglieder/tausig/ [Stand: 28.08.2015]
  • Wienbibliothek im Rathaus/Tagblattarchiv: Tausig, Otto [Sign.: TP-051712]
  • Der Standard, 11.10.2011
  • Die Presse, 11.10.2011

Links