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Nordbahnhof

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„Der Eisenbahnhof der Kaiser Ferdinands Nordbahn in Wien“, vor 1847
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1839
Jahr bis 1965
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  26.06.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname HMW 157978.jpg
Bildunterschrift  „Der Eisenbahnhof der Kaiser Ferdinands Nordbahn in Wien“, vor 1847
Bildquelle HMW 157978, Zeichnung: C. Würbs, Verlag: G. G. Lange
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
2Nordbahnstraße1

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Nordbahnhof (Kaiser-Ferdinands-Nordbahn; 2., Nordbahnstraße 1)

Der erste Bahnhof der Nordbahn, ein Kopfbahnhof, in Försters Bauzeitung als "Hauptstation der Nordbahn" bezeichnet, war ein zweistöckiges Gebäude, dessen Front sich der Forstmeisterallee zuwandte, der späteren Nordbahnstraße, einer von Joseph II. bepflanzten Straße, die den Tabor mit dem Prater verband. Der Hof des Stationsgebäudes wurde mit einer 2,5 Meter hohen Mauer umgeben und lag etwa 4,5 Meter über dem Straßenniveau, verfügte jedoch über keine Halle für die Züge.

1839 wurde zunächst nach Plänen von Anton Jüngling das Aufnahmsgebäude fertiggestellt. Insgesamt entstanden sechs Gebäude (Wartesäle, Wohnungen und Magazin). Bis 1853 wurde der Bahnhof den steigenden Verkehrsanforderungen (Frachtaufkommen) angepasst. Als 1857 die Trasse der Verbindungsbahn zwischen Südbahn, Ostbahn und Nordbahn feststand, die in Hochlage geführt wurde, da die Prater Hauptallee nach Auflage des Kaisers nicht niveaugleich gequert werden durfte, begann man einen neuen Nordbahnhof zu bauen, der nun als Durchgangsbahnhof gestaltet war.

Das neue Aufnahmsgebäude (errichtet 1859-1865) wurde nach Entwürfen des Direktionspräsidenten Josef Stummer von Theodor Hoffmann in romantisch-historisierenden Formen erbaut (wobei sowohl maurische wie toskanische Einflüsse erkennbar waren). Der Nordbahnhof galt nun als prunkvollster Bahnhof Wiens. Mit der Eröffnung der Personenhalle am 15. Oktober 1865 war der Bau vollendet. Die dreischiffige Halle war 137 Meter lang und über 32 Meter breit. Die Marmorstatue des Gründers der Nordbahn, Anselm Salomon Freiherr von Rothschild, stand im Vestibül. 1890 wurde für die Nordbahn ein eigener Floridsdorfer Verschubbahnhof errichtet. Das Areal des Frachtenbahnhofes Nordbahnhof, unter anderem ein zentraler Umschlagplatz für Kohle in Wien, hatte sich im Zeitraum von 1840 bis 1900 praktisch vervierzigfacht.

Mit dem Zerfall der Monarchie, 1918, verlor der Bahnhof die überregionale Bedeutung; es verkehrten aber weiterhin Züge Richtung Böhmen, Mähren und Schlesien. Ab 1924 übernahm der Nordbahnhof teilweise auch die Funktion des Nordwestbahnhofs, da dieser für den Personenverkehr geschlossen wurde.

Nordbahnstraße und Nordbahnhof, 1865-1871
Nordbahnhof, Innenansicht der Vorhalle, 1867
Nordbahnhof, 1913

Während des Zweiten Weltkriegs diente der Nordbahnhof ab 1943 zur Abfertigung der bis dahin vom Aspangbahnhof abgegangenen Deportationstransporte der jüdischen Bürger Wiens (Platz der Opfer der Deportation).

1944/1945 wurde er durch Bomben schwer beschädigt und als einziger der im 19. Jahrhundert gebauten Großbahnhöfe Wiens nach dem Kriegsende nicht mehr in Betrieb genommen. Dies hing damit zusammen, dass die Nordbahnbrücke über die Donau bis 1959 nicht befahrbar war, die Nordwestbahnbrücke hingegen noch 1945 befahrbar gemacht werden konnte. Nachdem die Nordbahnbrücke 1959 wieder befahrbar gemacht wurde, verlagerte man den Nordwestbahnverkehr zur Nordbahn und gab den Personenverkehr vom Nordwestbahnhof aus endgültig auf.

Anfang der 1950er Jahre gab es Überlegungen, den kunsthistorisch wertvollen Nordbahnhof zu restaurieren. Die Verkehrsplanung sah ein modernes Schnellbahnnetz vor. In dieses Netz sollten die Nordbahn und die Verbindungsbahn einbezogen werden. Um das raschere Umsteigen in andere öffentliche Verkehrsmittel zu ermöglichen, wurde südlich des Nordbahnhofs in Hochlage die Station Praterstern errichtet (eine Haltestelle dieses Namens, aber nahe der Hauptallee, hatte es zuvor bis 1945 gegeben) und die Reaktivierung des alten Bahnhofs aufgegeben. 1962 wurde auf der Nordbahnstrecke der Schnellbahnbetrieb aufgenommen.

Das als Ruine verbliebene Aufnahmsgebäude diente nun mehrmals als Filmkulisse. Zum Beispiel wurde hier die ungarische Revolution von 1956 "nachgestellt". Das Aufnahmsgebäude, das entlang der Nordbahnstraße architektonisch weitgehend intakt geblieben war, wurde am 21. Mai 1965 gesprengt. Die vier allegorischen Figuren aus dem Hofwartesalon (Wien, Brünn, Olmütz, Krakau) kamen ins dem abgetragenen Bahnhofsgebäude gegenüber gelegene Gebäude der Bundesbahndirektion Wien, 2., Nordbahnstraße 50.

1979 wurde ein 200 Meter breiter Streifen des historischen Nordbahnhofgeländes entlang der Lassallestraße von den Österreichischen Bundesbahnen zur Bebauung freigegeben. Er ist mittlerweile vollständig und überwiegend mit Bürogebäuden bebaut. Ende der 1980er Jahre begannen Überlegungen, das gesamte Nordbahnhofareal städtebaulich neu zu strukturieren. Das Leitbild Nordbahnhof wurde 1994 im Gemeinderat beschlossen und das Gebiet damit zu einer der größten innerstädtischen Entwicklungszonen Wiens.

Die Bebauung begann im Anschluss an den 1979 umgewidmeten Streifen und im Anschluss an die östlich des Areals nahe dem Handelskai bestehenden Häuserblöcke und schreitet westwärts, Richtung Stadtzentrum, fort. Die Bebauung des 85 Hektar großen Geländes zwischen Engerthstraße und Innstraße mit rund 10.000 Wohnungen und 20.000 Arbeitsplätzen ist in mehreren Etappen bis etwa 2025 vorgesehen.

Der Güterbahnhof Wien Nord war teilweise bis 2010 in Betrieb. Ab 2017 übernimmt der Güterterminal Wien Süd in Inzersdorf die Funktion des zentralen Güterbahnhofs für ganz Wien.

S. auch Bahnhöfe

Literatur

  • Mihály Kubinszky: Bahnhöfe in Österreich. Architektur und Geschichte. 1986, S. 31 ff.
  • Die ersten 50 Jahre der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn 1836-1886, Wien 1887
  • Die Leopoldstadt. Ein Heimatbuch. Wien: Lehrer-Arbeitsgemeinschaft 1937, S. 129, S. 148, S. 321 f.
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. Hg. vom Oesterreichischen Ingenieur und Architekten-Verein. Wien: Gerlach & Wiedling 1905. Band 1, 1905, S. 86 ff.
  • Technischer Führer durch Wien. Hg. vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein. Red. von Martin Paul. Wien: Gerlach & Wiedling 1910, S. 77 f.
  • Emil Winkler: Technischer Führer durch Wien. Wien: Lehmann & Wentzel 1873, S. 35 ff, S. 189 ff.
  • Peter Csendes [Hg.]: Österreich 1790-1848. Kriege gegen Frankreich, Wiener Kongreß, Ära Metternich, Zeit des Biedermeier, Revolution von 1848. Das Tagebuch einer Epoche. Wien: Brandstätter 1987, S. 244
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1888]). Cosenza: Brenner 1967, Band 2, S. 188 ff.
  • Wiener Kommunal-Kalender und städtisches Jahrbuch. Wien: Gerlach & Wiedling, Jg. 5, 1867, S. 161 f.
  • Allgemeine Bauzeitung. Hg. von Ludwig, Heinrich und Emil Förster. Wien: Förster [u.a.] 1870
  • Brigittenauer Heimat. 1921, S. 51 ff., S. 143 ff
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 4: Profane Topographie nach den 21 Bezirken (2.-21. Bezirk). Wien: Jugend & Volk 1958, S. 27
  • Wien aktuell, 24.10.1996, S. 3
  • Wiens Nordbahnhof einst und jetzt (Texte von Peter Wegenstein und Franz Haas, Kleine Bahnreihe, Heft 6), Wien [1988].
  • Manfred Schenekl: Versuch einer Sozialgeschichte des Wiener Nordbahnhofes in den Jahren 1838 – 1945, Univ. Dipl.Arbeit, Wien 1993
  • Wolfgang Kos / Günther Dinhobl (Hg.): Grosser Bahnhof. Wien und die weite Welt (Ausstellungskatalog des Wien Museums, in Kooperation mit dem Technischen Museum Wien), Lit Verlag 2006, S. 89 ff, 268-273
  • Georg Rigele: Das Verschwinden der Grossbahnhöfe des 19. Jahrhunderts. Abriss und Neubau nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Kos / Dinhobl (Hg.): Grosser Bahnhof, S. 144-151.
  • Franz Haas: Der Wiener Nordbahnhof. Wien: Suttonverlag 2006. S. 8ff.
  • Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy: Stadtbildverluste Wien. Ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte. Bd. 1, 3. Auflage. Lit Verlag 2004, S. 85


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