Marie von Ebner-Eschenbach

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Marie Ebner-Eschenbach auf einer Radierung von Ludwig Michalek
Personenname Ebner-Eschenbach, Marie von
Abweichende Namensform Dubský, Marie von
Titel Freiin, Gräfin, Dr. phil. h. c.
Geschlecht weiblich
GND 118528661
Geburtsdatum 13.09.1830
Geburtsort Zdislawitz bei Kremsier, Mähren
Sterbedatum 12.03.1916
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Friedhof Zdislavice
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Dichterin, Schriftstellerin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
Letzte Änderung am  13.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Marieebnereschenbach.jpg
Bildunterschrift  Marie Ebner-Eschenbach auf einer Radierung von Ludwig Michalek
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv: Fotosammlung, TF-002425
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Ehrenmitgliedschaft der Wiener Uhrmachergenossenschaft1900
Ehrendoktorat der Universität Wien1900
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
WohnadresseLandstraßeLandstraßer Hauptstraße74
WohnadresseInnere StadtRotenturmstraße21
Letzte WohnadresseInnere StadtSpiegelgasse1
SterbeadresseInnere StadtGraben8

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach, * 13. September 1830 Schloss Zdislawitz bei Kremsier, Mähren (Zdislavice bei Kroměříž, Tschechische Republik), † 12. März 1916 Wien 1, Graben 8 (Spiegelgasse 1; Friedhof Zdislavice), Dichterin, Schriftstellerin, Gatte (1848) Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach.

Biographie

Marie von Ebner-Eschenbach wurde am 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier als Freiin (später Gräfin) Dubsky geboren. Ebner-Eschenbach verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Zdislawitz und Wien, lebte aber ab 1863 ständig in Wien (zunächst 3, Landstraßer Hauptstraße 74, von 1876 bis 1900 1, Rotenturmstraße 21; später 1, Spiegelgasse 1). Mit achtzehn Jahren heiratete sie ihren Cousin Moritz von Ebner-Eschenbach. Die Ehe blieb kinderlos.

Angeregt durch ihre Bekanntschaft mit Grillparzer, Halm, Hebbel, Laube und anderen begann sie zu schreiben. Ihr schriftstellerisches Talent und ihre frühen literarischen Ambitionen wurden von ihrer Familie von Beginn an gefördert, unter anderem durch freie Literaturauswahl in der Schlossbibliothek und durch Theaterbesuche in Wien. Zunächst verfasste Ebner-Eschenbach Dramen mit Figuren aus der französischen Geschichte, die beim Publikum und der Kritik allerdings kaum Anklang fanden. Nach ernsthaften Erwägungen, mit der Schriftstellerei ganz aufzuhören, wandte sich Ebner-Eschenbach schließlich der Prosadichtung zu. Erst im Alter von fast fünfzig Jahren wurde sie als Erzählerin bekannt – durch die Veröffentlichung des Kurzromans "Bozena" (1876), vor allem aber der Erzählung "Lotti, die Uhrmacherin" (1880), in der sie die Eindrücke aus ihrer 1879 absolvierten Uhrmacherlehre verarbeitete. Ebner-Eschenbach entwickelte sich zur bedeutendsten österreichischen Dichterin des späten Realismus.

Zu ihren Hauptwerken zählen "Bozena" (1876), "Dorf- und Schloßgeschichten" (1883, 1886), "Zwei Komtessen" (1885), "Das Gemeindekind" (zwei Bände, 1887-1888), "Lotti, die Uhrmacherin" (1880), "Unsühnbar" (1890), "Margarethe" (1891), "Glaubenslos" (1891), "Alte Schule" (1897) und "Aus Spätherbsttagen" (1901). In ihren Romanen und Erzählungen schilderte sie das Leben verschiedener Gesellschaftsschichten (vom Adel über das Bürgertum bis zu den Arbeitern) in realistischer Weise mit sozialpsychologischen und gesellschaftskritischen Akzenten und mit einem wachen politischen Bewusstsein. Ihre Memoiren geben Einblicke in Gesellschaft und Kultur der Monarchie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In ihrem Spätwerk "Meine Erinnerungen an Grillparzer" schildert sie eindrucksvoll ihre ängstlichen Gefühle, als sie in Grillparzers Wohnung (1, Spiegelgasse 21) dem von ihr verehrten Dichter aus ihren Werken vorlas.

Am 1. September 1900 wurde Ebner-Eschenbach als erster Frau ein Ehrendoktorat der Universität Wien verliehen. Im selben Jahr wurde sie als erste Frau zum Ehrenmitglied der Wiener Uhrmachergenossenschaft ernannt. Sie ist auch die einzige Frau, die mit einer Gedenktafel im Arkadenhof der Universität geehrt wird. Ihre Uhrensammlung bildete den Grundstock des Uhrenmuseums der Stadt Wien, ihr Nachlass befindet sich in der Wienbibliothek im Rathaus. In Währing wurde der Ebner-Eschenbach-Park nach ihr benannt.

Quellen

Literatur

  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearbeitet von Karl Bosl [u.a.]. Band 1: A-H. München: A. Francke 1973
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • Neue österreichische Biographie. 1815 – 1918. Band 1. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1923
  • Anton Bettelheim: Marie von Ebner-Eschenbach. Wirken und Vermächtnis. Leipzig: Quelle & Meyer 1920
  • Adalbert Schmidt: Dichtung und Dichter Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert. Band 1. Salzburg: Bergland-Buch 1964, S. 169 ff. und Register
  • Hans Pemmer: Der Graben und seine Bewohner. In: Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt Wien 14 (1956), S. 116
  • Hans Pemmer / Nini Lackner: Die Rotenturmstraße. In: Wiener Geschichtsblätter. Band 25. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1970, S. 37 f.
  • Die Frau im Korsett. Wiener Frauenalltag zwischen Klischee und Wirklichkeit 1848 - 1920. Hermesvilla, Lainzer Tiergarten, 14. April 1984 - 10. Februar 1985. Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1984 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 88), S. 213
  • Sylvia Mattl-Wurm [Red.]: Interieurs. Wiener Künstlerwohnungen 1830 - 1930. Wien: Eigenverlag 1990 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 138), S. 118 (Künstlerwohnung 1, Rotenturmstraße 27)
  • Jaromir Kubiček: Tschechoslowakische Quellen und Literatur über Marie von Ebner-Eschenbach. In: Wiener Geschichtsblätter. Band 26. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1971, S. 217 ff.
  • Sophie Pataky [Hg.]: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographieen der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Berlin 1898
  • Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv
  • Marie von Ebner-Eschenbach †. In: Neue Freie Presse, 13.03.1916.

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