Leopold Ungar

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Personenname Ungar, Leopold
Abweichende Namensform
Titel Prälat, Monsignore, Dr. jur., Dr. theol., Lic.theol.
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 08.08.1912
Geburtsort Wiener Neustadt
Sterbedatum 30.04.1992
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Kahlenbergerdorf, Josefsdorfer Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Prälat, Präsident der Caritas, Priester
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit  römisch-katholisch
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Leopold-Ungar-Platz
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  22.04.2015 durch WIEN1\lanm09bur
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien195017 November 1988
Präsident der Caritas Österreich1964Mai 1991
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien4 Oktober 197815 Mai 1979
Prof.-Dr.-Julius-Tandler-Medaille der Stadt Wien in Gold24 Oktober 198629 April 1986
Dr.Karl Renner-Preis
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
SterbeadresseMariahilfStumpergasse13

Es wurde noch keine Familie zu dieser Person erfasst! Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Ungar Leopold, * 8. August 1912 Wiener Neustadt, † 30. April 1992 Wien, Priester

Biographie

Leopold Ungar wurde als Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren; sein Vater war Handelsunternehmer, seine Mutter stammte aus Ungarn. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und wurde 1935 zum Dr. jur. promoviert.

Bereits während seiner Schulzeit stieß Leopold auf die Schriften von Karl Kraus, die ihn nachhaltig prägten. Über die wiederholte Begegnung mit Kraus kam er in Kontakt mit weiteren Schriftstellern, unter ihnen Ferdinand Ebner und Theodor Haecker. Die Lektüre literarischer und philosophischer Texte führte zu einer näheren Auseinandersetzung mit dem Christentum, insbesondere mit Thomas von Aquin und dem französischen Reformtheologen Jacques Maritain sowie den Texten der katholischen Soziallehre. Am 8. April 1935 – auf den Tag genau 24 Jahre nach Karl Kraus – konvertierte er in der Taufe zur katholischen Kirche.

Wenige Monate später trat er in das Wiener Priesterseminar ein. Nach dem "Anschluss" Österreichs emigrierte Ungar im September 1938 nach Paris, wo er am Institut Catholique weiter studierte und 1939 zum Priester geweiht wurde. Nach einer Tätigkeit als Kaplan in einer Pfarre südlich der französischen Hauptstadt und Englisch-Unterricht für französische Soldaten floh er 1940 abermals vor dem Nationalsozialismus, diesmal über Brest nach Großbritannien, wo er unter anderem mit dem ebenfalls emigrierten Sozialtheologen Johannes Messner in Kontakt kam. Ab 1944 kümmerte er sich um die Seelsorge deutscher und österreichischer Kriegsgefangener in England.

1947 kehrte der Priester nach Wien zurück, wo er zunächst in den Pfarren Maria Lourdes (Meidling) und St. Elisabeth (Wieden) wirkte.1948 wurde er zum Sekretär der Caritas der Erzdiözese Wien bestellt, 1950 übernahm er die Leitung dieser karitativen Institution. Er startete zahlreiche neue Projekte wie die SOS-Aktion für akute Notfälle, Obdachlosen- und Randgruppenbetreuung sowie Auslandshilfe, arrangierte in der Nachkriegszeit Auslandsaufenthalte für bedürftige Wiener Kinder und schaffte es immer wieder, erhebliche Mittel für soziale Projekte aufzutreiben. International viel beachtet wurde die große Caritas-Aktion für Flüchtlinge nach dem ungarischen Volksaufstand 1956. Im Dezember 1988 gab er die Leitung an Helmut Schüller ab. Von 1964 bis 1991 war er auch Präsident des Dachverbandes Caritas Österreich. Seit 1953 Monsignore, wurde er 1963 zum Prälat ernannt.

Sein bedingungsloses Eintreten für Not leidende Menschen im In- und Ausland verliehen dem Caritas-Direktor als "unbequemem Mahner" einen weit über die katholische Kirche hinausgehenden Ruf. Auf kulturellem Gebiet suchte er den Dialog zwischen Kirche und Künstlerinnen wie Künstlern. Er pflegte Freund- und Bekanntschaften etwa zu Elias Canetti, Heimito von Doderer, Thomas Bernhard oder Erika Mitterer. Mit Friedrich Heer gründete er ein Kulturzentrum in der Annagasse. In seiner in Form von Interviews gestalteten Publikation "Die Weltanschauung Gottes" äußerte sich Ungar zu so verschiedenen Themen wie Alter, Frieden, Antisemitismus, Sozialdemokratie oder Karl Kraus.  

Am 30. April 1992 erlag Leopold Ungar einem Krebsleiden. Er wurde am Kahlenberger Friedhof im Wienerwald beigesetzt.

Mit dem nach ihm benannten Prälat Leopold Ungar-Preis werden Medienschaffende für herausragende journalistische Leistungen ausgezeichnet, die Toleranz und Verständnis im Umgang mit gesellschaftlichen Randgruppen fördern und sich mit sozialpolitischen Themen wie Armut, Obdachlosigkeit, Migration, Flucht, Alter, Krankheit oder Diskriminierung auseinander setzen.

Literatur

  • Werner Röder [Hg.]: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. München: Saur 1980
  • Leopold Ungar: Die Weltanschauung Gottes. Zsgest. von Franz Richard Reiter. Wien: Ephelant Verlag 1987
  • Franz Richard Reiter [Hg.]: Wer war Leopold Ungar? Wien: Ephelant Verlag 1994
  • Max J. Hiti: Leopold Ungar. Ein Porträt. Graz/Wien/Köln: Styria 1992
  • Salzburger Nachrichten, 2.5.1992
  • Die Furche, 7.5.1992
  • Illustrierte Neue Welt, Februar/März 2002
  • http://www.caritas-wien.at/ [Stand: 25.2.2014]
  • Bruno Kreisky-Menschenrechtspreis (http://www.kreisky.org) [Stand: 25.2.2014]
  • 100. Geburtstag von Leopold Ungar (http://religion.orf.at) [Stand: 25.2.2014]


Links

Wikipedia: Leopold Ungar