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Karlsplatz

Aus Wien Geschichte Wiki
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Elisabethbrücke mit Karlskirche, um 1897
Art des Objekts Verkehrsfläche
Jahr von 1899
Jahr bis
Name seit 1899
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 1, 4,
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke Karlskirche, Handelsakademie (Gebäude), Künstlerhaus, Neues Musikvereinsgebäude, Historisches Museum der Stadt Wien, Technische Universität, Technikerhermen, Evangelische Schule, Kunsthalle, Brahmsdenkmal, Maderspergerdenkmal, Marcusdenkmal, Mooreplastik, Resseldenkmal (4), Tilgnerbrunnen
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  25.03.2017 durch DYN\krabina
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Bildname HMW 229277.jpg
Bildunterschrift  Elisabethbrücke mit Karlskirche, um 1897
Bildquelle HMW 229277, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Karlsplatz (1, 4), benannt 1899. Durch das Aufeinandertreffen der Gesteinsschichten der Arsenalterrasse und der tiefer gelegenen Stadtterrasse, stößt der Wienfluss in diesem Bereich auf härtere Gesteinsschichten und biegt nach Süden ab. Dadurch verringerte sich die Fließgeschwindigkeit und es kam zur Ausbildung von Schotterbänken und kleinen Inseln. Eine Aulandschaft entstand und bildete einerseits Lebensraum für zahlreiche Tiere als auch Jagdgebiet für die wenigen Menschen der Region. Die häufigen Überschwemmungen verhinderten eine dauerhafte Besiedlung, aber der Vorzug der klimatischen Bedingungen wurde geschätzt.



Antike

Zur Römerzeit wurden die Auwälder abgeholzt und zwei Fernstraßen angelegt. Eine hölzerne Brücke ermöglichte das Überqueren des Wienflusses in Richtung der heutigen Wiedner Hauptstraße deren Ursprung aus dieser Zeit stammen dürfte. Die zweite Straße war die Limesstraße, die Richtung Donau führte und an einer Furt oder ebenfalls durch eine Holzbrücke, die Überquerung des Wienflusses ermöglichte. Am Beginn der Limesstraße wurden Grabdenkmäler angelegt. Der Wienfluss wurde zur Holzschwemme aus dem Wienerwald genutzt, welches ebenfalls im Gebiet des heutigen Karlsplatzes aufgefangen und gelagert wurde. Das Gebiet war schon zu dieser Zeit ein wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Nach dem Ende der römischen Herrschaft im 5. Jahrhundert verfiel die Infrastruktur langsam. Die günstige Möglichkeit der Flussüberquerung wurde jedoch auch in den folgenden Jahrhunderten genutzt.

Mittelalter

Im Mittelalter erlangte Wien durch die Verlegung der Residenz der Babenberger einen Aufschwung, der sich auch im Gebiet des Karlsplatzes wiederspiegelte. Das im Mittelalter zur Vorstadt Wieden vor dem Kärntnertor gehörige Terrain wurde vielfältig genutzt. Einerseits befanden sich dort Lucken mit Gärten, Weinschenken und Handwerkerhäusern. Andererseits wurden im 13. Jahrhundert das Heiligengeistspital und das Bürgerspital gegründet. Ersteres befand sich südlich des Wienflusses und wurde durch Herzog Leopold VI. und seinen Arzt Meister Gerhard unterstützt. Nördlich des Wienflusses wurde Mitte des 13. Jahrhundert durch Wiener Bürger das Bürgerspital gestiftet. Beide Spitäler nutzten zur Versorgung der Kranken und Alten eigene Mühlen und Bierbrauereien, die vom Wasser des Wienflusses betrieben wurden. Im Zuge der ersten Türkenbelagerung wurden die Spitäler niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut. Die hölzerne Brücke (später Elisabethbrücke (1, 4)) wurde zwischen 1400 und 1404 durch eine Brücke aus Steinquadern ersetzt, um so dem Verkehrsaufkommen zu entsprechen. Im 15. Jahrhundert werden Weiher des Wienflusses erwähnt.

Frühe Neuzeit

1529 war das Gebiet um den heutigen Karlsplatz ein Schauplatz der Kampfhandlungen während der ersten Türkenbelagerung. Dies führte in weiterer Folge zu einem Ausbau der Befestigungsanlagen nach italienischem Vorbild. Das an die Befestigungsanlagen unmittelbar angrenzende Gebiet wurde zum militärischen Sperrgebiet mit einem Bebauungsverbot (Glacis). 1643 wurde das Gebiet des Paradiesgartens von Graf Starhemberg zunächst als Lehen und später als freies Eigen erworben. Der Grundstein des Freihauses auf der Wieden war gelegt.
1713 und 1781 wurden (nie ausgeführte) Pläne zur Regulierung der Wien ausgearbeitet. Von 1716 bis 1739 wurde die Karlskirche erbaut. Im späten 18. Jahrhundert begann die Wandlung des Glacis vom Sperrgebiet hin zu einem Erholungsgebiet. Alleen und Beleuchtungen wurden errichtet und 1787 kam es zu einer Flussregulierung, nachdem es, im 18. Jahrhundert elf Hochwässer gegeben hatte.

Moderne

1802 wurde die Engstelle Kärntnertor entschärft und ein zweiter Tordurchbruch war der Beginn des ersten Einbahnsystems in Wien. In der Längsachse des späteren Karlsplatzes floss der Wienfluss im offenen Bett, überspannt von einer in der Verlängerung der Kärntner Straße errichteten Brücke (im Mittelalter Steinerne Brücke, ab 1854 Elisabethbrücke (1, 4)). Das Polytechnikum wurde 1816 errichtet. Nach der Schleifung der Befestigungsanlagen wurde die Verbauung des Karlplatzes zu einem architektonischen Experimentierfeld. Hier entstand der erste Monumentalbau der Ringstraßenzeit, die Evangelische Schule. Auf bürgerliche Initiative hin wurden Handelsakademie, Künstlerhaus und Neues Musikvereinsgebäude errichtet, die das neue Bild des Platzes, noch mit einem offen fließenden Fluss, prägen.
Der Platz in seiner heutigen Ausdehnung, eigentlich ein Ensemble, entstand anlässlich der Einwölbung des Wienflusses (1895-1902, verbunden mit dem Abbruch der Elisabethbrücke) und des Baus der Stadtbahn durch Otto Wagner. 1899 wurde (bei gleichzeitiger Einbeziehung eines Teils der Lothringerstraße und der heutigen Parzellennummern 1-7) der Platz Karlsplatz benannt. Max Fabiani war Mitarbeiter bei der Gestaltung und sein Plan erhielt 1898 den ersten Preis. 1898 wurde die Secession nach einigen baulichen Schwierigkeiten (Bodenprobleme durch den Wienfluss) am Westende des Platzes eröffnet.
Das von Wagner ebenfalls konzipierte Historische Museum der Stadt Wien wurde erst 1959 nach vierjähriger Bauzeit nach Plänen von Oswald Haerdtl errichtet. Am 1. November 1969 begannen die Bauarbeiten für die U-Bahn (fünf unterirdische Geschosse für die U 1, U 2 und U 4; Fertigstellung 8. Mai 1976); die Stadtbahnstationsgebäude Wagners (Stadtbahnhaltestelle Karlsplatz) wurden restauriert und wiederaufgestellt. In den 1970er Jahren wurden auch die letzten Baulücken durch den Bau der Bibliothek der Technischen Universität und des Akademiehofs geschlossen.
In Verbindung mit dem Karlsplatz stehen in jüngerer Vergangenheit der Schwarzmarkt im Resselpark nach dem zweiten Weltkrieg und die Drogenszene seit dem Ende der 80er Jahre bis Mitte der 2000er Jahre (die sich auch auf die U-Bahn-Station erstreckt).
Seit den 1960er Jahren wurde der Karlsplatz für experimentelle Kunstprojekte im öffentlichen Raum genutzt. In jüngster Zeit wurden verschiedene Konzerte und Festivals dort veranstaltet.


Gebäude

Denkmäler

Literatur

  • Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien 1986, S. 397
  • Eckhart Vancsa: Der Karlsplatz: Geschichte einer Stadtlandschaft, Wiener Geschichtsbücher. P. Zsolnay, Wien 1983
  • Elke Doppler-Wagner/Christian Rapp/Sandor Békési (Hg.): Am Puls der Stadt: 2000 Jahre Karlsplatz, Sonderausstellung des Wien Museums. Wien Museum : Czernin Verlag, Wien 2008
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien (Wiener Bezirkskulturführer, 1) 1983, S. 87 ff.
  • Felix Czeike: IV. Wieden. Wien (Wiener Bezirkskulturführer, 4)1979, S. 20 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München 1976, S. 89 ff.
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien 1993, S. 100 f.
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg 1990, S. 9 f.
  • Heinrich Goldemund: Beitrag zur Lösung der Karlsplatz-Frage. Wien 1910
  • Hermine Cloeter: Zwischen Gestern und Heute. S: 163 ff.
  • Justus Schmidt/Hans Tietze, Hans: Dehio Wien. Wien (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs) 1954, S. 120
  • Karl Mayreder: Enquete für die Überprüfung der Regulierungsprojekte für den 1. Bezirk und den Karlskirchenplatz. Wien 1897
  • Magistrat-Stadtplanun (Hg.): Der Karlsplatz in Wien. In: Beiträge zur Stadtforschung, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung 8, Wien 1981
  • Neumann: Der Karlsplatz in Wien, in: Monatsblatt des Altertums-Vereines zu Wien 9 (1908-1910), S. 137 ff.
  • Otto Wagner: Der Karlsplatz und das Kaiser-Franz-Josefs-Stadtmuseum. Wien 1903
  • Richard Perger: Straßen, Türme und Basteien. Das Straßennetz der Wiener City in seiner Entwicklung und seinen Namen. Wien (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 22) 1991
  • Tino Erben: Der Wienfluß . Eigenverl. d. Museen d. Stadt Wien, Wien 1980
  • Unbekannt: Karlsplatz – Stadtlandschaft am Wienfluß. In: Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 27, Wien 1970