Ignaz Franz Castelli

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Personenname Castelli, Ignaz Franz
Abweichende Namensform
Titel Dr. jur.
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 06.03.1781
Geburtsort Wien
Sterbedatum 05.02.1862
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Ehrengrab, Gruppe 0
Ehrengrab
Beruf Schriftsteller, Beamter
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Österreichische Nationalbibliothek
Verkehrsfläche Castelligasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  6.06.2016 durch WIEN1\lanm08wuc
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Leiter der Niederösterreichischen Landesbibliothek18331837
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Ehrenbürger der Stadt Wien5 Februar 18357 Mai 1835
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Wohnadresse1Ballgasse4
Geburtsadresse1Bäckerstraße22
Geburtsadresse1Postgasse5
Wohnadresse4Operngasse18-20

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Ignaz Franz Castelli, auch "der letzte Wiener" genannt, * 6. März 1781 Stadt (Hornmacherhaus [ehemaliges Pedellhaus der Universität], heute Neubau 1, Bäckerstraße 22, Postgasse 5), † 5. Februar 1862 Stadt 677 (Heiligenkreuzer Hof; Hütteldorfer Ortsfriedhof, seit 22. Juni 1895 Ehrengrab Zentralfriedhof, Gruppe 0; Porträtkopf auf dem Grabstein von Hans Scherpe), Dichter, Beamter.

Nach Studium (Dr. jur., Universität Jena) wurde er Beamter der niederösterreichischen Stände. 1805 verfolgten ihn die Franzosen wegen seiner „Wehrmannlieder", und Castelli mußte nach Ungarn fliehen. 1809/1810 war Castelli Herausgeber des „Sammlers", 1810/1811 der „Thalia" und des „Wiener Conversationsblatts".

1811-1814 wirkte er als Theaterdichter am Kärntnertortheater; er verfaßte rund 200 Theaterstücke, Lustspiele und Operntexte, bearbeitete viele französische Stücke für das deutsche Theater und stand nicht nur als Dichter, sondern auch als Kritiker in enger Beziehung zur Wiener Bühne; er war einer der fruchtbarsten Autoren seiner Zeit.

Eine Zeitlang wohnte er im so genannte Bärenmühlenhaus (4, Operng. 18-20), 1815 zog er mit seiner Lebensgefährtin Friederike Mayer ins Freihaus auf der Wieden; den Sommer verbrachten sie in Friederikes Landhaus in Hütteldorf, das Castelli nach ihrem Tod (1833) erbte (14, Rettichgasse 2-4).

Castelli war Mitarbeiter vieler Zeitschriften und lange Zeit Berichterstatter über Wiener Bühnenaufführungen für die „Abendzeitung" in Dresden. 1818 begründete er die Geselligkeitsrunde Ludlamshöhle (die im Gasthaus „"Zum Blumenstock", 1, Ballgasse 3, ihren Sitz hatte); 1823 wohnte Castelli 1, Ballgasse 4.

1833-1837 leitete Castelli die Niederösterreichische Landesbibliothek, die unter ihm von der Prälatenstube des niederösterreichischen Landhauses in die Ratsstube mit dem anschlißenden Wappensaal verlegt wurde (wo sie bis 1922 blieb).

Castelli, der als Hauptvertreter des gemütlichen, zuweilen etwas derben Wiener Humors gilt, war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und gründete 1847 den Tierschutzverein. Seine umfangreiche Sammlung von 12.000 Wiener Schauspielerporträts und Theaterzetteln (seit 1600) wurde von der Hofbibliothek angekauft.

1835 erschien eine Gesamtausgabe seiner Gedichte (sechs Bände), 1843 wurden seine „Sämtlichen Werke" in 16 Bänden herausgegeben (21848; Neue Folge in sechs Bänden 1858), gleichzeitig wurde eine Auswahl seiner Schriften veröffentlicht (22 Bände 1844-1859); 1861 publizierte er „Memoiren meines Lebens" (vier Bände, kommentierte Neuausgabe von Josef Bindtner in „Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich", IX/X [1914]), eine treffende Schilderung der kulturellen Verhältnisse Wiens im Vormärz. Diese Schriften bilden auch eine Quelle für die Lokal- und Theatergeschichte Wiens. Mehrere hundert Autographe (Briefe, Manuskripte, Lebensdokumente) befinden sich in der Wienbibliothek im Rathaus.

Ehrenbürger von Wien (5. Februar 1835) in Anerkennung seiner Dienstleistungen während der Besetzung Wiens durch die Franzosen 1805 sowie seines wohltätigen und schriftstellerischen Wirkens. Siehe auch Castelligasse.

Literatur

  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Neue deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin: Duncker & Humblot 1953 - lfd.
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
  • Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856-1891. Register 1923 [Gesamtaufnahme]
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23)
  • Josef Bindtner: Biographie Castellis. In: Ignaz Franz Castelli: Memoiren meines Lebens. Gefundenes und Empfundenes, Erlebtes und Erstrebtes. München: Müller 1913 (Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich, 9), S. V ff.
  • Ignaz Franz Castelli: Untermieter im Parnaß. Eingeleitet und ausgewählt von Franz Stamprech. Graz / Wien [u.a.]: Stiasny 1958
  • Adalbert Schmidt: Dichtung und Dichter Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert. Band 2. Salzburg: Bergland-Buch 1964, S. 375
  • Karl Wache: Jahrmarkt der Wiener Literatur. Wien: Bergland-Verlag 1966, S. 13 ff. (Ignaz Franz Castelli. Der Vater der Ludlamshöhle)
  • Friedrich Bermann: Castelli als Zeitdichter. Diss. Univ. Wien. Wien 1927
  • Walter Martinetz: Iganz Franz Castelli als Dramatiker. Diss. Univ. Wien. Wien 1932
  • Barbara Tumfahrt: Ignaz Franz Castelli als Übersetzer französischer Theaterstücke. Ein Beitrag zum österreichischen Übersetzungswesen im 19. Jahrhundert. Diplomarbeit Univ. Wien. Wien 1996
  • Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechen 1961
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 3. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 538

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