Helene Richter

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Personenname Richter, Helene
Abweichende Namensform
Titel Dr. h.c.
Geschlecht weiblich
GND 116512113
Geburtsdatum 04.08.1861
Geburtsort Wien
Sterbedatum 08.11.1942
Sterbeort Konzentrationslager Theresienstadt
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Anglistin, Theaterwissenschaftlerin, Kritikerin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche Helene-Richter-Gasse
Denkmal
Quelle Gedenktage, Gedenktage-GW
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NameVerwandtschaftsgrad
Maximilian RichterVater
Elise RichterSchwester

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Helene Richter, * 4. August 1861 in Wien, † 8. November 1942 im KZ Theresienstadt, Anglistin und Theaterwissenschaftlerin, Schwester von Elise Richter.

Biographie

Helene Richter wurde in eine großbürgerliche Familie hineingeboren. Ihr Vater Maximilian Richter (1824–1890) war Chef des Sanitätsdienstes der k.k. Südbahn Wien – Triest. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Elise Richter erhielt sie Privatunterricht im elterlichen Haus, sie bildete sich darüber hinaus durch autodidaktische Studien weiter und wurde schließlich Gasthörerin an der Universität Wien. Als junge Frau unternahm sie ausgedehnte Reisen durch Europa und Nordafrika.

Ab den 1890er Jahren setzte sich Helene Richter intensiv mit der englischen Literatur auseinander und veröffentlichte 1897 in der Zeitschrift "Deutsche Worte" eine Arbeit zu Mary Wollstonecrafts Streitschrift "A vindication of the Rights of Women" aus dem Jahr 1792. Die Erstpublikation erschien noch im selben Jahr bei Carl Konegen als Buch, gefolgt von einer 640 Seiten starken Biographie zu Percy Bysshe Shelley (1898). Einen Namen machte sich Richter mit einer zweibändigen, 1911 bei Niemeyer veröffentlichten "Geschichte der englischen Romantik"; darüber hinaus wirkte sie in der Shakespeare-Forschung und wurde insbesondere durch ihre Monographien bedeutender englischer Dichterinnen und Dichter bekannt. Wichtig in diesem Zusammenhang sind ihre Arbeiten zu William Blake (1906) und George Eliot (1907).

Aufmerksamkeit erregte Helene Richter auch auf dem Gebiet der Theaterwissenschaft. Es entstanden zahlreiche Theaterrezensionen für literarische Jahrbücher, die zu einer tiefergehenden Beschäftigung mit der Geschichte des Burgtheaters führten. "Unser Burgtheater" erschien 1918 bei Amalthea, die Festschrift "Josef Lewinsky" 1926 im Deutschen Verlag für Jugend und Volk. Die Speidel'sche Verlagsbuchhandlung in Wien brachte 1931 eine Biographie zu Josef Kainz heraus. Lediglich als Typoskript erhalten ist das 1938 fertiggestellte dreibändige Werk "Die drei großen Tragödinnen des Burgtheaters im 19. Jahrhundert", das Sophie Schröder, Julie Rettich und Charlotte Wolter gewidmet ist.

1931 erhielt Richter die Ehrendoktorate der Universitäten Heidelberg und Erlangen. Im Herbst desselben Jahres wurde sie zum "Bürger ehrenhalber der Stadt Wien" ernannt.

Mit ihrer Schwester Elise, die als Romanistin Karriere machte, führte Helene Richter einen der letzten Wiener Salons. Das gemeinsame Heim war über Jahre hinweg Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst, darunter Hugo Thimig, Max Kalbeck, Ernst Scheiblreiter, Auguste Wilbrandt-Baudius und Marianne Hainisch. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden beide Schwestern Opfer der Rassengesetze. Sie wurden am 9. Oktober 1942 vom Wiener Aspangbahnhof mit über 1300 anderen Verfolgten ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo Helene am 8. November 1942, Elise am 21. Juni des darauffolgenden Jahres verstarb.

Im Jahr 2008 wurde in Wien Floridsdorf die Helene-Richter-Gasse nach ihr benannt. 2007 stiftete Franz Karl Stanzel den Helene-Richter-Preis für hervorragende literaturwissenschaftliche Arbeiten, mit dem die Erinnerung an die Privatgelehrte wach gehalten werden soll.

Werke

  • Mary Wollstonecraft. Die Verfechterin der "Rechte der Frau". Wien: Konegen 1897
  • Percy Bysshe Shelley. Weimar: Felber 1898
  • William Blake. Strassburg: Heitz 1906
  • George Eliot. Fünf Aufsätze. Berlin: A. Duncker 1907
  • Schauspieler-Charakteristiken. Hamburg / Leipzig: Voß 1914
  • Unser Burgtheater. Wien: Amalthea 1918
  • Shakespeare der Mensch. Leipzig 1923
  • Josef Lewinsky. Fünfzig Jahre Wiener Kunst und Kultur. Zum 150-jährigen Jubiläum des Burgtheaters mit Unterstützung der Stadt Wien hrsg. - Wien u.a.: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1926
  • Lord Byron. Persönlichkeit und Werk. Halle (Saale): Niemeyer 1929
  • Auguste Wilbrandt-Baudius: Der Weg einer großen Burgschauspielerin. Aus dem Nachlaß von Helene Richter hrsg. von Rainer Zitta. Wien: Notring der Wissenschaftlichen Verbände Österreichs 1963
  • Sophie Schröder, Julie Rettich, Charlotte Wolter Die drei großen Tragödinnen des Burgtheaters im 19. Jahrhundert. Unveröffentlichtes Manuskript. Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung, B-88184

Literatur

  • Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv, Mappe "Helene Richter", TP-042140
  • Franz Karl Stanzel: "Erinnerungen an die Anglistin Helene Richter anlässlich der Wiederkehr ihres 150. Geburtstages 2011". In: Anglia 129 (2011) 3+4, S. 321-332
  • Christiane Hoffrath: Bücherspuren. Das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im "Dritten Reich". 2., durchges. und erg. Aufl. Köln / Wien: Böhlau 2010 (Schriften der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, 19)
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, Hintergrundinformation frühere Bezeichnung(en). Wien Pichler-Verlag, 9.Auflage 2014, S. 128

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