Harmonietheater

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1864
Jahr bis 1934
Andere Bezeichnung Orpheum
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Anton Dittrich, Otto Wagner
Prominente Bewohner Amalie Pasqualati
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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BezirkStraßeHausnummer
9Wasagasse33

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Harmonietheater (9, Wasagasse 33). Die Schauspielerin des Josefstädter Theaters, Amalia von Vogl, vermählte Freifrau Pasqualati, war die Begründerin eines bis 1862 bestandenen Liebhabertheaters im Schönbornpalais (8; "Pasqualatitheater"), in dem sie selbst als Schauspielerin aufgetreten war. 1860 bemühte sie sich um die Konzession für ein öffentliches Theater, zu dessen Bau sie (nach Intervention Franz Josephs I.) am 30. Oktober 1860 die Genehmigung erhielt. Das "k. k. privilegierte Harmonietheater" in der Alservorstadt wurde 1864/1865 nach Plänen der Baumeister Dräsche und Weiß erbaut, der Theatersaal von Stadtbaumeister Anton Dittrich nach Plänen Otto Wagners eingerichtet. Beim Ausheben der Baugrube war man auf die Fundamente des weitläufigen Hauses "Zum goldenen Engel" gestoßen und entdeckte weitverzweigte Keller beziehungsweise unterirdische Gänge, die größtenteils abgemauert wurden. Die Eröffnungsvorstellung fand am 20. Jänner 1866 statt. Der Prolog kündigte Operette, Lustspiel, Posse, Scherz und Schwank als Aufgaben des jungen Hauses an, ein Programm, zu dem das spätere Orpheum erst nach 25 Jahren unter Direktor Gabor Steiner wieder zurückkehrte. Anzengruber stand im Harmonietheater im Frühjahr 1866 unter dem Namen Gruber erstmals auf der Bühne.

Erster Kapellmeister der Bühne war der Komponist F. C. Konradin, der zweite Carl Millöcker. Das Theater wechselte mehrmals seine Direktoren. Robert Löwe hat schließlich das nicht rentable Theater am 9. Mai 1867 geschlossen. Am 6. Mai 1867 hatte Amalia von Pasqualati einen Vertrag mit Carl Schwender unterzeichnet, demzufolge sie diesem den Theaterfundus für sein im Bau befindliches Varieté-Theater in der Hietzinger Neuen Welt überließ, das am 1. Juni 1867 mit dem unter Vertrag genommenen Harmonietheater-Ensemble eröffnet wurde. Nachdem das Harmonietheater über den Sommer leergestanden hatte, erfolgte am 26. Oktober 1867 durch den Komponisten und neuen Direktor Johann Klerr die Wiedereröffnung. Klerr brachte zahlreiche Novitäten und engagierte auch ausländische Schauspielergesellschaften für Gastspiele.

Zu den Komponisten und Autoren des Harmonietheaters gehörten Ludwig Anzengruber, Alexander Baumann, Ignaz Franz Castelli, Philipp Fahrbach der Ältere, Carl Millöcker, Johann Nestroy, Jacques Offenbach und Franz von Suppé.

Im August 1868 wurde das Harmonietheater in ein Orpheum umgewandelt, dessen Leitung 1872 Eduard Danzer übernahm. Er präsentierte den Wienern hier die neuesten Varietéstars und brachte das Theater unter dem Namen "Danzers Orpheum" zu großer Blüte. Sein Nachfolger war C. W. Pertl, dann dessen Witwe Marie, später Franz Kriebaum und schließlich Gabor Steiner, der nach vollständiger Renovierung und Umgestaltung des Hauses in ein intimes Theater dieses am 29. Oktober 1900 mit der großen Ausstattungsoperette „Venus auf Erden" eröffnete. Später (31. Oktober 1908) wurde hier die „Neue Wiener Bühne" mit der Komödie "Der König von Paris" von Caillavet und de Flers als Sprechbühne eröffnet (ab 1912 Direktor Dr. Emil Geyer, nach dessen Berufung in das Theater in der Josefstadt Eugen Robert). 1925 stand die Bühne unter Siegfried Geyer in Verbindung mit den Kammerspielen. Das Theater schloss 1928 seine Tore, Zuschauerraum und Bühne wurden abgetragen, 1934 in der Gassenfront Wohnungen eingerichtet.


Literatur

  • Hans Pemmer: Das Harmonietheater in der Wasagasse. 14. Sonderausstellung des Heimatmuseums Alsergrund vom 22. Mai bis 26. Juni 1966. In: Beiträge zur Heimatkunde des IX. Bezirks. Hg. vom Heimatmuseum Alsergrund. Wien: Selbstverl. 1966, S. 5 ff.
  • Das Heimatmuseum Alsergrund. Mitteilungsblatt des Museumsvereines Alsergrund. Wien: Museumsverein Alsergrund 1960 - lfd., Band 267,1966, S. 3
  • Hans Mück: Quellen zur Geschichte des Bezirks Alsergrund. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1978 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 3), S. 39
  • Felix Czeike: IX. Alsergrund. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1979 (Wiener Bezirkskulturführer, 9), S. 63

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